Fragen über Fragen – Lotte Friederich

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Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten und auch für mich sichtbar, sagt Sängerin Lotte Friederich, die bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” als Model mitgewirkt hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur
fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten
und auch für mich sichtbar. Deswegen ist es eine gute Möglichkeit, sich besser
kennen zu lernen.

Hat das Mut
erfordert?

Mut erfordert es nicht wirklich, man ist es ja doch schon
gewöhnt.

Bist du auch mal in
andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

Ich denke, es gibt ‚andere Rollen‘ nicht wirklich, alles was
man zeigt, ist irgendeine, wenn auch manchmal versteckte, Seite an sich.

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?

Keine bestimmte Begegnung, eher das Gesamte und das Gemisch
der unterschiedlichen Charaktere, Geschmäcker und Sichtweisen.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Alles war sehr harmonisch und umsetzbar, jeder hat Freiraum
gelassen, dadurch konnte ich das Meiste selbst bestimmen und ich bin nicht an
meine Grenzen gestoßen.

Brauchen wir mehr
Vernetzung in München?

Vernetzung ist Alles, die Kontakte die wir mit dem Projekt
machen konnten sind Gold wert und deswegen mehr davon, ja!

Foto: Anna Heimkreiter

Echt sein

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Musikerin Lotte Friederich.

Sie sitzt am Klavier, das Mikrofon vor sich, ihre Stimme ist
lieblich, die Augen hat sie mal geschlossen, mal offen. Begleitet nur von einer
Backgroundsängerin. Dabei hat Lotte Friederich, geboren 1993, erst spät mit
Gesang angefangen. Mit sechs Jahren lernte sie erst Blockflöte, später auch
Querflöte. Auch wenn sie bereits mit 14 ihre ersten eigenen Songs schrieb, nahm
sie erst drei Jahre später Gesangsunterricht.

Mittlerweile hat sie es gewagt, Musik zu ihrem Lebensinhalt
zu machen. Seit November veröffentlicht sie unter dem Namen Loriia Synthie-Pop
mit Jazzeinfluss. Aktuell studiert sie im dritten Jahr Jazz-Gesang an der
Hochschule für Musik und Theater in München. Neben dem Studium arbeitet sie
zusammen mit ihrem Manager am Konzept und einem Produzent an der Musik. Sie
hofft, dieses Jahr noch eine EP oder Singles veröffentlichen zu können.

Bis dahin spielt sie Supportshows, um Bühnenerfahrung zu
sammeln. Die Inspiration für ihre Songs nimmt sie aus ihrem eigenen Leben oder
Umfeld. „Ich will Gefühle in Musik packen, andere ansprechen und berühren, die
vielleicht dasselbe fühlen, wie ich gerade“, sagt Lotte. „Ich möchte echt sein in einer Welt, in der man nicht weiß, was
echt ist und was nicht.“ Ihr größtes Vorbild ist Alicia Keys, weil sie
natürlich ist, eine soulige Stimme hat und hochwertige Popmusik macht.

Auch von den Shootings für die Ausstellung konnte Lotte
Einiges mitnehmen: „Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur
fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten
und auch für mich sichtbar. Deswegen ist es eine gute Möglichkeit, sich besser
kennenzulernen.“

Text: Lena Schnelle

Foto: Anna Heimkreiter

Vollstes Vertrauen

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Zehn junge Fotografen treffen auf zehn junge Menschen mit Bühnenerfahrung. Das Ergebnis: „10 im Quadrat Reloaded“ – eine Ausstellung im Farbenladen des Feierwerks.

Kein Mensch ist im Raum. Der kleine Konzertsaal im Gasteig ist komplett leer. Reglos liegt sie in der Mitte der Bühne, die langen blonden Haare über dem Gesicht verteilt, das Kabel des Mikrofons schlängelt sich um ihre Hüfte. Der dunkelrote Rock aus Samt leuchtet unter dem Licht der Scheinwerfer. Lotte Friederich posiert gerade für Diego Reindel. Er fotografiert die junge Frau, die an der Hochschule für Musik und Theater Jazz-Gesang studiert, für die zweite Auflage der Ausstellung „10 im Quadrat“.

Nach dem Erfolg des Ausstellungskonzepts im vergangenen Jahr, wird die Rechnung im März nun erneut aufgestellt: Zehn junge Fotografen treffen auf zehn junge Künstler. Wer sind eigentlich die jungen kreativen Köpfe dieser Stadt? Was bewegt diese Menschen, wenn sie nicht auf der Bühne stehen oder hinter der Kamera? Und was passiert, wenn diese Menschen für ein kreatives Projekt aufeinandertreffen? Das Ergebnis dieser Begegnungen zeigt die Junge-Leute-Seite der Süddeutschen Zeitung vom 3. März an im Farbenladen des Feierwerks. Mit einer spannenden Neuerung: Die Fotografen versuchen, zusätzlich ein Selbstporträt im Stil der eigenen Fotostrecke zu schießen, und dieses ebenfalls auszustellen.

Bei Diego Reindel wird dies vermutlich surreal aussehen. Á la Salvador Dalì in etwa. Er fotografiert alle Models an ihrem Lieblingsort, mit ihrem Lieblingsgegenstand, in ihrer Lieblingskleidung. Ob auf der Bühne wie bei Lotte oder in der Badewanne wie bei Singer-Songwriterin Amira Warning – je ausgefallener, desto besser. „Ich will skurrile, aber einzigartige und witzige Bilder von den Künstlern schaffen“, erklärt Diego. Er liebe es, wie unterschiedlich Menschen doch sein könnten.

Dass man es bei diesem Projekt mit unterschiedlichen Charakteren zu tun hat, das hat auch Lara Freiburger schnell gemerkt. „Alle haben ein ganz unterschiedliches Verhalten vor der Kamera. Manchmal muss man die Leute erst auflockern.“ Lara hat die Models einzeln in ein lichtdurchflutetes Fotostudio in Giesing eingeladen. Die Vorgabe: den eigenen Schlafanzug mitbringen – das Shooting findet in einem Bett statt. „Die Herausforderung besteht für mich darin, zehn Menschen zu fotografieren, die ich nicht kenne, und dabei Vertrauen aufzubauen, sodass ein persönliches Porträt entstehen kann“, sagt Lara. Es sei aber eine schöne Erfahrung, mit unprofessionellen Models zu shooten. „Ich will, dass du mehr chillst“, sagt sie mit einem Lächeln und der Kamera vor dem Gesicht zu Natanael Megersa, während dieser im Schlafanzug vor ihr sitzt. Er hat seine Schlafmaske mitgenommen. „Ich geh ja manchmal auch erst um 6 Uhr morgens schlafen“, sagt der DJ. Während Lara konzentriert Anweisungen gibt und aus verschiedenen Positionen fotografiert, plaudert sie ein bisschen mit Natanael über das Leben als DJ. Viele würden sich wegen Drogen einiges versauen in dem Job, sagt er. „Stop!“, ruft Lara. „Bleib genau so“, sagt sie ruhig. Und drückt ab.

Musik, Schauspiel oder Stand-up-Comedy – aus diesen künstlerischen Bereichen kommen in diesem Jahr die Models. Was die Künstler eint: Sie alle sind zwischen 20 und 27 Jahre alt. Sie stehen regelmäßig vor Publikum. Sie haben keine professionellen Modelerfahrungen. Dementsprechend wichtig ist es, dass eine gute Stimmung herrscht und dass sich ein gegenseitiges Vertrauen einstellt. Von Anfang an wohlgefühlt hat sich Leon Haller, Schauspielstudent der Theaterakademie August Everding, beim Shooting von Alina Cara Oswald. „Sie hat eine tolle Präsenz“, sagt der Schauspieler, der nicht nur auf der Bühne des Residenztheaters im Stück „Die Räuber“ zu sehen ist, sondern ab und zu auch an den Turntables der Roten Sonne oder des Harry Kleins steht.

Alina hat den Models drei Möglichkeiten für das Shooting gegeben: bekleidet, nackt oder bei einem Orgasmus. Am liebsten mag sie die letzte Option. Wie in ihrer Fotoserie „Moments“, bei der sie Menschen während des Höhepunktes fotografierte. Ihr sei aber klar, dass es „nicht einfach ist, so etwas zu machen, wenn man sich noch fremd ist“. Nur wer sich dabei wohlfühlt und sich traut, darf das machen. Die 25-Jährige projiziert für die Fotos unterschiedliche Muster auf die Körper der Künstler. Dabei lässt sie sich von der Persönlichkeit der Künstler inspirieren. Sie sollen zum Charakter der Porträtierten passen. „Was innen ist, soll nach außen getragen werden“, sagt sie. Vor dem Shooting sucht Alina gemeinsam mit den Models nach geeigneten Mustern.

Die Persönlichkeit und Gefühlswelten der Künstler stehen auch in den Fotografien von Nadja Ellinger im Vordergrund. Zentrales Thema ihrer Arbeiten für die Ausstellung ist Zerbrechlichkeit. „Wann hast du dich schwach gefühlt?“, ist eine von den Fragen, die Nadja den Models vor dem Fotografieren in einem intensiven Gespräch gestellt hat. „Ich habe teilweise extrem persönliche Dinge über die Models erfahren“, erzählt sie. Auch deshalb handelt es sich bei ihren Fotografien um Symbolbilder. Sie zeigen nur Ausschnitte des Körpers der fotografierten Person. „Es ging mir darum, das Gefühl der Künstler auszudrücken und Verletzlichkeit als etwas zu zeigen, das einen ausmacht. Nicht als etwas Negatives.“ In Sozialen Medien und im echten Leben verstecke man diese Seiten gerne, erklärt sie. Gleich wird Nadja die 21-jährige Schauspielstudentin Anouk Elias im Körperraum der Otto-Falckenberg-Schule fotografieren. „Morgens machen wir hier drin Aikido, Thai Chi und so was“, erklärt Anouk, während sie sich eine schwarze, weite Hose für das Shooting anzieht. Nadjas Konzept findet sie spannend. „Als Schauspielstudentin muss man sich sehr viel mit sich selbst auseinandersetzen.“

Auf eine ähnliche Art der Auseinandersetzung hat Lorraine Hellwig gesetzt und den Models als Menschen der Generation Y Fragen zu ihrer Einstellung zu Themen wie Liebe, Religion oder Politik gestellt. Die Statements der Künstler sind als Schriftzug Teil des Porträts. Alle hätten sehr unterschiedlich auf die Fragen geantwortet, das sei das Spannende an der ganzen Sache. „Ich denke, der Antrieb und die Neugier, neue Leute kennenzulernen, ist die Kraft, die man bei diesem Projekt schöpft“, sagt die 24-Jährige.

So ganz ohne Reibung geht es auch in diesem Jahr nicht. Für Anouk Elias war die Vorstellung, mit Essen zu spielen, nicht mit ihrer Sicht auf Nahrung vereinbar. Das Essen aber ist in den Porträts von Julie March ein essentieller Bestandteil – bunt und ein bisschen verrückt sollen die Fotos sein. Wie die Künstler das Essen dabei inszenieren und was sie damit machen, stellt sie den Models frei. Nachdem Julie Anouk dann erklärt hatte, dass sie das fotografiert, „was der jeweilige Künstler mit dem Essen macht“, und es nicht darum geht, sich mit dem Essen zu behängen, stimmte Anouk am Ende doch noch zu.
 Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung der Ausstellung. Die Rechnung geht auf, zu 100 Prozent.

Text: Ornella Cosenza

Foto: Catherina Hess

Bitte vormerken

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Pop, Poesie und Provokation: Diese jungen Menschen sorgen 2018 dafür, dass München bunt, spannend und lebenswert bleibt.

Jede Woche treffen wir auf junge Münchner, die München zu „unserem“ München machen: zu einer spannenden Stadt, die man erst kennt, wenn man ihre Macher kennen und schätzen lernt. Wer diese Stadt im kommenden Jahr bunter und lebenswerter macht? Wir wissen es nicht. Und wagen trotzdem einen Ausblick: Münchens junge Leute 2018.

Pop-Hoffnung

Es ist ein Statement. Oder einfach aufreizend cool. Lotte Friederich, 24, trägt ein bauchfreies Top, ein weite Hose – und dazu Adiletten. Schlappen sind klasse, passen aber stiltechnisch nicht ganz zu den Songs, die Lotte, die ihr Musikprojekt Loriia nennt, gerade aufnimmt. Es sind reduzierte, ja intime Popsongs, am Klavier oder ausschließlich vom schwebenden Klang eines Synthesizers begleitet. Doch deutlich ist der Jazz-Einfluss hörbar. Seit 2015 absolviert sie ein Studium in Jazzgesang an der Münchner Musikhochschule. Lotte sang schon in Projekten mit DJs und Rapper, seit Kurzem existiert Loriia: Im Frühjahr steht ihre erste Solo-Tour an, später Konzerte mit Band. Und sie will 2018 ihre Aufnahmen veröffentlichen – für Plattenfirmen könnte Loriia interessant sein, taucht sie doch ihre Songs durch eingestreute Blue-Notes in ein besonders harmonisches und atmosphärisches Zwischenlicht. „Ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch, der eigentlich extrem zuversichtlich denkt, aber sehr sensibel auf Erfahrungen, Gefühle und andere Menschen reagiert“, sagt sie.

Text: Michael Bremmer

Foto: Kate Filippova

Endlich Urlaub

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Wenn Studierende reisen, dann oft spontan und möglichst günstig. Das wissen auch Fabian Höhne, 24, und Frederic Lapatschek, 21. „Wir waren morgens früh am Flughafen und wollten günstig verreisen. Wir sind von Schalter zu Schalter gelaufen, aber keine Fluggesellschaft wollte uns ein günstiges Ticket verkaufen, obwohl die Auslastung der Flugzeuge nur bei 40 oder 50 Prozent lag“, erklärt BWL-Absolvent Fabian den Missstand, aus dem heraus er zusammen mit Frederic, der Wirtschaftsinformatik studiert, die Online-Plattform „Flyla“ ins Leben gerufen hat. Durch Verträge mit den Fluggesellschaften will Flyla diese ungenutzten Kapazitäten zu vergünstigten Preisen an Studierende vermitteln.

Text: Maximilian Mumme

Foto: Flyla

Deine Bar, deine Songs

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„Dieser Moment, wenn du in die Gesichter der Gäste schaust, die sich freuen: ‚Für diesen Song habe ich auch gevotet‘, das ist schon cool“, sagt Philipp Kaiser, 28. Er ist der Entwickler der App „Digital Jukebox“, die die Idee der klassischen Jukebox aus den Siebziegerjahren wieder zurück in Kneipen bringen soll. „Barbetreiber spielen ihre Playlists meist in zufälliger Reihenfolge. Ihnen ist egal, welches Lied als nächstes kommt. Den Gästen hingegen nicht“, erklärt Philipp. Mit einem Voting-System sollen die Barbesucher die Playlist der Kneipe ordnen können – Lieblingslieder nach vorne, ungeliebte Songs nach hinten. Anfang Februar soll die App veröffentlicht werden.

Text: Maximilian Mumme

Foto: Julia Späth

Weltretter

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Abitur ist die eine Sache. Abitur in Armenien und dann auch noch die Zukunft eines ganzen Landes nachhaltiger gestalten eine andere. Cedric Solms, 19, absolvierte im Mai 2017 sein internationales Abitur in Armenien. Doch anstatt diese Zeit einfach nur in der Schule abzusitzen, hat sich der Münchner mit seinem Kommilitonen Mikhail Zamskoy dazu entschlossen, die Stiftung „Re-apaga – Die Zukunft neu gestalten“ zu gründen. „Wie in vielen anderen Ländern ist auch in Armenien Elektroschrott, Plastik und Aluminium zu einer großen Belastung für die Umwelt geworden. Diesem Problem wollen wir uns stellen“, sagt Cedric. Ziel von „Re-apaga“ ist es, ein nachhaltiges Müll-Management und Recycling-System zu erschaffen.

Text: Laura-Marie Schurer

Foto: Privat

Preiswürdig

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Außergewöhnliche Momente ist Maximilian Bungarten, 23, gewohnt. Als Model war er auf den Laufstegen der Pariser Fashion-Week zu sehen, und feierte Filmpremieren in Kassel und Florenz. Das Jahr 2018 beginnt für ihn spektakulär. Mit seinem Kurzfilm „Squash“ ist der HFF–Student
für den Max-Ophüls-Preis nominiert. „Der Film thematisiert einen Befreiungskampf. Es geht also um Gegensätze, Macht, Unterdrückung und Masochismus. Für 2018 plane ich einen zweiten Teil der Filmreihe“, sagt Maximilian, der diesen Sommer seinen Abschluss an der Filmhochschule macht.

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Florian Peljak

Kunst hinterm Tresen

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Fein dekorierte Cocktails mit Sorbet-Krone und Namen wie „Panama Papers“ oder „Turtle Toe“: Simon Köster, 26, und Lukas Motejzik, 29, beweisen, dass die Arbeit an der Bar nicht nur ein Studentenjob ist, sondern auch Kunst. Mehr als dreieinhalb Jahre arbeiten Simon und Lukas nun schon zusammen in der Zephyr Bar im Glockenbach. „Wir ergänzen uns perfekt“, sagt Simon. „Und vor allem sind wir gute Freunde.“ Im Februar 2018 werden sie eine Bar in der Münchner Altstadt eröffnen. Genaueres verraten sie noch nicht

Text: Anna-Elena Knerich

Foto: Privat

Ekel und Ästhetik

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Auf einem großen Keramikteller liegt etwas Weißes, Glibberiges, das aussieht wie Kaviar. Nur dass es keine Fischeier sind, sondern Vaginalsekret, das die Künstlerin Sandra Bejarano, 26, gekocht und mittels Molekularküchentechnik in Form von Kaviar gebracht hat. „Ich spiele immer mit der Perzeption der Betrachter: Zunächst sind sie neugierig, fragen, ob man das essen kann – und wenn sie wissen, woraus das Kunstwerk besteht, ekeln sie sich“, erklärt Sandra. Trotzdem bleibe eine gewisse Attraktion, weil sie Wert auf Ästhetik lege. Seit 2013 studiert sie an der Akademie der bildenden Künste. Früher arbeitete sie viel mit Rotwein, mittlerweile mit menschlichen Körperflüssigkeiten. Im Februar stellt sie ihre Diplomarbeit aus – auch sie besteht aus ihren Körperflüssigkeiten.

Text: Anna-Elena Knerich

Foto: Willi Gwiadowski

Ohne Müll

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Mode war für Lisa Haas, 24, schon immer ein Ausdruck der Persönlichkeit. Sie hat daher früh angefangen, Kleider zu nähen oder Stoffketten zu häkeln. „Mich fasziniert bei der Mode vor allem das Zeitlose und ich möchte Kleidung entwerfen, die man immer wieder tragen kann.“ Die Bedeutung von „Zeit“ hat sie daher als Thema für ihre Abschlussarbeit der Mediadesign Hochschule ausgewählt und eine Kollektion entworfen, mit der sie zu den fünf Finalisten beim  Young-Designer-for-Tomorrow-Award gehört hat. 2018 bringt sie eine T-Shirt-Kollektion heraus, die sie nach dem Zero-Waste-Prinzip entworfen hat – es entstehen keine Stoffreste

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Bettina Ebert

Klassik für junge Menschen

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Bei einem Festival denken Menschen unter 30 eher selten an klassische Musik. Und doch veranstaltet Tom Wilmersdörffer, 27, mit einem Team von derzeit 15 Leuten im September 2018 das Hidalgo-Festival, das klassische Musik mit Kunst und Performance verbindet. „Wir wollen die klassische Musik aus dem Museum herausholen und für eine junge Szene ansprechend gestalten“, sagt Tom über das Projekt.

Text: Marina Sprenger

Foto: Jakob Steiger

Schlafpartys

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Gängige Partys und Club-Nächte nehmen der Musik ihre Relevanz. Die Besucher sind zum Feiern da, sie betäuben ihre Sinne häufig mit Unmengen Alkohol. Eine Gruppe junger Münchner um Lukas Weinlein, 23, will mit ihrem Musik- und Kunstlabel „IO“ den Kulturgenuss in neue Bahnen leiten. „Wir wollen der bestehenden Szene ausweichen“, sagt Lukas. Im Kontrast zu Partys, wie man sie kennt, schmeißt IO Schlafpartys. Die Musik, die das Label veröffentlicht – Hypnotic Techno –, begleitet den Besucher auf dem Weg von der Alltags- in die Traumwelt. Morgens, wenn die Party vorbei ist, werden die Gäste geweckt und zurück in den Alltag geschickt.

Text: Hubert Spangler

Foto: Kim Tracés

Kraft und Technik

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Mit zwölf ging Jasper Friis, heute 17 Jahre alt, ins American-Football-Training zu den Starnberger „Argonauts“. Der Sport schien naheliegend – große und schwere Jungs sind dort in der „Offensive-Line“ gefragt. Es hat einige Seasons gedauert, bis Jasper seinen Körper verstand, danach ging dafür alles sehr schnell: Jugend-Bundesliga, Bayern-Auswahl, Team einer kalifornischen High-School. Björn Werner, einer der wenigen Deutschen, die den Sprung in die amerikanische National Football League geschafft haben, unterstützt Jasper. „Er hat den Colleges Videos von mir gezeigt“, sagt Jasper. Die Videos haben die University of California überzeugt. Von Januar an spielt er bei den California Golden Bears in der ersten College-Liga.

Text: Hubert Spangler 

Foto: Rebecca Soqui

Bühne statt Hörsaal

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Bei den deutschsprachigen Meisterschaften kam er ins finale Stechen, seit Kurzem hält er zudem den Titel des Münchner Stadtmeisters: In der Münchner Poetry Slam-Szene führt derzeit kein Weg an Yannik Sellmann, 22, vorbei. Er kam 2014 für ein Jurastudium nach München, doch schnell waren für ihn die Slambühnen dieser Stadt interessanter als der Hörsaal, nach vier Semestern brach Yannik sein Studium ab. Gemeinsam mit Philipp Potthast organisiert er seit November die monatliche Lesebühne „Poetry unplugged“ in Freising – dieses Projekt wird 2018 fortgesetzt.

Text: Carolina Heberling

Foto: [sla(m]dr), Enrico-Meyer

Mehr Bass

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In der jungen Bass-Szene könnte München eine Schlüsselrolle zur Vernetzung von DJs aus ganz Europa zukommen. Das liegt vor allem an Ghosttown, ein Münchner Kollektiv aus fünf DJs, das die vielfältigen Aspekte der britischen Soundsystem-Clubkultur in München etablieren will. 2018 werden die DJs ihre gleichnamige Veranstaltungsreihe im Sunny Red weiter etablieren und Newcomer sowie bekannte DJs aus Italien, England und Tschechien an die Isar bringen. „Da entsteht gerade eine ganz neue Szene“, sagt Dario Rizzi, 20. An der Musik fasziniert ihn vor allem der bewusste Einsatz von Frequenzen, die für das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmbar sind. „Das spürst du im ganzen Körper“, sagt er.

Text: Louis Seibert

Foto: privat

Subkultur

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Auch eine dicht bebaute Stadt wie München besitzt unbekannte Orte, die zum Staunen verleiten können. Aaron Kokal, 26, wird 2018 mit zwei Mitstreitern ein leer stehendes Fabrikgebäude im Osten Münchens beziehen und dieses zum Kunst- und Kreativgelände umfunktionieren. „Wir wollen etwas auf die Beine stellen, das sich für die Subkultur aus der Großstadt wie ein sicherer Hafen anfühlt“, erzählt Aaron. Diesen sicheren Hafen hat er bereits im Münchner Umland mit dem „Midsommar“-Festival etabliert. 2018 wird das Festival zum ersten Mal legal stattfinden.

Text: Louis Seibert

Foto: Privat

Partys unter Brücken

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Bruno Schneegaß, 25, Fabian Barthel, 27, Michi Semler, 24, und Max Lehmann, 24, eint ihre Vorliebe für elektronische Musik. Sie haben das Kollektiv „Time Tripping“ gegründet und organisieren unkonventionelle Partys in München. „Die Isarbrücken sind eine der wenigen Plätze Münchens, an denen solche lebendigen, unverfälschten Partys möglich sind“, sagt Fabian. 2018 will die Crew nun ein mehrtägiges Festival in Time-Tripping-Manier organisieren.

Text: Amelie Völker

Foto: Marco Gierschewski

Provokant und lustig

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Garam Salami mischt die Münchner Comedyszene auf. Salami ist sein Künstlername, seinen echten Namen will er nicht veröffentlichen. Er spielt einen jungen Flüchtling, der nach Deutschland gekommen ist. In seinen Shows spielt er häufig darauf an, wie Garam die deutsche Kultur und die Flüchtlingsthematik wahrnimmt. Dabei stößt er nicht immer auf die Sympathie des Publikums: „Ich will nicht komplett verträglich sein. Ich provoziere nicht mit Absicht, sondern spreche vor allem bei polarisierenden Themen wie der Flüchtlingsthematik unangenehme Dinge an, mit denen manche Leute nicht klarkommen“, sagt er. Für 2018 plant er, einen einstündigen Garam-Salami-Film zu drehen. Um was es dabei genau geht, bleibt aber noch geheim.

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Privat

Thriller

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Kurzfilme, Musikvideos und Werbeclips drehen, an der Produktion eines Kinofilms mitwirken, für all das diverse Preise und Ehrungen abräumen – was sich bereits nach einem Lebenswerk anhört, haben 2bert/Pitchama Video schon sehr früh geschafft. Hinter diesem Projekt stecken Albert Bozesan, 20, und Robert Sladeczek, 21. Seit 2013 setzen sie gemeinsam Projekte um. Im März wird ihr aktueller Kurzfilm „Jack & Cooper“ beim Münchner Jugendfilmfestival „flimmern und rauschen“ zu sehen sein. Außerdem steht ein neuer Sci-Fi-Thriller an. Das Thema: „aufgetaute Mammuts und ein Supervirus“.

Text: Wolfgang Westermeier

Foto: Katharina Schnekenbühl

Langzeitbelichtung

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Anders als andere Modefotografen kombiniert Quirin Siegert, 20, Mode- und Landschaftsfotografie: Mit dem Kontrast zwischen dem inszenierten Foto in der gegebenen Natur versucht er eine gefühlvolle und sinnliche Stimmung einzufangen, die beim Betrachten „zum Träumen anregt“. Für 2018 plant er, ein Model ein Jahr lang zu begleiten: „Bei Shootings arbeiten Model und Fotograf eng zusammen. Ich möchte festhalten, wie sich beide verändern, wenn sie viel Zeit miteinander verbringen.“

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Kaj Lehner

Rollenspiele

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Maresa Sedlmeir, 22, ist die deutsche Stimme der US-amerikanischen Schauspielerin Bella Thorne, die im März 2018 in der Hauptrolle im neuen Teenie-Kinofilm „Midnight Sun“ zu sehen sein wird. Ihre bisher aufregendste Sprechrolle war für Maresa übrigens die der Tyene Sand in Game of Thrones. „Auch wenn es keine Hauptrolle war, für mich als großer Game of Thrones Fan war es eine Riesenehre, dort mitmachen zu dürfen.“

Text: Amelie Völker

Foto: Florian Peljak

Themenwechsel

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Schon diese Entscheidung ist außergewöhnlich. Aline Mossmann, 24, hat 2017 mit ihrem Medizinstudium aufgehört, um Modedesignerin zu werden: „In der Medizin ging es nur um die Hülle eines Menschen. Mir ist jedoch das Innere des Menschen wichtig. Ich möchte zeigen, dass Mode nicht nur aus Klamotten besteht, die man sich überzieht.“ Dazu entwirft sie eine Kollektion, die das vor allem in der Modewelt kontroverse Thema Magersucht thematisiert. Sie entwirft dabei unter anderem eine Jacke aus Gips oder Kleider aus Plastik, um zu zeigen, wie sich die Betroffenen mit der Krankheit fühlen oder Kleider mit Gestellen und einer Art Membran darüber, um die Knochen darzustellen. Mit dieser Kollektion wird sie sich 2018 an der renommierten Modeschule Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen bewerben.

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Privat

Innere Werte

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Die Kommunikationsdesignerin Mona Sardari, 25, beschäftigt sich mit Fehlern. Ihre Illustrationen sind ein Statement gegen spaßbefreiten Perfektionismus, ein mit variierenden Strichstärken gezeichneter Aufruf zu mehr Mut gegenüber der eigenen Fehlbarkeit. „Alle Menschen ähneln sich in ihren Wünschen und Zielen. Dabei sind es unsere Makel, die uns interessant machen“, sagt die 25-Jährige. Dieses Jahr ist ein spannendes Projekt mit der Münchner Fotografin Nicola Powell geplant. Gemeinsam wollen sie eine Porträtreihe anfertigen und durch die Kombination von analoger Fotografie und Illustration die Persönlichkeiten der ausgewählten Menschen sichtbar machen: „Wir wollen nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere zeigen.“

Text: Wolfgang Westermeier

Foto: Jakub Rzucidlo

Content statt Fame

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München Mitte heißt ein neuer Münchner Blog, der 2018 online gehen wird. Beiträge von Ilke Rosenzweig werden dort zu lesen sein – ein Pseudonym, hinter dem eine Gruppe junge Münchner der visuellen Kunst steckt. Aktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik werden „kontrovers und assoziativ“ behandelt, um beim Betrachter eine persönliche Auseinandersetzung zu provozieren. Der Name des Blogs ist unverkennbar eine Anlehnung an die Berliner Hipster-Szene und verrät zudem, welches Publikum man zu erreichen sucht. Ihre Anonymität wahren die Kreativen bewusst, denn „es geht nicht um Fame, sondern um guten Content“.

Text: Lukas von Stein

Foto: privat

Neue Shows

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Der Münchner Comedian und Moderator Michael Mauder,
24, startet gleich mit zwei neuen Comedy Projekten ins neue Jahr. Seine
Late-Night-Talkshow „Sonntag Abend Brunch“ gibt es ab dem 14. Januar einmal im
Monat an einem Sonntagabend im Stemmerhof in Sendling zu erleben. Michael
führt als Moderator durch den Abend, flankiert von „Band“ Pajo. „Ich bin Jimmy
Fallon und er ist Steve Higgins und the Roots in einer Person“, erklärt Michael
die Konstellation. Die beiden wollen in jeder neuen Show Künstler und
Außenstehende präsentieren, die zu einem Thema ihre Meinung und Expertise zum
Besten geben. Michaels zweites
Projekt, eine Comedy-Mixed-Show, startet ebenfalls im Januar im „Zehner“ in der
Thalkirchnerstraße. Michael fungiert auch hier als Moderator, er darf zudem die
Comedians aussuchen, die dort auftreten sollen. Neben Comedy-Newcomern aus ganz
Deutschland, sollen hier insbesondere Acts aus München auftreten. „Ich will
hiermit auf jeden Fall versuchen, die Münchner Comedy-Szene zu stärken“, sagt
Michi.

Text: Amelie Völker

Foto: Johannes Vogl