Neuland: SAMT

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Swallow Tailed hat einen neuen Namen, einen neuen Musikstil und ein Bandmitglied weniger. Das Trio startet jetzt nach zweijähriger Pause wieder durch – als SAMT. Sie haben sich nun dem Elektro-Pop verschrieben.

„Wir sind jetzt erwachsener geworden“, sagt Philip-Maximilian Maier. „Unsere Musik kann man nicht mehr dem klassischen Indie zuordnen, sondern sie ist jetzt elektronischer und poppiger.“ Philip spielt Gitarre und singt bei der Band SAMT – früher Swallow Tailed. Swallow Tailed hatte im Dezember 2015 eine Pause eingelegt, nachdem Schlagzeuger Lenny die Band verlassen hatte. „Wir waren zuerst traurig, weil es gut lief und wir viel Spaß hatten, aber er hatte das Gefühl, uns auszubremsen, weil er andere Verpflichtungen hatte.“ Nun sind die anderen drei Bandmitglieder, Philip, Pia Kreissl und Jakob Arnu, zurück – mit neuem Namen und neuer Musik. Für die Fans war es eine zweijährige Pause, doch das Trio hat still und heimlich im Studio Musik geschrieben. „Wir haben uns viel mehr Zeit für die Songs genommen als früher“, sagt Philip. „Es war uns eine Freude und Ehre, an einer Webserie musikalisch mitzuarbeiten.“ Außerdem möchte SAMT jeden Monat einen neuen Song herausbringen. In den nächsten Monaten folgen auch Musikvideos und von Frühling an Konzerte.

Text: Lena Schnelle

Foto:

Johannes Kliemt

Neuland: Blue Haze

Die David Lynch-Liebhaber Rosa Kammermeier und Julian Riegl treten seit Neuestem gemeinsam als Blue Haze auf. Kennen dürften sie die meisten schon als Mitglieder der Bands Lilit and the Men in Grey und Kafkas Orient Bazaar. Mit Blue Haze gehen sie nun in Richtung düsterer Elektro-Pop und experimentellem Rock.

Bei David Lynch denkt man vermutlich an erster Stelle an „Mullholland Drive“ oder „Lost Highway“. Dass der US-amerikanische Kult-Regisseur jedoch auch selbst Musik schreibt und singt und spielt, ist nur besonderen Liebhabern bekannt. Rosa Kammermeier und Julian Riegl, beide Mitte 20, stellten fest, dass sie beide solche Liebhaber sind, und ließen sich von David Lynchs düsterem Elektro-Pop mit experimentellen Rock-Einflüssen inspirieren.

Die Musiker, die normalerweise in den Bands Lilit and the Men in Grey und Kafkas Orient Bazaar zu hören sind, haben sich vor ungefähr einem Jahr zusammengetan, um in Julians Zimmer einige Songs aufzunehmen. Nach nur vier Monaten gibt es mit „Moon“ nun schon die erste EP zu hören. Rosa und Julian nennen sich Blue Haze und arbeiten derzeit an ihrem ersten Live-Set. Am 25. April werden sie als Support von Radiation City im Ampere zu hören sein. Ein Termin für eine Release-Party ihrer EP steht allerdings noch nicht fest. Das geplante Musikvideo „sollte schon etwas Ausgefallenes sein“, sagt Julian – auch hier ganz in David-Lynch-Manier.  

Foto: Sophie Wanninger

Von: Theresa Parstorfer

Band der Woche: Beatnikboy

Um guten Sound zu machen, muss man nicht mehr zu großen Major-Produktionen rennen. Mittlerweile geht das auch wunderbar im hauseigenen Laptop-Tonstudio. Manchmal dauert es dann zwar, wie bei der Band Beatnikboy, etwas länger, bis die EP erscheint, aber die angehenden Münchner Elektro-Pop-Platzhirsche sind dennoch siegessicher.

Ein paar Münchner Musiker wollen es gerade wissen. Sie wollen wissen, ob Musik – obwohl sie autonom in Do-it-Yourself-Manier produziert wird – zum Lebensinhalt werden kann, respektive den Lebensunterhalt bezahlen kann. Und ob man als jugendlicher Underground-Musiker mittlerweile im hauseigenen Laptop-Tonstudio derartige Sounds produzieren kann, die vor einigen Jahren noch den großen Major-Produktionen in professionellen Riesenstudios vorbehalten waren. Auch, ob man, ohne dass man von einem Management zusammengecastet wurde, an die Spitze des Mainstream-Pops gelangen kann, auch, wenn es den ja eigentlich (mit Ausnahme von Rihanna und Beyoncé vielleicht) gar nicht mehr richtig gibt. Die Münchner Band Cosby etwa versucht das gerade, oder auch Claire, deren Single zumindest im vergangenen Jahr bei Germany’s Next Topmodel lief und die gerade an ihrem zweiten Album arbeiten. Auch Kytes, die ehemalige Indie-Schülerband, sucht nun den Anschluss an den großen Markt, den etwa die Truderinger Exclusive mit Major-Plattenvertrag schon gefunden haben. Gerade letztere dürften aber mit ihrem eher untergegangen zweiten Album erfahren haben, dass sich die Verheißungen des Mainstreams auf Dauer vielleicht auch nicht erfüllen.

Das Münchner Trio Beatnikboy hingegen befindet sich gerade am Anfang dieses Weges: Nach vier Jahren Bandgeschichte haben sie nun ihre erste EP fertig gestellt. Und für die Veröffentlichung am Mittwoch, 23. März, sprang das Berliner Label Motor Music an. Doch wenn man sich die EP mit dem, nicht wenig wollenden Titel „Empire“ anhört, ist auch klar warum. Beatnikboy versuchen sich damit der Bewegungen an Münchner Underground-Produktionen, die allesamt nach großgedachtem Mainstream klingen, anzuschließen. In den Songs wird so gewalttätig auf die Party-Synthesizer gedrückt, dass man glaubt, die Band wolle sich das Monopol für den Autoscooter-Soundtrack der kommende Jahre sichern. Sänger Moritz Grassinger streut in seinen hymnischen Gesang „E-Ohs“ und „Whoaas“ und bezeichnet sich und seine musikalische Szene im Song „Lions“ selbstbewusst als „Löwen“, denen man jetzt aus dem Weg zu gehen habe – die Münchner Elektro-Pop-Platzhirsche sozusagen, die dem Zeitgeist eine gleichnamige Hymne schreiben und zwischen Heimatseligkeit und Kosmopolitentum München den Glamour großer Disko-Produktionen zurück geben wollen, den die Stadt das letzte Mal in den Achtzigerjahren spüren durfte.

Das Wissen, wie man solche Songs schreibt, haben die drei Musiker. Seit Teenager-Zeiten machen sie Musik – der Stil wechselte von Funk- und Hip-Hop-Combos, von frühen 8-Bit-Synthesizer-Experimenten und bis zuletzt in der Indie-Pop-Band Teilzeitdenker. Seit vier Jahren arbeiten sie nun als Beatnikboy zusammen. Wer dabei an den drogenverhangenen und halluzinogenen Blick der Beatniks der Sechzigerjahre denkt, liegt falsch. Denn Beatnikboy machen Musik, die gerade heraus und ohne psychedelische Verdrehungen funktioniert. Sie sind, wie der Name schon sagt, Söhne dieser frühen Pop-Bewegung. Und die Söhne müssen die Rebellion der älteren Generation nicht mehr austragen. Vielmehr produzieren sie Kunst, die konsensfähiger ist als etwa die so neu politisierte Beyoncé. Doch in einem gewissen Sinne ist das im Mainstream sogar subversiv: Immerhin zeigen sie den großen und mächtig gut bezahlten Produzenten, was die können, können sie zu einem großen Teil in ihren Kellerstudios auch. Das erfindet nun die Musik nicht neu, untergräbt aber die Vermarktungsmechanismen der Entertainment-Industrie. 

Stil: Elektro-Pop
Besetzung: Moritz Graßinger (Gesang, Synthesizer, Gitarre), Julo Bernhard (Gesang, Synthesizer, Gitarre), Martin Schneider (Schlagzeug, E-Drums, Sampler)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.beatnikboy.de

Foto: Beatnikboy

Von: Rita Argauer

Cosby (Elektro-Pop)

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Jahr: 2014, Woche: 30

Die Münchner Band um Sängerin und Songwriterin Marie Kobylka klingt nach großangelegter und teurer Produktion und Strategie. Doch Cosby unterliegt den Indie-Prinzipien. Für ihre erste EP, deren Veröffentlichung im Herbst geplant ist, haben sie ein eigenes Label gegründet.

Es passieren immer mehr absonderliche Dinge auf dem Musikmarkt. Dinge, die in den Neunzigerjahren vor der Musikwirtschaftskrise undenkbar gewesen wären. Damals wurde noch strikt getrennt zwischen Indie- und Major-Produktion. Etwas, das sich nicht nur in Vermarktungsstrategie und Veröffentlichungsform bemerkbar machte, sondern sich schon in der Soundästhetik niederschlug. Und heutzutage gibt es Bands, die klingen wie astreine Major-Pop-Produktionen – die aber trotzdem ganz den Indie-Prinzipien unterliegen und sich selbst produzieren. Wie etwa die Münchner Band Cosby (Foto: privat). Musikalisch und ästhetisch klingt das nach groß angelegter und teurer Produktion und Strategie. Doch die Band um die Sängerin und Songwriterin Marie Kobylka fand sich selbst zusammen und hat nun für die Veröffentlichung ihrer ersten EP ein eigenes Label gegründet.

Doch das, was von der einst so mächtigen Musikindustrie übrig geblieben ist, wartet bei so etwas nicht lange: Kaum hatte das Quartett die ersten Demos ins Internet gestellt, klopften schon die Management-Agenturen an. „Wir hatten gerade unsere Facebookseite und Homepage eingerichtet, da wurden schon ein paar Leute auf uns aufmerksam“, sagt Marie, aktiv hätten sie sich nicht darum bemüht. Dennoch werden sie nun professionell betreut, mit einem Musikstil, der derzeit bestens funktioniert. Das zeigte sich vor kurzem auch bei der Münchner Band Claire, die ebenfalls rhythmisch und musikalisch versierten Elektro-Pop spielt und eine Sängerin mit außergewöhnlicher Stimme hat. Cosby sind noch ein wenig verspielter als Claire. So lassen sie sich etwa im Song „Never“ über eine Minute Zeit, bevor der Refrain hervorbricht, während und im Sound bleibt hörbar, dass hier neben Synthesizern und Drum-Maschinen auch organische Instrumente wie ein echtes Schlagzeug, Gitarren und Bässe gespielt werden. Doch Cosby scheuen sie auch sich auch nicht vor der richtig großen und einfach funktionierenden Pop-Geste wie in der Tanznummer „Boon and Bane“.

Und so trägt die Konstellation einer Band, die sich selbst in Indie-Maßstäben begreift, aber musikalisch im Mainstream-Pop verwurzelt ist, interessante Früchte: Mainstream-Sound, der sich noch etwas von dem individuellen Charme bewahrt hat, den die ganz großen und von Major-Labels finanzierten Produktion mittlerweile völlig verloren haben. Nun steht am Montag, 28. Juli, die Premiere ihres ersten Videoclips an, die Veröffentlichung ihrer EP ist für Herbst geplant. Rita Argauer

Stil: Elektro-Pop
Besetzung: Marie Kobylka (Gesang, Piano),
Chris Werner (Synthesizer, Gitarre),
Robin Karow (Schlagzeug),
Kilian Reischl (Bass)
Aus: München
Seit: 2009.
Internet: www.thisiscosby.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Kafkas Orient Bazaar (Elektro-Pop-Türk-Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 17

Die Münchner Indie-Band Kafkas Orient Bazaar gibt Türk-Rock als ihre Stilrichtung an – und ruft damit Erinnerungen an die Schmatzer des Türk-Pop-Stars Tarkan wach. Das Quartett experimentiert mit Synthies, Gitarren und orientalischen wie westlichen Einflüssen und Sprachen.

Diese Musikrichtung gab es auf dem internationalen Markt nur sehr kurz. Aber die Schmatzer des Türk-Pop-Stars Tarkan hallen dennoch ikonenhaft nach, obwohl der Sänger mit den orientalisch angehauchten Beats und den Kuss-Geräuschen in der Hitsingle „Şımarık“ seine Erfolge gut und gerne vor mehr als zehn Jahren feierte. Wenn nun eine Münchner Indie-Band Türk-Rock als Stilrichtung angibt, scheint das außergewöhnlich zu sein und auch ein bisschen trashig. Doch die Band Kafkas Orient Bazaar (Foto: Bassam Allam) bietet viel mehr als ein auf trendigen und schnellen Erfolg gepoltes Produkt.

Dafür ist der Musikstil, den sie nun auf ihrem neuen Album „Tief Dort Unten“ präsentieren, zu lange gewachsen. Über Jahre hinweg experimentierte die Band mit Synthies, Gitarren, orientalischen wie westlichen Einflüssen und Sprachen. Doch bei dem Münchner Quartett war dennoch immer ein Willen zu Pop-Appeal und Zugänglichkeit hörbar, das Experiment ist mehr Mittel zum Zweck, die verschiedenen Vorlieben unter einen Hut zu bekommen. Auf „Tief Dort Unten“ hat sich das Quartett um die beiden Sänger Julian Riegl und Attila von Thermann nun von sämtlichen Vorgaben befreit: Im Song „Istanbul“ wird auf Türkisch zu treibenden Rock-Gitarren in arabischer Viertelton-Harmonik gesungen, während in „Stillstand“ die Jungs von der Münchner Band Hadern im Sternenhagel ein Feature bekommen und das Ganze eher nach Falco und deutschem Schlager klingt. Und dazwischen zeigt sich die Platte ähnlich durchmischt: Englische Indie-Songs („Maple Tree“) treffen auf die griechische Antike („Morpheus und Eurydike“), Deichkinds Eskapismus beißt sich am Indie-Rave und Schlager-Pop.

Doch in ihrem Anspruch, ihre Musik und ihre Kunst nicht in eine einheitliche Richtung zu bügeln, ist die Band konsequent. Sie sind intellektuell, belesen und gleichzeitig unverbesserliche Trash-Pop-Liebhaber, die sich kopfüber in all diese Leidenschaften stürzen. Und so gibt es zum Album auch noch einen Kurzgeschichten-Band, der den bezeichnenden Titel „Tiefer“ trägt. Am Samstag, 26. April, stellen sie das neue Album zusammen mit Hadern im Sternenhagel im Cord-Club in München vor. Rita Argauer

Stil: Elektro-Pop-Türk-Rock
Besetzung: Attila von Thermann (Bass, Gesang), Julian Riegl (Gitarre, Gesang), Adrian von Lesuire (Synthesizer, Gesang), Christoph Kolb (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2005
Internet: www.kafkasorientbazaar.com, www.facebook.com/kobazaar

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Iggy & the German Kids (Elektro-Pop)

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Jahr: 2013, Woche: 35

Von New York nach München, von Klassik zu Elektro-Pop – der Sänger Iggy hat sich wahrlich gewandelt. Mit seiner Band Iggy & the German Kids möchte er jetzt groß rauskommen.

Fabel, Traum und Wirklichkeit. Bei Iggy & the German Kids überlagert sich das alles ein bisschen. Ignacio Uriarte, wie Sänger Iggy (Foto: Thom Kaine) bürgerlich heißt, erzählt gerne und lange über seine musikalischen Anfänge. Die liegen in New York, allerdings nicht im Punk-Club CBGB, wie Namensvetter Iggy Pop vermuten ließe, sondern in der Metropolitan Opera. Iggy machte als Neunjähriger Klassik. Mittlerweile singt er Elektroballaden in Zeitlupe, produziert werden sie aber nicht in New York, sondern in München.

Die Band Iggy & the German Kids tauchte in Münchens Musiklandschaft recht unerwartet auf. Vergangene Woche spielten sie auf dem Theatron, die Single „So Hard“ ist gerade erschienen und liebäugelt eher mit den großen Radiostationen als mit kleinen Studentensendern. Ihre Youtube-Klicks haben mittlerweile den sechsstelligen Bereich erreicht. Über Umwege haben sich der Münchner Musiker und Produzent Frederic Todenhöfer und Ignacio zuerst in Deutschland kennengelernt, Jahre später in New York wiedergetroffen und schließlich begonnen, gemeinsam Musik zu machen. Dritter im Bunde ist Frederics Musikerkumpel Hubertus Dahlem, zusammen sind sie augenzwinkernd die German Kids. Mit berühmten Mitmusikern wie Deichkinds Porky, der ihnen den Bass einspielte, strebt die Musik in den Mainstream. „So Hard“ ist ein bassorientierter Pop-Song, der zwischen laszivem Unterton und zur Schau gestellter Verletzlichkeit von Sänger Iggy schwankt – etwas, das durchaus auch in der Großraumdisco funktionieren dürfte.

Nachdem die ersten Tracks noch transatlantisch produziert wurden, packte Iggy seine Koffer und zog nach München. Bei all der Ambition und dem Erfolgswillen, der der Band vielleicht ein wenig zu aufdringlich anzumerken ist, ist es eine sympathische Geste, der US-Metropole den Rücken zu kehren. Das erste Album, mit dem Titel „Sold-In“ ist für das kommende Jahr geplant. Rita Argauer

Stil: Elektro-Pop
Besetzung: Ignacio Uriarte: Gesang; Hubertus Dahlem und Frederic Todenhöfer: Produktion
Aus: München / New York
Seit: 2012
Internet: https://www.facebook.com/IggyAndTheGermanKids

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Tecnosaurus Rex (Elektro-Pop)

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Popmelodien, verknüpft mit wuchtigem Synthie-Elektro-Sound. Tecnosaurus Rex haben eben eine erste EP herausgebracht. Auf einer Kassette.

An solchen Tagen wird normalerweise geheiratet. Drei junge Münchner hatten anderes vor am 11. November 2011 – einen Bund wollten sie schon eingehen, doch nicht ehelich, sondern musikalisch. So wurde Tecnosaurus Rex (Foto: Johannes Brugger) geboren – eine Band, die voll im Underground steckt, aber die Aura verbreitet, ganz im Mainstream gelandet zu sein.

Nun machen sie seit einem Jahr gemeinsam Musik. Dass es aber nicht der übliche Gitarren-Poprock werden sollte, war von Anfang an klar. So verknüpfen die drei Jungs die Popmelodien, die man von vielen Britpop-Bands kennt, mit wuchtigem Synthie-Elektro-Sound. Das weckt sowohl die Assoziation zu den Boygroups der 90er Jahre und findet seine musikalischen Verwandten in der Thüringer Elektropop-Combo Captain Capa. Gerade haben sie eine erste EP herausgebracht – noch nerdiger als der ganze Vinyl-Wahn auf einer schlichten Kassette, aber natürlich mit Download-Code. Die Internetaffinität zeigt sich auch hier: Ihr zweites Video haben sie auf Tape.tv, einer Plattform, die gekonnt das einstige Musikfernsehen ersetzt hat, untergebracht. Damit ist ein größeres Publikum zu erreichen, jedoch noch umweht vom subversivem Wind einer Digital Boheme. Auch hier verknüpft das Trio den Wir-machen-alles-selber-Charme mit dem Anspruch, astreinen Mainstream-Pop zu produzieren.

Stil: Elektro-Pop.
Besetzung: Thomas Reichel, Anton Marx und Manuel Schwartze (Synthies, Gesang).
Aus: München.
Seit: 2011.
Internet: www.tecnosaurusrex.desoundcloud.com/tecnosaurusrex.

Von Rita Argauer