Bitte recht freundlich

Die Münchnerinnen Laura Ofenreiter, Ruby Weidemann und Miriam Zenger haben das Magazin „quite something“ gegründet – zu lesen gibt es nur positive Geschichten.

Zwei Esel stehen mit geschlossenen Augen aneinandergeschmiegt zusammen. Der eine hell, der andere dunkel. Dieses Bild ziert das Cover der ersten Ausgabe von quite something, einem neuen Print-Magazin, mit dem die Gründerinnen Laura Ofenreiter, 26, Ruby Weidemann, 25, und Miriam Zenger, 32, für mehr Optimismus kämpfen. Das Heft soll Standhaftigkeit demonstrieren und die positiven Dinge im Leben vorantreiben. 

Die drei jungen Frauen wollen auch ihr Magazin vorwärtsbringen. Sie sitzen am azurblauen Esstisch in Lauras Wohnung vor Muffins, veganer Erdbeertorte, Brezeln und einem Notizbuch mit der Aufschrift „Happy“, denn so beginnen sie immer mit der Arbeit. „Durch meine Diplomarbeit hatte ich die Idee für ein Magazin, das ausschließlich positive Dinge transportieren sollte“, sagt Laura. Danach hat sie immer wieder überlegt, wie und mit wem sich dieses Projekt realisieren lasse – „und bei Ruby und Miriam wusste ich, mit ihnen kann ich das umsetzen“, sagt Laura. Mit ihrem gemeinsamen Herzensprojekt, sagen sie, bringen sie Endorphine auf Papier. Die Artikel in dem in Karton eingefassten Heft haben Überschriften wie „Die Suche nach dem Glück und wie ich es ganz unachtsam gefunden habe“, „Bühnenluft & Gegenwind“ oder auch „Wozu Warum?“

Die Autoren sind überwiegend Freunde und Bekannte des Trios, aber auch Menschen, die sie in anderen Medien als Inspiration empfunden haben. „Wir haben die meisten von ihnen direkt angeschrieben und gefragt, ob sie für uns schreiben wollen. Irgendjemand kannte immer wieder einen anderen mit einer inspirierenden Geschichte“, sagt Laura. So findet sich in der ersten Ausgabe von quite something auch der Text einer Autorin, in dem sie erzählt, wie sie mit gerade einmal 19 Jahren die Diagnose Ataxie bekommt. Eine Krankheit, bei der eine Lähmung droht und die Lebenserwartung auf nur 50 Jahre sinkt. Auf den ersten Blick keine besonders fröhliche oder aufbauende Geschichte. Aber: Die junge Frau erzählt, wie sie die Krankheit erst verdrängt, in ein Tief fällt und sich schließlich erfolgreich zurück ins Leben kämpft. „Uns war wichtig, dass die Leser aus den Geschichten etwas Positives mitnehmen können. Manchmal weiß man gar nicht, wie toll der eigene Nachbar ist und das es helfen kann, sich öfter über schöne Ereignisse auszutauschen“, sagt Ruby.

Finanziert wurde das erste Magazin mittels Crowdfunding, Werbung gibt es nicht. Interviews heißen in quite something „heart to hearts“. „Die Gesprächspartner in unseren heart to hearts sind immer auf der gleichen Ebene, sie reden sehr offen und persönlich miteinander, deshalb nennen wir sie nicht Interviews“, erklärt Ruby.

Immer wieder die guten Seiten zu erkennen, ist etwas, das sie für sich perfektioniert haben, denn als positives Ereignis würde jeder andere ein verpasstes Mumford & Sons-Konzert, wegen dem man extra nach Island geflogen ist, sicher nicht bezeichnen – Laura und Ruby schon. Dass sie in allem etwas Gutes sehen können, wirkt nicht gekünstelt. „Wir haben alles gegeben, um noch pünktlich zu kommen, aber es war einfach nichts zu machen“, sagt Laura. Und alles versucht haben sie wirklich. Als die Durchsage kam, dass ihr Flug von München nach Island ausfällt, hing Laura keine zehn Sekunden später am Telefon und hat den Flug umgebucht. Trotzdem kamen sie nicht mehr rechtzeitig. „Dafür haben wir Nordlichter gesehen und die beste Zimtschnecke der Welt gegessen“, erzählt Laura und tut so, als ob sie sich eine Träne wegwischen müsste. Alle lachen. 

Die Heiterkeit der drei jungen Frauen ist ansteckend. Aber kracht es denn nie untereinander? „Nein. Wenn eine von uns einen schnippischen Kommentar ablässt, dann meist nur, weil sie müde oder hungrig ist“, sagt Ruby. In den letzten Wochen vor dem Druck der ersten Ausgabe waren sie fast durchgängig bei Laura. Haben Texte redigiert, das Design finalisiert und ihr den Kühlschrank ausgeräumt, nicht mal dabei gab es Stress.

Außer den Danksagungen und der Einleitung haben Ruby, Laura und Miriam nichts in ihrem Magazin selbst geschrieben. Sie verstehen sich als Artdirectorinnen, nicht als Autorinnen. „Es könnte aber sein, dass eine von uns doch mal etwas schreibt und der Text dann aufgenommen wird. Vielleicht hat diese Person auch schon ein paar Texte geschrieben, sich aber noch nicht getraut“, witzelt Laura. Alle grinsen. Denn das „vielleicht“ steht für „sicher“ und mit „Person“ ist Ruby gemeint. Auf diese Weise kann sie laut über das reden, was sie sich sonst nur denkt. Denn so lustig jede einzelne von ihnen ist und so sehr sie alle hinter ihrem Projekt stehen, so schüchtern sind sie, wenn es darum geht, sich selbst darzustellen. In den sozialen Netzwerken laden sie keine Bilder von sich beim Sport, vor einem Sonnenuntergang oder in stylishen Outfits hoch. Authentizität ist ihnen wichtig. Die Geschichten in ihrem Magazin sind genau so passiert, nichts ist erfunden.

Aber gibt es denn wirklich nichts Negatives in ihrem Leben? „Klar geht jede von uns auch durch schwere Zeiten, aber wir entscheiden uns immer wieder bewusst, den Fokus auf das Positive zu legen“, erklärt Laura ihren ungebrochenen Optimismus. Ruby hat zwar keinen Kontakt zu ihrem Vater, was sie schade findet. Aber das sei kein Grund für sie, sich selbst zu bemitleiden: „Ich werde oft gefragt, wie es so ist, ohne Vater aufzuwachsen. Ich kenne es nicht anders, dafür habe ich eine starke Mutter. Von daher will ich auch nicht traurig darüber sein.“ Mit ihrem Magazin haben sie für sich eine Lücke in ihrem Leben geschlossen. Es ist eine Art Glückspille in schweren Zeiten. Schlecht drauf? Magazin rausholen, lesen und glücklich sein.

Text: Isabel Prössdorf

Foto: Robert Haas

Couragierter Schnitt

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Modedesignerin Lisa Haas, 25, entwirft ihre T-Shirts nach dem „Zero-Waste“-Prinzip. Sie will keine Ressourcen verschwenden und Stoffreste nicht unnötig wegwerfen.

Das Etikett hängt aus dem orangefarbenen Kragen. Es lugt nicht nur heraus, das Schild fällt bis weit in den Rücken, es ist deutlich sichtbar. „Courage“ steht dort in Großbuchstaben, Mut. „Das Etikett ist im Inneren eines Kleidungsstücks und normalerweise sieht man es nicht“, sagt Modedesignerin Lisa Haas, 25. „Es ist somit etwas Persönliches. Wenn ich etwas trage, in dem ich mich wohlfühle, dann habe ich ein sicheres Auftreten und genau dieses Gefühl möchte ich den Trägern vermitteln, daher auch der Schriftzug ‚Courage‘.“

Mut, der Ausdruck passt auch zur Designerin selbst. Sie entwirft ihre T-Shirts nach dem „Zero-Waste“-Prinzip. Das bedeutet, dass bei einer Produktion möglichst keine Ressourcen verschwendet und unnötig weggeworfen werden dürfen. In der Mode wären es etwa Stoffreste, die übrig bleiben und anschließend entsorgt werden müssen. Die Motivation, Kleidung nach diesem Prinzip zu entwerfen, hat sich während Lisas Modedesignstudiums an der Mediadesign Hochschule München entwickelt, als sie sich näher mit der Stoffverarbeitung und der Herstellung auseinandergesetzt hat. Und diesem Prinzip der Nachhaltigkeit will sie auch jetzt, nach Abschluss des Studiums, treu bleiben – doch damit hat sie es in der Branche schwer. 

Lisa sitzt in den Räumen des Künstlerkollektivs „The Stu“, bei der junge Kreativschaffende aus den Bereichen Mode, Kunst, Musik oder Fotografie Räume für ihre Projekte nutzen können. Hier hat sie an ihrer ersten Kollektion gearbeitet. Das Prinzip „Zero Waste“ hat sich in der Mode noch nicht durchgesetzt: „Ich finde es schade, dass so viel Stoff weggeworfen wird. Man könnte aus der Menge weggeworfener Stoffe so viele neue Kleider nähen. Es wird am laufenden Band produziert und die Konzerne werfen Kleidung weg, anstatt sie weiterhin zu verwerten“, sagt Lisa.

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Bei ihrer Kollektion entsteht aus einem großen, rechteckigen Stück Stoff ein T-Shirt. Der Stoff wird so geformt und geschnitten, dass kein Verschnitt entsteht. Das bedeutet, dass der gesamte Stoff für ein Kleidungsstück verwendet werden kann. Die Produktion nach diesem Prinzip ist neu und erfordert viel Übung. „Anfangs ist es sehr knifflig herauszufinden, auf welche Weise der Stoff geformt werden muss. Da kann es leider durchaus passieren, dass Verschnitte entstehen.“ Das Material, das sie für ihre Kleidungsstücke verwendet, ist „organic cotton“, ein umweltfreundlicher und ökologisch nachhaltiger Baumwollstoff. Diesen bezieht sie von Stoffherstellern, die sich darauf konzentriert haben, nachhaltige und transparente Mode zu produzieren: „Mir ist es wichtig zu wissen, woher die Klamotten stammen und die einzelnen Produktionsschritte zu kennen. Natürlich ist diese Mode teurer. Aber die Nachhaltigkeit macht es wett und die Kleidung hält länger.“  

Doch es müssen nicht nur neue Stoffe sein, mit denen sie arbeitet. Auch die Stoffe von älterer Kleidung können für neue Kleidungsstücke verwertet werden, sagt Lisa. In ihrer Freizeit trägt sie gern lässige Männermode wie die Lederjacke oder die Anzughosen ihres Vaters, die sie dann nur leicht umschneidert. Auffallend sind auch die dicken Kreolen an ihren Ohren, die ihre Mutter in ihrer Jugend getragen hat. Sie wühlt gerne in den alten Kleidungsstücken ihrer Eltern und schaut, was sie davon tragen oder was sie aus den Stoffen machen kann. Ihr ist es wichtig, dass die Kleidung, die sie entwirft, klassisch ist: „Ich möchte Kleidung entwerfen, mit der man sich mit 18 oder 65 Jahren wohlfühlt und die auch bleibt.“ 18 oder 65? Wie soll so eine Kleidung denn aussehen? 

„Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten“, sagt Lisa. „Jeder entscheidet individuell, was für ihn klassische Mode ausmacht und welche Kleidung man in 20 Jahren noch einmal tragen möchte. Ich verbinde klassische Mode mit Zeitlosigkeit.“ Auch ihre Mode ist klassisch – und doch fällt immer ein Farbtupfer auf. Bei den Shirts ihrer Kollektion ist es der orangefarbene Kragen. Sie selbst trägt häufig bunte Häkelketten – eines ihrer Markenzeichen, die sie auch in ihre Shirts integriert.

Lisa sitzt an ihrem Arbeitsplatz. Konzentriert schaut sie auf einen großen Stoff in roter Farbe. Neben ihr liegen ein Maßband und eine Schere. Sie überlegt sich, an welcher Stelle sie die Schere ansetzen soll, um ihn zu schneiden. Auf dem großen Tisch steht eine graue Nähmaschine und dahinter liegen bunte Stoffe und mehrere Häkelketten in kräftigen Farben wie rot, grün oder gelb. Ein gehäkelter Ring ist mit dem anderen verbunden und bildet eine Kette. „Für einen Ring brauche ich ungefähr 20 bis 30 Minuten. Durchschnittlich stelle ich für eine Kette, je nachdem wie lang sie ist, bis zu 50 Ringe her“, sagt die 25-Jährige, die an diesem Tag selbst eine solche Kette in den Farben Blau und Gelb trägt, ihren Lieblingsfarben. Der bunte Farbmix auf dem Tisch bildet einen starken Kontrast zu dem hellen und minimalistisch eingerichteten Raum. Lisa greift jetzt nach der Schere und schneidet den rechteckigen Stoff quer durch. Der erste Schritt ist getan – es wird so gut wie kein Stoffabfall entstehen.

Mit ihrer Abschluss- und T-Shirt-Kollektion hat sie sich bei Labels beworben, die nachhaltige Mode produzieren und bei denen die einzelnen Produktionsschritte transparent sind – bisher noch ohne Erfolg, denn dieser Markt und somit auch die Stellen sind überschaubar. Im High-Fashion-Bereich hat sich das Prinzip der Nachhaltigkeit noch nicht durchgesetzt. „Damit sich was verändert, muss eine Verlangsamung stattfinden“, sagt etwa Modefotograf Arton Sefa, der seit mehreren Jahren große Designer wie Vivienne Westwood oder Stella McCartney auf Modewochen begleitet. „Sobald eine Kollektion draußen ist, wird sofort die nächste produziert. Es bleibt kaum Zeit für ein Umdenken oder dafür, sich zu überlegen, wie man die Materialien am besten verwerten kann. Der Druck ist enorm.“

Es liegt aber auch an den Menschen, findet Lisa Haas. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich die Leute mehr Gedanken darüber machen, was sie genau tragen, und dass ihnen bewusst werden sollte, dass sie nicht 20 T-Shirts für fünf Euro oder zehn Paar billige Hosen brauchen. Sie betont dabei auch, dass sie niemandem ein Schönheitsdiktat auferlegen möchte: „Die Leute sollen das tragen, was sie wollen“, sagt sie. Aber eines ist ihr wichtig: „Jedes Kleidungsstück ist etwas Besonderes und das soll auch so bleiben.“

Text: Serafina Ferizaj

Fotos: Robert Haas, Manuel Nieberle

Ein  bisschen Alien, ein bisschen T-Shirt

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Mit 20 Jahren gründete Luis Angster ein eigenes Modelabel.
Seine schlichten T-Shirts hängen bereits in mehreren Münchner Boutiquen.
Wie er es schaffte, einen rosa Feuerlöscher für 150 Euro zu verkaufen

Feiertage mag Luis Angster gar nicht. Denn an Feiertagen ist es schwieriger zu arbeiten. Und im Nichtstun, darin ist Luis ganz schlecht, sagt er. Es ist Ostern und Luis sitzt im Café Glockenspiel am Marienplatz und erklärt, warum der Osterhase ja ganz nett sei, es ihm aber lieber wäre, wenn er Geschäftspartner auch dieser Tage erreichen könnte. Luis ist 22 Jahre alt, und vor zwei Jahren hat er sich mit einem eigenen Modelabel selbständig gemacht. Bereits jetzt verkauft er seine Artikel in mehreren Boutiquen in der Münchner Innenstadt.
„Toi“ heißt die Firma. Wie das französische Pronomen für „du“ – wird auf der Homepage erklärt. „Toi is a poem to you, translated into Fashion“, heißt es da in schlichter, schwarzer Schrift auf weißem Untergrund.

Weiß ist auch der Pulli, den Luis an diesem Samstagmorgen trägt. Schlicht nennt er den eigenen Kleiderstil und die Art von Mode, die ihm gefällt und die er mit seinem Label unter die Leute bringen will. „Schlicht, aber sexy“, sagt er und fährt sich die kinnlangen dunklen Haare aus dem feinen Gesicht. Luis ist ein großer, schlaksiger junger Mann, der seine Umgebung und sein Gegenüber stets aufmerksam mustert und Sätze oft mit einem Lächeln beendet. An seinem Hals hängt eine Silberkette mit mehreren Anhängern, an seiner rechten Hand prangt ein Silberring, der eine sehr reduzierte Version eines Totenkopfes zeigt. Die Kettenanhänger hat er selbst gemacht, den Ring ein Freund von ihm, der gelernter Silberschmied ist und Luis in seiner Werkstatt beibringt, wie man Schmuck gießt.

Ein ähnlicher Anhänger in Form eines kleinen Aliens war eines der ersten Produkte, mit denen Luis vor zwei Jahren auf den Markt ging. „Lil Bitch“ hat er ihn genannt, 250 Euro kostet er und Luis fertigt auf Bestellung. Für 150 Euro bot Luis drei rosarote Feuerlöscher an. Er und sein damaliger Partner haben die Feuerlöscher bestellt, von Hand abgeschliffen und neu lackiert. Warum? Luis zuckt grinsend mit den Schultern. „Das ist so ein bisschen die Idee hinter Toi“, sagt er, „normale Dinge irgendwie schöner zu machen.“ Da mindestens drei Menschen bereit waren, für einen rosaroten Feuerlöscher so viel Geld zu zahlen, habe er sich auch keine weiteren Gedanken darüber gemacht. „Zwei sind in München geblieben, einen haben wir nach London verkauft“, so viel wisse er. „Hoffentlich sind sie nicht in Gebrauch“, fügt er hinzu und lacht.

Abgesehen von diesen „Gimmicks“, geht es bei Toi hauptsächlich um T-Shirts. Die sind auch wieder weiß und schlicht, aber mit Wörtern oder Symbolen bedruckt. Irgendwie witzig sollen auch die sein. Luis holt ein noch originalverpacktes T-Shirt aus der Jackentasche. „Nude“ steht in blauen Neonbuchstaben auf der Vorderseite. „Ich glaube, den Leuten gefällt diese Verspieltheit“, sagt Luis. Denn natürlich sei man nicht „nude“, also nackt, wenn man dieses T-Shirt trägt. 90 Euro kostete ein Shirt am Anfang, mittlerweile nur noch 50. Dafür bekomme man aber auch gute Qualität, versichert Luis. Denn gedruckt wird „in Sublimationstechnik, einer speziellen Tiefdrucktechnik“, sodass sich das Design nicht rauswaschen lässt. Das habe ihn selbst immer geärgert, wenn sein Lieblings-T-Shirt langsam immer blasser wurde. Bei Toi soll das nicht passieren. Noch dazu sind die Kleidungsstücke nicht nur nachhaltig beim Tragen, sondern auch in der Herstellung. „Uns war wichtig, dass da weder weite Transportwege noch Kinderarbeit mit reinspielen“, sagt Luis. Die ersten 25 T-Shirts konnte er in München produzieren lassen, über den Kontakt des Vaters eines Bekannten.

 Mit einem Freund hatte er die Firma gestartet, doch nach einer Weile war diesem es wichtiger, sich auf sein Studium konzentrieren zu können. Deshalb musste Luis sich vor ungefähr einem Jahr nach einem neuen Geschäftspartner umsehen. „Das war vielleicht die schwierigste Phase“, sagt Luis. Denn in dieser Zeit habe er gemerkt, dass die Arbeit alleine kaum zu bewerkstelligen war. Mit Friedrich Unützer, ebenfalls 22 Jahre alt, hat er einen neuen Partner gefunden, der zwar gerade in London studiert, aber „mit dem es wirklich gut funktioniert“, sagt Luis. Friedrich kümmere sich vor allen Dingen um den Vertrieb, Luis ist eher der Kreative, bastelt die Designs, den Schmuck und die Homepage. Zusammen besuchen die beiden alle paar Wochen die neue Produktionsfirma in Venedig.

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Dass Luis Glück und die richtigen Kontakte hatte, ist ihm bewusst, zumal in einer teuren Stadt wie München, in der es viele junge Designer gibt, für die es nicht selbstverständlich ist, dass die ersten eigenen Produkte gleich weggehen „wie warme Semmeln“ – so sei das laut Luis bei Toi der Fall gewesen. „Ein bisschen dreist“ habe aber auch er sein müssen. Einfach mal machen, das dachte er sich, und spazierte in den Concept-Store Ninetydays an der Hildegardstraße zwischen Delikatessen-Bäcker, Kammerspiele und Rolex-Laden, um zu fragen, ob die Interesse an seinem Label hätten. Hatten sie, und so hingen die weißen T-Shirts recht schnell neben etablierten Marken, die dort von eher gehobenem Klientel gekauft werden. 

Nach wie vor bringt Luis seine Lieferungen persönlich vorbei, wenn die T-Shirts wieder einmal aus sind. Minmin Peng, die Eigentümerin des Ladens und selbst Designerin, ist zwar auch über Ostern nicht da, schreibt aber aus China eine E-Mail und betont, dass sie großes Talent in Luis sieht und ihn gerne unterstützt. München biete wenig Möglichkeiten für junge Designer, findet sie. Eine ihrer Mitarbeiterinnen erzählt, dass die Shirts sehr beliebt sind, beispielsweise bei Frauen mittleren Alters, die sich „lässig, aber schick“ kleiden wollen. Gut kombinieren könne man die Shirts von Toi. Zudem überzeuge nicht nur die Qualität, sondern auch das Design. „Ich persönlich habe so etwas in der Art noch nirgends gesehen“, sagt die Mitarbeiterin.

Das scheinen auch Kunden im Ausland zu finden. Nach England, Italien, Paris schickt Luis seine T-Shirts bereits von Anfang an. Von Träumen spricht Luis nicht. Lieber versucht er, sie gleich umzusetzen. Nur einen eigenen Laden in München, den würde er sich schon wünschen. „Aber das ist echt mega-schwierig“, sagt er. Eine Absage hätten er und Friedrich schon erhalten. Aufgeben werden die beiden nicht. Zu viele Ideen für einen „Gallery-Store“ haben sie bereits. Jungen Münchner Künstlern würde Luis gerne ebenso eine Plattform bieten wie DJs oder Musikern, die dann neben seinen weißen T-Shirts auftreten könnten.

Fotos: Stephan Rumpf

Text: Theresa Parstorfer

München-Models: David Kossi

In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen hinter dem hübschen Gesicht.

„Ich bleibe einfach ich“, sagt David Kossi, 24, wenn er von Modeln spricht. Wichtig sei es, sich selbst treu zu bleiben. Da er nicht hauptberuflich modelt, kann er sich natürlich aussuchen, ob er einen Job annimmt oder nicht. „Alles mache ich nicht“, sagt er. Aktfotografie zum Beispiel.

Für die Münchner Modelabels „A Kind of Guise“, „Suck My Shirt“ sowie „New Bav“ stand er bereits vor der Linse. „Vor der Kamera zu stehen und sich Posen auszudenken, die zum Produkt passen, erfordert Kreativität“, erzählt der 24-Jährige. Das Model-Business kennt er außerdem aus einer anderer Perspektive sehr gut: Er leitet das Casting-Department einer Modelagentur in München und ist dort auch als Fotograf tätig.

Aber nicht nur beim Modeln hat David Kossi viel mit Mode und Kreativität zu tun. Durch seinen Vater, der eine Schneiderei leitet, sei er schon früh mit dem Handwerk in Berührung gekommen, habe selbst Dinge ausprobiert und geschneidert. Mittlerweile macht er unter dem Kürzel „DK“ selbst Mode. „Es ist zeitlose Kleidung für Frauen und Männer. Ich gehe nicht nach dem Hype“, sagt David, der Mode und Design an der Deutschen Pop studiert hat.

Wenn er nicht gerade in der Agentur arbeitet, selbst als Model vor der Kamera steht oder Mode designt, dann kümmert er sich um kreative Menschen. Er ist Gründungsmitglied des Coexist Collective – eines Kollektivs das Künstler aus verschiedensten Bereichen in Form von Veranstaltungen und gemeinsamen Projekten zusammenbringen will, um die Szene in München zu repräsentieren und zu vernetzen.

Foto: Robert Haas
Text: Ornella Cosenza

Gründerzeit

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Studentenwohnheim-Chic trifft Google-Office-Atmosphäre: In Münchens erster Start-up-Wohngemeinschaft „Hyprspace“ vereinen 17 junge Menschen Arbeits- und Privatleben.

Holzzäune, Vorgärten, Vogelgezwitscher. Der Neubau mit dem grauen Schrägdach scheint gut in die Gegend zu passen: schlichte, weiß-beige Fassade, akkurat gemähter Rasen rechts und links des Eingangs. Doch hinter der roten Tür von Hausnummer 58 verbirgt sich eine ganz besondere Wohngemeinschaft: Im sogenannten „Hyprspace“ wohnen Menschen, die gründen wollen. Nach Vorbild von WGs aus dem Silicon Valley vereint das Haus in der Hofangerstraße 17 junge Münchner, die selbst ein Start-up gründen oder bei einem arbeiten. Sie alle sind zwischen Anfang zwanzig und Mitte dreißig, manche haben schon gegründet, andere sind noch in der Planungsphase.

Eingezogen sind die Bewohner des Hauses im Frühjahr diesen Jahres. „Das ist unser Co-Working-Space“, erklärt Psychologie-Studentin Julia Dillard bei einer Führung durch die WG. Die 26-Jährige zeigt auf einen Bereich, in dem zwei abgerockte Sofas stehen. Nur wenige Wochen nach Bezug wirkt alles noch etwas provisorisch. Nebenan, in der Küche, hat jemand einen Biertisch und Bänke aufgestellt, Julias Mitbewohner rollen gerade selbstbelegte Tacos. „Boah, ist der scharf geworden.“ Marc Gänsler, 34, einer der WG-Gründer, muss nach dem ersten Bissen kurz innehalten.

Gemeinsam mit Junggründer Raphael Beese hat er die Immobilie für das Wohnprojekt gesucht. Unterstützung für junge Unternehmer gibt es in München reichlich. So etwa durch die Universitäten oder durch Orte wie das Werk 1 am Ostbahnhof und das Impact Hub nahe der Implerstraße. Hinzu kommen zahlreiche Workshops und Events. Doch ein Wohnprojekt wie der „Hyprspace“ ist in München bisher einmalig, auch wegen des angespannten Mietmarkts. Ein großes Haus zu finden, gestaltete sich für Marc und Raphael dementsprechend schwierig. Von Sommer 2016 an hatten die Freunde nach einem solchen Ort gesucht, zahlreiche Hauseigentümer angeschrieben und ihnen ihre Idee vorgestellt. Viele antworteten nicht einmal.

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Nach langer Suche haben die jungen Unternehmer dann Ende 2016 doch Glück: Knapp 500 Quadratmeter Wohnfläche, 200 Quadratmeter Garten, 17 Zimmer, sechs Bäder. Erstbezug, in München Ramersdorf. „Ramersvalley“, scherzt einer der Bewohner. Vermieterin Marianne Oltersdorf war vom Co-Living-Projekt der Start-up-Unternehmer rasch überzeugt: „Wir haben für das Objekt viele Angebote bekommen, auch von Firmen, aber die jungen Leute waren sympathisch. Uns hat ihre Idee einfach sehr gut gefallen.“ Um die Bewohner des Hyprspace zu unterstützen, hat die Vermieterin deshalb auf eigene Kosten eine besonders große Küche mit zahlreichen Kühlschränken und Tiefkühlfächern installiert. „Ich hoffe einfach, dass die Gründer Glück haben und in unserem Haus schöne Projekte entstehen“, sagt Oltersdorf.

Doch so wohlwollend wie Vermieterin Oltersdorf stehen nicht alle der WG gegenüber. „Aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung“ ist nun die Lokalbaukommission auf das Wohnprojekt aufmerksam geworden und hat den Jungunternehmern einen Besuch abgestattet. „Die Überprüfung ergab im Wesentlichen eine nicht genehmigte Wohnnutzung im Kellerbereich“, sagt ein Sachbearbeiter des Referats für Stadtplanung und Bauordnung. Deshalb habe man nun ein Anhörungsverfahren eingeleitet, das für die Bewohner im schlimmsten Fall zu einer „Nutzungsuntersagung in diesem Bereich führen kann“. Weiterhin prüfe man, ob es sich bei dem Projekt in Ramersdorf um eine echte WG handle und nicht „um eine gewerbliche Zimmervermietung mit stetigem Nutzerwechsel“.

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Für die Bewohner des Hauses ist das keine leichte Situation. Wer zusammenzieht, puzzelt sein Leben mit dem anderer zusammen. Wo soll die Lampe hin? Wer bringt eine Pfanne mit? Brauchen wir ein Bügeleisen? Jede Wohngemeinschaft muss erst ihren Rhythmus finden, gerade in einem Haus, in dem man nicht nur zusammen leben, sondern auch zusammen arbeiten möchte. Besuch von den Behörden ist da nicht der beste Start ins gemeinsame Wohnen. „Da wir ja ein relativ neues Konzept in der Stadt München sind, verstehen natürlich einige Leute nicht, was wir hier machen und was unsere Ziele sind“ sagt Flo Oberhofer, 28, „das ist natürlich absolut nachvollziehbar, aber trotzdem sehr schade.“ Unterkriegen lassen wollen sich die Gründer dennoch nicht. Nach der ersten Eingewöhnungsphase schaffe man sich bereits eigene Rituale. Beim sonntäglichen „Hyprdine“ etwa kochen alle Bewohner gemeinsam, auch die Gemeinschaftsräume nehmen langsam Form an: Im Co-Workspace steht inzwischen eine schicke Couch mit bunten Kissen, dazu Schreibtische, an denen jeder arbeiten kann, eine Palme für das Wohngefühl. Studentenwohnheims-Chic trifft Google-Office-Atmosphäre.

Die Start-ups der Mitbewohner sind unterschiedlich: Julia entwickelt derzeit eine App, die Inhalte von Lehrbüchern für Studenten digitalisieren und bereitstellen soll. Mitbewohner Flo hingegen erarbeitet gerade ein Konzept, mit dem er Unternehmen eine umfangreiche und seriöse Kommunikation mit ihren Kunden ermöglichen möchte. Und Mathematiker Nico Kraus hat einen eigenen Youtube-Channel. Dort erklärt der 27-Jährige seinen rund 7400 Abonnenten, wie man Stimme und Rhetorik einsetzt, um überzeugend aufzutreten.

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Man habe schon darauf geachtet, Leute mit unterschiedlichen Talenten und Interessen ins Haus zu holen, sagt Julia. Wie die meisten ihrer Mitbewohner ist sie Single. Und Akademikerin. Das sei bei der Auswahl der Bewohner allerdings kein Kriterium gewesen. Rund 150 Leute hätten sich beworben, mit den unterschiedlichsten Lebensläufen. Letztlich habe man sich dann nach Sympathie entschieden. Der Gedanke dahinter: Gemeinsam schafft man mehr. „Wir versuchen uns gegenseitig mit unseren Ideen zu inspirieren. Wenn jemand eine Idee hat, kann er sie hier jederzeit vorstellen“, sagt Julia.

Ihr Mitbewohner Daniel Valenzuela, 24, hat bereits Start-up-WG-Erfahrung. Während seines Studiums war er für ein halbes Jahr in Berkley, hat dort in einem ähnlichen Haus gelebt. Später war er eine Zeit lang Bewohner der sogenannten „Rainbow Mansion“, einem im Silicon Valley sehr bekannten WG-Haus, in dem Nasa-Ingenieure und Google-Mitarbeiter Tür an Tür wohnen. Er sitzt entspannt auf einem der Sofas, schwärmt von den Begegnungen während seiner Amerika-Zeit. Was ihn mit all seinen Mitbewohnern verbindet: das Feuer, der unbedingte Wille, etwas zu gründen. Dabei sind nicht alle gleich erfahren. Julia gründet zum ersten Mal, WG-Initiator Raphael, 29, hat bereits im Jahr 2000 diesen Schritt gewagt. „Wir haben damals eine Webseite online gestellt, auf der wir die 300 besten Seiten im Internet gelistet haben. Das war vor der Internet-Bubble.“ Da war Raphael noch Schüler, hatte wenig Ahnung davon, wie man so ein Projekt sinnvoll aufzieht, der Erfolg war eher bescheiden.

Dass nicht jedes Start-up sofort erfolgreich ist, wissen auch die Bewohner des Hyprspace. Viele von ihnen arbeiten deshalb nebenbei noch in einem anderen Beruf, haben finanzielle Rücklagen gebildet. Auch, weil das Wohnen in der Start-up-WG nicht ganz billig ist: 600 Euro warm kosten die Zimmer im Schnitt, dazu kommen Ausgaben für das Internet, die WG-Kasse und die Reinigungsfirma, die die Riesen-WG zweimal wöchentlich sauber macht.

Nicht zu jedem passt ein solches Leben. Die Unsicherheit, ob man erfolgreich wird. Das dauernde Sich-Beweisen müssen. Aber Julias Mitbewohner suchen genau das: „Ich kann mir für mich keinen Büro-Job vorstellen, in dem ich 20 Jahre das Gleiche mache“, sagt Youtuber Nico.

Um innerhalb des Hauses eine Fluktuation von Ideen zu haben, werden einige der Zimmer in Zusammenarbeit mit der Unternehmer-TUM regelmäßig neu vergeben. Design-Student Doug Huyhn aus San Francisco ist zum Beispiel nur für drei Monate in München. Der 23-Jährige ist Teil der sogenannten „Digital Product School“, einem Programm, bei dem die Teilnehmer lernen, digitale Produkte für große Unternehmen zu entwickeln. Es ist sein erster Abend in der Stadt, noch ist er etwas geplättet vom langen Flug. „Da wo ich herkomme, hat so gut wie jeder sein eigenes Start-up oder arbeitet bei einem“, sagt er.

Es gefällt ihm sofort in München: gemeinsam essen, sich bei einem Bier austauschen, über München und San Francisco, über erste Eindrücke und seltsame Eigenheiten des Gastlandes. Wenn die Mitbewohner so miteinander quatschen, erzählen sie von schönen Reisen, der legendären Stockwerksparty im Studentenwohnheim vor ein paar Jahren, dem Abend neulich, an dem Nico die Mädels aus dem Tanzkurs in den Hyprspace eingeladen hat … Und dann geht es plötzlich wieder um „Pitches“ und „Learnings“, Projektphasen und soziale Nachhaltigkeit. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben sind hier fließend. „Eine Trennung der Bereiche gibt es für mich nicht“, sagt Marc, während er weiter seinen zu scharf geratenen Taco isst.

Text: Carolina Heberling

Fotos: Robrt Haas

Neuland

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Designer sind manchmal etwas speziell, wenn es um ihre eigenen Kreationen geht. Die Designerinnen Nora Stocker und Andrea Wittmann des neuen Modellabels noko-o wirken dagegen völlig unkompliziert: Bei ihnen darf man sogar selbst mitwirken und über Designs und Materialien entscheiden.

Eigentlich mögen es Designer nicht, wenn man ihnen ins Handwerk pfuscht. Doch Nora Stocker, 26, und Andrea Wittmann, 27, bitten sogar darum. Ihr neues Modelabel noko-o ermöglicht es Kunden, beim Design mitzuwirken. Auf ihrer Website soll man zwischen Designs und Materialen wählen können. „Von Strick über Nylon bis zu klassischem Sweatshirt-Stoff“, sagt Nora. Doch die Technik kam ihnen dazwischen. Derzeit können nur fertige Pullover gekauft werden. Und nur auf Anfrage kann selbst zusammengestellt werden. „Aber der Programmierer arbeitet daran“, sagt Andrea. Die beiden haben sich in der Meisterschule für Mode und Design kennengelernt und danach zusammengetan. „Es sind ständig Probleme aufgekommen, die sich aber wie von selbst gelöst haben. Das ist fast gruselig“, sagt Nora und lacht. „Mit der Selbständigkeit springen wir erst mal ins kalte Wasser, Praktika können wir danach immer noch machen.“ Mit den Designerinnen von Vanook, einem Taschenlabel aus München, teilen sie sich ein Atelier in den super+studios. Bis zum 13. Februar gibt es die handgefertigten Pullover ihrer ersten Kollektion „Candy“ im Pop-up-Store super+Maxistore , Maximilianstraße 33. 

Von: Stefanie Witterauf

Foto: Anna Pentzlin

Mein München – Sendlinger Straße

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Eis im Regen –  Katharina Pflug, 25, hat ihre analoge Kamera immer dabei, auf Reisen oder bei Spaziergängen. So auch auf diesem Bild. Sie schlendert durch die Münchner Innenstadt. Es wirkt beinahe so, als ob sie hinter einer verregneten Scheibe säße. Dabei isst sie gerade ein Eis, im Regen…

Katharina Pflug, 25, hat zwei große Leidenschaften. Essen und Fotografieren. Sie arbeitet mit verschiedenen Kameras. Geht sie spazieren, hat sie die analoge Kamera dabei, geerbt hat sie die von ihrem Vater, einem Hobbyfotografen.

So auch auf diesem Bild. Sie schlendert durch die Sendlinger Straße in der Münchner Innenstadt. Es regnet. Trotzdem isst sie ein Eis. Und kurz wagt sie sich mit der Kamera aus ihrem Unterstand und fotografiert die Passierenden, die trotz Schutz ihrer Schirme, eilig vorbei laufen. Es wirkt beinahe so, als ob Katharina hinter einer verregneten Scheibe sitzt. Ihr sieht man zwar nicht an, dass sie gerne isst, vielen ihrer Fotos schon. „Aber“, sagt sie, „ich brauche neben dem Essen auch den Menschen als Motiv. Da muss man spontan sein, sich auf sein Gegenüber einstellen.“ Beim Essen ist das anders. Da kann man sich Zeit nehmen, so viel man möchte. „Man hat totale Ruhe, wenn es denn nicht gerade Eis ist, das man fotografiert“, sagt Katharina und lacht. Sie studiert Design in Nürnberg. Ihre zweijährige Ausbildung zur Fotografin hat sie in Würzburg absolviert.

Und bald hat sie München wieder, zumindest für kurze Zeit. Sie macht ein Praktikum in dem Atelier „Photisserie“ in der Adalbertstraße – spezialisiert auf Food-Photography. Inszeniert wird Essen. Mal natürlich in seiner ursprünglichen Form, mal zu etwas Neuem verarbeitet. Katharinas Freund ist übrigens Koch, für ausreichend Inspiration ist also gesorgt.