Fragen über Fragen – Michael Mauder

Da ich auf der Bühne immer den größtmöglichen Spaßvogel raus lasse, durfte ich bei diesem Projekt auch mal eine ernstere Seite von mir zeigen, sagt Comedian Michael Mauder, der für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded” porträtiert wurde. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Es war eine sehr spannende Erfahrung. Jedes Shooting war
komplett anders und es hat großen Spaß gemacht.

Hat das Mut
erfordert?

Auch wenn ich mich teilweise in wirklich absurde Posen und
Situationen stürzen musste, hat die angenehme Atmosphäre, die bei allen
Shooting geherrscht hat, das sehr leicht gemacht.

Bist du auch mal in
andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

Da ich auf der Bühne immer den größtmöglichen Spaßvogel raus
lasse, durfte ich bei diesem Projekt auch mal eine ernstere Seite von mir
zeigen.

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?

Alle Fotografen sind sehr interessante Typen, und ich konnte
eigentlich von jeder Begegnung etwas mitnehmen.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Ich hab mich von Anfang an drauf eingestellt, dass das eine
sehr persönliche Angelegenheit werden würde. Daher war die größte Herausforderung
nur, mir nicht ansehen zu lassen, dass ich bei den Shootings draußen friere.

Brauchen wir mehr
Vernetzung in München?

Es kann nie genug Vernetzung geben. Deswegen ist es toll,
dass mit so einem Projekt junge Leute aus allen kreativen Bereichen zusammen
geführt werden.

Foto: Alina Cara Oswald

Ein Abend mit: Michael Mauder

Tanzen gehört nun mal nicht wirklich zu den Aktivitäten, denen Michael Mauder an einem Freiatgabend gerne nachgeht. Dafür stehen aber gute Gespräche und ein kühles Helles auf dem Programm.

Name: Michael Mauder

Alter: 24

Beruf: Comedian

Internetseite: www.michaelmauder.de

 

Hier beginnt mein Abend:

In einem der hundert verschiedenen
Hipster-Burgerläden, die unsere schöne Stadt zu bieten hat.

Danach geht’s ins:

Cafe BlUe an der Implerstraße, das Jennerwein
in der Clemensstaße, oder jeden vergleichbaren Laden, in dem man sich noch
unterhalten kann und niemand auf die Idee kommt zu tanzen.

Meine Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich
sie vom Gegenteil:

„Keiner von uns hat daheim aufgeräumt und getanzt
wird nicht. Ich halt‘ jetzt so lange die Luft an, bis wir da hin gehen.“

Mit dabei ist immer:

Mein Handy, dessen Akku nach ca. einer Stunde
stirbt.

An der Bar bestelle ich am liebsten:

Ein kühles Helles

Mein Lieblingsgesprächsthema:

Am Anfang banaler Smalltalk und je später der
Abend wird desto deeper wird es. Am Ende gehts um Politik, Religion, Tod und
ähnlich spaßige Themen.

 Der Song darf auf keinen Fall fehlen:

Im seltenen Fall von verbleibendem Akku auf dem
Heimweg: Twenty One Pilots – Trees

Mein Tanzstil in drei Worten:

Ich muss weg!

Der Spruch zieht immer:

Ich muss weg!

Meine dümmste Tat im Suff war:

Bei einem ähnlich alkoholisierten Freund und
regennasser Fahrbahn ins Auto steigen. Ging alles gut, war aber maximal dumm!

Das beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht
gibt’s im/bei:

Im „Tante Emma Cafe“ an der Belgradstraße!

Diesem Club/dieser Bar trauere ich nach:

Das
„Flex“ am Goetheplatz. Das gibt es zwar noch, aber da geht keiner 
mehr mit mir hin.

Foto: Sofie Jokerst

Ein Abend mit Garam Salami

Garam Salami steht auf
Veggie-Mexican-Burger

und Spezi. Am liebsten verbringt er seinen Abend im Lost Weekend oder der Glockenbachwerkstatt. Beim Tanzen macht er Michael Jackson

großartige Konkurrenz.

Name:  Garam Salami –

Malik Sanogo

Alter:  21

Beruf: Comedian, Flüchtling

Internetseite: garam-salami.de

Hier beginnt mein Abend:

Meistens trifft man mich bei den Zombie Sessions im
Sunny Red oder nach einem meiner eigenen Auftritte im Lost Weekend. Das neu
eröffnete Lovelace und die Glockenbachwerkstatt sind für mich auch regelmäßige
Hotspots. Eher selten gehe ich irgendwo hin, wo ich nicht entweder selber
performe oder alle Leute kenne.

Danach geht’s zu:

Keiner meiner Auftritte ist komplett ohne meinen
Aftershow-Veggie-Mexican-Burger im Alten Simpl, zusammen mit allen meinen
Groupies, die mich natürlich für meine Persönlichkeit und nicht meine
Berühmtheit lieben. Oft chillt meine Crew auch bei Eva, dem einzig echten
Freiraum in München, aber das ist privat.

Meine Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich
sie vom Gegenteil:

Wir sind so eingespielt, dass unsere Pläne nie von
einander abweichen („Oida lass Eva chillen man“).

Mit dabei ist immer:

Der Franz von Suddenly The Goat und meine Mitbewohner Leah und Eric.

An der Bar bestelle ich am liebsten:

In meinem Bekanntenkreis bin ich bekannt als der
„Spezi-Man“. So wie manche Leute für ihre Zigaretten Lungenkrebs in Kauf
nehmen, stelle ich mich schon auf meine Altersdiabetes mit 30 ein.

Mein Lieblingsgesprächsthema:

Videospiele.

Der Song darf auf keinen Fall fehlen:

Wanna Be Startin‘ Something von Michael Jackson

Mein Tanzstil in drei Worten:

Michael fucking Jackson

Der Spruch zieht immer:

Besser isses wenn wir 7 Milliarden Flüchtlinge aufnehmen würden.

Meine dümmste Tat im Suff war:

Ich bin immer und überall 100% nüchtern, aber einmal
hab ich mich sehr mit einem älteren Herren gestritten, weil er mir nicht
geglaubt hat dass ich die Bad Brains nicht kenne (tu ich auch immer noch
nicht).

Das beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht
gibt’s im/bei:

Burger King am Ostbahnhof. Mit vegetarischen Snacks
wie Pommes, Zwiebelringen und Chill-Cheese-Nuggets ist McDonalds einfach
ausgestochen (obwohl deren Veggieburger auch gut ist).

Diesem Club/dieser Bar trauere ich nach:

Jetzt
schon dem Lovelace, das 2019 wieder schließt.

Foto: Privat

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Michael Mauder

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Michael Mauder.

“Wer nicht wählen geht, lässt Andere seine
Vertretung der nächsten vier Jahre bestimmen. Diese Entscheidung darf man nicht
Populisten und Protestwählern überlassen, sondern muss sich ihr selbst
stellen.”

– Michael Mauder, Comedian

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Garam Salami

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Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Garam Salami.

“Hier
ist wieder euer Lieblingsflüchtling Garam mit einem Announcement: Am 24. September werde ich in jedem
Wahllokal Deutschlands 200€ Begrüßungsgeld an alle Wähler verteilen. Wie das
geht? Schaut doch vorbei und findet es raus!”

– Garam Salami (Malik Sanogo), Comedian

Foto: Privat

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Alex Döring

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Alex Döring.

„Ich
bin kein Fan davon, Nichtwähler grundsätzlich zu verurteilen und als
kurzsichtig, fahrlässig oder desinteressiert zu bezeichnen. Nichtwählen kann
durchaus eine legitime Protestform sein. Trotzdem glaube ich, dass eine
Protest-Nicht-Wahl weniger bewirkt als eine Protest-Wahl.“

Alex Döring, Comedian

Foto: Jean-Marc Turmes

Wenn Oma Anna fehlt


Der junge Kabarettist Martin Frank kommt aus Niederbayern nach München, um Schauspieler zu werden. Und er fährt an jedem Wochenende von München nach Niederbayern, um wirklich daheim zu sein.

Von Anne Gerstenberg

Die Blicke der Fahrgäste: irritiert, abweisend. Dabei wollte Martin Frank, 24, doch nur freundlich sein. Mit einem herzlichen „Grüß Gott beinand“ betritt er am Marienplatz die U-Bahn – so hat ihm das seine Großmutter vom Bauernhof, wo er herkommt, beigebracht. Und doch blickt Martin in lauter konsternierte Gesichter. Dass diese Form der Höflichkeit in München nicht so üblich ist und nicht zur allgemeinen Stimmung beiträgt, wusste er nicht. Diese typische Szene zeigt den Kontrast zwischen Land und Stadt, es ist eine von vielen Beispielen aus dem Programm des jungen Kabarettisten, der aus dem tiefsten Niederbayern kam, um sich in München seinen großen Traum zu erfüllen, Schauspieler zu werden. Und doch ist seine Suche nach dem Glück noch nicht ganz abgeschlossen. 

Heute ist Martin Frank Kabarettist und besucht eine Münchner Schauspielschule, die schon viele Kabarettisten hervorgebracht hat. Er ist mit seinem Programm an den Wochenenden ausgebucht und kann sich davon die Schauspielschule und das Leben in München leisten. Die Neugierde und die Lust auf die große Welt haben ihn in die Großstadt getrieben. Aber so richtig heimisch fühlt sich Martin in München aber nicht. Die Unfreundlichkeit der vermeintlich so weltoffenen Stadtmenschen verwundert ihn. Er sitzt in der U-Bahn, ist seinem Traum zum Greifen nahe und fühlt sich doch verloren und fehl am Platz.

So ist auch sein aktuelles Programm entstanden. In „Alles ein bisschen anders“ erzählt seine Bühnenfigur, der leicht affektiert-infantile, naive und grenzunbekümmerte „Bua vom Bauernhof“ von seiner Konfrontation mit der Großstadt und all den Fettnäpfchen, die da so auftauchen. Seine Pointen bestechen durch ihre entwaffnende Ehrlichkeit. Oft taucht als moralische Instanz seine streng katholische Großmutter Anna in seinem Programm auf. Die hat ihn großgezogen auf dem Bauernhof und ihm eben den Benimm beigebracht, der in München nicht so recht funktionieren mag.

„Ich finde
mich selbst
gar nicht lustig.“

„Ich mochte es schon immer am liebsten, Menschen zum Lachen zu bringen“, sagt Martin. Schon in der Schule war er immer der Klassenclown. Und auch in der Schauspielschule liegen ihm eher die komischen Rollen. Oft wird er ermahnt, weil er in ernsten Szenen fast automatisch in seine Bühnenrolle verfällt und somit alles ins Lächerliche zieht.

Die Bühnenfigur entwickelte er, als er mit 16 sein erstes Programm „Ich pubertiere“ schrieb, mit dem er über die Grenzen Bayerns hinaus die Wirtshäuser zum Lachen brachte. „Ich finde mich selbst gar nicht lustig“, sagt Frank völlig unvermittelt. Seine Bühnenrolle, sagt er ernst, gehe ihm mit ihrer Affektiertheit total auf die Nerven.

Eigentlich ist Martin Frank gelernter Standesbeamter. In seiner niederbayerischen Heimatgemeinde Hutthurm, irgendwo hinter Passau, Richtung tiefster Bayerischer Wald, hat er Paare getraut. Bis er vor fünf Jahren die Krise gekriegt hat. An dem Tag saß er lachend und gleichzeitig weinend unter seinem Schreibtisch, hatte seinen Aktenvernichter in den Armen und wusste: So konnte es nicht weiter gehen mit ihm. Am selben Tag hat er bei seinem Chef, dem Hutthurmer Bürgermeister, gekündigt und später sein Fachabitur nachgeholt. Während dieser Zeit nahm er all seinen Mut zusammen und entschied sich, seinen großen Traum zu verfolgen und auf die Schauspielschule zu gehen.

Immer noch fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen seiner Neugierde und seiner Heimatverbundenheit. Die vier Tage, die er mit Auftritten vergangenen Monat in Berlin verbrachte, waren die längste Zeit, die er von zu Hause weg war. Ansonsten fährt er jedes Wochenende nach einer Show wieder heim auf den Bauernhof zu seiner Familie. Er ist Organist der heimischen Pfarrgemeinde Sankt Martin und spielt dort jeden Sonntag in der Messe. Und er ist Mitglied im Hutthurmer Gemeinderat: Er will informiert bleiben über das Geschehen in seiner Heimat.

Trotzdem zieht es ihn wie magisch hinaus in die Welt. „Ich bin süchtig nach neuen Eindrücken und Bekanntschaften“, sagt er. Sein Blick streift überall umher, saugt alles auf und analysiert. Fast hat es den Anschein, als würde er prüfen, ob die Situation für eine Pointe reicht. Er redet durchgehend Bairisch und, wenn er mal Hochdeutsch redet, dann nimmt sein Gesicht einen affektiert-ernsten Blick an. Er spricht sehr bedacht, und doch klingt es, als wolle er sich über etwas lustig machen.

Martin hat mittlerweile eine große Routine auf der Bühne. Trotzdem leidet er unter Lampenfieber. Anfangs setzte er zu den Auftritten einfach seine Brille ab, damit er das Publikum nur unscharf wahrnahm. Inzwischen trägt er seine Brille, um den Kontakt zu Publikum zu haben und besser festzustellen, ob seine Pointen auch zünden. „Ich fixiere mich auf einen Grantler, der die ganz Zeit ernst ist, und spiele ihn so lange an, bis er lacht.“ Für ihn gibt es zwei Sorten von Publikum. Das Abonnement-Publikum, das sich vor lauter Routine von nichts mehr mitreißen lässt, und das dankbare Publikum, das über alles lacht. Der junge Kabarettist tritt am liebsten vor einer gesunden Mischung aus beiden auf.

In der Welt von Martin Frank ist jedes Erlebnis eine lustige Geschichte. So hat ihn zum Beispiel kurz vor einem Auftritt im Münchner Viehhof Monika Gruber angerufen und ihn eingeladen, gemeinsam mit ihr Silvester in Salzburg zu feiern. Monika Gruber? Martin wundert sich, warum die Frau vom Nachbarbauernhof in Hutthurm, eben die „Gruber Monika“, ihn einfach so anruft und fragt, wie es ihm geht. Erst langsam wird ihm bewusst, wer da gerade am Telefon ist.