
Jurastudenten der LMU München haben bei einem Schaugerichtsprozess in Washington D.C. richtig abgeräumt. Sie erzielten das beste Ergebnis, das je von einer deutschen Hochschule erzielt wurde.
München Lebt. Menschen und mehr.

Jurastudenten der LMU München haben bei einem Schaugerichtsprozess in Washington D.C. richtig abgeräumt. Sie erzielten das beste Ergebnis, das je von einer deutschen Hochschule erzielt wurde.

Die Münchener Singer-Songwriterin Cosma Joy, 17, überzeugt mit ihrer selbstbewussten Stimme über sanften Gitarrenklängen. In der Zukunft will sie die Musik zum Beruf machen.
Die Gitarre erscheint heute als Platzhalter für all diejenigen, die gerne Musik machen und insbesondere singen wollen, sich aber mit dem instrumentalen Bereich der Musik möglichst wenig auseinandersetzen möchten. Eine Gitarre ist dafür sehr praktisch. Die offenen Grundakkorde, mit denen man jeden Lagerfeuerklassiker begleiten kann, hat man auch als Autodidakt schnell drauf. Und auf den unauffälligen Akkordklang lässt es sich famos singen. Denn die Stimme ist da zwangsläufig immer die Hauptattraktion. Das kann zum Problem werden, wenn die Stimme mal nicht so fabelhaft außergewöhnlich ist, denn dann wird der künstlerische Output der vielen Akustik-Gitarren-Singer-Songwriter austauschbar.
Wie großartig aufregend Songwriter-Musik sein kann, wenn die Gitarre mal gegen ein anderes Instrument getauscht wird, zeigt sich etwa bei Joanna Newsoms Harfe oder Regina Spektors Klavier. So weit ist die erst 17-jährige Münchner Songwriterin Cosma Mollenhauer alias Cosma Joy noch nicht. Sie spielt sich bisher die übliche Akustik-Gitarren-Begleitung unter ihre selbstgeschriebenen Songs. Doch diese Songs haben Potenzial. Denn was Cosma stimmlich macht, ist viel näher an den genannten US-Amerikanerinnen als an Münchner Open-Stage-Sessions.
Das hängt zum einen mit Cosmas Stimme zusammen. Ausgesprochen sicher intoniert sie auch in komplizierteren melodischen Linien. Doch es ist nicht nur das: Cosma benutzt ihre Stimme auch schön selbstbewusst und nicht so kleinmädchenhaft und pseudo-schmollend wie das bei so vielen Songwriterinnen seit Dillon und CocoRosie angesagt ist. Cosma hingegen singt mit einem klaren Timbre, das sich eher an den dezidierten Aussagen eines Bob Dylan oder einer Janis Joplin orientiert. Dazu schreibt sie auch noch spannende Gesangslinien über ihre bisweilen doch recht langweiligen Akustik-Gitarren-Akkorde. Da drängt mal die piepsige Verwirrtheit durch, mit der Joanna Newsom bisweilen kokettiert, da finden sich aber genauso auch die schwere Theatralität und das verrückte Selbstbewusstsein einer Regina Spektor.
Selbstbewusst ist sie auch, was ihre weitere Karriere betrifft. Cosma will Berufsmusikerin werden und all ihre Zeit der Musik widmen: „Ich will Musik als meine Arbeit machen, genug Geld damit verdienen, dass ich nie beruflich etwas anderes machen muss, als ich wirklich möchte, das ist der Traum“, sagt sie ähnlich zielgerichtet wie ihre Musik klingt. Und gerade läuft es ganz gut an für sie. Sie supported die Kölner Musikerin Josin auf deren Tour mit Konzerten in Berlin, Hamburg, Köln und München. Zudem hat sie gerade die EP „Baby, I’m a dreamer“ veröffentlicht.
Von ihrer Familie bekommt sie Unterstützung. Die Familie hatte sie auch von Kindheit an geprägt: Ihre Mutter habe ihr zum Einschlafen Jazz-Lieder vorgesungen, Vater und Mutter hätten sich über ein gemeinsames Bandprojekt kennengelernt. Die Musik ist Cosma also nah. Eine Band aber sucht sie derzeit noch nicht, auch wenn die vergrößerte Klangvielfalt ihre Musik vermutlich noch ein Stück interessanter machen würde. Aber: „Es ist schwierig, Menschen halbwegs in meinem Alter zu finden, die sich komplett einer Karriere als Musiker widmen“, erklärt sie.
Text: Rita Argauer
Foto: Tim Davies

Einfach nur am Brunnen sitzen und das schöne Wetter genießen. Unser Autor weiß, dass das vor der LMU manchmal zum Problem werden kann…
Kaum genießen wir die Muße am Brunnen, rücken sie schon an.
Bewaffnet mit Bergen an Flyern, Gratis-Stiften und süßen Schnitten (keine
Mädels) wollen sie alles von uns- nur nicht unsere Ruhe. Verdammt, könnt ihr
euch nicht politisch engagieren anstatt uns irgendwelche
bescheuerten Nebenjobs anzudrehen? Die braucht nämlich niemand- einen Platz an
der Sonne aber schon.
Text: Louis Seibert

Bei den ersten Football-Trainingseinheiten in Starnberg zeigte sich Jasper Friis, 18, noch extrem schüchtern. Jetzt spielt er in der ersten College-Liga in den USA.
Auf dem Tisch liegt ein Tablett, darauf ein beachtlicher Berg Pommes. „Heute ist Cheat-Day“, sagt Jasper Friis und beißt von einem triefenden, panierten Hähnchenteil ab. Er sitzt in einem Münchner Fast-Food-Restaurant und genießt eine Woche Heimaturlaub. Der 18-Jährige hat pro Woche einen Tag, an dem er sich um seinen strikten Ernährungsplan schummeln darf. Man sieht Jasper an, dass er gerne isst. Auf seine zwei Meter Körpergröße kommen knapp 150 Kilo. Verzichten fällt ihm im Moment aber besonders leicht: Seine Karriere als Leistungssportler ist in jüngster Zeit sehr schnell sehr ernst geworden: Die University of California, auch bekannt unter dem Namen „Berkeley“, hat den jungen Mann aus Gauting für ihr Football-Team rekrutiert. Er spielt kommende Saison in der ersten College-Liga. Football trainieren Amerikaner gerne schon im Kindesalter – nicht nur erstaunlich, dass ein Deutscher den Sprung schafft, Jasper ist erst im Teenageralter zu diesem Sport gekommen.
Ein Blick zurück: Zwei Dutzend Jungs zwischen 14 und 19 hatten gerade die zweite Runde um den Platz gedreht und warfen sich für ihre Dehn- und Aufwärmübungen in den Matsch. Sie waren mit dem Warm-up fast fertig, da eilte ein Nachzügler aus der Kabine die Treppe hinunter auf den Rasen. Er hatte jemanden mitgebracht – Jasper. Dieser wolle einmal probehalber mittrainieren. Der damals noch Zwölfjährige zog den ein oder anderen unauffällig musternden Blick auf sich. Manch einer war zwei Köpfe kleiner als er. Seine wuchtige Statur hätte es ihm erlaubt, bei den Herren mitzuspielen. Die Trainer erkannten angesichts seiner körperlichen Voraussetzungen Potenzial und wollten den Neuling ins Team aufnehmen. Sie stellten ihn in die Offensive Line, jene Reihe von Spielern, die den Spielführer, den Quarterback, beim Werfen beschützt und für den Ballträger, den Runningback, Gegner aus dem Weg schaufelt. Die schweren Jungs im Football.
Seinen Teamkameraden – vor allem den unerfahrenen – kostete es erst einmal Überwindung, die Karambolage mit solch einem Schwergewicht zu suchen. Aber das legte sich im Training schnell, beim „Big-Cat-Drill“ etwa. Hier stehen zwei schwere Spieler nur eine Ball-Länge entfernt in einer Pose gegenüber, die an einen Sumokampf erinnert. Wer es auf Pfiff schafft, den anderen mit gebündelter Kraft weiter nach hinten zu schieben, gewinnt. Eine Aufgabe, bei der man davon ausgehen würde, dass Jasper es durch seine körperliche Überlegenheit einfach gehabt hätte – dem war aber keineswegs so: Sogar die Schmächtigsten unter seinen Teamkollegen schoben den Riesen über das Feld, als wäre es ein Schachspiel. Sie bemühten sich beim Drill sogar um den Platz in der Schlange, der sie gegen Jasper antreten ließ, er galt als leichtes Ziel.
Jasper selbst hatte damals seinen Körper nicht verstanden. Die Schere zwischen seiner Physis und seiner Persönlichkeit klaffte weit auf. Öffnete er den Mund, um sich vorzustellen, so kam ein sanftes Piepsen an die Oberfläche, wo man ein maskulines Grummeln erwartet hätte. Es wirkte, als könnte er nicht einmal einer der aggressiven Starnberger Moor-Mücken einen Flügel krümmen, die in dichten dunklen Wolken den Footballern beim Training das Leben erschweren. „Ich war traurig, weil ich wusste, dass ich besser sein könnte“, sagt er heute.
Jasper arbeitete in Starnberg zwei Jahre lang an sich. An seiner Explosivität und seiner Technik. Von diesem Punkt an ging alles unglaublich schnell: Er wurde in die Bayerische Landesauswahl aufgenommen, in der Saison darauf rekrutierte ihn die Jugend-Bundesliga-Mannschaft der Razorbacks aus Fürstenfeldbruck. Videomaterial von seinen Spielen geriet in die Hände amerikanischer Coaches und überzeugte. Er wurde nach San Bernardino eingeladen, um für die Aquinas-Highschool aufzulaufen. Einmal in Amerika Football spielen – in seinem bisherigen Freundeskreis war das der Traum aller. Als er den Vertrag in Berkeley unterzeichnete, verpflichtete er sich dazu, diesen Traum zur täglichen Routine zu machen.
Momentan muss er dreimal die Woche um 5.30 Uhr aufstehen. Er verlässt das Wohnheim früh am Morgen, um zum Stadion zu gehen. Die Ernährungsschulungen haben ihm beigebracht, dass ein Stück Ananas oder ein Energieriegel an dieser Stelle als Frühstück reichen muss. Zwei Stunden lang trainiert er, während seine Kommilitonen noch schlafen. Danach muss er wie jeder andere Student in die Vorlesung. Berkeley gilt akademisch als Elite-Uni, das macht die Sache für Jasper nicht gerade leichter. Angewandte Mathematik studiert er. Um 16 Uhr hat er wieder für die nächste Trainingseinheit auf dem Platz zu stehen. Noch hat die Saison nicht begonnen, aber spätestens dann findet das Programm täglich statt.
Zurück im Fast-Food-Restaurant: Jasper saugt an einem Strohhalm, um die letzten Tropfen Sprite aus dem Becher zu ziehen. Jasper merkt, dass auf einmal jeder mit ihm befreundet sein will, jetzt, wo er zu den aufsteigenden Sportlern gehört. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass aus Jasper in den kommenden Jahren einer von den ganz Großen wird. Reserviert bleibt seine Freundschaft aber denjenigen, sagt er, die den Willen und die Arbeit sehen, die Jasper in seine Leidenschaft steckt – und nicht nur das Logo auf seinem Trikot.
Text: Hubert Spangler
Foto: Ariel Nava

Modedesignerin Lisa Haas, 25, entwirft ihre T-Shirts nach dem „Zero-Waste“-Prinzip. Sie will keine Ressourcen verschwenden und Stoffreste nicht unnötig wegwerfen.
Das Etikett hängt aus dem orangefarbenen Kragen. Es lugt nicht nur heraus, das Schild fällt bis weit in den Rücken, es ist deutlich sichtbar. „Courage“ steht dort in Großbuchstaben, Mut. „Das Etikett ist im Inneren eines Kleidungsstücks und normalerweise sieht man es nicht“, sagt Modedesignerin Lisa Haas, 25. „Es ist somit etwas Persönliches. Wenn ich etwas trage, in dem ich mich wohlfühle, dann habe ich ein sicheres Auftreten und genau dieses Gefühl möchte ich den Trägern vermitteln, daher auch der Schriftzug ‚Courage‘.“
Mut, der Ausdruck passt auch zur Designerin selbst. Sie entwirft ihre T-Shirts nach dem „Zero-Waste“-Prinzip. Das bedeutet, dass bei einer Produktion möglichst keine Ressourcen verschwendet und unnötig weggeworfen werden dürfen. In der Mode wären es etwa Stoffreste, die übrig bleiben und anschließend entsorgt werden müssen. Die Motivation, Kleidung nach diesem Prinzip zu entwerfen, hat sich während Lisas Modedesignstudiums an der Mediadesign Hochschule München entwickelt, als sie sich näher mit der Stoffverarbeitung und der Herstellung auseinandergesetzt hat. Und diesem Prinzip der Nachhaltigkeit will sie auch jetzt, nach Abschluss des Studiums, treu bleiben – doch damit hat sie es in der Branche schwer.
Lisa sitzt in den Räumen des Künstlerkollektivs „The Stu“, bei der junge Kreativschaffende aus den Bereichen Mode, Kunst, Musik oder Fotografie Räume für ihre Projekte nutzen können. Hier hat sie an ihrer ersten Kollektion gearbeitet. Das Prinzip „Zero Waste“ hat sich in der Mode noch nicht durchgesetzt: „Ich finde es schade, dass so viel Stoff weggeworfen wird. Man könnte aus der Menge weggeworfener Stoffe so viele neue Kleider nähen. Es wird am laufenden Band produziert und die Konzerne werfen Kleidung weg, anstatt sie weiterhin zu verwerten“, sagt Lisa.

Bei ihrer Kollektion entsteht aus einem großen, rechteckigen Stück Stoff ein T-Shirt. Der Stoff wird so geformt und geschnitten, dass kein Verschnitt entsteht. Das bedeutet, dass der gesamte Stoff für ein Kleidungsstück verwendet werden kann. Die Produktion nach diesem Prinzip ist neu und erfordert viel Übung. „Anfangs ist es sehr knifflig herauszufinden, auf welche Weise der Stoff geformt werden muss. Da kann es leider durchaus passieren, dass Verschnitte entstehen.“ Das Material, das sie für ihre Kleidungsstücke verwendet, ist „organic cotton“, ein umweltfreundlicher und ökologisch nachhaltiger Baumwollstoff. Diesen bezieht sie von Stoffherstellern, die sich darauf konzentriert haben, nachhaltige und transparente Mode zu produzieren: „Mir ist es wichtig zu wissen, woher die Klamotten stammen und die einzelnen Produktionsschritte zu kennen. Natürlich ist diese Mode teurer. Aber die Nachhaltigkeit macht es wett und die Kleidung hält länger.“
Doch es müssen nicht nur neue Stoffe sein, mit denen sie arbeitet. Auch die Stoffe von älterer Kleidung können für neue Kleidungsstücke verwertet werden, sagt Lisa. In ihrer Freizeit trägt sie gern lässige Männermode wie die Lederjacke oder die Anzughosen ihres Vaters, die sie dann nur leicht umschneidert. Auffallend sind auch die dicken Kreolen an ihren Ohren, die ihre Mutter in ihrer Jugend getragen hat. Sie wühlt gerne in den alten Kleidungsstücken ihrer Eltern und schaut, was sie davon tragen oder was sie aus den Stoffen machen kann. Ihr ist es wichtig, dass die Kleidung, die sie entwirft, klassisch ist: „Ich möchte Kleidung entwerfen, mit der man sich mit 18 oder 65 Jahren wohlfühlt und die auch bleibt.“ 18 oder 65? Wie soll so eine Kleidung denn aussehen?
„Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten“, sagt Lisa. „Jeder entscheidet individuell, was für ihn klassische Mode ausmacht und welche Kleidung man in 20 Jahren noch einmal tragen möchte. Ich verbinde klassische Mode mit Zeitlosigkeit.“ Auch ihre Mode ist klassisch – und doch fällt immer ein Farbtupfer auf. Bei den Shirts ihrer Kollektion ist es der orangefarbene Kragen. Sie selbst trägt häufig bunte Häkelketten – eines ihrer Markenzeichen, die sie auch in ihre Shirts integriert.
Lisa sitzt an ihrem Arbeitsplatz. Konzentriert schaut sie auf einen großen Stoff in roter Farbe. Neben ihr liegen ein Maßband und eine Schere. Sie überlegt sich, an welcher Stelle sie die Schere ansetzen soll, um ihn zu schneiden. Auf dem großen Tisch steht eine graue Nähmaschine und dahinter liegen bunte Stoffe und mehrere Häkelketten in kräftigen Farben wie rot, grün oder gelb. Ein gehäkelter Ring ist mit dem anderen verbunden und bildet eine Kette. „Für einen Ring brauche ich ungefähr 20 bis 30 Minuten. Durchschnittlich stelle ich für eine Kette, je nachdem wie lang sie ist, bis zu 50 Ringe her“, sagt die 25-Jährige, die an diesem Tag selbst eine solche Kette in den Farben Blau und Gelb trägt, ihren Lieblingsfarben. Der bunte Farbmix auf dem Tisch bildet einen starken Kontrast zu dem hellen und minimalistisch eingerichteten Raum. Lisa greift jetzt nach der Schere und schneidet den rechteckigen Stoff quer durch. Der erste Schritt ist getan – es wird so gut wie kein Stoffabfall entstehen.
Mit ihrer Abschluss- und T-Shirt-Kollektion hat sie sich bei Labels beworben, die nachhaltige Mode produzieren und bei denen die einzelnen Produktionsschritte transparent sind – bisher noch ohne Erfolg, denn dieser Markt und somit auch die Stellen sind überschaubar. Im High-Fashion-Bereich hat sich das Prinzip der Nachhaltigkeit noch nicht durchgesetzt. „Damit sich was verändert, muss eine Verlangsamung stattfinden“, sagt etwa Modefotograf Arton Sefa, der seit mehreren Jahren große Designer wie Vivienne Westwood oder Stella McCartney auf Modewochen begleitet. „Sobald eine Kollektion draußen ist, wird sofort die nächste produziert. Es bleibt kaum Zeit für ein Umdenken oder dafür, sich zu überlegen, wie man die Materialien am besten verwerten kann. Der Druck ist enorm.“
Es liegt aber auch an den Menschen, findet Lisa Haas. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich die Leute mehr Gedanken darüber machen, was sie genau tragen, und dass ihnen bewusst werden sollte, dass sie nicht 20 T-Shirts für fünf Euro oder zehn Paar billige Hosen brauchen. Sie betont dabei auch, dass sie niemandem ein Schönheitsdiktat auferlegen möchte: „Die Leute sollen das tragen, was sie wollen“, sagt sie. Aber eines ist ihr wichtig: „Jedes Kleidungsstück ist etwas Besonderes und das soll auch so bleiben.“
Text: Serafina Ferizaj
Fotos: Robert Haas, Manuel Nieberle

Diese Woche ist der Veranstaltungskalender in München
wieder gut gefüllt. Ob eine durchtanzte Nacht
im Bahnwärter Thiel, die Dokumentation “For In My Way It Lies” über
Jesper Munk auf dem DOK.fest, oder die neue Ausstellung im Lenbachhaus – unsere Autorin ist mittendrin.
Das
Wochenende ist da und nach einer eher arbeitsreichen Woche wird es Zeit
abzuschalten. Das geht am Freitag am besten im Bahnwärter Thiel, bei DIE Königin DER NACHT mit Fraenzen Texas. Falls mir
im Laufe des Abends der Techno doch zu hart wird, laufe ich ins nebenan
liegende und geliebte Strom, denn dort ist wieder Up the Bracket, wo ich zu
Indie-Klängen von Arcade Fire, Foals und Claire tanzen kann.
Meinen vom
Tanzen schmerzenden Füßen und meinem Brummschädel würde ich normalerweise eine
Pause gönnen, aber nicht an diesem Samstag:
Vormittags feiert die lang erwartete Dokumentation For In My Way It Lies auf dem
DOK.fest Premiere. Der Jungregisseur Lukas von Stein hat Jesper Munk backstage
begleitet und man erhält private Einblicke in das Leben des talentierten Blues-
und Soulmusikers. Im Anschluss wird Jesper Munk Songs aus seinem neuen Album
spielen
Mit einem
Ohrwurm von „Icebreaker“ noch im Kopf, fahre ich am Sonntag mit dem Rad ins Heppel & Ettlich zur dritten Runde des Polit Slams, bei dem
Politiker und Profi-Slammer mit selbstgeschriebenen Texten
gegeneinander antreten. Am Ende wird schließlich das Publikum entscheiden, wer
gewinnt. Das interessante Motto lautet dieses Mal „Ich habe was zu sagen!“,
bei dem laut Beschreibung die kleinen Geschichten erzählt werden, die die
Teilnehmer dazu geführt haben, in die Politikerlaufbahn zu gehen.
Auf den Montagabend freue ich mich besonders:
Gemeinsam mit einer Freundin besuche ich die Lesung „Neue Heimat“ im
Munich Welcome Café: Drei Autoren der SZ-Kolumne „Neue Heimat“ lesen ihre
Texte vor und erzählen ihre individuellen Geschichten. Anschließend gibt die
1969 gegründete Folklorband Embryo ein
Konzert.
Am Dienstag geht es nach der hoffentlich
arbeitsamen Session in der Bib zum Kulturreferat der Studierendenvertretung der
LMU zum Kennenlern-Treffen von Wortkunst, bei dem
sich die Teilnehmer am Schreiben ausprobieren können: „Mit Worten spielen“ und
mit „Gedanken jonglieren“, Feedback dafür erhalten, das Vortragen üben, bis die
Texte am Ende bühnenreif werden.
Für den Mittwoch nehme ich mir den Besuch der
Eröffnung von raster
noton – white circle im Lenbachhaus vor. Bei „white circle“ handelt es sich um
eine Licht- und Soundinstallation, die aus Leuchtstoffröhren besteht, die einen
Ring bilden und auf musikalische Impulse reagieren. Daraus soll dann quasi eine
Show entstehen, die mit Stroboskoplicht arbeitet und zum zwanzigjährigen
Jubiläum des elektronischen Musik-Labels „raster noton“ gegründet wurde.
Der Donnerstag ist für alle Münchner ein
besonderer Tag, denn an diesem Vormittag wird die Großdemonstration gegen das
umstrittene neue bayerische Polizeiaufgabengesetz stattfinden. Wer sich damit
noch nicht auseinandergesetzt hat, sollte es allerspätestens jetzt tun.
Treffpunkt ist um 13 Uhr am Marienplatz.
Und am Freitag ist das lang ersehnte
Wochenende wieder da. Nach der ereignisreichen Woche beschließe ich heute, mich
an die Isar zu hocken und mein Datenvolumen aufzubrauchen, indem ich auf
Facebook die Veranstaltungen für die kommende Woche abchecke.
Text: Serafina Ferizaj
Foto: privat

In der Schule haben unsere Autorin und ihr Freund Alex zusammen die schlimmsten Lehrer überstanden, jetzt trennen sie mehrere Stunden
Autofahrt. Aber sie haben einen besonderen Weg gefunden, ihre Freundschaft am
Leben zu erhalten…
Ich springe die zwei
Stufen zu meiner Haustüre hinauf. Mit einer Bewegung sperre ich auf und bin
auch schon durch die Tür. Einmal um die Ecke, meine Finger suchen wie von
selbst den kleinsten Schlüssel am Bund. Meine Augen wandern über die Wand mit
den braunen Metallkästen. Sie bleiben genau in der Mitte hängen. Ich schiebe
den Schlüssel ins Schloss und ich wappne mich für die Leere, die mir gleich
entgegenschlagen wird. Außer der
“Das Stück für zwei Euro”- Pizzabude nebenan, die nur darauf wartet,
vom Gesundheitsamt geschlossen zu werden und Ikea schreibt mir nämlich nie
jemand. Naja, fast nie. Denn alle paar Monate kommt so ein Tag wie heute. Ich
öffne die Türe und eine Postkarte fällt mir entgegen. Meine Finger können sie
nicht mehr auffangen und sie landet am Boden. Ich bücke mich nach der Karte und
werfe einen kurzen Blick auf die
Rückseite. Strichmännchen schauen mir entgegen. Ich weiß sofort, von wem die
Karte ist.
Alex und ich haben uns auf einem Schüleraustausch kennen
gelernt. Zwei Wochen und zwei Transatlantikflüge später und wir waren
unzertrennlich. Vielleicht weil Alex und ich uns beim Reisen kennengelernt
haben, versuchen wir heute noch, den anderen an unseren Urlauben teilhaben zu
lassen. Denn im Alltag sehen wir uns nie so oft, wie wir gerne würden. Alex
entschloss nach dem Abitur, in Österreich sein Glück zu suchen (oder besser
gesagt, einen interessanten Bachelorstudiengang ohne N.C.) und ich zog nach
München. Gerade weil wir uns oft nur in den paar Monaten zwischen den Semestern
sehen, ist das Postkartenschreiben unsere Tradition geworden. Kleine
Erinnerungen an unsere Freundschaft, die irgendwie immer genau zum richtigen
Zeitpunkt im Briefkasten landen.
Seit unserer Zeit in Amerika sind sieben Jahre und viele
Urlaube vergangen. Mittlerweile sind für mich Ferien undenkbar, in denen ich
nicht fieberhaft nach der lustigsten, ausgefallensten oder oft hässlichsten
Postkarte suche. Während meines Urlaubs an der Ostküste der Vereinigten Staaten
habe ich fast zwei Wochen mit der Suche verbracht, nur um dann festzustellen,
dass Washington D.C. der Albtraum für Postkartenschreiber ist. Leider kein
Touristenladen weit und breit, der die Straßenzeilen entstellt. Letztendlich
fand ich eine Postkarte, in einem leergekauften Drogeriemarkt, ganz hinten zwischen
ausgelaufenen Schneekugeln. Ein vergilbtes Exemplar, scheinbar übrig geblieben
aus den Neunzigerjahren. Ein wahres Kunstwerk aus zufällig ausgewählten
Wahrzeichen Washingtons, die in der Luft zu schweben scheinen, gemalten
Kirschblüten und Feuerwerk, alles vor einem sternenklaren Nachthimmel. Damit habe
ich eindeutig gewonnen.
Denn mit der Zeit haben wir beide den Ehrgeiz entwickelt,
kreativere Postkarten zu schreiben als der andere. Berichte vom Wetter und
Beschreibungen des Hotelstrands sind uns zu langweilig. Alex zeichnet gerne
Comics und viele seiner Karten zieren minimalistische Zeichnungen, die
teilweise nur mit einer Lupe zu entziffern sind. Meine aufwendigste Karte
bisher schickte ich aus einem verregneten Nordseeurlaub. Genauer bestand sie aus
zwei Teilen: für die erste Karte dachte ich mir einen Geheimcode aus, auf
dessen Lösung man nicht ohne Hilfe kommen konnte. Und die zweite Karte
beschrieb ich mit dem Lösungsschlüssel für die erste. Diese schickte ich
natürlich erst eine Woche später los, um Alex warten zu lassen. Doch der Höhepunkt unseres Postkartenwechsels
war sicher eine Karte mit einem Herz vorne und einem Heiratsantrag hinten.
Nein, nein, nicht das was ihr jetzt denkt! Es war doch nur ein Experiment, ob
mein Briefträger die Karten liest, die er austrägt…
Es gibt wirklich nichts, was nicht auf der Rückseite einer Postkarte den Weg in
den jeweils anderen Briefkasten gefunden hat. Wir bewahren alle Postkarten
sorgsam auf und scherzen darüber, uns auch noch zu schreiben, wenn wir neunzig
sind.
Die heutige Karte ziert ein eher uninteressantes Bild eines
einsamen Weinbergs in mitten von Hügeln. Die Rückseite ist dafür umso dichter
beschrieben, wie um die Leere der Vorderseite auszugleichen. Alex hat ein
Gitter aus kleinen Kästchen gezogen und in jedes Quadrat eine Szene mit
Strichmännchen gemalt. Ereignisse aus seinem Alltag. Es sind zwar nur banale
Erzählungen, aber auf eine Postkarte geschrieben haben sie meinen Tag versüßt.
Irgendwie sorgen unsere Karten immer dafür, dass wir uns nicht aus den Augen
verlieren.
Text: Annika Wiedemann
Foto: Yunus Hutterer

Maximilian Kesselring und Sebastian Präuner wollen mit ihrer neuen Online-Galerie jungen Künstlern eine Plattform bieten. Hier stehen vor allem die Geschichten hinter der Kunst im Vordergrund.
Sebastian Präuner und Maximilian Kesselring, beide 21 Jahre alt, wollen junge Künstler unterstützen. Sie werden diesen Sommer Rookie Arts gründen – eine Online-Galerie, die jungen Künstlern als Plattform dienen soll, damit sie ihre Geschichten hinter den Kunstwerken erzählen und ihre Werke im Internet ausstellen können. Jeder Rookie bekommt ein Künstlerprofil. Rookie steht für Neuling oder Anfänger und wird vor allem im US-Sport oder auch in der Rapszene verwendet – aber auch in der Kunst gibt es Rookies, die noch keinen Vertrag oder keinen Galeristen haben.
Oft nutzen sie die Chancen des Internets, „und da kommen wir ins Spiel“, sagt Sebastian. Rookie Arts sei aber kein reines Verkaufsportal, der Fokus sei vor allem auf die Beweggründe der Künstler gelegt.
Foto: Marcel Huth
Text: Annika Kolbe

Wenn es einen Musikstil des 21. Jahrhunderts gibt, dann ist es die elektronische Musik. Normalerweise sind die Beats computergeneriert und werden nie live mit Instrumenten gespielt. Bei dem Münchener Techno-Duo Isarkind ist das anders…
Bei solchen Erinnerungen freuen sich die heute weit über 30-Jährigen: die Isar-Partys in München. Als das mit dem Techno als neue Musikrichtung anfing, zu Zeiten, als München noch eine Sperrstunde hatte, entwickelte sich eine Szene außerhalb der bestehenden oder neu entstehenden Clubs: Partys in Unterführungen, in verlassenen Gebäuden oder eben gleich ganz unter freiem Himmel an der Isar. Heute wirkt das hier alles organisierter – und natürlich ist elektronische Tanzmusik in all ihren Facetten einer viel breiteren Masse zugänglich geworden als Mitte der Neunzigerjahre. Doch in ein paar Münchner Projekten setzt sich diese Kombination aus anarchistischer Raum-Ergreifung und elektronischer Musik fort. Seit 2010 etwa gibt es die Gruppe Isar Bass. Mit Bollerwagen, Soundanlage und Bierkästen kehrten die an die Isar zurück, um dort Partys zu veranstalten, die sich der inzwischen stark kommerzialisierten Clubszene entziehen.
Das Duo Isarkind trägt den Fluss der Stadt hingegen eher als eine Art Motto im Namen, auch wenn sie musikalisch ebenfalls der elektronischen Musik und dem Techno nahestehen. Nur verzichten sie auf dort sonst übliche Insignien: keine Turntables, keine Computer und keine Synthesizer. Dafür eine konventionelle Bandaufstellung aus Schlagzeug und Gitarre. Schlagzeuger Michael Steinberger und Gitarrist Christian Pfaffinger spielen damit fließenden Analog-Ambient. „Clubsound mit Schlagzeug und Gitarre zu spielen, ist deshalb so spannend, weil wir den Sound live jedes Mal neu formen können“, erklären sie. Die Instrumente seien „vielschichtiger als elektronische Sounds, sie schwingen anders und zwar bei jedem Anschlag“.
Es ist erstaunlich, wie selten es solche Bands gibt. Elektronische Musik ist gegenwärtig prägend wie kaum ein anderer Musikstil. Trotzdem kommt fast niemand auf die Idee, das mit Live-Instrumenten umzusetzen. Wie sehr das knallen kann, zeigte Mitte der Nullerjahre zuletzt die Münchner Band Pollyester. Isarkind sind ein bisschen zugänglicher und lieblicher als die frühen Pollyester. Die Musik ist wolkiger, sie spielen den Techno nicht nur nach, sondern formen diese Musik weiter. Das mag auch an der klassischen Band-Erfahrung der beiden liegen: Im niederbayerischen Hinterland aufgewachsen, haben sie in diversen Punk- und Alternative-Bands gespielt.
Im Sommer 2017 erschien das selbstbetitelte Debüt-Album. Elf Tracks zwischen treibenden Sechzehntel-Noten und pulsierenden Bass-Drum-Schlägen am Schlagzeug und beinahe psychedelischen Gitarren-Pickings. „Klar knallt das nicht so derbe wie ein High-End-Electro-Beat“, geben sie zu, aber ihnen ginge es sowieso viel mehr um „Atmosphäre und Dynamik“. Dabei entsteht etwas Spannendes. Denn in dieser Musik liegt im Hören plötzlich die Verbindung von Postrock und modularer, technoider Musik offen. Die Gitarren, die Harmonien und die monotonen Kompositionen kennen beide Genres. Im Techno wird das nur oft überdeckt von der Härte der Drumcomputer und den künstlichen Sinusklängen der Synthesizer. Bei Isarkind aber, wo immer hörbar bleibt, dass hier ein echtes Schlagzeug spielt und Metallsaiten schwingen, ist die Nähe plötzlich deutlich hörbar. Auch weil das Duo weniger auf stampfenden Techno, sondern mehr auf Ambient setzt.
Foto: Flo Strigl
Text: Rita Argauer

Der April war wieder
ein bisschen ein trauriger Monat für die Musikwelt, weil diesen Monat einer
ihrer hellsten Sterne viel zu früh erloschen ist. Neben seiner Musik finden
sich in unserer Monatsplaylist aber viele weitere Lichtblicke – denn Musik lebt
bekanntlich ewig.
Bishop Briggs – River
Endlich gibt es von
Bishop Briggs ein Album, das ich mir seit einer Woche rauf und runter anhöre.
Mit River hab ich meinen Ohrwurm gefunden und ist daher mein Lied des Monats.
Serafina Ferizaj
Fiva – Hauptstadtfieber
Es wurde kalt im Süden,
„Diagnose: Hauptstadtfieber“. Es war mir ja fast ein wenig peinlich, kurz nach
Berlin zu ziehen – zumal ich in dort alle Klischees als bestätigt erlebte (die
Stadt ist nunmal einfach lockerer, wacher, hipper). Andererseits: Meine Wohnung
dort war fast so teuer wie die in München; die tägliche Stunde BVG einfach nur
nervig; der Ostwind noch viel kälter. Wie Fiva also schon 2009 wusste:
„Manchmal muss man einfach raus, und es gibt nichts was einem aufhält – und
dann merkt man erstmal richtig, was einem wirklich an zuhaus fehlt.“ Auch wenn
man momentan gegen Kreuzpflicht und PAG protestieren muss, damit es noch das
Zuhause bleibt – es geht doch nichts über das entspannte Radeln durch München
und im Biergarten: Gemütlichkeit.
Anna-Elena Knerich
Kafvka – Wi-Fi
Überall in München ist
Baustelle und das Einzige was das entschädigen könnte, wäre die Verlegung von
Glasfaserkabeln. Warum ist das Internet in letzter Zeit so krass langsam und
haben die Jungs aus Berlin gerade das selbe Problem? Wer nach Wi-Fi sucht, hat
jetzt jedenfalls auch den passenden Soundtrack dazu.
Isabel Prößdorf
HEROINE TWIN – Rebel
Der ganze heiße Scheiß
aus München: Gut ein Jahr gibt es Heroine Twin erst, und doch fällt ihr erster
Release unter das Prädikat “lang erwartet” – zumindest bei mir. Seit
letztem Monat gibt es nun endlich ein Single-Doppelpack des Grunge-Quintetts zu
hören. Für mich in der Playlist: Single Nr. 2, “Rebel”, mit ganz viel
schwerer Gitarre und einem “she’s an outlaw in your head”, das genau
da bleibt – in deinem Kopf.
Max Mumme
Jesper Munk – Solitary
Das „Wunderkind“- mit
neuem Album und leicht verändertem Stil. Doch die markante Stimme und der Blues
sind geblieben. Solitary wird mit sanften Klavierklängen eingeleitet, bleibt
ruhig und sehnsüchtig. Ein perfektes Lied für eine laue Frühlingsnacht unter
dem klaren Sternenhimmel- doch eigentlich geht es um die ersten Sonnenstrahlen.
Passend also auch für den Nachhauseweg in den frühen Morgenstunden durch eine
leergefegte Stadt.
Annika Kolbe
Cap Kendricks – No Ice
Die vermutlich beste
musikalische Neuheit aus München war für mich diesen Monat ganz klar das neue
Album von Cap Kendricks, “Keepsakes” das am 20. April erschienen ist.
Seitdem läuft es bei mir rauf und runter. Egal zu welcher Tageszeit. Tipp:
Unbedingt mal das Video zu “No Ice” anschauen. DJ Natanael Megersa
hat dort einen Gastauftritt und auch
sonst ist das Video einfach großes Kino und macht Lust auf lange,
melancholische Abende. Mit Hennessy. Ohne Eis. Ohja.
Ornella Cosenza
Metz – Acetate
Chaos-Sounds, gepackt
in stampfende, treibende Rhythmen, das ist Metz. Die New-Wave-Punk Version des
Shoegaze, man möchte dazu entweder auf der Stelle stampfen, mit geschlossenen
Augen die Haare gen Tanzfläche schütteln, sich gleichzeitig aber mitreißen lassen
und eigentlich die Körperteile in alle Richtungen des Raumes verteilen, in ein
organisiertes, rhythmisches Chaos eben. In genau diese Ambivalenz werde ich
mich am Mittwoch im Strøm begeben, mal sehen, ob ich im Ganzen wieder
rauskomme.
Marietta Jestl
Razzy Bailey – I Hate Hate
Kollegah und Farid Bang
bekommen für einen Text, der die Opfer des Holocaust verhöhnt, einen Echo
verliehen. Der Echo ist derweil nichts anderes als das aufgewärmte Erbrochene
der Musikindustrie. Die verleiht allen Ernstes einen Preis dafür, dass jemand
kommerziell besonders erfolgreich ist. Und Punk ist auch nicht mehr, was es
einmal war. Es ist ein Trauerspiel bzw. es ist Zeit für Razzy Bailey. Der singt: „The
only way we’re gonna do away with hate is to get so much love going around that
there just won’t be any more hate.“ Eine
schöne Vorstellung, wenn auch utopisch. Gute Laune macht der Song aber allemal.
Wolfgang Westermeier
Bar Franca – Panda Lux
Das neue Album der vier
Schweizer Jungs in einem Satz erklärt von ihnen selbst: „«Zoo» ist die
schulterzuckende Antwort auf die dummen Fragen nach dem zweiten Streich, ist
Harmonielehre für die Diskothek, ist Panda Lux Zweitausendjetzt.“ Menschen, die
Faber und Wanda mögen, werden Panda Lux lieben.
Jacqueline Lang
Avicii – Heart upon my sleeve
Ich muss gestehen, ich
war kein allzu großer Avicii-Fan. Ich mochte seine Lieder gerne, aber mehr habe
ich mich nicht mit ihm beschäftigt. Trotzdem hat sein Tod mich bewegt. Es gibt
auf Netflix eine Doku über sein Leben – True Stories – und auch wenn die Doku
vor seinem Tod gedreht und veröffentlicht wurde, merkt man schon, dass Tim
Bergling alias Avicii bald sterben wird. Seine Gesundheit litt unter dem
Tourleben. In der Doku kommt man Tim so nah wie nur möglich und man hat Mitleid
mit ihm, als er keine Gigs mehr spielen will und trotzdem noch welche spielen
muss, obwohl es ihm so schlecht geht. Ich hoffe, er hat nun seinen Frieden
gefunden. Er war ein großartiger und talentierter Künstler. Als er gestorben
ist, habe ich seine größten Hits angehört und dieses Lied entdeckt. Es ist ein
tolles Instrumentallied, bei dem am liebsten laut aufdrehen und voll abgehen
würde! Das würde sich Avicii sicherlich wünschen!
Lena Schnelle