250 Zeichen Wut: Waschsalon

Einmal waschen kostet durchschnittlich zwei Euro. Bei zehn Wäschen im Jahr, die andere sabotieren, macht das 20 Euro und viel zu viele Liter Wasser die für nichts und wieder nichts in den Abfluss laufen.

Wäsche waschen ist Krieg. Wer fünf Minuten nach Programmende an das Kleiderkarussell tritt, hat den Kampf direkt verloren. Ein anderer Hausbewohner hat zwischenzeitlich entschieden: Meine Holzfällerhemden sind wichtiger als deine Weißwäsche. Statt diese wenigstens in den freien Trockner zu legen, sumpfen die T-shirts auf den Fußboden, saugen Staub und Erde. Natürlich ist nochmal waschen die einzige Lösung, aber alle Maschinen sind besetzt. Also vor Wut den Stecker der Maschine ziehen, um wenigstens etwas Widerstand zu leisten. Das mit der weißen Weste ist jetzt sowieso vorbei…

Text: Isabel Prössdorf

Am Kap der Guten Hoffnung

Jeder Klick für einen guten Zweck: Die Brüder Tobias und Kevin Schmutzler haben einen Social-Impact-Film gedreht

Tobias Schmutzler, 26, und sein Bruder Kevin Schmutzler, 28, produzieren mit ihrem Start-up „Filmcrew Media“ Filme. Ihr Schwerpunkt: Sie drehen so genannte Social-Impact-Filme, die kein kommerzielles Ziel verfolgen. Sie wollen möglichst viele Menschen erreichen und gleichzeitig Gutes tun. Das neuste Projekt der jungen Münchner Filmcrew heißt „Robin – Watch for Wishes“. In dem Werk geht es um einen Zwölfjährigen, der an Krebs leidet. Überall auf der Welt kann man diesen Film online kostenlos ansehen. Im Interview erklärt Tobias, was es damit auf sich hat.

SZ: Was sind Social-Impact-Filme?
Tobias Schmutzler: Wir möchten eine soziale Filmproduktion schaffen, die nicht auf kommerzielle Zwecke ausgerichtet ist. In der Unterhaltungsbranche, insbesondere im Bereich Film, gibt es einfach noch nicht so viel, was in diese Richtung geht. Wir fokussieren uns eher auf den sozialen Aspekt, um unseren Namen für etwas Gutes einsetzen zu können.

Euer neuer Film „Robin – Watch for Wishes“ ist auf YouTube kostenlos verfügbar.
Seit dem 21. April ist der Film online, er dauert 75 Minuten und jeder kann ihn ansehen – weltweit. Und zwar für den begrenzten Zeitraum von vier Wochen. Das Besondere daran ist: Wenn man den Film anschaut, werden pro Aufruf des Videos zehn Cent gespendet. Nach fünf Tagen haben wir jetzt schon mehr als 90 000 Klicks. Das erste Etappenziel sind 15 000 Euro, aber wir haben bereits weitere Spender an der Hand, die diese Summe erhöhen, sobald der Film entsprechend oft gesehen wird.

Wofür wird das Geld gespendet?
Damit soll benachteiligten Kindern geholfen werden. Deshalb gehen alle Einnahmen, die durch die Klicks der Zuschauer erreicht werden, an die DKMS, SOS Kinderdorf und die McDonald’s Kinderhilfe.

Für den Zuschauer ist alles kostenlos – woher kommt das Geld für die Spende?
Wir haben dafür aktiv Spender gesucht. Es ist ein Mix aus Privatpersonen und mehreren Unternehmen, die sich auf unsere Nachfrage dazu bereit erklärt haben, zu spenden und dadurch das Projekt zu unterstützen.

So einen Film zu produzieren kostet Geld. Wie trägt sich das Start-up?
Parallel zu den sozialen Filmprojekten drehen wir zusätzlich Werbespots und Imagefilme für verschiedene Unternehmen. Durch das Geld, das wir damit verdienen, können wir anfallende Kosten für die Filmprojekte stemmen, wie zum Beispiel Reisekosten. „Robin“ zu realisieren war aber nur dank vieler Sachsponsorings möglich.

Ihr habt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südafrika gedreht.
Das war gar nicht so einfach. Besonders, wenn man ein begrenztes Budget hat und alles vom 10 000 Kilometer entfernten Deutschland organisieren muss.

Gab es auch mal Pannen?
Einmal gab es ein Problem mit der Drehgenehmigung. Ein Missverständnis. Wir wollten an einem bestimmten Ort am Kap der Guten Hoffnung drehen – wo aber niemand drehen darf. Wir hatten nur einen Tag Zeit, einen neuen Drehort zu finden, der zumindest so ähnlich aussah. Es ging gut aus.
  
Klingt trotzdem schwierig.
Die ganze Crew musste mit dem Equipment zwei Stunden auf einen Berg wandern. Einen Lift gab es dort nicht. Am Ende hatten wir vom Gipfel aber eine unglaubliche Aussicht auf das Meer und die perfekte Kulisse für unsere Filmszene.

Warum ausgerechnet Südafrika?
Während meines Studiums habe ich ein Praxissemester in Südafrika gemacht und mich ein bisschen in das Land verliebt. Dort habe ich auch an den Wochenenden als Freiwilliger in einem Heim für kranke Kinder gearbeitet. Im Film hat Robin eine Bucket-Liste, auf der Dinge stehen, die man als Junge in dem Alter tun möchte, wie zum Beispiel Fliegen oder Löwen sehen und: Er möchte Hoffnung finden. Sein Vater reist mit ihm deshalb ans Kap der Guten Hoffnung nach Südafrika.

Was ist die Message des Films?
Der Film soll dem Zuschauer schon nahe gehen. Er tut das aber auf seine ganz eigene Art und Weise. Ein sehr emotionales Thema wird als spannender Thriller präsentiert. Der Vater entführt den zwölfjährigen todkranken Jungen aus dem Krankenhaus, um alle Punkte auf der Liste des Sohnes abhaken zu können. Niemand weiß, wo die beiden sind. Nicht einmal die Mutter. Vielleicht bringt er den ein oder anderen zum Weinen, aber es ist kein Film über Tod und Krankheit.

Foto: Filmcrew Media

Interview: Ornella Cosenza  

Gute Vibrationen

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Elisabeth Brichta, 21, ist Mitglied der Nikita Dance Crew, einer Gruppe aus gehörlosen und hörenden Tänzern. Wenn sie nicht tanzt, studiert die junge Frau Gebärdensprachdolmetschen. Außerdem gibt sie selbst bilingualen Hip-Hop-Unterricht

Mit weißem Trikot und einer engen schwarzen Leggins steht Elisabeth Brichta, 21, im Tanzstudio, die Haare zu einem Zopf gebunden. Bevor das Training losgeht, unterhält sie sich mit den anderen Mädels der Nikita Dance Crew. Auf Gebärdensprache. Verständigungsprobleme hat sie nicht, denn Elisabeth studiert Gebärdensprachdolmetschen. Die jungen Frauen bewegen ihre Hände. Sie schauen mal fragend, mal lächelnd, oder sie nicken sich einfach zu – ein Code, der für Laien nicht zu entschlüsseln ist und begleitet wird von Gestik und Mimik.

„Wir proben jetzt Amerika“, sagt Elisabeth laut, denn heute sind auch ein paar Zuschauer zum Training gekommen. Amerika – so nennt die Gruppe die Choreografie, die sie vergangenes Jahr beim Bay Area International Deaf Dance Festival in den USA aufgeführt haben. Die Nikita Dance Crew ist die einzige Tanzgruppe in Deutschland, die aus hörenden und nichthörenden Mitgliedern besteht. Hier tanzen hörende, wie Elisabeth Brichta, und gehörlose Protagonisten, wie Trainerin Kassandra Wedel, in einer Gruppe zusammen. Sie treten deutschlandweit und international auf.

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Musik und Tanz? Gehörlos? Wie soll das funktionieren? „Die Musik ist in unserer Tanzgruppe nicht viel lauter als woanders“, sagt Elisabeth. Lediglich der Bass ist in den Tanzstunden der Nikita Dance Crew etwas stärker gestellt. „Wenn der Bass lauter ist, fühlt man ihn besser in der Brust, am Körper. Das ist so ähnlich wie bei einem Konzert“, erklärt die Tänzerin. Dieses Fühlen der Vibrationen sei ausschlaggebend. Im Tanzstudio in der Sonnenstraße in München, in dem sich die Tanzgruppe zum Proben trifft, steht der Bass auf dem Parkettboden. „So kann man den Bass auch über die Füße erfühlen, der Parkettboden leitet ihn dann sozusagen weiter“, sagt Elisabeth, die schon seit Ende 2013 mittanzt.
 Nicht alle aus der Tanzgruppe können Gebärdensprache so wie Elisabeth. Es ist auch keine Voraussetzung, um mittanzen zu können. Die Leidenschaft und die Begeisterung für das Tanzen stehen im Vordergrund. Elisabeth tanzt seit ihrem zwölften Lebensjahr. Bei ihr treffen das Interesse für Gebärdensprache und die Liebe zum Tanzen aufeinander. Wenn sie nicht tanzt, dann studiert sie an der Hochschule in Landshut Gebärdensprachdolmetschen. Mittlerweile im vierten Semester. Es besteht aktuell ein großer Bedarf an Gebärdensprachdolmetschern. „Auf 80 000 Gehörlose kommen in Deutschland 800 Dolmetscher“, sagt sie.

In vielen Choreografien der Nikita Dance Crew mischen sich Elemente aus Tanz mit Gebärdensprache. Dadurch werden tänzerisch Geschichten erzählt. „Die Gebärdensprache hat ihre eigene Grammatik, sie ist eine natürliche Sprache. Beim Dolmetschen kommt es aber nicht nur darauf an, das Gesprochene in Gebärden zu übersetzen oder andersherum, sondern man muss auch kulturell übersetzen“, sagt Elisabeth. Man sei eben nicht nur Dolmetscher, sondern auch Vermittler zwischen zwei Kulturen. Gehörlose seien beispielsweise in ihren Formulierungen manchmal viel direkter. Dies kann bei hörenden Menschen schnell unhöflich wirken, deshalb muss man beim Dolmetschen auch auf Feinheiten dieser Art achten. „Das kann einen täglich zur Verzweiflung bringen“, sagt Elisabeth. Bei wichtigen Terminen, wie zum Beispiel Gerichtsverhandlungen, kann das Übersetzen sehr viel beeinflussen. Die deutsche Gebärdensprache wurde erst 2002 offiziell als eigenständige Sprache anerkannt.

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Bevor sie mit dem Gebärdensprachdolmetscher-Studium angefangen hat, absolvierte Elisabeth eine Tanzausbildung am Iwanson in München, einer Schule für zeitgenössischen Tanz. Normalerweise dauert diese Ausbildung drei Jahre, Elisabeth hat sie aber frühzeitig nach einem Jahr mit einem Zertifikat beendet und dann das Studium in Landshut begonnen. „Das war viel mit Jazz und Ballett und weniger Hip-Hop und ich habe gemerkt, dass es nicht so ganz meins ist und habe dann zum Gebärdensprachdolmetschen gewechselt“, sagt Elisabeth. Woher aber kommt das starke Interesse an der Gebärdensprache? Elisabeth sagt, es sei auf keinen Fall dieses Helfersyndrom, das sie dazu gebracht habe, das Studium aufzunehmen. Eher eine Art Faszination, nachdem sie den Film „Jenseits der Stille“ gesehen hat. „Aus Interesse und Neugier habe ich dann einen VHS-Kurs Gebärdensprache besucht“, sagt sie. Das war, bevor sie zur Nikita Dance Crew gekommen ist. Als sie dann einmal zu einem Poetry Slam ging, bei dem die Gruppe auch performte, sprach sie nach der Veranstaltung Kassandra Wedel an. Ging kurz darauf zu einer Probestunde. Und blieb. 

„Mittlerweile ist Eli meine Co-Trainerin. Wenn ich einmal nicht da bin, oder wir Probleme mit der Musikanlage haben, übernimmt sie“, sagt Kassandra Wedel. Die Trainerin mit den orange-roten Haaren ist gehörlos und als Schauspielerin und Tänzerin aktiv. Sie hat die Gruppe vor mehr als zehn Jahren gegründet. „Es gab damals keinen Tanzunterricht, bei dem die Musik gut fühlbar war, oder der auf Gebärdensprache abgehalten wurde. In hörenden Tanzcrews war ich immer die einzige Gehörlose“, sagt Kassandra. Fälschlicherweise wurde da oft angenommen, dass sie genug verstehen würde, weil sie auch sprechen kann. „Ich kopierte und lernte nur die Tanzsprache gut. Alles, was um mich herum besprochen wurde, bekam ich nicht mit“, sagt sie. Also hat sie selbst eine Gruppe gegründet, die Begegnungen und einen Raum für Kreativität schafft. Mit fühlbarer Musik und Erklärungen, wie man auch ohne Gehör zu einem Rhythmus tanzen kann.

Für Elisabeth steht fest: Sie möchte das Tanzen mit dem Gebärdensprachdolmetschen verbinden. Samstags gibt die Studentin deshalb auch eigene Hip-Hop- und Lyrical-Jazz-Stunden in einem Tanzstudio in Haar, und zwar bilingual. „Jeder ist in meinen Stunden willkommen. Ich spreche laut und mache dazu die Gebärdensprache.“ 

Es geht weiter mit dem Training. Schließlich steht im Mai ein Auftritt der Tanzcrew beim Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in München auf dem Marienplatz an. Gehörlose, sowie hörende Menschen werden im Publikum stehen. Die Schritte sitzen, jede Bewegung wird sauber und synchron zu dem Hip-Hop-Track und dem Rhythmus ausgeführt, der durch den Bass für alle spürbar ist. Für Außenstehende ist kein Unterschied zu anderen Tanzgruppen bemerkbar.

Foto: Alessandra Schellnegger

Text: Ornella Cosenza

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

Frühling in München. Da denkt man natürlich
unweigerlich und unverzüglich an das Frühlingsfest auf der Theresienwiese. An
der Mini-Wiesn im Frühjahr führt zu dieser Zeit einfach kein Weg vorbei –
scheinbar. Da unser Autor aber alles andere als ein Bierzelt-Fanatiker ist, muss er sich wohl jeden Tag eine Ausrede einfallen lassen. Wie das für die nächste Woche
aussehen könnte, lest ihr hier.

Am Freitag wird das mit der
Entschuldigung schon mal echt schwierig, denn mein Radl hat einen Platten.
Derweil wäre doch heute die Critical Mass München, ein Event, bei dem sich Radfahrer scheinbar zufällig treffen, um
gemeinsam durch München zu radeln. Nebenbei protestieren sie noch für die
Gleichberechtigung der Zweiräder auf den städtischen Straßen. Da muss ich mich
wirklich beeilen mit dem Flicken, denn um 18 Uhr geht’s am Max-Joseph-Platz
los. Nach der Fahrradtour radle ich aber auf jeden Fall noch weiter in die
Kongressbar zu meiner Lieblings-Jamsession.

Weil ich mein Radl gestern ja wieder in Stand
gesetzt habe, werde ich dem Radlflohmarkt am heutigen Samstag im Zenith wohl eher keinen Besuch
abstatten. Stattdessen schlafe ich lieber aus, um am Nachmittag fit zu sein für
Nico Semsrott. Der wohl traurigste Komiker der Welt spielt um 16 Uhr im Audimax
der LMU eine Zusatzvorstellung. Von Glück kann ich reden, dass die erste
Vorstellung so schnell ausverkauft war. Denn die wäre abends gewesen, und da
bin ich anderweitig unterwegs. Wo? Auf der Langen Nacht der Musik natürlich.

Die Lange Nacht macht ihrem Namen alle Ehre, und
so brauche ich am Sonntag ein bisschen, um in die Gänge zu kommen. Zum
Glück startet der Krims & Krams-Flohmarkt erst um 14 Uhr. Aber ab da verbringe ich den ganzen Nachmittag mit
Stöbern – vielleicht ist ja doch das ein oder andere nützliche oder unnütze
Teil dabei. Die Errungenschaften vom Flohmarkt unterm Arm geht’s direkt weiter ins
Shamrock Irish Pub zur English Comedy Night. Dort höre ich bei einem Guinness oder Cider dem österreicher (!)
Comedian Jack Holmes zu. Sein Programm ist aber natürlich auf Englisch.

Klappt ja ganz gut mit den Ausreden bisher. Und
auch der Montag ist schon ausgebucht. Denn heute Abend spiele ich in der
Band von Tina Menger. Sie ist einer der vier Acts, die das Homies-Benefizkonzert im Import Export musikalisch untermalen. Außerdem spielen auch noch
Bibilotta Viktualia, Rimsel und Heroine Twin für einen guten Zweck, nämlich für
die Organisation “Turning Tables”. Diese hat es sich zum Ziel
gesetzt, Geflüchtete für die Arbeit in Gastronomie und Hotellerie auszubilden,
um deren Integration zu unterstützen. Mit vier Bands wird es wohl ein langer
Abend, doch man kann heute sogar bis zum Schluss bleiben, denn: morgen ist
Feiertag.

Und was für einer: Dienstag, 01. Mai, Tag
der Arbeit, und traditionell Demonstrationstag. Und auch ich gehe heute
natürlich demonstrieren, und zwar auf die Laut.Stark 18. Denn die gehen auf die Straße für ein Thema, das mir, genau wie
jedem anderen jungen Menschen in München, sehr am Herzen liegt: mehr
bezahlbarer Wohnraum im Stadtgebiet. Und die Afterparty im Feierwerk kann sich
auch sehen lassen: hochkarätige Künstler aus München und Berlin beenden diesen
anstrengenden Feiertag für mich.

Am liebsten wäre mir, könnte ich am heutigen Mittwoch
mal eine Pause einlegen. Doch da seh ich schon die Nachricht auf meinem Handy:
“Yo lass mal Frühlingsfest gehen.” Also brauche ich auch für heute
eine Ausrede. Wie gut, dass heute das Dok.fest beginnt. Denn das geht noch bis zum 13. Mai, und damit ist meine
verbleibende Woche vorm Bierzelt sicher. Alternativ gibt’s heute im Import
Export noch eine Crossover-Veranstaltung der etwas anderen Art: TurnTableTennis – Open Stage für DJs trifft auf freies Spiel beim Tischtennis.

Habe ich gerade gesagt “vorm Bierzelt
sicher”? Das nehm ich gleich wieder zurück, denn am Donnerstag
kommt ein weiteres dazu. Am TUM-Campus in Garching startet nämlich die MaiTUM, und
die ist zur 150-Jahr-Feier der TU dieses Jahr extra groß. Hm… immerhin ist es
meine Alma Mater, und Publikum und Preise sind auch studentisch. Vielleicht
lasse ich mich da sogar mal breitschlagen. Ansonsten könnte ich bayerische
Tradition auch in gemütlich haben, beim Schafkopfturnier in der Glockenbachwerkstatt.

Eigentlich sollte immer Frühlingsfest sein. Denn
wenn man jeden Tag nach einer Alternative suchen muss, erlebt man echt viel. Am
heutigen Freitag gönne ich mir nochmal die Loop Session der Tribes Of Jizu mit den Gästen Maeckes und Morlockk Dilemma. Das
Wochenende lasse ich erstmal auf mich zukommen – vielleicht ist ja sogar mal
wieder ein Tag Nichtstun drin. Doch da vibriert auch schon das Handy:
“Alter, wir waren dieses Jahr noch gar nicht auf dem Frühlingsfest”.

Text: Max Mumme

Foto: Privat

Band der Woche: Password Monkey

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Wann wohl die Hipster den Hardrock für sich entdecken? Kein Ahnung, aber bis dahin dürfte sich unsere Band der Woche Password Monkey mit genau dieser Musik einen festen Stand aufgebaut haben.

Jimi Hendrix hätte wohl nicht gedacht, dass es mal so weit kommt. Als der seine Gitarrenverstärker zu weit aufriss und ein verzerrter, übersteuerter Klang herauskam, befand er sich damit an der Spitze einer Bewegung: Der Klang der Jugend, Auflehnung gegen die Alten und all die Dinge, die sonst noch den Anfang einer Pop-Bewegung auszeichnen, umgaben Hendrix und seine Musik. Im Moment jedoch wirken E-Gitarren und Rock eher ein bisschen wie die Klassik der Popmusik. Gitarren stehen bei Bankern als Accessoire im Büro, während man sich im Genre um den Nachwuchs sorgen muss. Drohende Pleiten und rote Zahlen von Gitarrenherstellern wie Gibson oder Fender gaben dann im vergangenen Jahr sämtlichen Medien den Anlass, ein paar Abgesänge auf die Rockmusik zu veröffentlichen. Doch wie immer, wenn etwas furchtbar uncool wird, dauert es nicht lange, bis es wieder interessant wird. Vor allem für all diejenigen, die sich gerne von der Masse und dem Mainstream abheben möchten.

Ein bisschen braucht das wohl noch, bis die Hipster den Hardrock entdecken, aber bis dahin dürfte die Münchner Band Password Monkey sich mit genau dieser Musik einen festen Stand aufgebaut haben. Das Quartett, das sich 2015 gründete, ist dabei so etwas wie die Erbengeneration dieses Stils. Gitarrist Chris Furtner und Schlagzeuger Veit Schlembach lernten von ihren Vätern, die schon in den Achtzigerjahren solche Musik gespielt hatten. Chris Buchberger am Bass hatte zuvor in Metalbands gespielt. Einzig Sänger Fabian Lichtenstern genoss eine erst einmal recht konträre musikalische Ausbildung: Klavier und Gesang bei den Augsburger Domsingknaben. Doch das tut der Musik gut, denn Sänger in anständigen Classic-Rock-Bands brauchen eine starke Stimme, die sich neben den ganzen Gitarrenbrettern gut durchsetzen kann – und durch die Musik führt. Man kennt das, zuletzt vielleicht von Bands wie The Darkness, deren Sänger sich in vollstem Stimmvolumen in höchste Höhen schwang. Doch bei denen rutschte der Rock leicht in den Glam und ins Parodistische. Password Monkey hingegen nehmen ihren Stil mit all seinen Versatzstücken Ernst. Dazu gehören, wie in der Single „From the Ashes“, ziemlich harte Riffs, Soli, die auftauchen, noch bevor im Songarrangement irgendetwas anderes passiert ist, und eben recht kraftvoller Gesang. Dabei ist deutlich zu hören, dass Fabians Stimme ausgebildet wurde – er kann mehr, als einfach grölen. Er kann seine Stimme führen, sie bewusst brechen lassen und mit viel Kraft schmettern.

Ein Album haben Password Monkey bisher veröffentlicht. „Chained“ heißt es, denn auch inhaltlich bleiben die vier ihrem Genre treu und benutzen gerne Worte, deren Bedeutung gewichtig ist. Mit ihrem neuen Album – Songs, Arrangements und Pläne stehen schon – wollen sie aber noch einmal einen Schritt mehr in Richtung Professionalität gehen. Dennoch ist das noch Underground. Fast wünscht man sich ein bisschen, dass Hardrock noch eine Zeit länger eine richtige Nische bleiben darf, bevor der Kommerz auch hier wieder greift. Bis dahin kann sich die Musik wie derzeit bei Password Monkey noch frisch, enthusiastisch und vor allem nur um der Musik willen entfalten.

Foto: Maximilian Riemer, Jakob Kanzleiter

Text: Rita Argauer

Mit fröhlichen Brüsten

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Jana Maresa Fischer und Teresa Mayer wollen mit ihrem Blog „These Girls“ jungen Frauen zeigen, dass sie sich keinen Schönheitsidealen unterwerfen müssen.

Das Logo: fröhliche Brüste. Sie formen ein lachendes Gesicht, ein Busen-Smiley. Die Message: Frauen sollen Spaß am Frausein haben und dadurch mutig und selbstbewusster werden. Jana Maresa Fischer und Teresa Mayer aus München haben ein Medium vermisst, das junge Frauen nicht permanent daran erinnert, abzunehmen und sich verändern zu müssen, um jemandem oder der Gesellschaft zu gefallen. Deshalb starteten sie den Blog These Girls (these-girls.com). Jana, 27, erklärt, warum Frauen sich gegenseitig unterstützen sollten und sehr wohl offen über Tampons reden können.

SZ: Wann ist man Feministin?
Jana Maresa Fischer: Jeder kann feministisch sein. Es ist dafür ganz egal, ob man sich die Beine rasiert oder nicht – das Klischee der Feministin wandelt sich sehr stark zurzeit.

Was hat das damit zu tun, ob man sich rasiert oder nicht?
Wir wollen Frauen und Mädchen klar machen, dass es keine Regeln gibt, wie eine Frau aussehen muss oder zu sein hat, sondern sie daran erinnern, dass sie eine Stimme haben und diese täglich nutzen müssen.

These Girls gibt es auch auf Instagram. Das soziale Netzwerk ist bekannt für Fotos von perfekt trainierten Körpern. Das dort vermittelte Bild kann sich auch destruktiv auswirken.
Man kann und sollte selbst entscheiden, was man bei Instagram sehen möchte. Indem man nur den Accounts folgt, die Positives vermitteln.

Trotzdem folgen viele junge Frauen genau solchen Profilen.
Es liegt vermutlich in unserer Natur, dass man sich hin und wieder mit anderen vergleicht. Man muss sich vergegenwärtigen, was man an sich liebt. Es gibt auf Instagram beides, die Glorifizierung des nahezu perfekten Körpers, aber eben auch die Gegenbewegung, zu der wir uns zählen: das ungefilterte, authentische Frauenbild.

Geht das in Richtung Body-Positivity?
Uns hat das echte, natürliche Bild von Frauen gefehlt. Neulich haben wir einen Artikel über das Vertrauen in den eigenen Körper veröffentlicht. Dazu haben wir Fotos von unseren Oberschenkeln gemacht, auf denen man unsere Cellulite sieht. Das ist etwas sehr Persönliches …
… und mutig.
Ja. Es erfordert Mut, zu seinem Körper zu stehen. Wir möchten zeigen, dass jeder Körper okay ist. Es ist aber genauso okay, wenn man etwas daran ändern möchte. Schönheit ist vielfältig.

Konzentriert sich These Girls also hauptsächlich auf Körperthemen?
Nicht nur. Es geht viel um Female Empowerment – ein Thema, das uns beiden sehr am Herzen liegt. Als Mädchen oder Frau ist man oft Ungerechtigkeiten ausgesetzt, zum Beispiel ungleicher Bezahlung im Job. Frauen sollten sich gegenseitig unterstützen. Bei These Girls finden Leser und Leserinnen passend dazu Interviews mit jungen Frauen aus den verschiedensten Bereichen und aller Welt, die inspirieren und Mut machen sollen.

Warum sollen sich Frauen gegenseitig unterstützen?
Wir Frauen haben es im Alltag oft schwer genug, gerade im Umgang mit Männern, sei es beruflich oder im Privaten. Außerdem zweifeln wir ständig an uns selbst. Daher ist es wichtig, dass man andere Frauen supportet, dass man ihnen hilft – sei es mit einfachen Sachen wie einem Kompliment. Oder auch, dass man andere Frauen weiter empfiehlt, dass man mit ihnen zusammen arbeitet und vor allem, dass man sich einsetzt, wenn man sieht, dass sie schlecht oder ungerecht behandelt werden. Wir glauben ganz stark daran, dass man seine Stimme immer nutzen sollte, für sich selbst und für andere – nur so kommt man weiter.

Auf These Girls findet man alle Beiträge nur auf Englisch – warum?
Wir wohnen und arbeiten beide in München, kennen aber auch Leute, die hier leben und kein Deutsch sprechen. Deshalb und weil wir dadurch über die Landesgrenzen hinweg gelesen werden können, haben wir entschieden, komplett auf Englisch zu schreiben. Wir können so junge Frauen auf der ganzen Welt besser erreichen.

Welche Frauen wollt ihr erreichen?
Da wir selbst Millennials sind, haben wir einen guten Bezug zu Frauen aus dieser Altersgruppe. Aber eben nicht nur. These Girls ist für alle Frauen. Es ist uns wichtiger, dass wir möglichst viele Frauen und Mädchen ansprechen, ganz unabhängig davon, welches Alter, welche Herkunft, welche Religion oder sexuelle Orientierung sie haben.

Was ist das Besondere an These Girls?
Wir machen all unsere Themen an Authentizität fest, beispielsweise in unseren Essays, die Themen wie Body Image, das Verhältnis zu unseren Brüsten oder den Körper allgemein behandeln. Und auch in den Interviews, bei denen über Versagen oder Ängste gesprochen wird, ist das der Fall. Das Allerwichtigste für uns ist, dass wir emotionale Themen, die uns und andere Frauen berühren, auf eine humorvolle Art behandeln.

Es gibt bei These Girls einen Artikel, der davon spricht, dass man sich nicht verstecken soll, wenn man über Menstruation redet oder eine Freundin nach einem Tampon fragen möchte.
Uns wird von dem Zeitpunkt an, an dem wir unsere Periode zum ersten Mal bekommen, eingetrichtert, dass wir nicht laut darüber sprechen sollen – schon gar nicht vor Männern. Es „gehört sich nicht“, ist eklig. Dabei sind wir doch ständig mit Blut konfrontiert. Uns fällt auf, dass die Frage nach einem Tampon immer noch im Flüsterton gestellt wird. Warum? Es gibt nichts Natürlicheres als die Menstruation. Jede Frau kann hier etwas tun, indem sie offener darüber spricht und umgeht und sich nicht versteckt. Und: Alle Mütter sollten ihren Töchtern beibringen, dass die Periode nichts ist, wofür man sich schämen muss.

Foto: These Girls

Interview von Ornella Cosenza

Pöbeln und Poesie

Erst rumbrüllen, dann nachdenklich werden. Poetry-Slammer Yannik Sellmann, 22, überzeugt durch lautstarke Komik. Der amtierende Münchner Stadtmeister wollte ursprünglich Richter werden, doch das Jura-Studium bricht er nach vier Semestern ab

Yannik Sellmann spricht laut und schnell. Zu laut und zu schnell für ein normales Gespräch. Doch auf der Bühne ist genau das sein Markenzeichen geworden: Wenn der junge Poetry-Slammer seine Texte vorträgt, dann schreit er. Schreit. Und schreit. Und schreit. Schreit im Höchsttempo Gedanken in den Raum über die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken, über Filme wie „La La Land“, die eine perfekte Welt erzählen, während man selbst „auf dem Bett sitzt, Cornflakes aus der Packung isst, Formel-1-Rennen schaut“ und darauf wartet, dass am bunt gefärbten Horizont eine Lebensvision auftaucht, die sich erfüllender anfühlt als das vermeintliche Glück der dauer-singenden und dauer-tanzenden Hauptfiguren.

Was er da schreit und wie er das schreit, kommt beim Publikum gut an: 2016 war Yannik bayerischer Meister im Slammen, 2017 kam der 22-Jährige ins Stechen der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, vergangenen Herbst hat er zudem Alex Burkhard den Titel des Münchner Stadtmeisters abgerungen. Rund 80 Auftritte hatte der Wortkünstler 2017, war auf Tour in ganz Deutschland unterwegs. Man kann sagen, Yannik ist erfolgreich.
 Geplant war eine derartige Karriere nicht: Als er 2014 aus seiner Heimat Hamm in Nordrhein-Westfalen zum Jura-Studium nach München kommt, will er noch Staatsanwalt werden. Oder Richter. Doch anstatt Paragrafen zu pauken, schließt Yannik sich einer Improtheatergruppe an. Seine Impro-Kollegen nehmen ihn mit zu Münchens wohl bekanntestem Poetry-Slam im Substanz. Als er dort die auftretenden Poeten sieht, ist Yannik angefixt. Er erinnert sich: „Da habe ich gedacht: Das könnte was für mich sein“, sagt er. Beim Einstieg geholfen habe ihm damals auch seine neue Heimat München, denn die Stadt biete zahlreiche Formate, bei denen junge Slammer sich ohne Druck ausprobieren können.

In der Tat geht auch Yannik bei einer solchen Veranstaltung zum ersten Mal auf die Bühne: Er trägt sich in die offene Liste der Kiezmeisterschaft im Westend ein, einem Slam, bei dem jeder spontan mitmachen kann, egal wie erfahren er ist. „Es hatte keine wirkliche Fallhöhe. Viele treten hier zum ersten Mal auf, es kann auch schlecht sein. Das hat mich einfach ermutigt, dort mitzumachen“, sagt er rückblickend.

Danach geht für ihn alles sehr schnell. Der Jungpoet findet Anschluss in der lokalen Slammer-Szene, schafft es in nur zwei Jahren zu den ganzen großen Veranstaltungen und Meisterschaften. Eine Blitzkarriere. Aber während es auf den Slambühnen für ihn steil bergauf geht, steht das Studieren hinten an. Öde wirken Themen wie EU-Recht auf einmal, derentwegen er einst Jurist werden wollte. Yannik sieht sich nicht mehr im Beruf des Anwalts und bricht nach vier Semestern sein Studium schließlich ab.

Doch je größer der Erfolg als Slammer, umso mehr steigt der innere Druck, nicht immer mit den selben Werken auf die Bühne zu gehen, kein „One-Hit-Wonder“ sein zu wollen, sondern neue Texte zu produzieren und sich facettenreich zu präsentieren. „Man muss Ergebnisse liefern“, sagt Yannik. Der junge Mann sieht das aber in erster Linie als Ansporn an sich selbst – auch weil es ihn langweile, permanent das Gleiche vorzutragen.

In den Texten, die Yannik schreibt, thematisiert er auch Persönliches: So slammt er etwa über seine Krankheit. Seit er 12 Jahre alt ist, leidet er unter chronischen Psychosen. Das prägt. Welche Medikamente nimmst du? Wie fühlt es sich an, mit so einer Diagnose aufzuwachsen? Diese Fragen hört Yannik oft. Einige der Antworten verdichtet er in seinen Texten. „Ich schäme mich nicht für meine Krankheit und bin da auch offen, aber ich passe natürlich auf, dass ich den Leuten auf der Bühne nur das von mir zeige, was ich ihnen auch zeigen möchte“, sagt der Slammer. Für ihn sei es wichtig, diese Grenze zu wahren, das Publikum nicht „emotional zu erpressen“, wie er es formuliert. Wie viel gebe ich von mir preis? Was bleibt besser privat? Solche Sachen beschäftigen ihn. „Es gab auch Texte, wo ich erst auf der Bühne gemerkt habe, dass ich das doch lieber nicht erzählen möchte. Dann lässt man es halt wieder.“ Denn Mitleid erregen, das will Yannik auf keinen Fall. „Was ich verhindern will, ist, dass die Leute sagen: Der hat eine Psychose, wie schade, und deshalb gebe ich ihm eine gute Bewertung. Daher versuche ich zu vermeiden, mich selbst in die Opferrolle zu drängen.“

Dabei hilft auch, dass Yannik sich auf der Bühne oft selbst ironisiert, denn viele der Pointen, die er herausbrüllt, zielen auf ihn als Person ab. Die Figur des schreienden Mannes, die er dabei so gerne spielt, findet er selbst unheimlich witzig, gibt er zu. „Es ist in mir so ein Drang, Witze an die Leute zu bringen, auf der Bühne lustig sein zu wollen“, sagt Yannik. Das funktioniert, je nach Publikum, unterschiedlich gut. „Als ich das erste Mal in NRW aufgetreten bin, habe ich erst gemerkt, dass mein Humor von dort kommt und meine Texte da auch besser aufgenommen werden.“ In München habe er sich anfangs erst mal an den bayerischen Humor gewöhnen müssen. „Ich kann das nicht genau beschreiben, aber man lacht hier generell weniger – und auch über andere Dinge. Und: Der Humor ist derber.“

Derb, das sind seine Arbeiten nicht. Denn genau dort, wo sie es werden könnten, nach all dem Geschrei, der Heiserkeit, des Sich-in-Rage-Slammens, steigt Yannik aus, wird leise, im Ton wie in den Gedanken, die er vorträgt. „Yannik-Sellmann-Formel“, nennen das seine Freunde. Erst rumschreien und dann die Kurve zum Tiefsinnigen, zum Nachdenklichen kriegen. Für den jungen Slammer ist dieser Bruch wichtig, denn: „Ich möchte den Leuten etwas mitgeben außer nur Lacher.“

In dieser Doppelbödigkeit, die irgendwo zwischen absoluter Komik und absoluter Traurigkeit schwankt, scheint ein Potenzial zu liegen, das nicht nur vom Slam-Publikum geschätzt wird: Auf Einladung von BR 2 macht Yannik seit diesem Frühling mit seinen Slammerkollegen Johannes Lenz und Philipp Potthast den Podcast „Weekly Rewind – der slam-poetische Wochenrückblick“, nebenher hat er in den vergangenen Jahren zudem bei der Produktionsfirma Walulis TV gearbeitet, die die Medienformate des Comedian Philip Walulis produziert. Dort hat man ihm nun ein zweijähriges Volontariat angeboten.

Sollte Yannik diesen Job antreten, würde er nicht mehr so häufig als Slammer auftreten können wie bisher. Das weiß er. Vollständig vom Slam abkehren will er nicht. Muss er vielleicht auch nicht. Die Münchner Poetin Fee etwa zeigt, dass zwei Lebenspläne unter einen Hut passen: Seit Herbst studiert sie Operngesang in Berlin, dennoch steht sie in ihrer freien Zeit nach wie vor als Slammerin auf der Bühne. Es gibt sie also, die Möglichkeit beides zu machen. „Ich muss eben sehen, wie viel Slam in mein Leben passt“, sagt Yannik.

Foto: Stephan Rumpf

Text: Carolina Heberling

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Marietta

Endlich strahlt die Sonne in der Stadt! Perfektes Wetter, um sich draußen aufzuhalten. Neben einigen Konzerten, besucht unsere Autorin auch den Flohmarkt auf der Theresienwiese.

Die Woche neigt sich mit strahlendem Sommertagen und endlich komplett eintreffenden Frühlingsgefühlen dem Wochenende zu und ich verbringe den Freitagnachmittag erstmal an der Isar. Der Münchner Sommer lässt mich jedes mal wieder neu das strahlende Lebensgefühl dieser Stadt erkennen.
Abends mache ich mich auf den Weg ins Feierwerk. Martin Steer, Mitglied der Band Frittenbude, ist mit seinem neuen Soloprojekt Bad Stream auf Tour. Frittenbude fasziniert mich schon seit dem ersten Album mit ihren facettenreichen Songs und Stilen und auch das Soloprojekt von Martins Bandkollegen Jakob Häglsperger unter dem Namen Kalipo begeisterte mich sofort durch die so andersartige und verträumte Stimmung. Meine Affinität für die Musikerzeugnisse dieser drei so unterschiedliche Art kreativen Jungs lässt mich gespannt auf die Eindrücke von Bad Stream. 

 Am Samstag stehe ich dennoch früh auf, denn ich will auf dem Flohmarkt des Roten Kreuzes auf die Theresienwiese. Wie immer scheitert mein Versuch, einen Flohmarktbesuch systematisch anzugehen. Nach einer sorgfältig durchkämmten Reihe lasse ich mich von doch der Anziehungskraft des riesigen Angebots, wild von in alle Himmelsrichtungen treiben. Ich verliere mich im Irrgarten der Stände, bezaubert von den die letzten drei Generationen durchwandernden Exponaten.
Abends fahre ich dann noch in den besten Vorort von München… Ein Konzert der Münchner Hardcore-Ikonen Emil Bulls steht an, in meiner Lieblings Location jenseits der Münchner Stadttore, der Kantine Augsburg. 

 Am Sonntag komme ich, immernoch erschöpft von der Wucht des Konzerts, zurück nach München, doch nach einem Mittagsschläfchen gehts für mich direkt weiter ins Kulturprojekt von Allach. Das Kollektiv Netzwerk Spinner veranstaltet den Sunday Moonwalk, ein entspannter Sonntagnachmittag, eine Symbiose aus Kunst, Musik und sogar der Möglichkeit, die eigene Kreativität in das Projekt mit einfließen zu lassen. Im zauberhaften, fast magischen Ambiente der Container bekommt man tatsächlich das Gefühl einer anderen Galaxie. Ich lasse mich fallen, hinein ins Wurmloch. 

Der Montag ist geprägt von frühem Aufstehen, Uni und Verarbeitung der so verschieden Eindrücke des Wochenendes.
Abends schaue ich trotzdem noch im cucurucu vorbei. In der Bar der Hauskonzerte-Jungs kann man sich der guten Musik stets sicher sein. HELMUT, der mit seine Loop-Maschine zu fusionieren scheint, habe ich vor ein paar Jahren schonmal gesehen, aber bin gespannt auf Lakedaimon, ein “Sideprojekt” des lokal bekannten Dobré. 

Am Dienstag muss ich mich dann aber wirklich erholen und verbringe den Abend nur daheim. Denn am Mittwoch wartet wieder ein Konzert. Die kanadische Noise-Punk Gruppe Metz präsentiert ihr neues Album und zerlegt das wie immer zu heiße und gut gefüllte Strøm. Man muss die wilden Klänge mögen, aber für jeden Fan des Lo-Fi Kraches, ist der Spaß garantiert.

 Am Donnerstagabend zieht es mich in die Rennbahn Schwabing. Die kleine, altschwabinger Bar an der Münchner Freiheit war schon zu meinen Schulzeiten eine unserer Stammkneipen. Mittlerweile haben zwei Schulfreunde von mir die Bar übernommen und feiern am Donnerstag nach einer kleinen Pause die Wiedereröffnung. Seit Anfang April kann man sich schon wieder auf den Lederbarhockern niederlassen, aber am Donnerstag leiten die Jungs unter dem passenden Motto “Frühlingsfest / Wir sind wieder da!” die warme Jahreszeit nun offiziell ein. Denn sie haben recht – wenn der Münchner Sommer kommt, sind alle wieder da.

Foto: Privat

Text: Marietta Jestl

Neuland: Andi Papelitzky – Illustration und Design

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Andi Papelitzky zeichnet Comics. Es ist sein größtes Hobby. Um sein eigenes Projekt, eine Comic-Weltraumsaga, zu verwirklichen, hat er eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Schon bald wird der erste Band einer ganzen Comic-Reihe erscheinen.

Eine Weltraumsaga mit politischen und gesellschaftskritischen Untertönen – so könnte man die neue Comicserie von Andi Papelitzky aus München beschreiben. Der erste Band mit dem Namen „Bountilus“ bildet den Auftakt der Saga. Die zwei Hauptprotagonisten, Weltraumkapitän Nihil und sein Lieutenant Quattro, stolpern darin von einem Abenteuer ins nächste. Erscheinen soll der Comic-Band zum Comicsalon in Erlangen am 30. Mai. Andi zeichnet hobbymäßig Comics und für den ersten Band der Reihe hat er eine Startnext-Crowdfunding Kampagne gestartet, um die Finanzierung nicht komplett alleine stemmen zu müssen, denn den Comic soll es in einer Standard-, Deluxe- und Special-Edition geben. „Der erste Teil ist eine unterhaltsame Einleitung, um die Charaktere kennenzulernen“, sagt Andi. Bis zum 21. Mai läuft die Aktion. Andi strebt nicht nach dem großen Ruhm. Es ist vielmehr seine große Leidenschaft. „Ich möchte mir eine kleine Leserschaft aufbauen. Das Comic-Zeichnen ist mein Hobby. Es ist aber nicht mein Ziel, in der Comic-Szene super bekannt zu werden“, sagt Andi. Es mache ihm Spaß, zeichnerisch Geschichten zu erzählen.  

Text: Ornella Cosenza

Foto: Andi Papelitzky