München-Model: Rosalie Schlagheck

In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen hinter dem hübschen Gesicht.

Rosalie Schlagheck, 22, sieht sich eher als Theaterschauspielerin, nicht als Model. Sie profitiert jedoch vom Modeln, weil beide Jobs so unterschiedlich sind: „Als Schauspielerin schlüpft man in eine andere Rolle und zeigt verschiedene Facetten eines Charakters“, sagt sie. „Als Model bin ich immer noch ich und kann andere Seiten an mir selbst entdecken, die ich dann besser für die Vorbereitung für einen Charakter nutzen kann.“ Rosalie hat nach ihrer Ausbildung als Schauspielerin angefangen, als „Plus Size“-Model zu arbeiten. „Wenn ich einen Abend Lust auf Pizza habe, lasse ich mir das nicht verbieten“, sagt sie, trinkt einen Schluck Kakao mit extra Sahne und streicht sich durch ihre wilde dunkelblonde Lockenmähne, die zu ihrem Markenzeichen gehört. Rosalie ist schlank. Doch aufgrund ihrer Größe von 1,85 Metern trägt sie Größe 38 und gehört daher in die Kategorie „Plus Size“. Aber von diesen Kategorisierungen hält Rosalie  nicht viel. „Es heißt immer: ,Wow!, ein Plus Size-Model ist auf dem Cover‘, doch dabei ist Plus Size der Durchschnitt. Jeder Mensch hat einen anderen Körperbau. Manche sind schlank und andere kurvig, doch keine Körperform ist schöner als die andere, solange man gesund ist.“
 Bisher hatte sie kleinere Modeljobs und mehrere Fotostrecken. Die Arbeit macht ihr großen Spaß, doch die Leidenschaft ist die Schauspielerei: „Man lernt so viel über die menschliche Psychologie und es macht großen Spaß, mich in andere Rollen hineinversetzen zu können. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich immer fürs Schauspielern entscheiden.“  

Foto: Robert Haas

Text: Serafina Ferizaj

Studium menschlicher Facetten

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Schauspielerin Anouk Elias.

Anouk Elias, geboren 1997, war schon immer theaterbegeistert.
Ihre Mutter ist freischaffende Schauspielerin und ihr Vater Synchronsprecher.
Doch dass sie das Schauspielern zu ihrem Beruf machen würde, weiß Anouk erst
seit einem Auslandsjahr in den USA. Dort hat sie in einem kleinen Vorort von
New York bei dem Musical „Evita“ mitgewirkt. „Da gab es einen Moment, da dachte
ich: Es bringt nichts, etwas anderes zu machen, weil mir Theater so viel Spaß
macht“, sagt Anouk. Während sie sich auf das Abitur vorbereitete, sprach sie
bereits an Schauspielschulen vor. An der Otto-Falckenberg-Schule wurde sie dann
angenommen und seit zwei Jahren studiert sie dort Schauspiel.

„Man kann auf der Bühne alles machen“, sagt Anouk. „Ich kann
lachen oder weinen, schimpfen und sogar morden – ohne Konsequenzen. Das finde
ich toll.“ Gleichzeitig kann die junge Frau sehr viel Psychologisches über Menschen herausfinden und auch Rückschlüsse
auf sich ziehen. Aus diesen Gründen fände es Anouk spannend, mal die Rolle der
„Hedda Gabler“ im gleichnamigen Stück zu spielen. „Hedda ist intrigant und macht
gute Miene zum bösen Spiel“, erklärt Anouk. „Sie ist jung und trotzdem
verbittert, hat schon viele Probleme. Es wäre ein Studium wert zu forschen, wer
Hedda ist.“

Auch bei den Shootings für die Ausstellung zeigte Anouk
unterschiedliche Seiten: „Dadurch dass jeder Fotograf andere Themen hatte und
auf andere Dinge Wert gelegt hat, war es natürlich, dass man bei jedem Shooting
ein bisschen anders war. Aber das passt, schließlich haben wir ja auch so viele
Facetten in uns.“

Text: Lena Schnelle

Foto: Nadja Ellinger

München-Models: Malene Becker

In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es
auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir
porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen
hinter dem hübschen Gesicht.

Als Schauspielerin stand Malene Becker, 23, bereits für mehrere große Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, die explizit nach kurvigen Charakteren anfragten, vor der Kamera. Malene entspricht nicht den Modelmaßen, die man in Hochglanzmagazinen sieht, sondern hat einen gesunden Körperbau abseits der gängigen Modelnorm. Malene ist ein „Plus Size“-Model. Alles, was über Größe 38 hinausgeht, gilt als „Plus Size“.
 Doch von diesen Kategorisierungen hält Malene nicht viel. Sie findet es gut, dass bei ihrer Agentur nicht darauf geachtet wird, ob ihr Taillenumfang zwei Zentimeter größer oder kleiner wird. Sie ist sehr zufrieden mit sich: „Mag sein, dass ich in der Modelbranche als eher außergewöhnlich gelte, doch ich habe einen Körper, der in der Welt abseits des Modellebens als normal und durchschnittlich gilt“, sagt sie und streicht sich durch das lange, dunkelblonde Haar. Dass jeder ein Model sein kann, davon ist Malene fest überzeugt.

Malene ist von Ostfriesland nach München gezogen, um hier Psychologie zu studieren. Doch dann ging sie spontan auf das Vorsprechen der Schauspielschule Zerboni und wurde dort aufgenommen. Auch wenn es jetzt doch nicht mit dem Studium klappte: Für die Psyche eines Menschen hat sie sich immer interessiert. Ihrer Meinung nach kommt es sowohl beim Modeln als auch beim Schauspielern auf mehr als nur das Äußere an: „Man schlüpft in eine andere Rolle. Um eine Rolle glaubhaft zu spielen, muss man sich viel mit der Psychologie auseinandersetzen“, sagt sie.

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Stephan Rumph

München-Models: Jane Sommer

In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es
auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir
porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen
hinter dem hübschen Gesicht.

Jane Sommer, 22, ist klein. Also nicht schlimm klein, 1,65 Meter. Nur ist sie halt für die meisten Model-Jobs nicht groß genug. Deswegen nimmt sie fast alle Jobs an, die sie bekommt. Was das bedeutet, sieht man auf ihrem Instagram-Account. Dort postet Jane nicht nur Fotos, auf denen sie im Kleid oder Bikini posiert, sondern auch Fotos von der Bravo-Lovestory. Manchmal ist sie auch das Model, wenn Leser Fragen zum Liebes- oder Sexleben haben. „Mit Menschen, die die Bravo belächeln, möchte ich nichts zu tun haben“, sagt Jane. Sie lächelt dabei. „Die Leute steigern sich zu sehr in das Image-Ding rein. Es ist ja nur ein Job.“ Auch bei der TV-Show „Undressed – Das Date im Bett“ war sie zu sehen – das sei aber die Idee ihrer Model-Agentur gewesen.

Oft postet Jane auch Fotos in Unterwäsche oder Bikini. Sie hat kein Problem damit, sich vor der Kamera auszuziehen, da der menschliche Körper etwas Normales ist. „Wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes“, sagt Jane. Sie möchte aber nicht auf das Sexuelle reduziert werden. „Die Menschen denken zu sehr in Grenzen. Früher fanden die Menschen es auch normal, an den FKK-Strand zu gehen. Heute ist es ein Aufschrei.“

Jane hat sich daran gewöhnt, für ihr Aussehen bezahlt zu werden. Doch privat kümmert sie sich nicht darum, wie sie aussieht. Sagt sie zumindest. Um ihre „wilde Partyschiene“ auszugleichen, steht sie als Schauspielerin regelmäßig auf Schulbühnen. Dort müsse sie Verantwortung übernehmen – nicht nur für sich.

Text: Lena Schnelle


Foto: Stephan Rumpf

Übers Pfadfinden zur Schauspielerei

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Täglich porträtieren wir an dieser Stelle eine(n) der 20 mitwirkenden
KünstlerInnen unserer “10 im Quadrat”-Ausstellung im Farbenladen – mal
Fotograf, mal Modell. Heute: Schauspielerin Vera Flück.

Vera
Flück, geboren 1994, hat ein Hobby, das man auf den ersten Blick nicht
von ihr erwarten würde: Sie ist leidenschaftliche Pfadfinderin. Doch
derzeit kann sie diese Tätigkeit nicht ausführen. Denn seit 2014
studiert sie Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Und
ihre Pfadfinder-Abteilung befindet sich in ihrer früheren Heimatstadt
Bern in der Schweiz.

Seit sie denken kann, möchte Vera
Schauspielerin werden. Sie sagt: „Ich war schon immer der Klassenclown
und es war schon früh eine Leidenschaft von mir, Menschen zu beobachten
und mir deren Welten zusammen zu spinnen.“ Vera hat jedoch auch schon
eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit (Krankenschwester) gemacht und
eine Weile in dem Beruf gearbeitet. „Da lernt man Menschen unverblümt
kennen, das empfinde ich als wichtige Erfahrung“, sagt sie dazu. Bis
November 2017 ist sie noch in „Klein Zaches, mein Zinnober“ nach E.T.A
Hoffmann (Regie und Textfassung: Wiebke Puls) an den Münchner
Kammerspielen zu sehen.

Die Ausstellung “10 im Quadrat” ist an allen Wochenenden im Mai, samstags von 16 – 22 Uhr, sonntags von 16 – 20 Uhr, im Feierwerk Farbenladen geöffnet. Neben den Fotografien werden Konzerte, Lesungen und Diskussionen veranstaltet. Für weitere Infos klickt unsere Junge-Leute-Facebookseite.
Der Eintritt ist frei.

Text: Amelie Völker    

Foto: Milena Wojhan

Mutterrolle

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Studieren mit Kind? An deutschen Unis keine Seltenheit mehr. Auch Hannah Schutsch, 23, wurde während ihrer Ausbildung schwanger. Nur: Sie wird Schauspielerin – und am Theater spielt es sich mit Baby schwer

Otto-Falckenberg-Schule, Ende Oktober: Eine junge Frau mit dunklem Haar sitzt im Scheinwerferkegel. Sie hockt auf einem Stuhl vor dem Publikum, wirkt etwas verloren. Durch ihre Worte verwandelt sie sich langsam in Penthesilea, Kleists berühmte Amazone. Das weiße Hemd, das sie trägt, kaschiert den darunter liegenden Schwangerschaftsbauch: Keine zwei Monate mehr, dann bekommt Hannah Schutsch ihr erstes Kind. Ihre Schwangerschaft mutet im Angesicht der Figur, die die 23-Jährige an diesem Abend ein letztes Mal verkörpert, irritierend an: Penthesilea ist Königin der Amazonen und damit Regentin eines männerfreien Staats. Männer werden, so will es die Tradition, nur zur Zeugung unterworfen.

 Eine Woche später. Intendantenvorsprechen. Vielleicht die wichtigste Zeit im Leben eines Schauspielstudenten. Man zeigt, was man gelernt hat in der Ausbildung. Präsentiert Rollen und mit den Rollen sich selbst. Im Publikum: einige potenzielle Arbeitgeber, Intendanten deutschsprachiger Theater. Talente sichten, auf der Suche nach einem Gesicht, das ins eigene Ensemble passt.
 Doch Hannah betritt an diesem Abend nicht die Bühne. Geplant war das anders, denn es ist ihr Abschlussjahrgang, der dort Monologe von Roland Schimmelpfennig, Heiner Müller oder Friedrich Schiller spielt. Wehmut bei Hannah? Sie lächelt, wenn sie über dieses Thema spricht. Wirkt ruhig, unaufgeregt. Den Bauch unter ihrem dunkelgrünen Pulli sieht man erst jetzt in seiner vollen Größe. „Ich versuche das zu nutzen für mich, dass ich Zeit bekommen habe, noch nicht so rausgeworfen werde auf den Arbeitsmarkt. Man fühlt sich als Schauspieler so schrecklich abhängig. Und nun habe ich den Raum, das noch einmal zu reflektieren. Durch ein Kind bekommt all das eine viel realere Ebene, die mir gerade eher gut tut“, sagt sie leise. 

Wenn die junge Frau so über das Theater spricht, spürt man, wie sehr sie damit ringt. Die gebürtige Berlinerin ist hinter den Kulissen groß geworden: Ihre Mutter war damals Bühnenbildnerin, der Vater Dramaturg. Schon früh merkt sie, dass auch sie ans Theater will, macht eine Regiehospitanz am Nationaltheater Mannheim. „Das war dann aber doch zu viel sitzen und zugucken.“ Hannah will selbst spielen, dem Zuschauer „Geschichten mit dem Körper erzählen“, wie sie es nennt. Sie bewirbt sich an Schauspielschulen, nach nur wenigen Vorsprechen klappt es an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ein guter Ort, um zu lernen. Für Hannah auch ein Ort, um zu zweifeln. Sie ist 20, als sie ihr Studium beginnt. „Die Jahre nach der Schule machen eh viel mit einem. Wenn man dann zusätzlich nur mit sich beschäftigt ist, fühlt man sich irgendwann einfach blöd.“

Anders als an einer Uni gehe es hier nicht um Fakten, Zahlen, Diskurse. Die Schule habe ihr einen Erfahrungsraum bereitgestellt, sagt Hannah: Wer bin ich, als Künstlerin, als Mensch? Wo will ich hin? Was können mein Körper, meine Stimme? Wo habe ich Defizite?

Diese permanente Auseinandersetzung mit sich ist nicht nur schön. Sie macht auch mürbe, von innen heraus. „Man will immer interessant sein. Dann macht man das zwei Jahre und denkt hinterher: Ich habe eigentlich nichts gelernt, ich habe immer nur gekämpft um das Ansehen des Publikums.“ Zeige dich, schillere. Sich von diesem Gedanken zu emanzipieren, ist nicht leicht, besonders dann, wenn man ein Kind im Bauch trägt. 

Ihre Kommilitonen müssen derzeit genau das: sich präsentieren. Nach dem Intendantenvorsprechen haben einige von ihnen bereits Angebote bekommen, fahren an Theater, um sich vorzustellen, im Gepäck die Hoffnung auf ein Engagement für die kommende Spielzeit. „Klar wollte ich das mit denen gemeinsam fertig machen. Wenn man die spielen sieht, will man sofort mitmachen. Aber eigentlich denke ich: Es tut so gut, Zeit zu haben. Das ist auch eine Chance.“ Doch: Die Entscheidung für das Kind zu treffen, war auch für Hannah nicht leicht. Als Hannah ihre Schwangerschaft bemerkt, ist sie bereits im vierten Monat. Eine Abtreibung kommt da nicht in Frage. Und: Sie will dieses Kind, freut sich so sehr darauf, das merkt man im Gespräch.

Hannah ist nicht die einzige, die im Studium ein Kind bekommt: Allein an der Ludwig-Maximilians-Universität sind derzeit circa 2000 Studierende „mit Familienverantwortung“ eingeschrieben, schätzt die zuständige Beratungsstelle. Von den Unis kommt hier viel Unterstützung: Wer ein Kind großzieht, kann mehrere Urlaubssemester nehmen, viele Hochschulen bieten Kitas für den akademischen Nachwuchs an, die LMU hat zudem eigene Rückzugsräume für Studenten mit Kindern. Studium und Kind zu vereinbaren, scheint angesichts dieser Angebote für manchen jungen Menschen fast leichter zu sein, als erst hinterher, im Job, mit der Familienplanung zu starten.
 Doch Hannahs Schule ist klein. Rund 50 junge Künstler werden an der Otto-Falckenberg-Schule derzeit ausgebildet, Schwangerschaften passieren zwar auch da immer mal wieder, sind jedoch eher die Ausnahme. Dass die Schule sie in ihrer veränderten Lebensplanung dennoch unterstützt und Hannah problemlos ein Jahr zurückstuft, war für die werdende Mutter eine große Erleichterung. 

Eine Ausbildung an einer guten Schauspielschule ist kein Garant für ein Engagement. Und selbst, wer fest angestellt ist, arbeitet nicht unbedingt unter Bedingungen, die sich mit Kindern vereinbaren lassen: 1850 Euro brutto beträgt die Mindestgage von Januar 2017 an, in Städten wie München, Stuttgart oder Frankfurt reicht das nach Steuern und Miete gerade so, um sich selbst zu finanzieren. Hinzu kommen ungewöhnliche Arbeitszeiten: Tagsüber wird geprobt, abends gespielt. Gerade in der Endprobenphase ist das mit kleinen Kindern schwierig. Und: Wer als Schauspieler in Elternzeit geht, fällt am Theater monatelang aus und kann in dieser Zeit nicht für neue Produktionen besetzt werden. Die Folge: Verträge werden mitunter nicht verlängert.

Hannah kennt diese Probleme, sie ist quasi im Theater aufgewachsen. Sie wirkt nicht ängstlich, was das Kommende anbelangt. Auch, weil ihre Eltern sie finanziell unterstützen werden, weil da ihr Freund ist, mit dem sie lebt und das Kind großziehen wird. „Letztens haben wir mit Puppen das Stillen geprobt, beim Geburtsvorbereitungskurs“, sagt sie mit einer gewissen Selbstironie in der Stimme. Eltern sein ist eine Rolle, in die man eben auch hineinwachsen muss. „Wir wissen, dass uns das verändern wird. Aber das finde ich einen schönen Gedanken. Was mich eher beängstigt: Man muss sich explizit Raum schaffen, um Kinder großzuziehen. Gerade am Theater ist das schwierig. Dieser Raum ist da nicht.“ Das zu ändern, darum bemühen sich Initiativen wie das Ensemble-Netzwerk. Eine neue, andere Generation von Schauspielern formiert sich gemeinsam, um die Bedingungen in ihrem Beruf zu verbessern: faire Bezahlung, eine Arbeitsbelastung, die Künstler nicht ständig an ihr Limit bringt.

Für Hannah ist Theater ein Raum, „wo man träumen darf, wo dieses Träumen sogar etwas anrichten kann“. Träumen, das wird sie, das darf sie. Und dann in ein, zwei Jahren in die Welt hinausgehen: Denn dann steht auch Hannah beim Intendantenvorsprechen auf der Bühne. Mit Kind. Trotz Kind. Es wird ein Mädchen.

Text: Carolina Heberling

Foto: Florian Peljak

Katzendame sucht Muskelkater

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Um auch ihre komische Seite zu zeigen, hat die Schauspielerin Laura Cuenca Serrano fünf Figuren entwickelt. Ihre Rolle als Imke-Karlotta kommt so gut an, dass sie nach nur einem Auftritt gleich ins Vereinsheim gebucht wird.

Imke-Karlotta sucht die große Liebe. Sie hält sich an ihrem Jutebeutel fest. Schlurfender Schritt, geduckte Haltung. Ihre Chancen, einen Mann zu finden, stehen an diesem Abend zunächst ziemlich schlecht. „Ich liebe Katzen“, sagt sie, und man glaubt es ihr aufs Wort. Ihr hellblauer Pulli, den Imke-Karlotta immer wieder zurecht zieht, ist geziert von zahlreichen Katzen. Die Brille sitzt leicht schief auf ihrer Nase und sie muss sie immer wieder hochschieben. Die blonden Haare hat sie hinten zu einem Zopf gebunden und zwei bunte Spängchen halten sie links und rechts aus dem Gesicht.
Laura Cuenca Serrano, Jahrgang 1987, ist an diesem Abend die einzige Frau auf der Bühne. Das Schwabinger Vereinsheim ist bis auf den letzten Platz gefüllt und alle sind auf die Newcomerin gespannt. Wenn sie als Imke-Karlotta dann anfängt, von ihren süßen Babykatzen zu schwärmen und mit ihrer kindlichen Naivität bezaubert, merkt man, dass Laura die Rolle nicht nur spielt, sondern lebt. Vielleicht hat sie es deshalb nach nur einem Auftritt auf der Studentenbühne „Ludwig und Kunst“ im Rationaltheater gleich ins Vereinsheim geschafft.

Auf Katzenwitze folgen
anzügliche Wortspiele, so
unschuldig ist sie wohl doch nicht

So richtig angefangen hat bei Laura alles mit dem Bachelor. An der LMU München studiert sie Germanistik und Theaterwissenschaften mit dem Schwerpunkt Filmwissenschaften. Mit dem wissenschaftlichen Studium wächst der Wunsch, Schauspielerin zu werden. Sie nimmt daraufhin Unterricht in den USA und Deutschland. Mittlerweile macht Laura ihren Master in Germanistische Literaturwissenschaft, ihren Lebensunterhalt verdient sie aber schon jetzt als Schauspielerin. In der Vergangenheit war sie meistens in ernsten Rollen zu sehen. Im November 2015 hatte sie beispielsweise in dem Theaterstück „Die Ermittlung“ eine Hauptrolle als eine der Zeuginnen im Pathos Atelier. In dem Stück geht es um die Auschwitz-Prozesse: schwere Kost für den Zuschauer. Obwohl Laura die Bühne liebt, arbeitete sie bislang häufiger fürs Fernsehen, kleinere Sachen, etwa bei Aktenzeichen XY. Im Laufe des Jahres wird sie außerdem eine Nebenrolle in einem internationalen Kinofilm spielen.
 Von Langeweile keine Spur. Trotzdem wollte sie den Castern und Regisseuren zeigen, dass sie auch Talent für Komik besitzt und gerne „Späßchen macht“. Deshalb hat sie fünf verschiedene Frauencharaktere entwickelt, die auf der Suche nach einem Mann sind: Imke-Karlotta, die Katzenliebhaberin, Selina, die Proletin, Carmen, die spanische Schlagersängerin, Chanel die Modebloggerin, und Nicole, der Emo.

Die Partnerwahl ist für Laura ein wesentliches Thema in unserer Gesellschaft, aber eben auch in gewisser Weise das „Luxusproblem“ einer Generation, die keine existenziellen Sorgen hat. Nachdem sie ein Video gedreht hat, in dem die fünf sehr unterschiedlichen Charaktere sich und ihre Wünsche an die Männerwelt vorstellen, wurde sie von ihren Freunden dazu animiert, mit dem Programm auf die Bühne zu gehen.

Als dann die Rockergöre Selina für einen Werbespot gecastet wird und sie „wild rumpöbeln“ darf, beschließt sie ein Miniprogramm von 10 bis 15 Minuten zu schreiben. Erst dachte sie, dass sie das Programm in ein bis zwei Stunden locker runterschreiben kann. Nach fast acht Stunden Arbeit hat sie aber gemerkt, dass das gar nicht so leicht ist. Zahlreiche Youtube-Videos von Stand-up-Comedians, Kabarettisten und Gespräche mit anderen Künstlern später war Imke-Karlotta schließlich bereit, sich der Welt zu präsentieren.
 In allen Figuren, die Laura erschaffen hat, steckt immer auch ein kleiner Teil von ihr, „meine heimliche Lieblingsfigur ist aber die Imke-Karlotta“, gesteht Laura. Interessanterweise, so die junge Kabarettistin, bevorzugen Männer meistens die Figur der frechen Rockerin Selina oder der spanischen Schlagersängerin Carmen, wohingegen die meisten Frauen eher Imke-Karlotta in ihr Herz schließen. Wenn sie leicht verloren auf der Bühne steht und schüchtern blinzelt, bleibt einem aber auch wenig anderes übrig. Vor allem dann, wenn sie anfängt, Katzenwitze zu erzählen: „Wovon träumt eine Katze nachts? Von einem Muskelkater.“ Und ganz aufgeregt gleich den nächsten: „Wo wohnen die Katzen? Im Miezhaus.“
 

Sie grinst leicht verschmitzt ins Publikum, doch gleich legt sich ein Schatten über ihre Züge, als ihr einfällt, dass es ja vielleicht doch nichts wird mit der großen Liebe. Vielleicht ist da niemand, der ihre „Katze streicheln“ will – ein anzügliches Wortspiel, so unschuldig ist sie also wohl doch nicht. Dann beginnt sie zu singen, ein Lied voller Herzschmerz. Und das ist der einzige Augenblick, in dem eher Laura als Imke-Karlotta auf der Bühne steht. Denn von der schrulligen Katzendame würde man eher ein Gepiepse und Geheule erwarten als die sanfte Stimme, die man zu hören bekommt. Aber Laura ist nicht nur Schauspielerin, Model, Moderatorin und seit neustem Kabarettistin, sondern auch noch leidenschaftliche Sängerin.

Laura plant in Zukunft, auch mit den anderen Figuren auf die Bühne zu gehen. Das Programm für Imke-Karlotta ist ihrer Meinung nach aber auch noch lange nicht ausgeschöpft. Sie könnte sich zum Beispiel gut vorstellen, dass Imke-Karlotta bald auf der Bühne einem Politiker mit ihrer kindlichen Art Löcher in den Bauch fragt. Denn so etwas darf Imke-Karlotta. Sie darf ihre Katze auch Barack Obama nennen, „weil die so eine lustige Farbe hat“.
 Für Laura ist dass das Spannende an den verschiedenen Rollen: Sie alle sind Teil von ihr und doch ganz anders. Sie tun und sagen Dinge, die sie selbst nie so machen würde. 

Im Umkehrschluss kristallisiert sich dadurch immer mehr heraus, was den Mensch Laura Cuenca Serrano ausmacht. Sie wirkt keinesfalls unsicher wie Imke-Karlotta. Und sie hat es nicht nötig zu pöbeln wie Selina. Schon mit ihren jungen Jahren ruht Laura in sich selbst. Ihre Lippen umspielt immer ein kleines Lächeln, das auch noch in ihren grün-grauen Augen aufblitzt, wenn sie zu erzählen beginnt.

Starallüren? Keine Spur. Dafür hat sie auch gar keine Zeit, denn Laura hat noch viel vor. Deshalb ist sie auch keine Frau, die mit den Worten „Ich wünsche mir den Weltfrieden“ von der Bühne gehen würde. Ihre Figur Imke-Karlotta tut allerdings genau dies und lässt die Zuschauer ein klein wenig verliebt zurück.

Von: Jacqueline Lang

Foto: Jean-Marc Turmes

Mehr als nur ein Gastspiel

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Mitten im Semester bekam Anna Drexler (Foto: Käthe DeKoe) eine Rolle an den Kammerspielen angeboten – dafür wird sie von der Schauspielschule freigestellt.

Ein wenig wirkt es, als gehöre sie hier dazu. Nicht wie ein Gast, sondern mit der Selbstverständlichkeit eines alt bekannten Mitglieds. Sie weiß, wer ihr an welchem Tag ihre Saftschorle einschenkt und wo sie das Glas anschließend abstellen sollte, um möglichst wenig Arbeit zu machen. Hier, das ist die Kantine der Kammerspiele. Sie, das ist Anna Drexler. Und überraschen sollte das, weil die 23-jährige Schauspielerin eigentlich gerade noch ihr letztes Jahr auf der Schauspielschule absolvieren sollte, um danach auf die Aufnahme in einem Schauspielhaus zu hoffen. Stattdessen aber ist sie nun Ensemble-Mitglied der Kammerspiele und konnte sich den Unterricht bis zur Abschlussprüfung sparen. Im April dieses Jahres verabschiedete sie sich von der Otto-Falckenberg-Schule und blieb im Theater.

Eine schwierige Entscheidung, sich gegen das letzte Jahr zu entscheiden? Da schüttelt die 23-Jährige den Kopf: „Die Kammerspiele sind ein Theater, das ich mir früher gar nicht erträumt hätte, da überlegt man keine Sekunde.“

Wirklich früh begann sie streng genommen gar nicht von den Kammerspielen – ja von der Schauspielerei überhaupt – zu träumen. Ihre Eltern sind Schauspieler, Anna wuchs in einem Theaterumfeld auf, das sich von Stadt zu Stadt wohl in einigen Punkten nicht unterscheidet: Das Theater ist ein kleiner eigener Kosmos, einer, der viel Zeit einfordert und der einem wenig Sicherheit auf längere Sicht geben kann. „Dass meine Eltern Schauspieler waren, war natürlich prägend. Aber zuerst in der Hinsicht, dass dieser Beruf überhaupt nicht für mich infrage kam.“

Sie beschreibt das nicht als die typische Rebellion gegen Eltern, als unbedingten Wunsch, sich distanzieren zu wollen. Vielmehr erzählt sie davon, dass ihr ihre Eltern immer ein realistisches Berufsbild vermittelt hätten und ihr immer klar gewesen sei, dass es ein spannender Beruf sei, der aber meist weder mit dem großen Geld noch mit viel Zeit für das Privatleben verbunden ist. Und so waren die Berufswünsche zunächst weit von der Bühne entfernt: Illustratorin von Kinderbüchern oder Konditorin.

Was zunächst nach Kinderwünschen klingen mag, war Anna Drexler recht ernst. Sie sammelte erste Erfahrungen im Konditorei-Betrieb, um festzustellen, dass es ihr doch „zu wenig Arbeit mit dem Kopf“ war. Die Wende kam 2008. Ihre Schule machte ein großes Theater-Projekt und sie merkte immer mehr, wie viel Spaß sie dabei hatte. 2009 folgte das Abitur, dann die Entscheidung für die Schauspielerei. Sie selbst formuliert das so: „Ich habe mir ein Jahr Zeit gegeben, um an den Schulen vorzusprechen und es einfach zu versuchen.“ Verbunden war dieses Jahr mit viel Aufregung – einer Angst-Aufregung, die sie heute nicht mehr vor Aufführungen empfindet, weil sie nun ein Fundament habe, das ihr Sicherheit gebe: auch in dem Moment, in dem sie auf die Bühne tritt. Doch damals lud sie Familie und Freunde ein, um ihnen ihre Rollen vorzuspielen, sich mit der Situation des Vorsprechens vertraut zu machen. Richtig gewöhnen konnte sie sich nicht, das Vorsprechen blieb eine Ausnahmesituationen: „Es ist auch ganz extrem, wie der Körper reagiert. Als würde man sich nach außen stülpen.“

Aber nach diesem Jahr, in dem sie sich an allen deutschsprachigen Schulen vorgestellt hatte, hat sie die seltene Möglichkeit: Sie hatte nicht nur eine Zusage und konnte sich deshalb die Schule aussuchen. Sie entschied sich für München. „Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, die Kommission hat mir ein gutes Gefühl gegeben und ich dachte, es ist vielleicht ein ganz guter Kontrast zu Berlin.“ Berlin, das ist die Stadt, die sie als ihre Heimatstadt bezeichnen würde, auch wenn sie in der Nähe von Frankfurt geboren ist, auch wenn sie recht viel herumgekommen ist. „Die meiste Zeit war ich in Berlin.“

Dass sie nun sicher noch länger in München bleiben wird, liegt an einem für sie glücklichen Zufall. Bei der Produktion von „Onkel Wanja“ war den Kammerspielen eine Schauspielerin ausgefallen. „Dann haben sie mich für die Rolle gefragt und ich habe gesagt: Natürlich.“ Etwas später sagt sie: „Es ist ein tolles Gefühl, jetzt auch finanziell unabhängig von meinen Eltern zu sein.“

Es ist diese Schlichtheit, die das Gespräch mit ihr auszeichnet. Es fallen wenig große Wörter: Chancen ja, aber die Kategorien Schicksal, Zufall, Fügung sind ihr fern. Sie versucht das zu machen, was sie kann, und das gut. Sie scheint zu ahnen oder zu wissen, dass ihr aktueller Erfolg gerade schön ist, dass sie ihm aber nicht zu viel beimessen sollte. Spricht man sie etwa auf den O.E.-Hasse-Preis an, den sie nun für ihr Spiel erhalten hat, erzählt sie erst davon, dass sie sich wahnsinnig gefreut habe, auf der Maximilianstraße auf und ab gehüpft sei, als sie davon gehört habe. Das glaubt man ihr, da sie unbeschwert und jugendlich genug wirkt, um sich in diesen Gefühlen auch fallen lassen zu können. Doch dann sagt sie: „Ich freue mich sehr und bleibe immer ein bisschen vorsichtig.“

Ähnlich erzählt sie auch über die Probenzeit bei Onkel Wanja: „Die Zeit war kurz und es lag an mir, dass ich jetzt ins Wasser springe.“ Eine große Aufgabe sei das gewesen, aber eine, die ihr das Ensemble leicht gemacht habe. Sieht man sie dann auf der Bühne, scheint ihr die Aufgabe geglückt: Schön schaut sie nicht aus, wenn sie, die sich sonst eher romantisch-mädchenhaft kleidet, im plumpen Sackkleid daherkommt und sich zwischen den immer gleichen Sätzen, die der verloren gegangenen Routine hinterhertrauern, entweder das strähnige Haar oder die Brille zurecht rückt. Schön soll sie nicht aussehen. Und wieder stellt sich dasselbe Gefühl ein wie in der Kantine. Das nämlich, dass sie hier nicht zu Gast, sondern zu Hause ist.

Marie Schoess

Foto: Käthe DeKoe