Fragen über Fragen – Lotte Friederich

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Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten und auch für mich sichtbar, sagt Sängerin Lotte Friederich, die bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” als Model mitgewirkt hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur
fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten
und auch für mich sichtbar. Deswegen ist es eine gute Möglichkeit, sich besser
kennen zu lernen.

Hat das Mut
erfordert?

Mut erfordert es nicht wirklich, man ist es ja doch schon
gewöhnt.

Bist du auch mal in
andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

Ich denke, es gibt ‚andere Rollen‘ nicht wirklich, alles was
man zeigt, ist irgendeine, wenn auch manchmal versteckte, Seite an sich.

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?

Keine bestimmte Begegnung, eher das Gesamte und das Gemisch
der unterschiedlichen Charaktere, Geschmäcker und Sichtweisen.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Alles war sehr harmonisch und umsetzbar, jeder hat Freiraum
gelassen, dadurch konnte ich das Meiste selbst bestimmen und ich bin nicht an
meine Grenzen gestoßen.

Brauchen wir mehr
Vernetzung in München?

Vernetzung ist Alles, die Kontakte die wir mit dem Projekt
machen konnten sind Gold wert und deswegen mehr davon, ja!

Foto: Anna Heimkreiter

Band der Woche: Rey Lenon

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Die Sängerin Lena Britzelmair wurde in München durch ihre Band Tonwertkorrektur bekannt. Seit einem Jahr ist sie auch als Solokünstlerin unterwegs: Rey Lenon hat nun ihre ersten drei Songs veröffentlicht. 

Bei Opern fragt man sich ja manchmal, wo denn nun eigentlich das Drama in der Musik liegt. Wird die Oper wirklich erst zur geschichtenerzählenden Aufführung, wenn die Sänger – kostümiert und in einem Bühnenbild – ihre in der Musik beschriebenen Handlungen szenisch vollführen? Oder sind Opern so komponiert, dass die Musik an sich schon voll dramatischer Erzählkraft ist und das Szenische ein illustrativer Zusatz ist. Wenn man die Musik der Münchner Musikerin Lena Britzelmair hört, glaubt man gerne daran, dass Musik durchaus dramatisch erzählen kann – auch ohne Kostüme, ohne Bühne, schlicht wenn man sie nur über Kopfhörer hört. Denn Lena Britzelmair – man kennt sie in der Münchner Szene als die Sängerin und Pianistin des Art-Rock-Trios Tonwertkorrektur – hat eine Stimme, der man das klassisch geschulte Drama anhört. Und sie hat auch keine Scheu, diese Fähigkeit für ihre Popmusik-Projekte zu nutzen.

Seit etwa einem Jahr arbeitet sie nun an einem Solo-Projekt. Unter dem Namen Rey Lenon hat sie die ersten drei Songs daraus veröffentlicht. Und in denen liegt eine musikdramatische Qualität, die in der Münchner Popszene selten bestechend ist. „Fight me like a real man“, singt sie etwa im Song „War“. Großer Satz, noch größerer Songtitel. Ja, hier wird eine Geschichte erzählt, die so groß erscheint, dass sie vielleicht schon die Überhöhung inne hat, die man aus der Kunstform Oper kennt – nicht aber aus dem Indie, wo gerne in vermeintlicher Authentizität tiefgestapelt wird. Lena aber baut in ihrer Musik ganze Welten auf, die in sich geschlossen sind, und in der Dinge passieren dürfen, die der Privatperson Lena normalerweise nicht passieren. Und das ist ausgesprochen schön. Denn Lena entkoppelt ihre Musik so von der biedermeierlichen Geste des Privaten, die Indie-Musik derzeit so gerne zeigt.

Lena gelingt mit diesen Solo-Stücken noch etwas: Ihre Band Tonwertkorrektur war live eine Wucht, da blies ein Sturm aus Klavier, Bass und Schlagzeug von der Bühne. Lena – inklusive ihrer klassisch geschulten Klavier-Skills und ihrer ebenso gut ausgebildeten Stimme – raste tollkühn über die Klaviatur und durch Stimmlagen, ihre Mitmusiker setzten ein ebenso fülliges Bett aus Bass und Schlagzeug darunter. Doch während einen Tonwertkorrektur ab und an ein wenig im musikalischen Aussagewillen überrannte – schlicht weil die drei Instrumente oft alle auf sehr hohem Niveau sehr viel spielten und bisweilen in Konkurrenz zu Lenas Stimme um Aufmerksamkeit standen – hat Lena nun in ihrem Solo-Projekt dieses Problem gelöst. Obwohl die Musik auch von befreundeten Musikern eingespielt wurde, hat sich das Klangbild verändert. Anstatt der rasenden Klavierschläge spielt Lena nun auch Synthesizer, insgesamt erklingt die Musik mehr als eine Einheit, man hört weniger die einzelnen Instrumente heraus, eine elektronisch-synthetische Wolke hat sich über das Klangbild gelegt. Das gibt Raum für Lenas Stimme. Und lässt der Musik eine innere Kraft, die nun auch in aufgenommener Form bestehen bleibt – und nicht so auf die Live-Energie angewiesen ist, wie das bei Tonwertkorrektur der Fall war.

Und so erscheint Lena als Rey Lenon plötzlich wie die aufgewühlte Version der schwedischen Musikerin Fever Ray. Das dürfte sich noch verstärken, wenn sie in Zukunft eine Kooperation mit den DJs und Produzenten von Baal eingehen wird. Denn die erschaffen eine recht erfolgreiche Mischung aus klassisch-pompösem Gestus und kühler Elektronik. Lenas Stimme dürfte sich da gut einfügen. Bis dahin probiert sie aber ihre neue Stücke erst einmal live aus. Etwa am Samstag, 30. Juli, auf dem Subkultur Open-Air im Alten Schlachthof in Fürstenfeldbruck.  

Stil: Kammer-Pop / Elektro
Besetzung: Lena Britzelmair (Gesang, Keyboards, Songwriting), als Gäste: Johannes Wendler (Gitarre, Synthie), Ludwig Hanisch (Bass), Florian Häring (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2015
Internet: www.soundcloud.com/user-778908050

Text: Rita Argauer

Foto:

Veronika Christine Dräxler