Zeichen der Freundschaft: Pommes mit Ketchup

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Mit Alkohol im Blut nach dem Feiern noch einen Abstecher beim Pommesladen um die Ecke – das kennen wir alle. Anne und Konsti jedoch machen so viel Quatsch dabei, dass das zum Markenzeichen ihrer Freundschaft wird.

Ich weiß
noch genau, wie alles anfing mit Konstantin. Er fasste mir mit seiner fett- und
Ketchup verschmierten Hand ins Gesicht, zog an meiner Wange, wie man es bei
Kleinkindern tut und rief: „Duziduziduz, jaaa duuziduz, buibuibui!“ Ich
reagierte prompt mit dem gleichen Griff an die Wange und rief auch: „Duziduz
buibuibui“ und so war unsere Freundschaft besiegelt.

Pommes
Frites und viel Alkohol waren im Spiel. Wir waren auf Fachschaftsfahrt in
Brüssel und nach einer ausführlichen Kneipentour hatte der Hunger uns zu einer
der zahlreichen Brüsseler Pommesbuden getrieben. Und wie Konstantin und ich da
so saßen und genüsslich zu zweit unsere Portion Pommes mampften, versetzte
uns die Kombination aus Alkohol, Fritten und Ketchup in diesen präkindlichen
Zustand, in dem einem alles egal ist. Wir blödelten herum, schrien und
kreischten uns an und dann war da das Duziduz.

Sehr zum
Leidwesen unserer restlichen Gruppe setzten wir unser Ritual noch etwa eine
halbe Stunde ununterbrochen fort, ohne uns selbst auch nur ein einziges Mal
peinlich zu finden. Seitdem erlebten wir noch den ein oder anderen Vollrausch
von Mongomeister und ähnlichen Gefährlichkeiten gemeinsam, der uns immer wieder
in diese überdrehte Stimmung zurückbrachte, in der wir jedem anderen zu
anstrengend waren- nur uns selbst nicht. Und so fand auch unser „Duziduziduz“
immer wieder Anwendung. Es funktioniert wie ein Zeichen über ein geheimes
Einverständnis, das zwischen uns herrscht. Egal wie ernst wir das Leben nehmen,
der Quatsch zählt mehr.

Konstantin
ist wie der große kleine Bruder, den ich nie hatte. „Hallo ich heiße Konstantin
und ich mag Ketchup.“, stellte er sich beim Erstitag vor. Das ergänzte mein
fatale Liebe zu Pommes perfekt. Die Situation, mit der unsere Freundschaft
begann, war in diesem Moment schon vorherbestimmt.

Unsere
Freundschaft macht die liebevolle, geschwisterliche Dynamik zwischen uns aus.
Wir sticheln und pieksen uns, kichern zusammen und ich kann meinen Arm perfekt
über seine Schulter legen, ohne mich verrenken zu müssen. Obwohl Konsti genauso
groß ist wie ich. Das lässt mich noch immer daran zweifeln, ob ich nicht in
Wirklichkeit viel größer bin, als er. Das dementiert er aber vehement. Wenn wir
uns sehen in unserer Stammbar, der„Bar“, können wir gemeinsam unserer Liebe zu
gesellschaftskritischen, antikapitalistischen Reden, Bier, Flachwitzen und linksintellektueller
Satire frönen. Doch egal was wir machen, das Duziduz ist als unser
Begrüßungsritual immer dabei.

Von: Anne Gerstenberg

Foto: Yunus Hutterer

Pommes statt Prinzen

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Per Annonce den Traumprinzen finden? Das gestaltet sich für Lilofee schwierig. Dann vielleicht doch lieber zu Burger King – da gibt es immerhin schon mal die Krönchen.

Wenn Lilofee zu Burger King geht, nimmt sie sich jedes Mal eine Krone mit. Unterm Strich also nie. Burger King ist nämlich doof. Schon deshalb, weil Lilofee eisern darauf achtet, ihr elfenhaftes Figürchen nicht mit Rinderhack und fettigen Pommes zu ruinieren. Andererseits arbeitet Lilofee seit ihrem sechsten Lebensjahr daran, eine Prinzessin zu werden, und so eine Krone würde ihr ganz gut in den Kram passen. Wichtiger wäre dann nur noch ein Märchenprinz. Einerseits, weil man das eben so hat als Prinzessin, andererseits, weil sie einen würdigeren Nachnamen sucht, den sie annehmen könnte: Lilofee Ranzinger – das kommt irgendwie nicht.

Lilofees Prinzessinnen-Ambitionen kennen wir schon zur Genüge, deshalb verdrehen Hannah und ich auch nur noch ein bisschen die Augen, als wir beim gemeinsamen Filmabend eine wahre Burger-Orgie veranstalten, während Lilofee wortlos fettarme Selleriesticks kaut. Offensichtlich läuft es an der Märchenfront nicht so gut. Als wir nachhaken, stöhnt sie auf, richtet ihr imaginäres Krönchen und seufzt. „Nur Perverse“, sagt sie. 

Dann gesteht sie, dass sie die Suche nach Prince Charming auf dem weißen Pferd ein bisschen beschleunigen wollte und vergangenen Monat eine Suchanzeige inklusive Prinzenpräferenz auf einem Datingportal im Internet eingestellt habe. Insgesamt sieben Anwärter hätten sich bisher auf den Thron beworben. Vier davon rissen Witze über ihre enormen Zepter. Zwei stellten gleich klar, dass sie als Prinz vermutlich nicht taugen, als weißes Pferd vielleicht aber schon, und dass man zumindest das mit dem Reiten ja mal ausprobieren könnte. Lilofee konnte nicht lachen.

Und der letzte? Ja, der letzte wäre perfekt gewesen: Gut aussehend, hervorragende Manieren und ein Nachname, der auf der Zunge zergeht. Tatsächlich hatte Lilofee erst letzten Abend ein Date mit Monsieur Delacour. Sie waren essen gegangen, dann zu ihm gefahren. Gott sei Dank, denn – sagen wir es einmal so – nach langem Warten war Hannah langsam wirklich bereit, endlich, endlich mal wieder einen Thron zu besteigen. Als Monsieur Delacour kurz im Badezimmer verschwand, positionierte sie sich lasziv-romantisch auf seinem Sofa, schloss die Augen und wartete, dass er zurückkam, um sie wachzuküssen. Stattdessen merkte sie plötzlich, wie ihr jemand eine Filzdecke bis unters Kinn zog, sie auf die Stirn küsste und das Licht ausmachte.

Hannah und ich seufzen. Charming, wirklich. Absolut charming. Lilofee seufzt auch, aber anders. Nach zwei ereignislosen Stunden habe sie die Wohnung verlassen. Sie schielt auf unsere Burger und mopst sich einige Pommes. Nächstes Mal geht sie mit zu Burger King, sagt sie. Dann hätte sie wenigstens schon die Krone. 

Lisi Wasmer