Einmal Mars und nicht zurück

No way back: Die Münchner Filmstudentinnen Vera Brückner und Annelie Boros zeigen in ihrer Dokumentation „Mars Closer“ zwei Männer, die sich für eine Raummission ohne Heimflug beworben haben. Die Studentinnen wollten wissen, was es bedeutet, die Erde für immer zu verlassen.

Interview: Carolina Heberling

Was passiert eigentlich, wenn man zum Mars fliegt? So ohne Rückflugticket. Diese Frage haben sich die Münchner Filmstudentinnen Annelie Boros, 24, und Vera Brückner, 27, gestellt. In der Dokumentation „Mars Closer“ versetzen sie ihre Protagonisten in die Rolle des Mars-Reisenden und imaginieren gemeinsam, was es bedeutet, die Erde für immer zu verlassen. Dieser Tage keine schlechte Idee, denn die Welt hat das Mars-Fieber gepackt: Wissenschaftler haben Hinweise für Salzwasser auf dem Mars gefunden. Und im Kino sitzt Matt Damon in Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ gerade allein auf dem Planeten herum. Für Paul Leeming und Pauls Irbins, beide Anfang vierzig, hätte das zur Realität werden können. Die Protagonisten von „Mars Closer“ waren Kandidaten im Auswahlverfahren der privaten Raummission „Mars One“, welche 2027 erstmals Menschen auf den Planeten schicken will, um dort einen neuen Lebensraum für die Menschheit aufzubauen. Das Problem: Ein Rückflug ist technisch nicht möglich.

SZ: Einmal Astronaut sein, einmal zum Mars fliegen – ist die Faszination für den Weltraum wirklich so groß, dass man ohne Rückflugticket zum Mars will?
Vera Brückner: Als wir angefangen haben, für den Film zu recherchieren, ist mir erst bewusst geworden, wie viele Leute weltraumbegeistert sind. In der Generation vor uns, die mit vielen Science-Fiction-Filmen und -Comics aufgewachsen ist, war das viel mehr Thema als heute – auch durch das Wettrüsten der USA und Russlands im Kalten Krieg. Wer hat die Vormachtstellung im Weltraum? Die haben live vorm Fernseher die Mondlandung gesehen. Für sie ist es einfach der nächste Schritt, auf den Mars zu gehen.

Aber der Entschluss, zum Mars zu wollen, hat doch sicher noch andere Gründe?
Vera Brückner: Ja, natürlich. Pauls Irbins aus Lettland ist Begründer eines Science Centers, wo Kinder physikalische Experimente machen können. Der möchte Jugendlichen in Lettland Mut machen und sagen: Egal, was ihr erreichen wollt, es ist möglich, wenn ihr fest daran glaubt.
Annelie Boros: Bei Paul Leeming aus Tokio, der zweiten Hauptfigur, geht es auch darum, gesehen zu werden. Er möchte den Leuten zeigen: Ich habe etwas drauf, das ihr mir nicht zugetraut habt.

Gesehen werden, Menschen Mut machen – deswegen fliegt man doch nicht gleich zum Mars?
Vera Brückner: Ich glaube, die Faszination, etwas zu tun, was vorher noch nie ein Mensch getan hat, ist so groß, dass man sich das wünscht.
Annelie Boros: Außerdem ist da dieser Gedanke: „Ich bringe ein Opfer für die Menschheit.“ Pauls aus Lettland sagt, das sei eine Art Vorbestimmung, die schon immer in seinem Kopf war. Das fanden wir spannend: Unsere Figuren stellen sich in den Dienst für etwas anderes.
Tun sie das wirklich?
Annelie Boros: Ich habe oft genug an ihrer Motivation gezweifelt. Bei beiden ist sicherlich ein Geltungsbedürfnis da: gesehen werden, akzeptiert werden. Aber ich glaube, der Wunsch, ein Held zu sein, ist größer als irgendein persönlicher Wunsch.

Für dieses Heldentum müssten die beiden aber sehr viel entbehren.
Vera Brückner: Klar, sie würden immerhin ihr Leben riskieren. Doch dafür wären sie bereit. Im Film sagt Paul einmal: „Selbst wenn wir beim Anflug auf den Mars verbrennen, das wäre es wert.“
Annelie Boros: Außerdem geht es nicht darum, von der Erde auszuwandern, sondern auf den Mars auszuwandern.

Irbins hat Frau und Kinder. Wie gingen die damit um, dass er zum Mars wollte?
Vera Brückner: Als wir zum Dreh in Lettland waren, hatte er eine richtige Ehekrise: Da rücken ein paar junge Leute aus Deutschland mit einer Kamera an. Das gibt dem Ganzen eine andere Ernsthaftigkeit. Pauls Frau hat die Raummission „Mars One“ vor unserem Besuch zwar schon ernst genommen, aber als wir da waren, hat sie erst verstanden, was ihr Mann sich da eigentlich wünschte.
Annelie Boros: Wir haben sie dann gebeten, für den Film eine Nachricht an ihren Mann auf dem Mars aufzunehmen, in der sie sagt, in welchen Situationen sie ihn vermisst. Sie beginnt also zu sprechen, fängt an zu weinen und sagt: „Das ist das erste Mal, dass ich darüber spreche.“ Da merkt man wieder, was für eine Verantwortung man als Filmemacher hat, wenn man solche Situationen provoziert.

Habt ihr die Figuren auch damit konfrontiert, wie es sein könnte, auf dem Mars allein zu sterben?
Annelie Boros: Natürlich haben wir solche Sachen gefragt, aber das war für sie nicht das Schlimmste. Für Pauls war der schlimmste Gedanke, den Kontakt zur Erde zu verlieren und nicht mehr mit seiner Familie sprechen zu können. Da zweifelte man doch daran, ob er diese Reise wirklich so sehr wollte.

Angenommen, die Landung glückt – was passiert dann?
Vera Brückner: Man stellt sich das vielleicht langweiliger vor, als es ist, aber wenn die Landung gelingt, ist man mit so vielen essenziellen Fragen beschäftigt. Dort Leben zu errichten – das ist ein Fulltime-Job.

„Leben errichten“, das klingt heldenhaft. Trotzdem ist die „Mars One“-Mission immer wieder in die Kritik geraten.
Vera Brückner: Interessant ist natürlich, dass die Mission von einer Privatorganisation ausgeht, denn nur die kann es moralisch vertreten, Leute zum Mars zu schicken, ohne sie zurückzuholen. Staatliche Organisationen wie die NASA müssten aus ethischen Gründen die Rückreise gewährleisten.
Annelie Boros: Der größte Kritikpunkt ist aber die starke Strahlung, der die Astronauten auf ihrer Reise ausgesetzt sind. Man weiß einfach nicht, ob sie diese Strahlung überleben, und wie krank sie vielleicht sind, wenn sie dort oben ankommen.

Hinzu kommt: „Mars One“ wird wie eine Fernsehsendung aufgezogen. Schauen wir bald „Big Brother“ vom Mars?
Vera Brückner: Dass man eine Fernsehsendung daraus macht, ist eigentlich sinnvoll, gerade in den heutigen Zeiten, wo alles irgendwie medial abgedeckt wird. Wenn ein Typ aus dem Weltall springt und das gezeigt wird, dann muss man doch eine Fernsehsendung machen, wenn Leute zum Mars fliegen. Das ist das Krasseste, was Menschen je gemacht haben.
Annelie Boros: Man darf das auch nicht als Big Brother missverstehen, selbst wenn das oft so dargestellt wird. Das wird eher eine Reportage über die Forschungen, die dort stattfinden.

Euer Film setzt aber einen anderen Schwerpunkt.
Vera Brückner: Uns ging es um die Idee und den Willen dahinter, den Mars zu besiedeln. Wir wollten einen emotionalen Film machen, der die Frage aufwirft: Was bedeutet dieser Entschluss eigentlich? Was für Lebens- und Sinnfragen stellen sich, wenn man so etwas macht?
Annelie Boros: Unser Thema war auch die Erinnerung – woran erinnert man sich, wenn man für immer weg ist? Was nimmt man im Geiste von der Erde mit? Dafür haben die technischen Fragen wie auch die Organisation „Mars One“ keine Rolle gespielt.

Am Tag der Premiere wurde bekannt, dass die Protagonisten eures Films nicht in der Endauswahl für die Marsmission gelandet sind. Wie seid ihr damit umgegangen?
Annelie Boros: Ich war komischerweise traurig, dabei haben ganz viele der Zuschauer gesagt: „Oh, super, sie sind nicht weiter“, weil sie die beiden auf der Erde behalten wollen. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich nicht unbedingt will, dass Pauls Irbins zum Mars fliegt. Seine Söhne sind fünf und sieben – das ist eine krasse Verantwortung.
Vera Brückner: Andererseits hat man wirklich gespürt, wie sehr sie sich das wünschen. In den Interviews für den Film haben wir sie gebeten, sich in die Rolle des Raumfahrers auf dem Weg zum Mars zu versetzen. Ich habe beim Dreh regelmäßig geweint, weil ich total nachvollziehen konnte, wie es den beiden damit geht und wieso sie das wollen.
Annelie Boros: Wir haben ihnen irgendwie gewünscht, dass sie ihren Traum noch weiter träumen dürfen.

Vergangene Woche lief der Film auf dem „DOKUart“-Festival in Kroatien, die Deutschlandpremiere findet Ende Oktober auf dem „DOK Leipzig“ statt.

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Matthias

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Die Temperaturen dieses Hochsommers lassen sich sehen, und auch wenn Matthias sich in der Sternschnuppennacht am Mittwoch einen kilometerlangen Sandstrand für München wünscht, gibt er sich erst einmal mit dem Kulturstrand am Deutschen Museum zufrieden und genießt dort die Jason Serious Band. In der Glockenbachwerkstatt träumt er mit Meanders von irischen oder auch brasilianischen Stränden und auch im Theatron und beim Sommerwiesen-Open-Air gibt es unter freiem Himmel die unterschiedlichsten Musikrichtungen zu hören. Nicht einmal für Kino muss er sich dem Nachthimmel fern fühlen: Im Backstage wird Open-Air eine Doku über Kurt Cobain gezeigt.

Ich fühl mich heute jung. In der Zeit zurückgeworfen. Am Freitag ist mein Bruder in
München – hoher Besuch, und zwar für sein Eignungsgespräch an der Uni. Ich fühl
mich heute jung, auch weil ich mich selber sehe, etwas nervös, und unsicher, was
mich erwartet, in einem Raum voller Menschen, die entscheiden, ob ich selbst die
nächsten Jahre meines Lebens in dieser Stadt verbringen werde oder nicht.
Aufregend, ja, aber auch ernüchternd – wo geht die Zeit hin? Ich versuche,
nicht daran zu denken. Mit Bruder im Gepäck mache ich mich auf zum Backstage,
Open Air Kino. Heute mal mit der S-Bahn, nach 18 Uhr darf ich ja. Bruder muss
zahlen, ha! Es läuft eine Doku über Kurt Cobain, über Leben und Aufstieg des
blonden Engels. Das Ende kennen alle. Ich überhöre mehr als einmal:  „Mann, so lange ist das schon her? Wo geht
die Zeit hin?“ – manche Dinge ändern sich eben nicht.  
 

Samstag morgen: Cobain ist tot, ich wache auf – immer noch begeistert. Open Air Kino, hat
irgendwas von alten US-Filmen. Popcorn und Techtelmechtel im Autokino. Der
Trend kommt auch wieder zurück, keine Sorge. Bis dahin denke ich kurz wieder an
die Uni, diesmal nicht an die Vergangenheit. Wie die meisten sozial- und
geisteswissenschaftlichen Studenten muss ich noch hausarbeiten. Das Verb
gefällt mir. Darf man ja heutzutage, neue Wörter erfinden. Vielleicht kommt so
mal das Jugendwort des Jahres dabei heraus. Wie gutenbergen, oder merkeln. Ich
plane natürlich weder Plagiatsverbrechen noch will ich heute einfach nichts
tun. So denke ich großphilosophisch darüber nach, wie ich mein Gewissen
überreden kann, mich morgen erst mit Hannah Arendt zu beschäftigen. Vor lauter
Gedanken fahre ich bei der Radlnacht mit dem Strom Richtung Hauptbahnhof,
stolpere ins Kong, besser gesagt, man zerrt mich hinein. Hodini is back in
town
, so lautet das Motto. Soll bekannt sein in der Szene – ich denk mir meins,
aber lass mich darauf ein. Ein letztes Mal mit allen feiern, bevor sich die
Einzelteile der Gruppe in ihre respektiven Heimatdörfer verabschieden –
Wanderstudenten auf dem Weg in die Sommerpause.

In meinen – so red ich mir ein – bereits ewigen Studienjahren habe ich mich
nie an sie gewöhnt, die elektronische Musik, den ständigen Begleiter von
Sonnenstraße über Sonntagsgefühl bis hin auf die Sommerwiese. Am Sonntag dröhnt es mir
immer noch in den Ohren von gestern, aber es hilft ja nichts. Ich rolle mit der
Welle, schwappe zur Infanteriestraße, nah am Olympiapark. Auf der Sommerwiese
wird entspannt, getanzt, gesonnt und, nein, nicht gebadet. Die Entspannung ist trotzdem
auf den Gesichtern sichtbar, egal ob sonnencremeweiß oder britische Röte. Noch
hat die Musik mich nicht in ihren Bann gezogen, ein Bier, zwei vielleicht, dann
wird das schon. Karodecken werden ausgerollt, ich nehme ganz ungeniert Platz
und döse so langsam ab. Kann ja auch beruhigend wirken, so Dance Music, Baby.
Der Samstag holt mich ein, ich drifte ab in die Welt der Träume – unz, unz,
unz…

Montag? Montag. Ich stehe auf, sehr früh, Waschmaschine an, heute wird ein
guter Tag – ich lege mich wieder hin. Ich habe mich überschätzt. Kommt vor, aber
kein Problem. Ein weiser Mann hat mal gesagt, die Definition von Glück sei es,
keine Termine zu haben, dafür aber leicht einen sitzen. Das Wetter schreit nach
Terrasse, nach rumsitzen, nach Zeitung lesen. Oder mit der Zeitung Luft
zufächern, jedem das seine. Ich entscheide mich für den Hinterhof der
Glockenbachwerkstatt. Wie sooft in der Glocke wird es bald auch musikalisch.
Streets of Minga, so heißt das Album von Meanders, irisch-brasilianische
Singer-Songwriterin. „Come on and be part of this“, singt sie – gerne doch, sie
spricht mich ganz klar persönlich an. Bald habe ich dann auch leicht einen
sitzen, drunk on love, wahrscheinlich.

Nach einem Wochenende Elektro hat mir der Genrewechsel gestern gut getan. Am Dienstag schreien Kopf
und Körper nach mehr, und ich bin gewillt, der Versuchung nachzugeben.
Dafür muss ich aber eine – für München-Verhältnisse – weite Reise auf mich
nehmen. Wie Bilbo Baggins packe ich nur das Nützlichste in einen Beutel und
mache mich auf ins Abenteuer. Nur wenige Tage nach meinem Ausflug in die Nähe
des Olympiaparks muss ich es heute schaffen, die Grenze ins Hügelparadies zu
überqueren. An Loth- und Infanteriestraße vorbeigehuscht, lasse ich die
Schwere-Reiter-Straße schneller hinter mir als ein (gedopter) Radprofi und
schon bin ich am Olympiastation. Zum ersten Mal in diesem Sommer schaffe ich es
zum Theatron. Zu Gast im kleinen Amphi am See sind heute The Moonband, Folkmusiker
aus München. Die Klänge klingen über die Wasseroberfläche, langsam versammeln
sich die Menschen rund um die Bühne und schaukeln mit. Ich drifte ab, zurück in
die Welt der Träume – kein unz, unz, unz…

Es gibt ja diese Menschen, die ganz große Fans von Sternen sind. Eigentlich von allem, was man vor allem nachts und mit Teleskop sieht. Klingt so, also würde ich von Spannern reden, jetzt wo ich so darüber nachdenke. Jedenfalls überzeugen diese Menschen mich regelmäßig von der Schönheit des großen Nichts über uns, seien es Planeten oder Sterne oder ein Käfer, der sich auf die Linse des Fernglases verirrt hat. Ich lasse mich am Mittwoch Abend wieder entführen, in die
weite, schwarze Ferne – heute ist Sternschnuppennacht. Warmer, klarer Himmel –
wenn die SWM jetzt noch den Hebel von der Stromversorgung umlegt, wird es noch
romantischer. Den großen Wagen erkenne ich, einige andere Sterngebilde werden
mir beigebracht, und irgendwo meine ich, ET gesehen zu haben. Und dann, die
erste Sternschnuppe. Noch eine. Da, wieder – ich vergesse vor Begeisterung, mir
etwas zu wünschen. Aber dafür habe ich jetzt drei Wünsche auf Lager… verrate ich aber nicht!

Okay, ich verrate einen, den kleinsten Wunsch der letzten Nacht – ich
wünschte, an der Isar gäbe es Sandstrand! Meilenweit, weiß wie kolumbianischer
Schnee und so fein, dass er noch Wochen später zwischen den Arschbacken
hervorrieselt – ja, das wär doch was. Die wenigen sandigen Meter an der
Wittelsbacher Brücke sind wirklich toll, versteht mich nicht falsch, nur liegen
da um 6 Uhr morgens schon Handtücher zum reservieren. Mensch! Alles Aufregen
hat keinen Sinn, ob Mallorca oder Balkonia, die Touristen sind doch alle
gleich. Trotzdem sehne ich mich auf einmal nach Sand zwischen den Zehen (und
Pobacken). Also radle ich am Donnerstag zum Deutschen Museum, installiere mich am
Zweitlieblingsbrunnen der Münchner – und genieße den Kulturstrand. Die Jason
Serious
Band spielt heute Abend ganz ernste Musik, nehme ich mal an. Ist
übrigens einer der Hauptgründe, warum Menschen eine Band gründen – der Name.
Sandy Sandman kommt mir spontan in den Kopf als alter ego – gebt mir Pick-Up
Truck und Zahnstocher, Kid Country zieht nach Nashville.

Meine utopischen Musikerträume verwerfend steig ich am Freitag zum Start des
Wochenendes erstmal unter die Dusche. Es rieselt, immer noch. Zeigt aber
Wirkung. Genauso wie wenn man nach zwei Wochen Urlaub erst den sonnigen Süden
vermisst, nach der sechsten Staubsaug-Session wegen Strandgut im Schlafzimmer
dann doch froh ist, wieder in der Realität gelandet zu sein. Ich erinnere mich
auf einmal, an Verpflichtungen, an Rechnungen, an Deadlines. Und dann wieder an
meinen Studienbeginn – la Brohème hat die Zusage der Uni bekommen. Ich erinnere
mich an den Tag, als der Postbote mit meiner ankam. Wäre ich hergezogen, wenn
man mich damals mit viel Elektro und wenig Sand gelockt hätte? Blöde Frage,
natürlich wär ich das. Und ich habe es nie bereut – bestes Beispiel: Wo ging
die Zeit hin? Ich weiß es nicht so wirklich, und das kann nur bedeuten, dass
irgendwie, irgendwo immer was los war. Außer heute. Heute mach ich nichts. Ich
kratze mir ein paar Sandkörner aus dem Ohr, und leg mich drauf.

Matthias Kirsch


Foto: privat