Band der Woche: Young Fast Running Man

Fabian Hertrich vereint Blues und Folk mit seiner Band Young Fast Running Man. Zusammen klingt das nach amerikanischem Highway und Roadtrips durch den Mittleren Westen. 

Eine ganz treibende Kraft der Musik ist die Sehnsucht. Immer schon. Denn kaum eine andere Kunstform vermag sich so leicht um ein wie immer auch geartetes Gefühl zu schlingen. Kaum eine andere Kunstform als die an sich schon abstrakte Musik kann sich so magnetisch einfach mit den eigenen Erfahrungen ihrer Rezipienten verbinden. Und so wird in der Musikgeschichte – vom Barock über die Klassik, und natürlich in der Romantik und im Pop schon fast obligat – kräftig gesehnt; nach der Liebe, nach der Heimat, nach fremden Ländern oder nach der Vergangenheit.

In der deutschen Popmusik ist aber ab und an noch ein anderes Sehnen zu beobachten. Da wird sich bisweilen danach gesehnt, als Musiker in einem anderen Land und/oder in einer anderen Zeit zu praktizieren, da wird also das Sehnen in musikalischen Inhalt transferiert, da decken sich quasi Musik und Sehnen im künstlerischen Ausdruck. Weniger kompliziert ausgedrückt kommen dabei dann Stile wie Retro-Rock oder Formulierungen wie die „britischste Band Baden-Württembergs“ heraus. Manchmal kippt das zwischen Fremdschämen und Sehnsuchtserfüllung hin und her, etwa als Lena Meyer-Landrut ihren „Satellite“-Song mit einem gestelzten Phantasie-Cockney-Akzent sang. Manchmal aber können die sehnenden Musiker ziemlich perfekt von ihrem musikalischen Sehnsuchtsort erzählen – und den Hörer deshalb wie in einem Hörfilm eben genau dorthin mitnehmen.

Ziemlich gut ist darin der Münchner Fabian Hertrich. Als Musiker nennt er sich Young Fast Running Man und mit seiner Musik prescht er recht zielstrebig in Richtung eines einsamen US-Highways. Seine Musik klingt so, als würde er sie schreiben, nachdem er während eines Road-Trips in einem Motel im Mittleren Westen abgestiegen wäre und die Akustik-Gitarre aus dem Kofferraum gezogen hätte: eine tiefe Stimme, die zu feinen Gitarren-Pickings von den Erfahrungen des Lebens berichtet. Eine Stimme, die zuvor im Auto-Radio Musik wie die von Canned Heat, John Mayall oder Peter Green gehört hat und nun ihre eigene Reise über die bluesigen Gitarren-Skalen besingt, während der Straßendreck noch auf den Fingern klebt. Ja, diese Musik weiß von Sehnsüchten zu erzählen, die Fabian durch sein äußeres Erscheinen mit den anachronistischen Koteletten noch zu unterstützen vermag.

Entstehen tut diese Musik aber seit etwa einem Jahr in München. Hertrich studiert hier Umweltplanung und arbeitet im Milla-Club. Und hat sich vor kurzem eine ziemlich kompetente Band zusammen gesucht, die seine Gitarren-Songs mit Mandolinen, Geigen, aber auch mit Bass und Schlagzeug komplettiert. Sein Bruder Gabriel etwa, mit dem er schon als Kind zusammen musizierte, unterstützt ihn, sein Freund Michael Hofmann spielt nun für ihn Schlagzeug – und erst vor kurzem stieg dessen Bekannter Michael Karl am Bass ein.

Ein erstes Album haben sie gerade fertig gestellt. Neun Songs als wunderbares Kopfkino im rauen Folk- und Blues-Gewand, das im kommenden November im Import-Export vorgestellt werden soll. Doch der zehnte Song ist anders. Denn da springt Fabians musikalisch-imaginierte Welt, seine Sehnsucht plötzlich nach Spanien. Das Instrumental-Stück „Spanish Silence“ ist ein fast weltmusik-melancholischer Schnipsel, der gerade immer wieder an der Grenze zum Kitsch der spanischen Romanze vorbei schrabbt und den Fabian für einen Film des Visual-Artists Matthias Pfeiffer geschrieben hat. Und durch den die Illusion des einheitlichen Sehnens auf charmante und subtil humorvolle Weise gebrochen wird. Am Montag, 12. September, werden sie einen ersten der neuen Songs im Internet unter soundcloud.com/youngfastrunningman veröffentlichen.

Von: Rita Argauer


Foto: Vipasana Roy

“Das größte Problem sind die mangelnden Proberäume”

image

Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man
als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit
mehr fördern als bisher? Wir haben bei Young Fast Running Man nachgefragt.

Ist es leicht, eine Band in München zu gründen bzw.
aufrecht zu erhalten?

Die Stadt in der man wohnt hat
meiner Meinung nach nur insofern was damit zu tun, ob man einen Proberaum
findet bzw. einen bezahlen kann. Alles andere hängt einfach nur von den Leuten
ab, mit denen man eine Band gründet und im digitalen Zeitalter hat sich das
Banddasein ohnehin um einiges vereinfacht, da man z.B. Songideen schneller
austauschen oder sogar ganze Alben unabhängig voneinander vorproduzieren kann.

Was haltet ihr von der Münchner Musikszene? Gibt es
Schwierigkeiten oder auch Vorteile?

Puh, das ist eine etwas
schwierige, wenn nicht sogar schwammige Frage, da man die verschiedensten
Genres und Subkulturen nicht über einen Kamm scheren kann. Die Hip Hop Szene
ist z.B. sehr populär und gut vertreten, andere Szenen jedoch eher im
Underground, was aber vielleicht auch von deren Vertretern so beabsichtigt ist.
Aber meiner Meinung nach gibt es für jede Art von Musik irgendwo eine Plattform
bzw. ein Zuhause in München.

Würdet ihr euch von der Stadt mehr Unterstützung für die
Szene wünschen? Welche Art von Unterstützung? Was tut sie bislang zu wenig?

Das
größte Problem sind die mangelnden Proberäume bzw. die Tatsache, dass sie zu
teuer sind. Die freistehenden Flächen werden oft nur vorübergehend genutzt.
Gleiches Problem haben auch oft die Live-Locations für Musiker. Der
Immobilienmarkt in München bremst die Musikszene.

Haben es Bands aus München schwieriger national Fuß zu fassen?

Ich denke nicht. Wenn die Qualität
der Musik stimmt, ist es letztlich total egal wo sie herkommt. München und
Umland hat in den letzten Jahren aus sämtlichen Genres Bands hervorgebracht,
die es bundesweit und auch über die Grenzen hinaus zu etwas gebracht haben,
siehe The Whiskey Foundation, Blackout Problems, Claire uvm…

Habt ihr persönlich schon Erfahrung mit Vorurteilen
gegenüber Münchner Künstlern gemacht?

Ja
leider gibt es tatsächlich Vorurteile, oftmals sogar von Menschen die aus der
Region stammen und weggezogen sind. Aber ich denke, dass es auch hier
Vorurteile gegenüber anderen Städten gibt. Für mich zählt die Qualität der
Musik – nicht die Herkunft.

Habt ihr schon mal geleugnet, aus München zu sein? Wenn
ja, warum – wenn nein, würdet ihr es tun?

Nein, niemals. Würde wahrscheinlich auch schwierig
werden, weil man es mir anhören würde. Wenn jemand Vorurteile hat, ist das
einfach nur ignorant – vor allem wenn die Person noch nie länger als ein
Wochenende in München gewesen ist.

Foto: Vipasana Roy

„Giesing – Oida“

image

Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit mehr fördern als bisher? Wir haben bei Musikern nachgefragt.

Von Sandra Will

Die Kytes werden gerade nach dem Release ihres Debüt-Albums bei ihrer Tour in ganz Deutschland gefeiert. Dass die jungen Musiker eigentlich in Giesing proben, wissen wohl die wenigsten Menschen im Berliner oder Hamburger Publikum – und es interessiert auch keinen. Die Kytes sind nicht die einzigen Münchner Musiker, die derzeit in der ganzen Republik gelobt werden. Trotzdem verstummen die Stimmen nicht, die über das Imageproblem Münchens klagen. Klar ist: Die Landeshauptstadt sieht sich als Kulturstadt, dazu gehört das Oktoberfest genauso zum Repertoire wie die Staatsoper. Doch welchen Platz nehmen junge Musiker ein, die den Sound von München ausmachen? Und wie sehen die Bands selbst ihre Musikstadt? Was macht ihnen Sorgen?

„Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir
kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu
kämpfen haben“ – Claire
(Hier zum Fragebogen)

Probleme gibt es vor allem abseits des Scheinwerferlichts. Die Band Claire berichtet über ihre lange Suche nach einem geeigneten Proberaum, es sei wahnsinnig schwierig, etwas Bezahlbares in München zu finden. „Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben“, sagen die Musiker der Band Claire. Auch Dionys Rieder von der Band Die Sauna ist der Meinung, es könne schon möglich sein, dass dieser Mangel der Grund für eine Nichtgründung sei. „Das macht es schwierig, den Ansprüchen einer Band gerecht zu werden und sie aufrechtzuerhalten“, sagt auch Singer-Songwriterin Clea Charlotte. (Hier zum Fragebogen)

„Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht
er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten
Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon
fast unverschämt.“

– Black Submarines (Hier zum Fragebogen)

Richy Strobl von Black Submarines sieht das ähnlich, die Möglichkeit, sich einen Raum zu teilen und damit die Miete zu verringern, ist jedoch nicht immer ein Kompromiss: „Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon fast unverschämt.“ Ralph Würschinger von Naked Feen (Hier zum Fragebogen) sagt dazu nur: „Die meisten Deals sind scheiße.“ Wenn auch nicht die Masse an Gleichgesinnten wie in Berlin zu finden ist – wer eine Band gründen will, der schafft das auch in München. Und findet dort leicht in die Szene – das Vernetzen mit anderen Bands klappt gut.

„Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“

– Stray Colors (Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman von der Synthie-Pop-Band Kleyo glaubt, man wisse sehr schnell, wer sich sonst noch in der Szene bewegt. Dadurch greifen sich die Musiker gegenseitig mehr unter die Arme. Das Bild, dass Münchens Szene sehr familiär sei, stimmt also. Doch auch das hat einen Pluspunkt: „Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“, sagt Rüdiger Sinn von der Band Stray Colors. Und auch Clea Charlotte sieht darin eine noch größere Chance aufzufallen. Auf der anderen Seite: „Die Münchner Musikszene ist teilweise zu eigenbrötlerisch“, sagt Isabella Mola von der nach ihr benannten Band Mola. „Da macht jeder so sein Ding. Mehr Miteinander würde ich feiern.“
(Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman erwidert jedoch: „Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

„Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“

– Fatoni (Hier zum Fragebogen)

Es gibt zwar nicht genügend Auftrittsmöglichkeiten, um Münchens Musiker wirklich zufriedenzustellen, doch bei einer Sache sind sie sich einig: Die Musikszene lebt! Und diese ist im Gegensatz zur Stadt München weniger vorurteilsbehaftet, so die Erfahrungen der einheimischen Bands.

„Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

– Kleyo (Hier zum Fragebogen)

Natürlich: „Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“, sagt Anton Schneider alias Fatoni. „Aber als Band, die im weitesten Sinne Popkultur macht, braucht man dieses coole Image nun mal.“ Auch Sebastian Schnitzenbaumer von Schamoni Musik hat darüber geklagt, dass er seine Künstler wegen des schlechten Images der Stadt nicht vermarkten kann – und hat damit eine Pop-Debatte in München entfacht. Aber liegt das an München? Oder an der Zielgruppe?

“Es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen” – Dobré (Hier zum Fragebogen)

„Oft ist das Problem ja nicht München, sondern es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen. Leider gibt es in der Musikbranche wohl zu viele davon“, sagt Johannes Dobroschke von Dobré. Auch die Musiker von Claire kennen die Vorurteile. „Die Vorurteile, die gegen München vorgebracht werden, sind vielleicht am wenigsten mit dem Musiker- und kreativem Dasein zu vereinbaren. Deshalb freuen wir uns umso mehr zu zeigen, dass es nicht die Stadt ist, welche die Künstler prägt, sondern dass es die Künstler sind, die eine Stadt prägen.“

“Wie sollen sich denn Clubs und Konzertlocations
etablieren, wenn die ganze Stadt stillgelegt wird?” – LUX
(Hier zum Fragebogen)

Abhängig vom Genre kann es da durchaus mal ungemütlich für Musiker werden, wie auch Fatoni schon erfuhr: „Der Klassiker: Hip-Hop aus München? Das gibt es da überhaupt?“ Vorurteile gegenüber der Herkunft sind für Fabian Hertrich alias Young Fast Running Man aber nicht nur münchenbedingt: „Es gibt auch hier Vorurteile gegenüber anderen Städten. Für mich zählt die Qualität der Musik – nicht die Herkunft.“
(Hier zum Fragebogen)

Das sagt auch Singer-Songwriterin Julia Kautz: „Wenn man es mit seiner Musik in die große weite Welt schaffen will, dann spielt es überhaupt keine Rolle, woher man kommt.“ Negative Erfahrungen hat sie noch nicht gemacht, trotzdem fühlt sie sich als Münchnerin bei Songwriter-Sessions in Berlin als Exotin. „Aber ich hatte nie das Gefühl, dass meine Herkunft einen negativen Einfluss darauf hat, wie ich als Künstlerin wahrgenommen werde.“
(Hier zum Fragebogen)

„Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um
die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“

– Ni Sala (Hier zum Fragebogen)

Auf die Frage, wo man sich denn noch mehr Unterstützung erhofft, werden vor allem die Radiosender in die Verantwortung genommen. „Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“, sagt Robert Salagean von Ni Sala. Die Stadt unterstütze klassische Musiker, alternative Musikrichtungen blieben da oftmals auf der Strecke. Am wichtigsten empfinden viele jedoch mehr bezahlbaren Proberaum und Beratung wie von der Fachstelle Pop.

Fatoni hingegen klagt: „Es gibt kaum Orte, an denen kreative Prozesse ermöglicht werden, vor allem nicht, wenn diese erst einmal keine kommerziellen Ziele haben.“ Xavier D’Arcy alias Darcy hat hierzu eine andere Meinung: „Die Stadt unterstützt Musiker und Bands durch die Fachstelle Pop mit Workshops, Förderungen und Auftrittsmöglichkeiten.“
(Hier zum Fragebogen)

Durch die bayernweiten Förderprogramme gibt es für ihn genügend Unterstützung.

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“

– Die Sauna (Hier zum Fragebogen)

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“, sagt Dionys Rieder von der Band Die Sauna. Aufmerksamkeit zieht man vor allem mit nationalen Festivals auf sich, als bestes Beispiel dient dazu das Reeperbahn-Festival in Hamburg – vielleicht kann ja die „Manic Street Parade“ dieses Interesse dauerhaft nach München bringen. Gerade solche Veranstaltungsreihen würden die Lücke schließen zwischen den kleinen Open Stages und den großen Hallen wie im Muffatwerk. „Es fehlt etwas, um die Lücke zwischen Schülerbands und Top-Acts zu schließen. Etwas für Leute, die mehr als nur Hobby-Musiker sein wollen, aber nicht über die finanziellen Mittel und die sozialen Kontakte verfügen, um gleich weiter oben anzufangen“, sagt Richie Strobl von Black Submarines. Doch es gebe auch gute Institutionen wie die Glockenbachwerkstatt, wo man talentierte Bands finde, sagt Aron Foltin von der Band Lyndenstraße.

“Es gibt gute Institutionen in München wie die
Glockenbachwerkstatt” – Lyndenstraße
(Hier zum Fragebogen)

Die meisten Musiker fühlen sich ihrer Heimatstadt sehr nahe und würden es nicht leugnen, aus dieser Stadt zu kommen. Trotzdem zeigt sich, dass es manchmal eben besser sei, den Standort erst einmal unerwähnt zu lassen, sagt Rüdiger Sinn von Stray Colors. Auch Ralph Würschinger von Naked Feen würde bei einem neuen musikalischen Projekt München nicht als Heimatstadt angeben. Doch es geht auch selbstbewusster: Genauso wie die Mitglieder der Kytes schwören auch die Musiker von Black Submarines auf ihre Homebase: „Giesing – Oida!“

Foto: Käthe deKoe

Ein Abend mit: Fabian Hertrich

image

Fabian Hertrich steht normalerweise als Young Fast Running Man auf
der Bühne, doch auch er feiert gerne an einem Samstagabend. Wohin es ihn
dann verschlägt und wie der Mix von Weißweinschorle und Willi
zusammenpasst, gibt es hier.

Hier
beginnt mein Abend:

Fräulein Grüneis

Danach
geht’s ins/zu:

Milla

Meine
Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich sie vom Gegenteil:

Gschmeidige Leid, gschmeidigs Personal, Halbe im Club
für 3,60

Mit
dabei ist immer:

hoffentlich mein Schlüssel

An
der Bar bestelle ich am liebsten:

Eine dicke Weißweinschorle und einen Willi

Der
Song darf auf keinen Fall fehlen:

strange brew von Cream

Mein
Tanzstil in drei Worten:

Hals-Rollerskate-Hüftschwung (Malcolm Mittendrin)

Der
Spruch zieht immer:

Früher warst vui cooler

Nachts
noch einen Snack. Mein Geheimtipp ist:

handgeschnitzte Pommes im Harlekin zusammen mit
Julian Riegl

Meine
dümmste Tat im Suff war:

Unterschätzte Heimweg-Distanzen zu Fuß durch die
bayerische Prärie, auf Zuggleisen nach Hause zu gehen

Das
beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht gibt`s im/bei:

Gyros Pita im Ionion in der Maxvorstadt

Diesem
Club/dieser Bar trauere ich nach:

Das alte Import/Export

Mehr zu Young Fast Running Man gibts hier:

www.youngfastrunningman.com

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Theresa

image

Das viel beschworene Münchner Sommerloch versucht Theresa in dieser Woche mit einem straffen Wohlfühl-Sommer-Programm zu füllen. Dazu gehört Musik von den Stray Colors unter einem sommerlichen Sternenhimmel, Vintage-Klamotten zum Kilo-Preis im Wanda und Akkordeon-Pop der österreichischen Band folkshilfe auf dem Theatron.

Immer wieder hört man es munkeln: das berüchtigte Sommerloch in München. Zugezogene Studenten pilgern in ihre Heimatorte und die von andernorts heimkehrenden Menschen räkeln sich an den Badeseen im Umland, während die Touristen in Kolonnen durch die Innenstadt walzen.
Mir ist das egal, ich genieße diese schöne, saubere Stadt, bevor ich ihr im Oktober wieder einmal für einige Zeit den Rücken kehren werde, und mache mich auf die Suche nach kulturellem Partyleben trotz vorlesungsfreier Zeit.

Sehr entspannt fange ich damit am Freitag Abend an. Am Stadtstrand bei Young Fast Running Man, einem jungen Mann, der Musik macht, die verdammt alt klingt – nach „traditionellem Blues, Rock der 60er Jahre, Country und Folk“. 

Dieser Groove befördert mich dann auch gleich in die richtige Stimmung für den Samstag, an dem ich mich voller Nostalgie und Hipster-Wahn in den Vintage Kilosale im Wanda stürze. Mir werden Levis’ Jeans für 10 Euro versprochen – da lohnt sich das Wühlen in jedem Fall, vor allem weil alle meine Jeans neuerdings Löcher an Stellen aufweisen, an denen keine Löcher sein sollten. 
Noch einen Schritt weiter zurück in der Zeit wage ich dann am Nachmittag beim Viktorianischen Picknick vor dem Monopterus im Englischen Garten. Man will sich an den „hübschen Gewändern erfreuen“, heißt es in der Einladung, wobei dezidiert nicht auf historische Korrektheit geachtet wird. Insgeheim hoffe ich ja, dass irgendwo Hugh Grant rumläuft, ganz im Sinne von „Sinn und Sinnlichkeit“. (Es lebe die Wort-Wiederholung) 

Am Sonntag spule ich wieder vor in der Zeit und packe meine neuen, alten Vintage-Levis-Jeans von gestern aus, um im richtigen Outfit beim ersten Münchner Indie Air Festival auf einer angeblich „wunderschönen Terrasse“ direkt am Englischen Garten aufzukreuzen. Das Line Up hört sich gut und vor allem sehr indie-sommerlich an. Neben I Heart Sharks aus Berlin, William’s Orbit aus Weiden, The Strayin Sparrows aus Regensburg und Jasper Flynn aus München freue ich mich vor allen Dingen auf die Stray Colors, die ich schon ewig nicht mehr life gehört habe. Danach wird unterm Sternenhimmel getanzt, wie sich das für Indie-Kinder gehört. 

Am Montag hole ich nach, was ich im letzten halben Jahr nicht geschafft habe. Und ich meine es erst: ich habe es nicht und zwar niemals geschafft, ins Kino zu gehen. Mit einem dicken Eis und vielleicht sogar Begleitung traue ich mich in „Verräter wie wir“. Wegschauen, wenn’s zu spannend wird, das kann ich eigentlich ganz gut.

Am Dienstag besuche ich die Surfer am Eisbach und lasse mich dann ins kühle Innere im Haus der Kunst schwappen, wo sich die französische Künstlerin Laure Prouvost „einfallsreich und mit unnachahmlichem Humor sowohl auf die Architektur der Mittelhalle als auch auf das Haus der Kunst als Institution bezieht“. Nicht dass ich etwas von Architektur und ihrer Verbindung und Umsetzung mit Humor verstehen würde, aber wirken lassen kann man das Ganze ja trotzdem.

Humorig geht es am Mittwoch weiter, denn ich beschließe, dass eine Band, die sich Fuck Yeah nennt, das Leben nicht allzu ernst nehmen kann. Das Theatron wird mit ihnen zur Kulisse für eine Mischung aus Hunter S. Thomson und Lou Reed, die „sich von Wire, T-Rex, Babyshambles und Velvet Underground die Gitarren verstimmen“ lassen, „um dann Graham Coxon aufs Effektpedal zu kotzen“. Schon allein wegen dieser Bandbeschreibung bin ich gespannt auf die Show.
Davor und danach und dazwischen mache ich einen Abstecher zum Kurzfilmfestival, das zeitgleich auf dem Theatron-Programm steht. Vor allem „Lialou“ hört sich spannend an. Lebensgeschichten, die aus Schuhen gelesen werden und wahrscheinlich auch die Geschichte einer großen Liebe.

Weil es mir so gut gefallen hat, auf der Seebühne, mache ich mich am Donnerstag ein zweites Mal auf den Weg in den Olympiapark, diesmal um herauszufinden, was „Akkordeon-Pop“ ist – und auch warum die drei Österreicher ihre Band folkshilfe klein und mit „f“ schreiben – ich hoffe wirklich, die haben sich dabei etwas wirklich Schlaues gedacht.

Am Freitag wird es noch einmal richtig spannend, denn ich warte darauf, ob ich zur Supper night garden club party im Glockenbach eingeladen werde. Mitgemacht habe ich bei der Platzverlosung, und interessieren würde es mich allemal, wie so ein Supper Club abläuft.
Sollte ich nicht zu den Glücklichen gehören, dann koche ich mir einfach selber etwas zu essen und wenn ich wirklich nett zu mir sein will, dann zaubere ich eine Oreo-Tiramisu. Und das alles nur, weil Sommerloch ist – irgendwie könnte ich mich daran sogar fast gewöhnen.

Theresa Parstorfer

Foto: Emil Fink