Nie wieder suchen

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Die TU-Studenten Clemens Techmer, Felix Harteneck und Jakob Sturm erfinden ein System, das freie Parkplätze erkennt, die Daten sammelt und an Autofahrer weitergibt. Der erste große Test startet nächstes Jahr.

Von Matthias Kirsch

Ja, es ist ärgerlich, wenn nach ewigem Rumgekurve das schicke rote Cabriolet den perfekten Parkplatz vor der Wohnungstür belegt. Noch ärgerlicher ist es, wenn dann der Wocheneinkauf, mitsamt Toilettenpapier und Getränkekästen erst einmal eine Viertelstunde durch die Stadt getragen werden muss.
Ganz ähnlich erging es auch Clemens Techmer, neben Felix Harteneck und Jakob Sturm Mitbegründer von „ParkHere“, einem System zur Parkhilfe, das die nervenaufreibende Suche endlich vereinfachen soll. „Wenn ich mit meiner Band einen Auftritt habe, muss viel Material mitkommen. Da ist es einfach ärgerlich, wenn man Verstärker und Schlagzeug ewig schleppen muss. Diese Erfahrung war für mich ganz klar ein Anreiz, um eine Lösung für das Parkproblem zu finden“, sagt der 23-Jährige, er ist Sänger von Marvpaul.
Clemens, Felix und Jakob haben sich zusammengetan, um genau an dieser Aufgabe zu arbeiten – mit Erfolg. Die drei Studenten haben ParkHere entwickelt, ein System, das freie Parkplätze erkennt, die Daten sammelt und in Echtzeit an Navigationsgeräte und Park-Apps für das Smartphone sendet. Was so einfach klingt, konnte bisher noch niemand effizient umsetzen. Ein ähnlicher Versuch in San Francisco musste abgebrochen werden.

In einem ersten Versuch
konnte der Parkverkehr
um 43 Prozent verringert werde

Clemens und Jakob studieren Elektroingenieurwesen an der TU und haben beide schon Erfahrung mit ähnlichen Technologien gesammelt. So hat Clemens für sein vorheriges Projekt „MapChat“ den „Innovation Award“ der TU erhalten, während Jakobs Einfall für eine Null-Watt-Schaltung mit dem Jugend-forscht -Preis ausgezeichnet worden ist. Bei UnternehmerTUM, einem Projekt der TU für angehende Unternehmer, haben die beiden dann Felix kennengelernt, ein BWL-Student, der schon mit 18 sein erstes Unternehmen gründete.

In einer Außenstelle der TU in Garching sind die Prototypen des Sensors entstanden. Im Labor wird gebaut, getüftelt und experimentiert. Aktuell wird der Ablauf der Datensammlung zu freien Parkplätzen untersucht. Ein etwa handballenbreiter Sensor soll in einem dünnen Schlauch auf dem Parkplatz verbaut werden. „Der Sensor erkennt, wenn ein Auto über ihn fährt, und nimmt dies als parkendes Auto wahr. Während in Parkhäusern diese Sensoren nur wenige Zentimeter breit sind und quer über die Parkfläche verlaufen, ist auf offener Straße für Parallelparkplätze ein Sensor von ungefähr 30 Zentimetern Breite nötig“, erklärt Clemens. Jeder Sensor sendet anschließend die gesammelten Daten an eine Basisstation, die an Straßenlaternen befestigt werden kann. So hält ParkHere in Echtzeit fest, welche Parkplätze belegt oder eben frei sind. Die Basisstation bündelt die Informationen und schickt sie an den Server.

In Echtzeit einen freien Parkplatz vermittelt bekommen, das ist für viele Verkehrsteilnehmer ein Traum – der mit diesem System Wirklichkeit werden könnte. Über Funk werden die Infos über freie Parkplätze an Navigationsgeräte und Park-Apps geliefert – gegen Bezahlung der Hersteller. Dabei sollen diese nicht nur ihren Kunden einen unbezahlbaren Dienst leisten – auch die Städte profitieren. „Im Durchschnitt dauert jeder Parkversuch zwischen 10 und 15 Minuten“, sagt Felix, „und das ist nicht nur wertvolle Zeit: Der zusätzliche CO₂- und Feinstaubausstoß, Lärm und Verkehr sind für Mensch und Umwelt einfach unnötig.“ Pro Kilometer Autofahrt werden knapp 150 Gramm CO₂ ausgestoßen – bei langen Parkvorgängen also nicht unwesentlich.
 Dass solche Parksysteme tatsächlich Verkehr, Lärm und Umweltverschmutzung verringern, zeigt das Experiment aus San Francisco. In der Technologiehauptstadt der USA wurde ein solches Parkhilfesystem in einem viel befahrenen Viertel eingesetzt – mit beeindruckenden Ergebnissen. Der Parkverkehr konnte um 43 Prozent verringert werden. Aufgrund des hohen Aufwands bei der Installation der Sensoren und deren geringer Batterielaufzeit – maximal einige Monate – wurde das Projekt allerdings nach zwei Jahren wieder abgebrochen.

„ParkHere löst genau die Probleme, die in den USA aufgetreten sind – und behält alle Vorteile bei“, macht Felix deutlich und kramt die Broschüre hervor, die die Technologie auch Laien verständlich machen soll. „Unsere Sensoren sind energieautark“, sagt er. Energieautark, das heißt, der Sensor ist unabhängig von Batterien oder Akkus, weil die Energie, die durch den Druck und die Vibrationen von vorbeifahrenden Autos erzeugt wird, gesammelt werden kann. So haben die Sensoren theoretisch eine unendliche Laufzeit. Auch die Basisstationen, die mit Solarenergie gespeist werden können, funktionieren ohne fremde Einwirkung. Diese Verbesserungen machen ParkHere für Investoren und Kunden interessant: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wird die Studenten im September mit dem begehrten IKT-Gründerpreis auszeichnen, zu dessen vorherigen Gewinnern Start-ups wie Buddy-Watch gehören.

Den ersten Härtetest in der Praxis erwartet ParkHere im Frühling 2016, dann sollen erstmals Sensoren in die Straße eingelassen werden – in einem ersten Schritt an den Ladesäulen für Elektroautos, und das europaweit. Ganze Städte mit einem Parkhilfesystem auszustatten, ist jedoch teuer – „unseren Berechnungen zufolge würde die Münchner Innenstadt zum Beispiel vier bis fünf Millionen Euro kosten“, erklärt Felix. „Die Städte können unsere Daten jedoch auch nutzen, um beispielsweise in viel befahrenen Vierteln die Parkkosten zu erhöhen, in anderen die Preise zu senken. Die so erreichte Umverteilung tut der Umwelt wie auch dem Stress des Autofahrers gut“, sagt Felix.

Wolfgang Großmann, Geschäftsführer der Park & Ride München GmbH hält das Projekt für „unheimlich charmant“. „Wir bekommen viele derartige Anfragen, aber das ist mit Sicherheit eine, die herausragt und ich bin neugierig, wie das weitergeht“, sagt er. Sein Unternehmen wartet im Moment auf ein Angebot der drei Studenten, um einen Test auf der Park & Ride-Anlage in der Aidenbachstraße starten zu können. Er hält es allerdings nicht für notwendig, die ganze Stadt München mit einem Erfassungsnetz auszustatten. „Letztendlich würde es reichen, die unattraktiveren Parkmöglichkeiten in einem Viertel mit Sensoren zu versehen, da man, wenn die belegt sind, mit einiger Sicherheit davon ausgehen kann, dass sonst auch alles belegt ist.“

Foto: Alessandra Schellnegger

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Carolina

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Carolina macht diese Woche nicht mit. Beim Urlaubs-Marathon. Sie beweist, dass man nicht um die Welt gereist und glückliche Selfie-Stick-Fotos gepostet haben muss, um sagen zu können, einen schönen Sommer verbracht zu haben. Auch München hat in den Ferien vieles und außergewöhnliches zu bieten: ob bei der „Super Geek Night“, der Performance- und Installationsausstellung  „Asymetric Garden & Group Photo“ oder der  Premiere von „Tommy Low Gun And The Amazing Boozehounds“ – sie sammelt ganz bestimmt denkwürdige Ferienmomente.

Urlaub ist ein Wettbewerb geworden. Zumindest fühlt sich das
so an, wenn auf meiner Facebook-Timeline dieser Tage mal wieder ein Foto aus
Antalya, San Francisco oder Ibiza auftaucht. Auf jedem Bild: Glückliche
Jetsetter. Den Rest des Jahres normale Menschen, im Urlaub aber die Könige der
Könige. Ein Bild schöner als das andere. Und ich? Kann nichts dazu beitragen.
Ich sitze in München. Das kennen meine Jetsetterfreunde schon. Da wohnen sie
nämlich normalerweise, wenn sie nicht gerade den Urlaubswettstreit antreten.

Dabei ist München gar nicht so schlecht. Urlaub in der
Heimat eben. München, Sieger der Herzen. Oder auch: Dabei ist alles! Los geht
es am Freitag mit der Finissage der Kunstausstellung „BEASTIEstylez &
FRIENDS“ im Farbenladen
des Feierwerks. Gezeigt werden unter anderem die Werke von
Lion Fleischmann, dessen Arbeiten schon bei der SZ-Ausstellung „München – eine
Sehnsucht“ zu sehen waren. Gegrillt wird auch noch. Da kann es in keinem
Ferienresort auf Malle schöner sein, finde ich.

Samstag zieht es mich schon wieder ins Feierwerk zur „Super
Geek Night“
, eine Party für „jeden Gamer, Geek, Fan, Nostalgiker und Nerd“.
Dort laufen Leute in lustigen Cosplaykostümen rum, trinken Butterbier und
zocken bis die Finger vom Spielen wund sind. So etwas mache ich zwar sonst nie,
aber so ist das nun mal in den Ferien: Menschen tun Dinge, die ihnen den Rest
des Jahres fremd sind. Büchermuffel nehmen fern der Heimat plötzlich ein Buch
in die Hand und bewegungsscheue Stubenhocker mutieren beim Hotel-eigenen
Sportangebot zu gefürchteten Aktivurlaubern. Ob diese abenteuerliche Metamorphose
nun im Schweigekloster in Indien oder in München von statten geht, ist doch
relativ Wurscht. Deswegen lasse ich mich an dem Abend direkt auch mal mit ein
paar Cosplayern fotografieren – für’s digitale Urlaubsalbum.

Sonntags bin ich faul. Ich schlafe lange, frühstücke im
Bett, lege mich mit einem Buch an die Isar. Der perfekte Ferientag? Von wegen.
Ja, es gab Zeiten, da konnte man im Urlaub einfach nur entspannen.  Aber das ist lange vorbei. Heute geht es um
Leistung: Welcher Strand ist der schönste? Wo schmeckt das Essen am besten?
Alles festgehalten auf Fotos. Früher hat man sich nach den Ferien Bilder von
Sehenswürdigkeiten gezeigt, heute zeigt man sich Bilder von Hotelpools.
Spa-Oasen. Erlebnis-Off-Road-Rallye-Adventures. Authentischen kleinen Cafés. Wie schön, dass ich da nicht mitmachen muss.
Herrlich entspannt mache ich mich abends auf den Weg in den Salon Irkutsk. Dort
spielen ab 19 Uhr Carmina Reyes und Antò Nio, den ich schon beim diesjährigen
Stadt-Land-Rock-Festival ganz toll fand.

Am Montag bin ich auf der Geburtstagsfeier meines Freundes Jojo
eingeladen.  Wir sitzen im Englischen Garten,
picknicken, spielen Boule – das weckt dann gleich Urlaubserinnerungen,
schließlich haben das die alten grimmigen Menschen im kleinen
französischen  Feriendorf meiner Kindheit
auch immer gemacht. Abends schaue ich noch in der Galerie FOE 156 vorbei: Die
dänische Performance- und Installationskünstler Molly Haslund zeigt in ihrer
Arbeit „Asymetric Garden & Group Photo“, was passiert, „wenn Kresse die
Küchenfensterbank verlässt“. Meine persönliche Antwort: Sie landet im Müll,
denn bei mir geht Kresse nach spätestens drei Tagen ein. Ein Grund mehr, um
sich diese Installation anzusehen.

Dienstag steht Kultur auf dem Programm, denn pünktlich zum
ersten September erwacht das kulturelle Leben aus seinem Sommerschlaf. Ich
gucke mir München an. Aber nicht in seiner Wirklichkeit, sondern auf Foto
gebannt: In der Ausstellung „Mein Bild von München III“ am Praterstand zeigen
Münchner ihren Blick auf die Stadt.

Inspiriert von diesen Eindrücken, ziehe ich am Mittwoch direkt
selbst mit meiner Kamera los. Urlaubsfotos machen. Das Hindernis: Ich habe
keinen Selfiestick. Die Zeiten, in denen man einem Fremden seine Knipse in die Hand
gedrückt hat, damit er einen vor der Marienkirche ablichtet, sind irgendwie
vorbei. Enttäuscht gebe ich nach einer Stunde Kamera-im-seltsamen-Winkel-zum-Gesicht-halten
auf.  Egal. Die schönsten Erinnerungen an
den Sommer lassen sich sowieso nicht auf Bildern festhalten. Abends begebe ich
mich schließlich ins Rationaltheater zur Lesung „Den Umstehenden entsprechend“.
Präsentiert werden Texte der Schreibwerkstatt von Komparatistikstudenten der
LMU.

Donnerstag geht es dann mit meiner Mitbewohnerin Jasmin zum
Einkaufen. Die ist nämlich neu in München und braucht für die Wiesn dringend
ein Dirndl. Bei unserer Suche schauen wir unter anderem im „Aufgebrezelt“ in
Ismaning
vorbei: Da gibt es die außergewöhnlichen Dirndl der jungen Designerin
Lisa Brettel zu kaufen. Nach einem erfolgreichen Shoppingtag bin ich abends zur
Premiere von „Tommy Low Gun And The Amazing Boozehounds“ im Keller der kleinen
Künste eingeladen. Dort spielt mein Kumpel Stefan Natzel mit, der sich bei den
Proben für das Stück schon einen Zahn ausgeschlagen hat. Sein Urlaubsfoto des
Sommer: Zahnlos in der Notaufnahme. Ich bin gespannt darauf, wie seine Gebiss
nun aussieht – und natürlich auch auf die Inszenierung.

Nach einer durchzechten Premierenpartynacht kommt am Freitag Morgen auf dem Heimweg die ernüchternde Erkenntnis: Jeder Urlaub geht irgendwann zu
Ende. Dann heißt es Koffer packen. Rein in den Flieger. Ciao, bella italia.
Oder auch servus, Isar. Nur macht davon niemand ein Foto. Irgendwie hat so ein
einsamer Koffer auf dem Gepäckband des Münchner Flughafens doch nicht das
gleiche Prestige wie ein Cocktail am Tiber im Abendlicht. Und während meine
Freunde ihre Ferienapartments räumen, radle ich zur LMU. Immatrikulation für
Philosophie und Theaterwissenschaft. Ein schönes Gefühl. Und dann poste ich am
Ende der Woche doch noch ein Ferienfoto auf Facebook: Ich und mein neuer
Studentenausweis. Ganz ehrlich, ich bin stolz. Stolzer, als man auf jeden Urlaubsschnappschuss
je sein könnte.

Carolina Heberling

Foto: Conny Mirbach

Band der Woche: Red Blood Cells

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Seit Bands wie The Hives und The Strokes ist Kitsch in der Musikbranche wieder angesagt. Die Freisinger Band Red Blood Cells

vermischen als Post-Hipster den Kitsch-Einfluss von Beatles, David Bowie und den White Stripes ganz selbstverständlich mit dem, was unter Indie-Kids als cool gilt.

Kitsch war lange Zeit etwas, das es unter allen Umständen zu vermeiden galt. Zumindest, wenn man zu den Cooleren gehören wollte. Kitsch, das waren die Rosenkugeln der Mutter und die Gartenzwerge der Großmutter. Die Kuckucksuhren und all das Übrige, was es schon lange Zeit gab und das in billiger Form nachproduziert die Einrichtung der älteren Generation zierte. Die Jugend beschäftigte sich lieber mit dem Neuen. Doch spätestens seit Bands wie The Hives und The Strokes, die Gitarren zurück in den Mainstream brachten, ist das alles nicht mehr so eindeutig. Denn die Zeit, in der das Wort Retro-Rock auftauchte, war auch das erste Mal für das Genre der Rockmusik, dass man dort nicht mehr an unbedingter Innovation interessiert war, sondern an zeitgemäßer Reproduktion.

Wenn nun knapp 15 Jahre später eine Band, die gerade den Status einer Schülerband verlassen hat, von sich behauptet, es ginge in ihrer Musik darum, den schmalen Grat „zwischen Kitsch und Cool“ zu finden, sind das die ersten Zeichen einer künstlerischen Antwort auf Retro-Rock. Eigentlich wirkt die Freisinger Band Red Blood Cells (Foto: Diar Nedamaldeen) erst einmal ein wenig fad. Klar, sie spielen toll, Sänger Ferdinand Kozel hat eine super Stimme, die Band hat ein feines Gespür für Melodien und für Arrangements. Aber sie sind ein bisschen streberhaft, wenn sie erzählen: „Wir sind eine Band, die sehr stark an den einzelnen Songs rumfeilt, bis sie live gespielt werden. Und die Songs hören danach eigentlich nie auf, sich weiter zu entwickeln.“ Doch das Quintett hat mit seiner Musik etwas gefunden, das sie abhebt: Sie erkennen das Kitsch-Potenzial, das im Rock der Sechziger- und Siebzigerjahre heutzutage liegt (schlicht, weil diese Musik mittlerweile genauso der Vergangenheit angehört wie Kuckucksuhren und Trachten und die Musik in der Neuproduktion genauso reproduziert erscheint). Doch die Band fürchtet sich nicht mehr vor dem Kitsch und versucht auch nicht, ihn unbedingt zu vermeiden oder ihn zu karikieren. Kitsch ist einfach da, genauso wie Rock oder Pop oder Synthesizer und Hip-Hop: „Wir versuchen auch nicht, bewusst nach Retro-Rock zu klingen. Es ist einfach heutzutage so, dass viele Musikrichtungen Modeerscheinungen sind, die ein, zwei Jahre aktuell sind und dann wieder relativ schnell verschwinden“, erklären sie. Es handelt sich bei den Red Blood Cells also nicht um Hipster, die sich aus Liebe zum Bad Taste einen Gartenzwerg neben das Bett stellen, respektive auf einer Flying-
V-Gitarre Poser-Soli spielen. Die Red Blood Cells sind eine Stufe weiter und vermischen quasi als Post-Hipster den Kitsch-Einfluss ganz selbstverständlich mit dem, was unter Indie-Kids als cool gilt.

Ein Gitarrensolo, vor allem eines, das sich zwischen jaulendem Sägen und virtuosem Fingerpicking orgiastisch steigert, ist kitschig. Beatles-Melodien sind auch kitschig, genauso wie ein Keyboard, das die ganze Siebzigerjahre-Atmosphäre in einen Star-Trek-Weltraum-Sound packt (und zwar ohne die Ironie eines David Bowie alias Ziggy Stardust). Doch in diesem Jahr haben die Freisinger Musiker, die alle noch studieren, solche Klänge auf ihr gut anzuhörendes Debüt-Album „Deloxy“ gepackt, das im März erschienen ist. 14 Songs, in denen über die Liebe genauso selbstverständlich gesungen wird wie über den Klimawandel. In denen Blues-Linien eben auf Schrammelakkorde treffen und Jack White genauso gehuldigt wird wie Led Zeppelin, obwohl die White Stripes in ihrem Lo-Fi-Vorschlag von Blues-Rock einst selbst als Gegenreaktion auf den High-Class-Rock der Led-Zeppelin-Generation auftraten. Und dass mit all diesen Einflüssen bei den Red Blood Cells so wenig Theaterspiel und Ironie spürbar ist, ist erstaunlich erfrischend.  

Stil: Retro-Rock

Besetzung: Ferdinand Kozel
(Gesang, Gitarre) , Thomas Kozel (Gitarre, Gesang), Marcel Heinrich
(Bass), Twana Nedamaldeen (Schlagzeug), Johannes Vopel (Piano,
Synthesizer)

Aus: Freising

Seit: 2007

Internet: www.redbloodcells.de

Rita Argauer

Foto: 

Diar Nedamaldeen

Neuland

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Zwischen Wiesen und Feldern findet dieses Wochenende schon zum dritten Mal das kleine Festival Brimbamborium statt. Ursprünglich wollten die 8 Veranstalter nur ihre alten Freunde und Bekannten wiedersehen, aber solange nur liebe Leute kommen, freuen sich die jungen Männer auch über größeres Publikum.

Wenn man auf dem Land aufwächst, kann es gut sein, dass sich Freunde und Bekannte spätestens zum Studieren in alle Himmelsrichtungen verteilen. Um wenigstens einmal im Jahr wieder zusammenzufinden, kann man sich an Weihnachten in der Stammkneipe treffen oder im Sommer zu einem Grillabend. Oder aber man organisiert ein Festival auf einer Waldwiese im Heimatdorf, mit vier Bands und fünf DJs, mit Essen und Trinken, Lagerfeuer, Dosenwerfen und Schmuckverkäufern.
Sebastian Tschamler, 24, und sieben seiner alten Freunde aus Eurasburg, das südlich von Wolfratshausen liegt, veranstalten am nächsten Samstag, 29. August, nun schon zum dritten Mal das Festival Brimbamborium, um wieder ein wenig Heimat zu spüren und sich an die alten Zeiten zu erinnern. „Wichtig ist uns der ehrenamtliche Gedanke. Jeder hilft mit und der Erlös, der über die Kosten hinausgeht, wird gespendet“, erklärt Sebastian. In den vergangenen beiden Jahren sei das Festival immer größer geworden, wogegen die acht Organisatoren prinzipiell nichts einzuwenden haben, solange es „nur liebe Leute sind, die kommen“, fügt Sebastian hinzu und lacht.

Theresa Parstorfer

Foto: Sebastian Tschamler

Mein München – Hochschule

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Simon Mayrs neuestes Projekt werden Akt-Fotografien sein. Für das Bild, das er an der Hochschule aufgenommen hat, musste sein Modell die Klamotten jedoch anbehalten, auch wenn es heiß genug gewesen wäre, sie auszuziehen.

In die Fußstapfen seines Vaters will Simon Mayr, 22, nicht treten. Dieser ist Braumeister bei einer bekannten Brauerei in München. Simon trinkt zwar gerne Gerstensaft, aber seine Leidenschaft hat er in der Fotografie gefunden. Schon zu Schulzeiten fotografierte er mit seiner Nikon Freunde, Familienmitglieder und Bekannte. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass es ihm vor allem die Modefotografie angetan hat. „Ich will etwas Eigenes kreieren. Das Set selbst gestalten. Wenn man zum Beispiel Architektur fotografiert, dann dokumentiert man meist nur“, sagt Simon.

Wenn er doch einmal Gebäude ablichtet, achtet er darauf, dass eine Spannung durch Licht und Schatten entsteht, wie auch auf dem Foto, das er in der Hochschule aufgenommen hat. Am liebsten hätte sich sein Model Joella bei diesem Shooting ausgezogen, so heiß war es. Doch die Klamotten blieben an. Nicht so bei Simons neuestem Projekt: Zum ersten Mal möchte der Fotodesignstudent Portraits von Aktmodellen aufnehmen. Dabei will er seine Bilder antiken Statuen gegenüberstellen.

Bisher nutzte er für seine Shootings oft Agenturen und fragte Freunde von Freunden. Aber nun stellt sich ihm die erste Herausforderung seines Aktprojekts: Models finden, die sich tatsächlich vor der Linse ausziehen würden. „Das ist schwieriger, als gedacht“, sagt Simon, doch entmutigen lässt er sich nicht. Dafür hat er auch gar keine Zeit. Neben der Model-Suche steht ein Umzug an. „Ich will die Wiesn noch mitmachen, dann geht es für mich nach Berlin. Ein Tapetenwechsel kann nicht schaden“, sagt
Simon.  

Stefanie Witterauf

Foto: Simon Mayr

Laden mit Lebensgefühl

Axel Schnerring und Stefan Losert haben in der Kaulbachstraße ein Geschäft aufgemacht, in dem sie selbst entworfene, lässige Klamotten verkaufen – und kleinen Münchner Labels eine Plattform bieten. Es ist aber auch ein Treffpunkt zum Hallo-Sagen, Einkaufen oder vor der Tür in der Sonne sitzen.

Von Matthias Kirsch

Die Dekoration im Laden ist teilweise minimalistisch, eine Mischung aus gekonnter Lässigkeit und Vintage. In den Regalen stehen Fotos von Patrick Swayze aus dem Film „Point Break“, das Cover von Charles Bukowskis „Women“ wurde sogar eingerahmt. Die Ladenfläche in der Kaulbachstraße ist Zeugnis für den Stil, den der Kleidungsladen „Cheers from Downtown“ versinnbildlicht: „Wir bieten Streetwear an, wie wir sie uns vorstellen – offen, mit Gefühl, nicht provokant, sondern etwas, das jeder tragen kann“, beschreibt es Gründer Axel Schnerring, 27.

Er und Stefan Losert, 28, hatten nie den großen Traum vom eigenen Laden – anders als viele Gründer von Modefirmen. „Lässige Kleidung hat mich zwar schon immer begeistert, aber dass wir gerade vor unserem eigenen Laden stehen, das ist kompletter Zufall“, sagt Axel. Er überlässt Sachen gerne dem Zufall, lässt einfach mal passieren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann und einer Weltreise landete der gebürtige Ulmer in München, wo er 2012 mit einem BWL-Studium begann. Axel wohnte damals schon in der Kaulbachstraße, in eben dem denkmalgeschützten Gebäude, in dem sich heute der Laden befindet. Zu dieser Zeit gründete er das Label Cheers from Downtown – jedoch ohne das Ziel, ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Als Ende 2013 die Geschäftsfläche im Erdgeschoss seines Wohnhauses frei wurde, setzte der Jungunternehmer alles auf eine Karte. Ein Klamottenladen ist für Axel die Möglichkeit, seine Ziele von Selbstständigkeit mit seinem neugegründeten Label zu kombinieren. Die Vermieterin des Ladens war von seiner Idee überzeugt und gab „der Jugend eine Chance“. In Stefan, ebenfalls BWL-Student, fand Axel den geeigneten Partner für die Geschäftsgründung. Beide teilten die Motivation, auf eigene Faust etwas aufzubauen. „Die Schnitte von üblichen T-Shirts haben uns nie perfekt gefallen, deshalb haben wir unsere einfach selbst entwickelt“, erklärt Axel wie selbstverständlich.

Cheers from Downtown ist jedoch viel mehr als nur ein Laden. Die Kaulbachstraße 44 ist auch Treffpunkt – ob zum Hallo-Sagen, Einkaufen oder Vor-der-Tür-in-der-Sonne-Sitzen. Axel beschreibt dieses Lebensgefühl als etwas, „das man nur in einer Großstadt erleben kann. München ist perfekt dafür. Das verkörpert Cheers from Downtown.“ Ein Nachbar fährt gerade mit dem Longboard vorbei. Axel grüßt, grinst und sagt: „Das ist genau so einer wie wir. München eben.“

Axel und Stefan geht es um
das Glück, mit Gleichgesinnten
zusammenarbeiten zu können

Zusätzlich steht Cheers from Downtown auch noch für eine neue Entwicklung in der Münchner Modeszene: Der Laden ist eine Plattform für kleine, lokale Labels geworden. „Unsere eigene Kollektion füllt noch keine Regale, so weit sind wir noch nicht. Gleichzeitig wissen wir, dass wir mit der Möglichkeit, einen Laden führen zu können, riesiges Glück haben. Das wollen wir anderen Labels nicht vorenthalten“, erklärt Axel weiter. Modelabels passen nicht immer gut zusammen – trotzdem wollen die jungen Männer auch anderen Modemachern die Möglichkeit eröffnen, Teil des Ladens zu werden. „Wir sind und wollen kein Flohmarkt sein, aber wenn die Macher und ihre Produkte jung, kreativ und hip sind, finden wir einen Platz“, beschreibt Axel die Auswahl der Labels. 

So findet gleich gegenüber der Eingangstür „Emil Boards“ seinen Platz im Cheers from Downtown. Niklas Groschup, Gründer von Emil Boards, ist hier eher ein Exot, da er Skateboards produziert, keine Mode. Die Besonderheit: Die Bretter sind rechteckig und inspiriert von den „Hoverboards“ aus dem Kultfilm „Zurück in die Zukunft“. 

Geht man die kleinen Treppen zur Kasse hoch, trifft man auf der rechten Seite „New Bav“, ein Münchner Label, das 2014 von Nils Neumann, 24, gegründet wurde. Liebe zur Mode und vor allem zur Produktion wird bei New Bav groß geschrieben. „Ich komme aus der Textildruckerei, deswegen bedrucken wir auch jedes Teil selber“, erzählt er. Auf diese Nähe zum Produkt ist der Modemacher stolz. Das Markenzeichen von New Bav – Übergröße. Der weit geschnittene Stil ist aktuell sehr einzigartig. „So bauen wir uns eine Kundenbasis auf, die spezielle Schnitte mag.“ Einzigartig ist laut Nils auch die Plattform-Idee von Cheers From Downtown: „Kleinen Marken sind viele Türen oft versperrt – im Shop vereinen Axel und Stefan viele coole Labels, und ich stehe mit New Bav absolut hinter dem Konzept.“

Im hinteren Teil des Ladens, der dank eines alten Friseursessels ein wenig an einen Barbershop erinnert, hat mit „Pfizipfei“ auch ein etabliertes Münchener Label Platz gefunden: Die Münchner um Gründer Günter Grotzer, 29, stellen seit 2011 Mode in München her, aus Leidenschaft, neben ihren alltäglichen Berufen. „Unser Markenzeichen ist, dass wir keines haben. Aber wir zeichnen uns durch Qualität und kleine Details aus – und lassen uns von unserer Umwelt inspirieren“, erklärt Günter. Umweltbewusst präsentiert sich ebenfalls das Label „Delayon“, das erst vor kurzem in die Kaulbachstraße 44 eingezogen ist. „Ich habe München als naturnahe Stadt kennengelernt“, erzählt Magdalena Ozimirksa, Gründerin und für die Designs zuständig. Im Laden findet man vor allem Accessoires von Delayon, wie beispielsweise Sonnenbrillen aus Bambus.

Die Zusammenarbeit mit anderen Modemachern steht im Mittelpunkt – etwas, das bei jungen Ladeninhabern nicht üblich ist. Cheers from Downtown geht es nicht um Konkurrenz, sondern um das Glück, mit Gleichgesinnten zusammenarbeiten zu können. „Der Aufwand“, sagt Axel, „lohnt sich aber auf jeden Fall. Schon nach unserem ersten Jahr gibt uns der Laden so viel zurück – wir stehen morgens auf und machen unser Ding, das ist schon die größte Bezahlung.“

Fotos: Thomas Lehmann

Ein Abend mit: Friedi Kühne

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Bei „Walk the Donau“ stellte Friedi
Kühne einen neuen Weltrekord im Slacklining auf, obwohl er bei dem Wettbewerb in Straubing eigentlich nur zum Assistieren dabei war. Neben den Studium arbeitet der
24-Jährige als Stuntdouble, gibt Workshops und tritt bei Shows wie „Wetten
dass“ auf.

Der beste Ort zum Vorglühen:
Don Luca, Isarufer, Olympiaberg, englischer Garten.

Danach geht’s ins/zu: Harry
Klein, Rote Sonne oder irgendwas in der Kultfabrik.

Mit dabei ist immer: Liebe.

An der Bar bestelle ich am
liebsten:
Fliegenpilztee mit einem Schuss Krötengift oder koffeinfreien Kaffee.

Betrunken philosophiere ich
über:
Freundschaft, Evolution, Kommunismus

Der Song darf auf keinen Fall
fehlen
: ‪Rocky & Ace Ventura – Serotonin Overdose (Protonica Remix).

Mein Tanzstil in drei Worten
(und einer Zahl): 140 beats per minute.

Der Anmachspruch zieht immer:
Hey Baby, ich bin Highliner!

Meine dümmste Tat im Suff war:
siehe Getränk an der Bar.

Das beste Katerfrühstück
gibt`s im/bei:
Picknick im englischen Garten (mit Erdbeeren!!!)

Diesem Club/dieser Bar trauere
ich nach:
Sunsplash.

http://elephant-slacklines.com/de/athletenteam/project-teamhttp://www.oneinchdreams.com/team/friedi-kuehne.html

Stefanie Witterauf

Foto: One Inch Dreams

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Kathi

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Kathi lässt sich diese Woche von der Ferien-Halbzeit-Panik nicht aus der Ruhe bringen, sondern genießt den Sommer noch einmal in vollen Zügen: Sie schwelgt im Theatron bei Young Chinese Dogs und

Nick and the Roundabouts

in Fernweh, aber tanzt sich auch gute Laune auf der 

Block-Party im Crux. Kunst fehlt auch nicht: anschauen beim

Isarsprudel

oder mitmachen beim

Gestaltungswochenende

am Starnberger See. Und wer weiß, vielleicht wird sie sogar Munich’s New Topmodel, denn beim Tag der offenen Tür im Store & Studio wird ein offenes Casting angeboten.

Falls ihr diese Woche Schulkinder mit einem Satz zur Verzweiflung bringen
wollt: „Die Sommerferien sind schon fast zur Hälfte rum“, das funktioniert
immer. Aber auch wir „Großen“ merken, ewig wird der Sommer nicht mehr dauern.
Also, tanzen wir in unseren Bikinis – solange es noch geht.

Zum Bikini passt kaum etwas so gut wie der Starnberger See!
Dort schmeißt die Münchner Kulturjurte von Freitag
an ein Gestaltungswochenende
– einfach anmelden, vorbeischauen und mitgestalten. Ich bleibe am Freitag bei
den Gewässern und schaue um 15 Uhr beim Isarsprudel vorbei.
Eine ganze Menge Kunst erwartet mich zwischen Weideninsel und Corneliusbrücke.
Da kann ich der Kreativität förmlich beim Sprudeln zusehen. Abends spielen auch
noch die Young
Chinese Dogs
im Theatron
und Nana
in der Keg Bar
– ein spritziger Freitag!

Es ist Samstag
und mir fällt auf: Vor ungefähr einem Jahr bin ich das letzte Mal in die USA
geflogen. Was hilft gegen das Fernweh? Ein bisschen Folk, der gerne einmal nach
amerikanischer Bar klingt. Also mal wieder ab ins Theatron, wo von
19 Uhr an unter anderem Nick and the
Roundabouts
auftreten. Und nachdem ich Songs wie „Leaving this City“ gehört
habe, suche ich direkt mal nach Flugtickets. Vielleicht habe ich ja Glück. Ansonsten tanze ich bei Mixed Munich Arts einfach dem Sonnenuntergang entgegen. Be free – genau das
richtige Sommer-Motto!

Am Sonntag ist es
Zeit für einen gemütlichen Nachmittagstee. Langweilig? Okay, dann gehe ich eben
zum „Hardcore
Nachmittagstee
“ bei BEASTIEstylez samt Freunden. Um 16 Uhr beginnt das
Spektakel im Farbenladen – ich bin gespannt auf die Ausstellung und alles, was
zu einem Hardcore-Tee sonst noch dazugehört. Nach Hardcore-Feiern klingt die Block-Party, die
von 18 Uhr an im Crux stattfindet, sehr verlockend. Ganz besonders freue ich mich auf Ty Dolla $ign, schon
wegen des Hardcore-Namens.

Da ich am Samstag leider keine billigen Flugtickets nach
Kalifornien gefunden habe, gönne ich mich am Montag wenigstens einen Mission-style Burrito. Also auf
zur Burrito Company in der
Augustenstraße: Pulled Pork Burrito, Tortilla Chips, Salsa – das volle Programm
gegen Fernweh.

Der Dienstag ist
wie gemacht für einen Mädelsabend am Praterstrand.
Hier gibt es mehr Spritz-Variationen als Sandkörner und Bikini-Tanz-Atmosphäre
ist auch garantiert. Ein Hoch auf den Sommer!

Am Mittwoch
bekomme ich Besuch aus Schweden und mutiere zur Stadtführerin. Ich gebe zu, das
München-Touri-Komplettpaket macht auch mir selbst immer wieder Spaß, die Stadt
ist eben einfach toll. Wir starten mit einer Brotzeit am Viktualienmarkt,
schlendern durch die Innenstadt und machen einen Abstecher zum Starnberger See.
Dass deshalb für die Allianz Arena keine Zeit mehr bleibt, schmerzt mich mehr als
meinen Gast – aber als gute Gastgeberin muss ich Opfer bringen.

„Germany’s Next Topmodel“ läuft ja gerade nicht, aber
Modelträume werden am Donnerstag
trotzdem wahr: Von 5 Uhr an ist Tag des offenen Studios im „Store & Studio
in der Reichenbachstraße. Offenes Casting und Gratis-Portrait – kreisch!
Außerdem wird die neue Sommerkollektion von akjumii vorgestellt.
Vielleicht finde ich da meinen Tanzbikini fürs nächste Jahr. Zum Bikini passt
dann auch die Musik von Sea and
Air
, die im Cord
Club
auftreten (Einlass: 20:30 Uhr). Nach diesem Tag möchte ich am liebsten
nur noch Sandburgen bauen.

Am Freitag habe
ich dann kurzzeitig genug vom Sommer. Heute will ich Klimaanlage und
Indoor-Sport. Also fahre ich nach Fürth zum Paul-Hunter-Classic,
einem der drei großen Snookerturniere in Deutschland. Die zwei von euch, die
Snooker schon immer mal live sehen wollten, können hier die Spitzensportler
treffen und sich den ganzen Tag lang an zehn Tischen von diesem wunderbaren
Billiardsport faszinieren lassen. Und ich kann euch sagen: Live ist das Ganze
noch spannender als im Fernsehen. Tickets gibt es noch, ein Geheimtipp für
Abenteuerlustige.

Snooker ist dann auch der krönende Abschluss meiner Woche.
Der Sommer bleibt zum Glück wohl noch ein bisschen – der Bikini wird sicher noch
nicht in den Schrank gehängt.

Kathi Hartinger

Foto: privat

Band der Woche: Young Chinese Dogs

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Die Young Chinese Dogs zertrümmern mit ihrem neuen Album “Great Lake State” ihren ehemaligen Vorsatz, nur so viele Instrumente in einen Song zu packen, wie die drei Bandmitglieder selbst tragen könnten. Der zusätzliche Ballast an Instrumenten ist nun allerdings eine Bereicherung, denn so können Birte Hanusrichter, Oliver Anders Hendriksson und Nick Reitmeier opulente Geschichten von einem sehnsuchtsvollen Lebensgefühl weit weg von München erzählen.

Glaubensbekenntnisse muss man ab und an über den Haufen werfen, um weiterzukommen. Denn erst durch den Bruch mit dem Alten wird Platz für Neues frei. In der Pop-Musik spielen sich derartige Glaubenskriege oft an den Fronten zwischen Authentizität und Inszenierung ab. Das ist natürlich alles von außen betrachtet nicht so ein großer Unterschied: Denn die vermeintliche Echtheit manch einer Punk-Kapelle ist ebenso gut inszeniert wie die Bubblegum-Welt einer Katy Perry. Und die würde andererseits auch nicht ohne den Verweis auf die Echtheit ihrer Person so durchschlagenden Erfolg haben, weil dann die Identifikation mit ihr bei vornehmlich Teenager-Mädchen nicht mehr funktionieren würde. Die Münchner Band Young Chinese Dogs (Foto: Florian Huber) hat dennoch ihr Credo auf ihrem neuen Album „Great Lake State“ ziemlich zertrümmert.

Die Trümmer wirken auch nur deshalb so groß, weil sie zu ihrem vorherigen Album mit einer großen Vehemenz eine einzelne Aussage in die mediale Welt geschossen haben: „Wir spielen nur so viele Instrumente, wie wir selbst tragen können.“ Ein Straßenmusiker-Spleen, der in der künstlerischen Selbstkasteiung Authentizität verspricht, und der die Band um die Schauspielerin und Sängerin Birte Hanusrichter und ihre beiden Kollegen Oliver Anders Hendriksson und Nick Reitmeier weit gebracht hat: ein Vertrag beim Label Motor, ausgedehnte Tourneen, Musik für Fernsehproduktionen (in denen Birte zum Teil auch selbst spielte) und Gesangseinlagen für den Kinderfilm „Der kleine Drache Kokosnuss“.

Das neue Album, das am Freitag, 21. August, offiziell erscheint und das die Band am gleichen Tag live im Münchner Theatron vorstellt, hat nun rein gar nichts mehr von dem Charme des kleinen Mannes, von dem sie auf dem Vorgänger erzählten. Die opulente Produktion von Oliver Anders Hendriksson ist glatt und voller Glanz, die Tracks sind aufwendig instrumentiert – von wehmütigen Streichern zu bluesig-verzerrten Gitarren. Man kann sich die Bandmitglieder gut vorstellen, wie sie schwer bepackt unter dem Gewicht all dieser Instrumente zusammenbrechen, beim Versuch, um ihre Authentizität zu kämpfen. Oder aber, man gesteht ihnen die künstlerische Freiheit zu, ist nicht so kleinkariert und beachtet die Entwicklung. Denn die Opulenz der Produktion ist künstlerisch konsequent. Auf „Great Lake State“ erzählen die Young Chinese Dogs Geschichten von einem Lebensgefühl, das von ihrem Alltag in München mehr als weit entfernt ist.

Der US-amerikanische Staat Michigan trägt den Spitznamen „Great Lake State“, die fünf großen Seen sind so riesig, dass dort Gezeiten beobachtet werden; außerdem gehören die Niagara-Fälle dazu. Und die Young Chinese Dogs klingen tatsächlich so, als würden sie in einer Bar in einer Kleinstadt des mittleren Westens auftreten, in der ordentlich getrunken und auch sonst wenig Rücksicht auf Verluste genommen wird. Nick und Birte singen weiterhin inbrünstig zusammen, buhlen um das Publikum, Bilder von „Natural Born Killers“ zu „Wild at Heart“ kommen einem in den Kopf. Country im Pop-Folk-Gewand ist das, der auch nicht vor Klischees wie den „Dirty little Boys“ und den „Dirty little Girls“ zurückschreckt, die sich gegenseitig betrügen. Ein Song-Zwillingspaar übrigens, der eine im 4/4-Takt, der andere ein 6/8-Takt, basierend auf der gleichen Melodieführung.

Ja, das Album ist vielmehr ein Kopfkino als die Pseudo-Authentizität der Folk-Bewegung. Damit ist die Band auch näher an den US-Theater-Poppern July Talk als an Münchner Straßenmusikanten. Und das ist auch gut so, denn Rollen sind dazu da, sie zu tauschen. Und Abwechslung bringt das allemal. 

Stil: Country / Pop / Folk

Besetzung: Nick Reitmeier (Gesang, Gitarre), Oliver Anders Hendriksson (Gitarre), Birte Hanusrichter (Gesang, Keys, Percussion)

Aus: München

Seit: 2011

Internet: www.youngchinesedogs.com

Rita Argauer

Foto: Florian Huber

Neuland

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Alexander Hoffmann will das Beste aus den Welten des Kochens und des Programmierens vereinen: er bietet IT-Workshops an, bei denen zwar nicht immer gekocht wird, aber doch immer das Zusammenkommen im Mittelpunkt steht.

Computer an der Küchenzeile? Führt meist zu einer Sauerei. Alexander Hoffmann strebt jedoch an, mit seinem Konzept Cook and Code das Beste aus den Welten des Kochens und des Programmierens zu vereinen. Seit Anfang Juli organisiert der 26-Jährige Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer sowohl ihr IT-Wissen aufpolieren als auch gemeinsam kochen können. Das Cook im Namen soll jedoch nicht bedeuten, dass zwangsläufig bei jedem Event gekocht werden muss. „Cook steht auch für das entspannte Zusammenkommen als Gruppe mit gemeinsamem Ziel“, erklärt Alexander. Der Student kennt sich aus in der Event-Organisation, er hat schon während des Studiums zahlreiche Konzerte veranstaltet. Dass er sich jetzt auf IT-Events konzentriert, hat vor allem damit zu tun, dass es seiner Ansicht nach an vernünftigen IT-Workshops mangelt – nicht nur in München. „In ganz Deutschland fehlt es an IT-Fachkräften“, sagt Alexander. Seine Events bilden zwar keine Experten aus, bringen diese aber kostengünstig und in gemütlicher Atmosphäre mit IT-Neulingen zusammen. Mit der Hilfe der Mentoren soll das Wissen nachhaltig vermittelt werden.  

Matthias Kirsch

Foto: Alexander Hoffmann

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