Band der Woche: The King of Cons

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Romantik im Waschbärenpelz – Franko van Lankeren, The King of Cons, vertraut in gut gemachte Popmusik. In einer Zeit, in der wild zusammen gestückelt und collagiert wird, sticht er heraus! Mit geschlossenen Bildern, die er in ausgesuchte Welten zeichnet. Beispielsweise das Bild einer alten “Railroad”-Strecke, die in eine staubige Einöde führt, wie in dem Song “Racoon”, auf seiner aktuellen EP.

Franko van Lankeren ist ein Romantiker. Und da er auch noch ein ziemlich begabter Musiker ist, kann man an seinem musikalischen Schaffen ganz wunderbar die derzeitigen Spielarten von Romantik in der Popmusik beobachten. Nun hat die popmusikalische Romantik wenig mit der Romantik in der klassischen Musik zu tun. Im 19. Jahrhundert brachen Komponisten aus den strengen Formalia der Epoche der Klassik aus, es ging auch darum, das Selbst, auch aus damals noch viel stärkeren gesellschaftlichen Konventionen, zu befreien. Die Musik von Franko, den München erst als Sänger und Kopf der Band Talking Pets kennen lernte und später dann solo unter dem Namen The King of Cons, aber ist romantisch, weil er gut gemachter Popmusik vertraut, die in geschlossenen Bildern erzählt.
In Zeiten postmodernem Stückel-Wahnsinns, in dem zitiert, collagiert und neu-konstruiert wird, ist eine derartige Geschlossenheit selten. Denn gut 150 Jahre nach der eigentlichen Romantik wirkt es nun einmal romantisch verklärt, sich diesem Trend zu widersetzen. Doch Franko schafft das ungemein überzeugend, auch weil er sich die richtigen Welten, von denen er geschlossen erzählen will, aussucht. Mit den Talking Pets war das britische Popmusik, als King of Cons ist das bisher Americana. Seine aktuelle EP veröffentlichte er im April 2015. Und obwohl das Cover-Artwork mit Stechpalmen und Hipster-Cap durchaus dem aktuellen Urban-Outfitters-Look entspricht, sind die Songs darauf gespickt von der romantischen Vorstellung einer Welt, in der man beispielsweise mit einer „old railroad“ irgendwo in die Einöde fährt und dort auf ein paar „Settlers“ trifft, wie in der Single „Raccoon“. Mit der Neunzigerjahre-Space-Optik eines ICEs hat das ebensowenig zu tun wie mit dem Berliner Abriss-Chic, der seit mehr als einem Jahrzehnt vieles an deutscher Popmusik prägt. Doch Frankos Musik und seine Bilder sind in sich intakt und zeigen eine – ja, irgendwie auch vergangene – Welt, die hyperkapitalistischen Zeiten längst nicht mehr real ist. Romantisch eben.
Nun aber arbeitet Franko van Lankeren seit einiger Zeit live wieder mit seinem Bandkollegen Buddy Lil’L zusammen. Schon dessen Künstlername zeigt: da kommt ein Aspekt aktuellere Pop-Kultur hinzu. Und nach Hip-Hop, New York in den Achtzigern und Bouncen klingt auch das, was der zu der Musik beisteuert: Beats, die er live auf sogenannten Pads spielt und Synthie-Flächen. Doch selbst eine solche Trend-Anpassung löst Frankos Sinn für Geschlossenheit nicht. Mit Kopfstimme singt er nun zu E-Gitarre über das satte Beat-Bett. „Aktuell höre ich viel R’n’B und Elektrosoul, was sich auch in meinem eigenen Sound niederschlägt“, erklärt er. Doch ein einfacherer Grund sei auch, dass es sehr viel mehr Spaß mache, live zu singen, wenn man die Beats über die Anlage pumpen höre. Gerade arbeitet er an einer neuen EP für den neuen Sound, obwohl er bei kleineren Gigs vorhabe, auch weiterhin mit Akustik-Gitarre und Mundharmonika aufzutreten.  

Stil: Folk / Americana / Neo-Soul

Besetzung: Franko von Lankeren (Gitarre, Gesang, Songwriting), Gast: Buddy Lil’L (Beats)

Aus: München

Seit: 2013

Internet: www.thekingofcons.com

Von Rita Argauer
Foto: Christoph Philadelphia

Talking Pets (Indie / Pop / Folk)

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Westküsten-Pop mit englischen Einflüssen

Carolina ist reifer geworden. Carolina will weniger, aber das, was sie will, will sie richtig. Carolina braucht keine hysterisch-überdrehten Schrammelgitarren mehr: eine zurückhaltende Akustikgitarre ist – neben dem Gesang und einem zerbrechlichen Glockenspiel-Synthesizer – der Hauptakteur von „Carolina“, der ersten Single des neuen Albums der Talking Pets (Foto: Max Hoell). Gerade haben die Talking Pets ihre zweite Platte „Cities“ veröffentlicht. Es ist die erste professionelle Produktion, die die Münchner Band erlebt hat. Ihr Debüt, das mittlerweile ausverkauft ist, hatten sie in Eigenregie aufgenommen – und eine überwältigende Resonanz dafür bekommen. „Cities“ ist dagegen runder und hat eine sehr klare Linie – vorgegeben vom ersten Song „Sunlight Anthem“: Das milchige Sonnenlicht in Los Angeles, das man aus so vielen Hollywood-Filmen kennt, scheint die perfekte Untermalung für den Folk-Pop der vierköpfigen Band zu sein. Tatsächlich nennen sie ihre Musik selbst Westküsten-Pop. Doch wenn „Love’s Just An Empty Word“ mit einem fanfarenartigen Bläsersatz beginnt, wird klar, dass ihr Popgespür seinen Ursprung im verregneten England hat: Unter den eingängigen Melodien klingt ein wenig die Experimentierfreude der Beatles auf „Sgt. Pepper’s“ durch. Am Freitag, 16. März, steht das Release-Konzert für „Cities“ im „Atomic Café“ an.

Besetzung: Franko van Lankeren: Gitarre, Gesang; Christoph Geigl: Bass; Jonas Klingenfuss: Piano, Synthesizer; Lennart Stolpmann: Schlagzeug.

Aus: München.

Seit: 2009.

Internet: www.talkingpets.de, www.facebook.com/talkingpets.

Von Rita Argauer