Ein Abend mit Garam Salami

Garam Salami steht auf
Veggie-Mexican-Burger

und Spezi. Am liebsten verbringt er seinen Abend im Lost Weekend oder der Glockenbachwerkstatt. Beim Tanzen macht er Michael Jackson

großartige Konkurrenz.

Name:  Garam Salami –

Malik Sanogo

Alter:  21

Beruf: Comedian, Flüchtling

Internetseite: garam-salami.de

Hier beginnt mein Abend:

Meistens trifft man mich bei den Zombie Sessions im
Sunny Red oder nach einem meiner eigenen Auftritte im Lost Weekend. Das neu
eröffnete Lovelace und die Glockenbachwerkstatt sind für mich auch regelmäßige
Hotspots. Eher selten gehe ich irgendwo hin, wo ich nicht entweder selber
performe oder alle Leute kenne.

Danach geht’s zu:

Keiner meiner Auftritte ist komplett ohne meinen
Aftershow-Veggie-Mexican-Burger im Alten Simpl, zusammen mit allen meinen
Groupies, die mich natürlich für meine Persönlichkeit und nicht meine
Berühmtheit lieben. Oft chillt meine Crew auch bei Eva, dem einzig echten
Freiraum in München, aber das ist privat.

Meine Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich
sie vom Gegenteil:

Wir sind so eingespielt, dass unsere Pläne nie von
einander abweichen („Oida lass Eva chillen man“).

Mit dabei ist immer:

Der Franz von Suddenly The Goat und meine Mitbewohner Leah und Eric.

An der Bar bestelle ich am liebsten:

In meinem Bekanntenkreis bin ich bekannt als der
„Spezi-Man“. So wie manche Leute für ihre Zigaretten Lungenkrebs in Kauf
nehmen, stelle ich mich schon auf meine Altersdiabetes mit 30 ein.

Mein Lieblingsgesprächsthema:

Videospiele.

Der Song darf auf keinen Fall fehlen:

Wanna Be Startin‘ Something von Michael Jackson

Mein Tanzstil in drei Worten:

Michael fucking Jackson

Der Spruch zieht immer:

Besser isses wenn wir 7 Milliarden Flüchtlinge aufnehmen würden.

Meine dümmste Tat im Suff war:

Ich bin immer und überall 100% nüchtern, aber einmal
hab ich mich sehr mit einem älteren Herren gestritten, weil er mir nicht
geglaubt hat dass ich die Bad Brains nicht kenne (tu ich auch immer noch
nicht).

Das beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht
gibt’s im/bei:

Burger King am Ostbahnhof. Mit vegetarischen Snacks
wie Pommes, Zwiebelringen und Chill-Cheese-Nuggets ist McDonalds einfach
ausgestochen (obwohl deren Veggieburger auch gut ist).

Diesem Club/dieser Bar trauere ich nach:

Jetzt
schon dem Lovelace, das 2019 wieder schließt.

Foto: Privat

Band der Woche: Arcsecond

Die Jungs von Arcsecond sehen ihre Pop-Musik als „unbedingt kontemporär“. Sie sind passend zu ihrem ersten Album „War against Stagnation“ auf der Suche nach Neuem und wollen in diesem Jahr erst so richtig Gas geben.

Schlagzeuger sind die Stiefkinder der Popgeschichte. Jedenfalls meistens. Denn wenn man von ein paar prominenten Fällen absieht, kennt der gemeine Pophörer meist nur die Sänger der Bands mit Namen. Ein paar schon eher nerdige Freaks können dann noch die besonders herausragenden Gitarristen aufzählen, die dann wie etwa Slash bei den Guns’n’Roses zur eigenen Marke werden. Doch herauszusuchen, wer denn jetzt diesen genial einfachen, ungemein gut klingenden und fatal tanzbaren Backbeat in Michael Jacksons „Billie Jean“ gespielt hat, machen die wenigsten. Um das hier zu Ende zu bringen: Es war Leon Ndugu Chancler, ein amerikanischer Jazz-Schlagzeuger, der diesem Song das so signifikante Skelett gab, ohne das er wohl nicht einmal die Hälfte seiner Schubkraft gehabt hätte und vermutlich nie zu einer solchen musikgewordenen Ikone geworden wäre. Wenn der oder die Schlagzeuger/in gut ist, ist die Band meist zumindest interessant. Wenn die Drummer schlecht sind, funktionieren selbst die schönsten Harmonien nicht so wie sie könnten.

Der Münchner Schlagzeuger Michael Neuber ist gut. Das war er schon, als er den Synthie-Pop der Band Soft Nerd rhythmisch gestaltete, das ist er jetzt mit seiner neuen Band Arcsecond noch immer. Etwa wenn er in der Single „W.A.S.“ den Charakter des Songs von Anfang an prägt: Federleicht kippen dabei die geraden Schläge in der jeweils zweiten Takthälfte in funkige Synkopen. Er spielt das jedoch nicht in jazziger Lässigkeit, sondern mit dem unbedingten Aussagewillen, den auch die Schläge in Michael Jackson „Billie Jean“ haben. So wird diese Single, die sich textlich um eine unbeständige Liebesbeziehung in flüchtigen Annäherungen dreht, permanent von einem nervösen Schluckauf durchzuckt, der aber gleichzeitig zum sofortigen Kopfnicken führt. Besser kann ein Einstieg in einen Popsong kaum funktionieren. Und auf dieser Welle können dann so allerhand Skurrilitäten stattfinden. Etwa verhallen pathetische Orgel-Akkorde, eine funkige Gitarre und eine Stimme, die am Phrasenende bisweilen ins Falsett kippt. Bei Arcsecond sind hörbar Musiker am Werk, die einige Erfahrung mit dem Schreiben von funktionierenden Popsongs haben. Denn nicht nur der Schlagzeuger Michael spielte schon in diversen Bands. Gitarrist Niko Hasselt musiziert auch in der Band Good Cpt. Jak, er brachte auch die ersten Songideen mit in die frischgegründete Band. Das war im Sommer 2015. Seitdem haben sie ihr erstes Album produziert, das zehn auf den Punkt heruntergebrochene Popsongs enthält, die erfrischenderweise nicht versuchen, einen Lebensstil zu transportieren. „War against Stagnation“ heißt ihr Album und passend dazu sind sie auf der Suche nach Neuem.

Dementsprechend findet man in der Musik des Quartetts keinerlei Retro-Anleihen. Vielmehr entsteht da ein Sound, der aus dem schöpft, was in der Musikgeschichte in einer solchen Besetzung bisher entstanden ist, aber keine Ästhetik eindeutig übernimmt oder gar akribisch nachbaut. „Wenn wir gerade Lust haben, ein langsames und verkünsteltes Instrumentalstück zu schreiben, dann machen wir das“, erklären sie, ohne Rücksicht auf Erwartungen sehen sie sich dabei als „unbedingt kontemporär“. Im Hier und Jetzt spielen sie also, würden auch gerne mal auf Deutschlandtour gehen und treten das nächste Mal im Mai in der Glockenbachwerkstatt auf.  

Stil: Pop
Besetzung: Niko Hasselt (Gitarre), Aurel von Egloffstein (Gitarre), Johannes Schibler (Tasten), Michael Neuber (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2015
Internet: anarcsecond.bandcamp.com

Text: Rita Argauer

Foto: Nataša Jeftic