Band der Woche: Quiet Violence
Quiet Violence; Foto: Moritz Heinrich

Band der Woche: Quiet Violence

Eine dekorative Blümchenmatratze hängt im Proberaum der Band Quiet Violence als Lärmschutz an der Wand. Gleich daneben ist ein Beatles-Plakat zu sehen. Die Kamera schwenkt auf ein Mischpult, an dem Regler verstellt werden. Gitarre und Bass setzen ein. Bei diesen Aufnahmen könnte man fast meinen, das Video stammt aus besseren Zeiten und die vier jungen Musiker sind gerade dabei, für ihren nächsten Gig zu proben. Wären da nicht die Masken, die der Schlagzeuger und der Gitarrist tragen. Und der Titel des Videos: „Traveling through the quarantine – LIVE @HOME“.

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Swallow Tailed (Indie-Rock)

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Jahr: 2013, Woche: 48

München rückt wieder ein Stückchen in Richtung USA – rein musikalisch betrachtet natürlich. Die junge Band Swallow Tailed hat den Sound von Death Cab for Cutie oder The Shins zum Vorbild genommen – jugendlicher Ärger entlädt sich nicht in Lärm, sondern wehmütigen, aber zugänglichen Melodien.

Wenn man München ein paar Tausend Kilometer Richtung Westen rückt, würde die örtliche Bandszene dort kein bisschen aus dem Rahmen fallen. Nach dem klassischen US-amerikanischen Indie-Rock klingen derzeit viele junge Bands in der Stadt, sehr gekonnt spielen auch Swallow Tailed (Foto: Verena Vötter) mit dem Sound von Death Cab for Cutie oder The Shins: Gitarrenmusik, die Unwohlsein nicht in Lärm ausdrückt, sondern in wehmütigen, aber zugänglichen Melodien. Das junge Quartett, das mit einem Durchschnittsalter von 17 Jahren guten Gewissens noch als Teenie-Band bezeichnet werden kann, fand sich 2011 zusammen. Nun stellen sie ihre erste EP vor.

Der Titel „Warrior“ klingt erst einmal martialisch, doch die Musik darauf ist eigentlich ganz freundlich: leicht verzerrte Gitarren-Pickings, „Oh-Uh“-Chorgesänge und ein teils groovender, teils verzerrter Bass. Durch die fünf Tracks der EP gelingt ihnen der Weg von abgehakten Gitarren-Riffs zu langsamen Parts, in denen gerade der Gesang immer wieder in Richtung Folk abdriftet. Als Folk-Duo haben die beiden Sänger und Gitarristen Philip-Maximilian Maier und Jakob Arnu einst begonnen, bevor sie mit Schlagzeuger und Bassistin zu ihrer endgültigen Rock-Besetzung kamen. Erstaunlich sind die Arrangements, die diese Brüche nicht verstörend, sondern homogen wirken lassen. Stilistisch könnten die Gitarrenklänge und Gesangslinien zwar noch etwas einfallsreicher sein, dennoch transportiert die Band eine Leichtigkeit, die in Münchens Indie-Szene ihresgleichen sucht. Die Musik ist erfrischend ungezwungen und ohne einen zu aufdringlichen Ehrgeiz. Als eine ähnlich subtil verschmitzte Geste erscheint da die Namensgebung von Songs wie „The Suburbs“ oder „Maybe Someday“ nach den modernen Klassikern von Arcade Fire und The Cure.

Ihre Musik ist wie einer dieser amerikanischen Indie-Filme, deren charmanter Erzählfluss mitzunehmen weiß, ohne mit dem unbedingten Überzeugungswillen von Blockbustern aufzuwarten. Wenn die beiden Sänger dann erzählen, sie hätten sich beim Surfen an der Isar kennen gelernt, sind die Bilder eines solchen Films nicht fern. Den passenden Soundtrack dazu stellen sie nun am Samstag, 30. November, im Atomic Café vor.

Stil: Indie-Rock
Besetzung:
Jakob Arnu: Gitarre, Gesang; Philip-Maximilian Maier: Gitarre, Gesang; Lucas Haraped: Schlagzeug: Pia Kreissl: Bass, Synthesizer
Aus: München
Seit: 2011
Internet: www.swallowtailed.comwww.facebook.com/swallowtailed

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Naked Feen (Indie-Rock)

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Naked Feen, das ist ganz klassischer Indie-Rock. Das Quartett setzt mit angezerrten Gitarren auf den wohlbekannten Sound, der nun schon seit fast einem Jahrzehnt die Rockszene beherrscht. Mit dieser Musik im Gepäck touren sie unter anderem durch die Münchner Wohnheime.

Hippies feierten hier zu Goa-Techno. Alles, bevor die Gitarrenmusik wieder die Radios enterte und Bands wie Franz Ferdinand und The Rifles bekannt wurden. Doch der Natraj Tempel in der Kultfabrik steht mittlerweile leer. Und wurde mit dieser Gitarrenmusik wiederbelebt: Die Münchner Band Naked Feen (Foto: Muriel Arnold) suchte vergangenes Jahr nach einem geeigneten Aufnahmeort; durch Zufall sind sie auf das verlassene Gebäude gestoßen und konnten dort ihre EP produzieren.

Doch vom Goa ist nichts zu hören: Es ist ganz klassischer Indie-Rock. Das Quartett setzt mit angezerrten Gitarren auf den wohlbekannten Sound, der nun schon seit fast einem Jahrzehnt die Rockszene beherrscht. Die Strokes hatten da ihren Einfluss; und da die sich ja bereits auf die ganz alte Rockszene bezogen haben, sind natürlich auch bei Naked Feen die Rolling Stones nicht zu überhören. Und wenn Bassist Volker Jacht sein Instrument gegen eine Orgel tauscht, schlagen sie mit den Doors die Brücke zu den Hippies.

Vor gut zwei Jahren hat sich die Band zusammengefunden. Sie kannten sich nicht schon aus Jugendtagen, sondern sind alle Wahlmünchner: zum Studium nach München, hier eine Band zusammengestellt – ganz unzeitgemäß  fanden sich die Musiker nicht über Facebook oder Myspace. Aushänge und Anzeigen im Stile von „Schlagzeuger sucht Bassisten“ brachten die vier Jungs zusammen. Auch ihre ersten Konzerten verliefen ungewöhnlich: Die Studenten kannten nicht so viele Menschen mit eigenem Wohnzimmer in München; hielten Wohnzimmer-Konzerte aber für den besten Weg, um mit dem Live-Spielen zu beginnen. Also organisierten sie eine Wohnheimtour. Sie tingelten durch die vielen Studentenwohnheime Münchens, was ihnen schnell eine beträchtliche Zuschauerzahl brachte. Mittlerweile haben sie aber auch schon Gigs im Feierwerk und im Backstage. Trotzdem stand auch diesen Sommer wieder eine Wohnheimtour auf dem Plan.

Stil: Indie-Rock.
Besetzung: Matthias Meiner: Gesang, Gitarre; Ralph Würschinger – Gitarre; Volker Jacht: Bass, Orgel; Markus Meier: Schlagzeug.
Aus: München.
Seit: 2010
Im Internet unter Facebook und Myspace.

Von Rita Argauer

The Mustard Tubes (Indie-Rock, Pop)

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Die Senftube als Namensgeber für die noch so junge Band The Mustard Tubes. Seit 2006 schon gibt es die Band, die sich geradlinig ohne viele Experimente auf den Weg in die Popwelt machte.

Der scharfe Kern. Brennend und beißend – aber auch etwas erwartbar bei einer Senftube. Die Senftube als Namensgeber für die noch so junge Band The Mustard Tubes (Foto: Michael Lindner) erscheint passend. Schon 2006 haben sie sich zusammengefunden und zu Schulzeiten angefangen, Musik zu machen. Dabei lässt sich das klassisch – mit Gitarre, Bass und Schlagzeug – besetzte Quartett auf wenig Experimente ein und verfolgt geradlinig und ehrgeizig den Weg in die Popwelt. So traten sie mit ihrem Indie-Rock bereits bei der Frankfurter Buchmesse auf – wo sie als beste deutsche Schülerband gekürt wurden.

Nach dem Abitur kommt nun die große Freiheit – deshalb auch jetzt das erste Album. „Reveries“ haben sie es getauft: Die Assoziation zu Schumanns romantischen Klassiker der Klaviermusik ist erwünscht, zum anderen zeigt er doch den verlockenden Traum vom Leben als Rockmusiker: eine Rêverie – eine Träumerei. Und diese versuchen die Mustard Tubes nun zu verwirklichen. Songs wie „Incomplete“ haben mit Ohrwurm-Refrain durchaus Hit-Charakter. Die Aufnahme ist professionell: Ohne viel Schnickschnack klingen die Gitarren warm und satt, das Schlagzeug setzt klare Beats darunter und Daniel Mügge setzt Gesangslinien darauf, die rein gar keinen Ton verfehlen.

Das nächste Jahr verbringen die vier Jungs mit dem Bundesfreiwilligenjahr – um der Musik möglichst viel Zeit zu widmen, denn „schließlich wollen wir ja mal von der Musik leben“, erklärt Gitarrist Emanuel Walter. Diesen großen Traum wollen sie sich erarbeiten. Mit einer langen Liste von Konzerten – sie spielen bei Szene-Events wie dem „Sammersee Open Air“ am Ammersee, aber auch beim Tag der offenen Tür des Bundesverkehrministeriums in Berlin.

Von Rita Argauer

Boy Android (Indie-Rock)

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Jahr: 2012, Woche: 24

Boy Android hat ein Indie-Label gefunden und ein neues Album „Walk, Run, Flee“ herausgebracht. Der Hang zur Düsterkeit – wie man ihn aus alten Liedern kennt – bleibt. Doch die Melodien im neuen Album sind vor allem poppig und eingängig. Erst im Zusammenspiel mit der rauen, ja kratzigen Stimme von Sänger Hagen Fiedler spielen sie sich dem Zuhörer jedoch ins Ohr.

Die musikalische Welt der Münchner Indie-Band Boy Android (Foto: Matthias Fend) führt von melancholisch-ruhigen Songs in stürzend-wütende Strudel. Diesen Hang zum Düsteren hatte die Band auch in ihren frühen Songs, aber: Nie drifteten sie in die kitschig-romantische Gothic-Düsterkeit ab. Die Melodien im neuen Album „Walk, Run, Flee“ sind poppig und eingängig, aber erst im Zusammenspiel mit der rauen, ja kratzigen Stimme von Sänger Hagen Fiedler spielen sie sich dem Zuhörer ins Ohr. Die Songs, die übersteuernden Gitarren klingen dabei so warm und einladend, dass sich die Schwingung zwischen Fliehen und Bleiben, zwischen Wohlfühlen und Beklemmung spiegelt. So geben sie dem Genre Indie-Rock eine Authentizität, die in ihrer Verzweiflung vielleicht das letzte Mal zu Grunge-Zeiten zu spüren war. Nun haben Boy Android eine Plattenfirma gefunden: das Indie-Label „Stickman“ in Hamburg. Am Freitag, 15. Juni, steht für das neue Album der Release-Termin an.

Stil: Indie-Rock
Besetzung: Hagen Fiedler: Gesang, Gitarre; Manuel Rother: Gitarre; Hannes Geiselbrecht: Bass; Benjamin Woche: Drums
Aus: München
Seit: 2003
Internet: www.facebook.com/boyandroid

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.