Godzilla Tabula Rasa (Alternative / Indie)

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Jahr: 2012, Woche: 40

Gegen die Zwänge der musikalischen Vergangenheit: Irgendwo zwischen Britrock-Veteranen und eingängigen Refrains machen Godzilla Tabula Rasa doch einfach, was sie wollen.

Die Punk-Bewegung war gegen die Hippies, Dada gegen den Impressionismus. Godzilla Tabula Rasa ist gegen die Zwänge der Vergangenheit. Vor allem gegen die der musikalischen Vergangenheit. Die Band aus dem Landkreis Starnberg nimmt das Monstrum, das in apokalyptischen Filmen für das Niedermähen von Großstädten zuständig ist, und stellt es vor das schulmeisterliche Sprichwort. Und so machen sie klar, dass sie ganz anarchistisch einfach machen, was sie wollen. Ihren Musikstil nennen sie „Anti-No-Future-Beat“. Das sei eine Anspielung auf die Slogans der Hardcore-Szene, erklärt Gitarrist Manuel Süß. Und das, obwohl die Musik von Godzilla Tabula Rasa mit klassischem Hardcore eher wenig zu tun hat. „Es macht fast keinen Unterschied, ob wir Indie, Alternative oder gleich Anti-No-Future-Beat schreiben“, sagt Manuel, am Ende wisse sowieso niemand, wie es wirklich klinge.
Wie sie wirklich klingen, kann man sich nun allerdings auf ihrer im Juni erschienenen Debüt-EP anhören. Irgendwo zwischen den Britrock-Veteranen und einem Faible für wirklich eingängige Refrains. Das wirkt dann schon wieder erstaunlich gekonnt, fast abgebrüht und professionell. Doch zwischen den Zeilen blitzt in den Texten der gleiche schalkhafte Nonsens durch: Wie im vermeintlichen Lovesong „Olivia“, der textlich zur zynischen Phrasenmäherei wird. Oder in einem Live-Video, in dem sich Sänger und Gitarrist Max Schelkle mit Sombrero in eine Witzfigur verwandelt, die Band dann aber den darauffolgenden Song gekonnt und tight spielt. Mit diesem lapidaren Schalk gehen sie auch die Planungen für ihr Album an – das demnächst folgen soll. Dem Zwang des Perfektionismus der Indie-Szene wollen sie sich allerdings entziehen: Sie planen, mit einem Acht-Spur-Kassettenrekorder aufzunehmen. Rita Argauer

Stil: Alternative, Indie
Besetzung: Marco Helmer: Bass, Gesang; Max Schelkle: Gitarre, Gesang; Manuel Süß: Gitarre, Gesang; Christoph Liedl: Schlagzeug/Gesang
Aus: Peißenberg, München
Seit: 2011

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Jim Fletch (Elektro / Pop / Indie)

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Jahr: 2012, Woche: 32

Tim Paasch-Colberg spielt Gitarre. Selly Fletcher singt. Doch ein eindeutiges Singer-Songwriter-Duo kam dabei nicht heraus: Jim Fletch experimentieren mit verschiedenen Sounds, verschiedenen Instrumenten, verschiedenen Loops – und das ist gut so.

Jim Fletch (Foto: Michi Acapulco) können sich nicht so ganz entscheiden: Zwischen Sehnsucht und Gelassenheit. Zwischen Aufruhr und coolem Zurücklehnen. Zwischen DJ und Band. Deshalb entsprechen sie also nicht der prolligen Forderung aktueller Werbungen nach entschlossener Eindeutigkeit, sondern beleuchten den Zwischenraum. Sie besingen die Zwischentöne, über eine sanfte Mischung aus elektronischen und akustischen Klängen; ein wenig, wie man es von Charlotte Gainsbourgs Zusammenarbeit mit den französischen Elektrofricklern von Air kennt.

2010 hat sich das Duo zusammengefunden, „als ich mit einer Gitarre vor Sellys Tür stand“, erklärt Multiinstrumentalist Tim Paasch-Colberg. Selly Fletcher begann zu den Gitarrenklängen zu singen, zu raunen, zu flüstern. Doch ein eindeutiges Singer-Songwriter-Duo kam dabei nicht heraus: Sie experimentieren mit verschiedenen Sounds, verschiedenen Instrumenten, verschiedenen Loops – das gilt auch für das erste Video zu dem Song „300 Miles“: überraschende Bildschnitte, ungewohnte Perspektiven. Die Musik – immer zurückhaltend – ist durchzogen von Glockenspielen, Klavieren, der Akustik-Gitarre. Die Instrumente werden vorher aufgenommen, dann mit dem Computer in einen neuen Zusammenhang gesetzt, bis Selly Fletcher ihren Gesang beisteuert.

So ergibt sich auf der Bühne eine Mischung aus DJ-Set mit Live-Gesang und Live-Set mit elektronischer Unterstützung. Doch auch hier bleiben die beiden mit Absicht dazwischen. „Wir wollen Gänsehaut erzeugen und möglichst vielen Menschen unter die Haut fahren“, sagen sie. Die Wirkung steht im Vordergrund. Wie sie gerade entsteht, wird sekundär.

Live-Auftritte sind ihnen die wichtigste, weil direkteste Kommunikation mit ihren Zuhörern. Für diesen Herbst ist eine Mini-Tour geplant. Doch auch ein Album soll es irgendwann geben. Bis dahin veröffentlichen Jim Fletch ihre Tracks weiterhin im Internet unter www.soundcloud.com/jim-fletch
Rita Argauer

Stil: Elektro, Pop, Indie
Besetzung: Selena Fletcher, Tim Paasch-Colberg
Aus: München
Seit: 2010
Internet: www.jimfletch.de, soundcloud.com/jim-fletch

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Talking Pets (Indie / Pop / Folk)

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Westküsten-Pop mit englischen Einflüssen

Carolina ist reifer geworden. Carolina will weniger, aber das, was sie will, will sie richtig. Carolina braucht keine hysterisch-überdrehten Schrammelgitarren mehr: eine zurückhaltende Akustikgitarre ist – neben dem Gesang und einem zerbrechlichen Glockenspiel-Synthesizer – der Hauptakteur von „Carolina“, der ersten Single des neuen Albums der Talking Pets (Foto: Max Hoell). Gerade haben die Talking Pets ihre zweite Platte „Cities“ veröffentlicht. Es ist die erste professionelle Produktion, die die Münchner Band erlebt hat. Ihr Debüt, das mittlerweile ausverkauft ist, hatten sie in Eigenregie aufgenommen – und eine überwältigende Resonanz dafür bekommen. „Cities“ ist dagegen runder und hat eine sehr klare Linie – vorgegeben vom ersten Song „Sunlight Anthem“: Das milchige Sonnenlicht in Los Angeles, das man aus so vielen Hollywood-Filmen kennt, scheint die perfekte Untermalung für den Folk-Pop der vierköpfigen Band zu sein. Tatsächlich nennen sie ihre Musik selbst Westküsten-Pop. Doch wenn „Love’s Just An Empty Word“ mit einem fanfarenartigen Bläsersatz beginnt, wird klar, dass ihr Popgespür seinen Ursprung im verregneten England hat: Unter den eingängigen Melodien klingt ein wenig die Experimentierfreude der Beatles auf „Sgt. Pepper’s“ durch. Am Freitag, 16. März, steht das Release-Konzert für „Cities“ im „Atomic Café“ an.

Besetzung: Franko van Lankeren: Gitarre, Gesang; Christoph Geigl: Bass; Jonas Klingenfuss: Piano, Synthesizer; Lennart Stolpmann: Schlagzeug.

Aus: München.

Seit: 2009.

Internet: www.talkingpets.de, www.facebook.com/talkingpets.

Von Rita Argauer

Banana Fancy Free (Elektro / Pop / Indie / Worldmusic)

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Jahr: 2011, Woche: 48

In ihrer Musik vereint Banana Fancy Free viele Einflüsse – man hört Elektropop, aber auch Indie-Bands à la Maximo Park und klassische Songwriterinnen wie Tori Amos. Und natürlich die Vorreiterin des Ethno-Elektro-Clashes: die britisch-tamilische Musikerin M.I.A.

Die Strecke zwischen Abu Dhabi und Gilching ist kurz. Die Distanz, die verschiedenen Kontinente und Kulturkreise – all das sind für Nurin Khalil (Foto: Laura Bredis) keine Gegensätze, sondern Orte ihrer Kindheit, Einflüsse ihrer Musik, Teile von ihr. Als Musikerin nennt sich die 22-Jährige Banana Fancy Free. Das war ihr liebstes Getränk in Abu Dhabi, wo sie Teile ihrer Kindheit verbracht hat. Seit der Schulzeit lebte sie fest in Gilching – hier lernte sie als Kind Saxophon, Geige und Klavier, hier singt sie mit ihren Schwestern Gospels. Sie könne kein Instrument perfekt, erklärt sie, „doch besser, man kann viele ein wenig, als eines perfekt“. Denn das helfe ihr beim Songwriting. In ihrer Musik vereint sie die vielen Einflüsse – man hört Elektropop, aber auch Indie-Bands à la Maximo Park und klassische Songwriterinnen wie Tori Amos. Und natürlich die Vorreiterin des Ethno-Elektro-Clashes: die britisch-tamilische Musikerin M.I.A. Dieses unbekümmerte Vermischen von Stilen und Einflüssen bringt Nurin Khalil nun etwas Aufmerksamkeit: Sie nahm am Wettbewerb „Laut gegen Brauntöne“ der Stadt München teil und landete mit ihrem Beitrag prompt auf dem Sampler. Obwohl sie noch nie live gespielt hatte. Aber das wird sie nun nachholen: Sie hat mit einer Freundin zusammen ein Festival für Nachwuchskünstler organisiert: Am Samstag, 3. Dezember, findet es in der Kranhalle (Feierwerk, Hansastraße 39-41) statt. Und über den Wettbewerb lernte sie Thomas Lechner kennen – der buchte sie daraufhin gleich auf das Queerbeats-Festival: Anfang Januar im großen Muffatwerk. Rita Argauer

Stil: Elektro / Pop / Indie / Worldmusic
Besetzung: Nurin Khalil: Gesang, Songwriting
Aus: Gilching
Seit: 2011
Internet: www.facebook.com/bananafancyfree

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Mama Jokes (Indie-Rock)

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Jahr: 2011, Woche: 47

Humor ist eine Tugend. Die Mutter, Autorität per se, als schmunzelnde Namensgeberin – da darf auf Bandfotos schon mal Schnaps aus edlen Gläsern getrunken oder geraucht werden. Mama Jokes nennt sich diese Band aus dem Münchner Westen – und diese Leichtigkeit tut ihr gut.

Die Musik klingt frisch und enthusiastisch – trotz des mittlerweile so überfrequentierten Genres Indie-Rock. Seit März 2008 gibt es die Band, seitdem spielen sie regelmäßig Konzerte und haben nun endlich auch eine EP in einem professionellen Studio aufgenommen. „Last Train Is Gone“ wurde vor einem Jahr eingespielt; Vorbilder wie Mando Diao sind hörbar, doch wenn im Song „Get By“ die Strophe von einem dem Reggae entliehenen Off-Beat getragen wird, blitzt diese unterschwellige Eigenart der Band durch. Musik sei ihr Leben, erklärt Gitarrist Matthias Löffler – und auch wenn das nach einem Klischee klingt, wird doch Musik, zumindest für zwei der Band, weiterhin ihren Lebensinhalt bestimmen. Denn: Schlagzeuger Ludwig Mittelhammer und Bassist Jan Nash studieren Operngesang. Dass die beiden auch für den mehrstimmigen Backgroundgesang der Songs zuständig sind, liegt auf der Hand. Nun werden sie erneut ins Studio gehen – und mit Reamonn-Gitarrist Uwe Bossert drei Songs einspielen. Das haben sie bei einem Bandwettbewerb gewonnen; und weil das so gut geklappt hat, werden sie sich dieses Jahr auch beim Emergenza-Wettbewerb stellen. Davor spielen sie – ohne Konkurrenzdruck – am Mittwoch, 23. November, im „8 Below“ in München. Rita Argauer

Stil: Indie-Rock
Besetzung: Thomas Walther: Gesang und Orgel; Matthias Löffler: Gitarre; Ludwig Mittelhammer: Schlagzeug und Backgroundgesang; Jan Nash: Bass und Backgroundgesang.
Aus: München.
Seit: 2008.
Internet: www.mamajokes.de, www.myspace.com/mamajokes

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

New and for Sale ( Indie / Synthie / Rock)

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Ihr Musikvideo verbindet Zeichentrick und Animation und die Indie-Rockband zitiert Franz Ferdinand.

Der Globus ist ein wenig größer als die Band. So stehen sie da, die fünf Jungs von New and for Sale (Foto: Haze) – die ganze Welt im Rücken, dazu läuft ihr Song „Candid“. Das Musikvideo der Münchner Band nutzt eine besondere Technik; eine Mischung aus Zeichentrick und Animation – gerade ist es mit den „Crystal Palace International Film Festival“-Award in London ausgezeichnet worden. Ihrem Synthie-Indie-Rock hört man die Vorbilder von den britischen Inseln deutlich an, doch das macht ihnen nichts aus, sie setzen noch eins drauf und zitieren in einem Song gleich ein berühmtes Riff von Franz Ferdinand. Vergangenes Jahr haben sie eine EP veröffentlicht, ein Video zu einem neuen Song ist gerade abgedreht.

Stil: Indie / Synthie / Rock

Besetzung: Simon Weber: Gesang; Jakub Rzucidlo: Gitarre; Vincent Wollinger: Synthies; Matthias Andrae: Bass; Jens Milkowsky: Schlagzeug.

Seit: 2009.

Aus: München.

Internet: www.facebook.com/newandforsale

www.myspace.com/newandforsale.

Von Rita Argauer

The Dope (Indie/Alternativ)

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Trügerischer Bandname

Der Bandname The Dope spielt nicht auf Drogen an, sondern auf ein mecklenburgisches Naturschutzgebiet namens Döpe – erklärt das Münchner Duo (Foto: Tilman Dominka) scheinheilig. Franz Neugebauer und Rudi Maier wuchsen in der bayerischen Provinz auf. Erst verschlug es sie nach Berlin, von dort nach München – um am Ende beim Label „Red Can“ zu landen. Als „Into the Woods“ vor einem Jahr erschien, machte es Furore: Ein Rock-Album, das den Minimalismus, den die Instrumentierung von Gitarre und Schlagzeug mit sich bringt, zelebriert. Ebenso wie die große melodiöse Geste von Alternative-Rock-Bands der späten 1990er. Aufgehübscht wird diese Mixtur durch schlichte Synthie-Einspielungen. Am Freitag, 16. September, spielen sie in der Kranhalle ihr voraussichtlich letztes Konzert in diesem Jahr – dafür kommt Rudi Maier, der gerade in Island studiert extra eingeflogen.

Stil: Indie / Alternativ

Besetzung: Rudi Maier: Gitarre, Gesang, Programming, Loops; Franz Neugebauer: Schlagzeug, Pads, Gesang.

Aus: München.

Seit: 2009.

Internethttps://www.facebook.com/thedopemusic

Von Rita Argauer

Enik (Indie / Pop / Glam / Elektro)

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Jahr: 2011, Woche: 21

“Anti Anti Anti”. Ein euphorischer Indiepopsong. Jubilierend wird die “Dagegen-Haltung” zelebriert. Treibend singt, rappt der Münchner Allround-Musiker Enik über verzerrte Gitarren, laute Beats und melodiöse Synthie-Spuren.

Dreimal “Anti” – das ist noch einmal mehr als im Hit der Berliner Performance-Band “Bonaparte”, der vergangenes Jahr durch die Clubs wummerte. Damit negiert Dominik Schäfer (Foto: Dean Bennici), wie Enik bürgerlich heißt, alles. Er würde Genre-Grenzen überschreiten, heißt es oft – doch scheint das Wort Genre für ihn überhaupt keine Bedeutung mehr zu haben.

Er stammt aus dem kreativen Umfeld des Münchner Domagkgeländes – hat dort seine Wurzeln und macht, laut eigener Aussage, Musik seit er denken kann. Veröffentlicht eine sperrige Elektro-Indie-Pop Platte, die nicht den zu erwartenden kommerziellen Erfolg hatte; wirft sich in neue Kollaborationen: Zum Beispiel mit dem Jazz-Pianisten Chris Gall. Da entstehen dann Jazz-Platten, die dem alt eingessenem Jazzer zu poppig sind und die Indie-Kids in die Jazz-Clubs locken. Oder eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier, die ihm jetzt tatsächlich eine Platin-Platte eingebracht hat. Am Freitag, 20. Mai, hat er sein zweites Solo-Album veröffentlicht. Er hat es fast komplett allein produziert – es sind großartige Songs geworden, bei denen die Frage nach Bedeutung oder Referenzialität nicht mehr gestellt werden muss: Der sperrige Titel “I sold my moonboots to a girl from Greece” umfasst 14 Glam-Pop-Songs, die die große Geste klassischer Songwriter wie Dylan oder Cohen genauso enthalten wie verschrobene Rollenspiele à la Bowie.

Diese gesunde Portion Verrücktheit, gibt seiner Musik – wie einst dem Hofnarr – die berühmt-berüchtigte Freiheit zurück. Mit dem Münchner Elektroprojekt “Tubbe” als Support stellt er das Album am Freitag, 27. Mai im Atomic Cafe vor. Rita Argauer

Stil: Indie / Pop / Glam / Elektro
Besetzung: Enik: Gesang, Songwriting, Arrangements. Live mit Band
Seit: 2004
Aus: München
Internet: www.enik.net, www.myspace.com/enikenik

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Becquerels (Garagenrock / Rock’n’Roll / Indie)

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Jahr: 2011, Woche: 16

Die Musik klingt selbstbewusst und selbstverständlich; und kann somit emotionale Assoziationswelten öffnen: staubige Wüsten, leere Whiskyflaschen. Rebellion: ja, aber nicht zu schnell und nicht zu aufregend.

Als das Atomic Café noch der schickste Club Münchens war – und Britrock erfrischend neu klang, war die Band Lagoon eine Institution in der Indie-Szene der Stadt. Mittlerweile ist der Britrock neuen musikalischen Formen gewichen und die Ex-Mitglieder von Lagoon starten ein Comeback. Als das möchten die gerade gegründeten Becquerels ihr musikalisches Schaffen aber nicht sehen – denn: Sie wollen nicht Altes aufwärmen, sondern mit neuem Sänger neue musikalische Formen finden. Dass die fünf Münchner Musiker einige Erfahrungen in Sachen Arrangement und Songwriting haben: geschenkt. Die Musik klingt selbstbewusst und selbstverständlich; und kann somit emotionale Assoziationswelten öffnen: staubige Wüsten, leere Whiskyflaschen. Rebellion: ja, aber nicht zu schnell und nicht zu aufregend. Die schwüle und unterdruckige Atmosphäre erinnert an Bands wie den Black Rebel Motorcycle Club oder den Garagenrock der 1960er. Die Einflüsse sind klar – die Vielschichtigkeit der Musik bringt aber durchaus eine gewisse Eigenständigkeit. Diese bringen die Becquerels jetzt auf die Bühne: Am Mittwoch, 20. April, unplugged im Café der Muffathalle, bei der Veranstaltung Bands’n’Books: Die Musik in Kombination mit einer Lesung von Veronika Dräxler – Beginn ist um 20 Uhr. Oder im Sommer beim „Stadt-Land-Rock-Festival“ der SZ auf dem Tollwood. Rita Argauer

Stil: Garagenrock / Rock’n’Roll / Indie
Besetzung: El Rabanito Becquerel (Drums, Percussion, Backing Vocals), Joe Becquerel (Bass, Backing Vocals), Mellen Becquerel (Lead Vocals, Guitar, Keys), Mic Becquerel (Guitar, Backing Vocals), Sir Mikesch Becquerel (Lead Guitar, Keys, Backing Vocals)
Aus: München
Seit: 2010
Internet: http://www.facebook.com/event.php?eid=213293218687235

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Tubbe (Elektro, Pop, Indie)

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Verschroben und schräg

Die Beats klingen fett. Elektronisch. Steffi Jakobs’ Stimme öffnet dazu die ganze Welt des Pop: schön, harmonisch und voll eingängiger Melodien. Elektropop als Genre wäre aber zu wenig, zu einengend für die noch junge Münchner Band Tubbe. Die studierte Musikerin Steffi Jakobs machte sich in der Münchner Szene einen Namen mit der Band Rosalie und Jakob. Nach ihrem Ausstieg dort spielte sie in verschiedenen Bands Bass; beispielsweise bei Amadeus Böhm. Mit dem Produzenten Klaus Scheuermann hat sie nun endlich eine neue, eigene Formation – in der sie das erste Mal auch singt. Ein wenig verschroben und schräg wirkt das Duo, das live von Schlagzeuger Fab Füss unterstützt wird – doch die Richtung wird klar, wenn man die Single „Mess“ hört. Das Lied beginnt mit Störgeräuschen, die nach einem verwirrten Gameboy klingen, konzentriert sich aber nach zehn Sekunden auf einen reduzierten Disco-Beat: „Auf-die-Fresse-Techno“, nennen die Musiker das augenzwinkernd. Auch im gerade dazu veröffentlichten Videoclip spielen Tubbe frivol und augenzwinkernd mit Erwartungen: So wird ein sehr gediegen wirkendes Doppel-Date gezeigt; aus dem sich ein inniger Kuss zwischen den Männern entwickelt. Wenn Steffi dazu über die krachenden Beats „Mess with hearts, sink the ship, war is art“ singt, erscheint es wie ein absurder Höhepunkt. Die Facebook-Gemeinde liebt den Videoclip unter www.facebook.com/pages/Tubbe/133612620004326. Am Samstag, 19. März, treten Tubbe von 23 Uhr an bei der „Pandaparty“ in der Münchner Muffathalle auf.

Stil: Elektro, Pop, Indie

Besetzung: Steffi Jakobs: Gesang, Bass / Klaus Scheuermann: Beats, Produktion / Fab Füss: Live-Schlagzeug.

Aus: München.

Seit: 2010.

Internet: http://www.facebook.com/pages/Tubbe/133612620004326

Von Rita Argauer