Intim bis ekstatisch

Fünf Bands auf enorm hohem Niveau gestalteten den Sound of Erlangen Now im Orangehouse des Feierwerks. Sie nahmen das Publikum mit auf eine Reise von Intimität bis Ekstase – und zurück.

Es liegt eine Spannung in der Luft. Schon den ganzen Abend. Und gerade in diesem Moment scheint sie sich zu entladen. Dem Moment, als beim Song “Kopfhörer auf” der Band Angiz die ganze Halle auf dem Boden kniet und auf den Einsatz des Beats wild ekstatisch tanzt, springt, feiert. Doch auch das bringt nur kurzfristig Erleichterung – die Spannung hält an.

Schon zu Beginn scheint es eine ungewohnte Energie zu sein, die den Auftritt von Felix Käppner begleitet. Begonnen vor einem fast leeren Orangehouse zieht es immer mehr Menschen in die etwas abgelegene Location des Feierwerks. Es wird intim, ja fast romantisch, als sich das Publikum geschlossen auf den Parkettboden der Halle setzt, um schweigend den virtuosen Fingerpickings zu lauschen, mit denen der Singer-Songwriter seinen bluesigen Gesang untermalt.

Eben diese Energie aufgesaugt zu haben scheinen dann im Anschluss die Musiker von Sound Organic Matter. Mit einer an die Kings Of Leon erinnernden Stimme über treibende Indierock-Riffs brennt das Quartett ein Feuerwerk ab, das Lust auf mehr macht. Und das an Tag vier ihres sechstägigen Tourmarathons zum neu erschienenen Album “Love Hate Hope Fate”. Kein Anzeichen von Müdigkeit.

Der Auftritt der dritten Band Angiz sorgt für einen kurzfristigen Einlassstopp im Orangehouse. Die Zuhörer, die es rechtzeitig in die Halle geschafft haben, erleben ein emotionales Wechselbad aus Melancholie, wie etwa beim Song “Vollmond”, bei dem sich die von Rapper Mario in kratziger Stimme vorgetragene Verse in kraftvoll flächigen Gitarrensounds entladen, und Ekstase, als im schnellen Tempo an Balkan-Ska erinnernde Offbeat-Rhythmen zum Springen, Tanzen und Pogen nahezu zwingen.

Nach solch einer Performance ist die Energie aufgebraucht – möchte man meinen. Doch das Trio The Variety Show beweist schon mit dem ersten Akkord das Gegenteil. Nur zwei Songs gespielt, den Rest ihres Auftritts spontan zur Jamsession umfunktioniert, und das Publikum dennoch – oder gerade deswegen

– über die Maßen mitgerissen. “Ich habe mir gerade das Album gekauft, obwohl ich nicht mal ein Wiedergabegerät dafür habe”, sagt Zuhörerin Amelie, und offenbart damit den Geist des Publikums auf dem ganzen Event.

Und zu dieser Einstellung gehört es auch, alle Bands bis zum Schluss zu unterstützen. So darf Willow Child, der letzte Act des Abends, der um 1 Uhr die Bühne betritt, ein gut gefülltes Orangehouse bespielen. Die fünf Musiker machen Rock im Stile der ganz großen

– von The Doors über Deep Purple bis Led Zeppelin. Allerdings mit einem Unterschied: Die Stimme der Band ist weiblich. Doch dass diese den Idolen in nichts nachsteht, beweist das Ensemble gewohnt energetisch.

Die Energie verfliegt erst, als das Publikum die Halle verlässt

– Richtung Bus, Richtung Aftershowparty. Und mit Eindrücken fünf hervorragender Bands aus Erlangen, die hoffentlich nicht das letzte Mal ein Gastspiel in München gaben.

Text und Foto: Max Mumme

Bandraumtour: Zu Gast bei Blue Haze

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Der Proberaum von Blue Haze ist klein, aber gemütlich. Nicht zuletzt wegen der persönlichen Note, durch Gegenstände wie eine flauschige My-Little-Pony-Decke.

Wie würdet ihr euren
Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

Günstig, Glück, Giesing.

Was macht diesen Raum zu
eurem persönlichen Bandraum?

Unsere
Galerie für Pop Art und unsere persönliche Flaschensammlung.

Was war der schönste Moment
in eurem Proberaum?

Als sich
ein Einhörnchen hinein verirrt hat und an den Drums mit uns gejammt hat.
(Vorsicht, alternative facts!)

Welche und wie viele
Instrumente stehen bei euch?

Eine
hohe Anzahl an Gitarren, Bässe, Synthesizer, 1 Drumset.

Was ist der merkwürdigste
Gegenstand in eurem Bandraum?

Eine
knallbunte, flauschige My Little Pony Decke,
in der Adrian (von Kafkas Orient Bazaar) seine Keyboards aufbewahrt.

Was gibt es zur Probe zu
trinken?

Augustiner
und Spezi.

Was macht ihr in eurem
Bandraum, wenn ihr nicht probt?

Wir
halten uns dort nur zum proben oder aufnehmen auf.

Teilt ihr euren Proberaum mit
einer anderen Band? Wenn ja mit wem?

Wir
teilen uns den Proberaum mit Kafkas Orient Bazaar, Brave Young Years und einer
Band mit ein paar netten Jungs aus Schweden.

Könnte man in eurem Bandraum
auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

In dem
Proberaum kann man nur bedingt wohnen, da dort nur sehr wenig Platz ist und
kein Fenster vorhanden ist.

Was seht ihr wenn ihr aus
eurem Fenster schaut?

Wenn es
eines gäbe, wären es wohl die Isarauen.

Was ist toll an eurem Raum?

Dass man
dort ungestört ist und es nur 5 Minuten zur Isar sind, um frische Luft zu
schnappen.

Was stört euch?

Wir sind
sehr zufrieden!

Kicke Hier für eine Exklusive Video-Tour durch den Proberaum von Blue Haze!

Bandraumtour: Zu Gast bei Lyndenstrasse

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Die Musiker bezeichnen ihren Bandraum liebenswürdigerweise als “jungfräulich”. Was dort passiert, wird jedenfalls auch dort bleiben, denn: der Raum liegt zwölf Meter unter der Erde.

Wie würdet
ihr euren Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

NOCH NICHT FERTIG 😉 Wir bauen noch einen Raum in Raum…

Was macht diesen Raum zu eurem persönlichen
Bandraum?

Der Raum ist praktisch jungfräulich,
alles was darin passiert wird der Raum zum allerersten Mal mit uns erleben.

Was war der schönste
Moment in eurem Proberaum?

Die Entscheidung ihn anzumieten.

Welche und wie viele Instrumente
stehen bei euch?

Bislang nur Gitarre, Bass, Laptop, die
enstprechenden Amps, PA und eine Standtom.

Was ist der merkwürdigste
Gegenstand in eurem Bandraum?

Wir.

Was gibt es zur Probe zu trinken?

Bier und Wasser

Was macht ihr in eurem Bandraum, wenn
ihr nicht probt?

Wir proben in der Regel sehr lange am
Stück,
ein bisschen Quatsch machen wir aber immer.

Wir hängen
aber eigentlich nicht nur einfach so im Proberaum ab, warum auch 😀

Teilt ihr euren Proberaum mit einer
anderen Band? Wenn ja mit wem?

Ja, mit den Jungs von blek le roc.

Könnte
man in eurem Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

Wir denken nicht dass das eine Option
ist, aber klar, technisch ginge das schon.

Was seht ihr wenn ihr aus eurem
Fenster schaut?

Wir haben kein Fenster, der Raum
liegt 12 Meter unter der Erde.

Was ist toll an eurem Raum?

Die zentrale Lage, er ist sicher,
trocken und beheizt 🙂

Was stört
euch?

Dass er kein Fenster mit Ausblick über
die Stadt hat.

Hier klicken und Lyndenstraße live in ihrem Proberaum genießen!

Neuland: Freundschaftsbänd

Ein neues

Festival

von den Jungen Leuten der Süddeutschen Zeitung steht vor der Tür: beim Abend “Freundschaftsbänd” im Cord Club covern sich neun Münchner Künstler gegenseitig.

Es werden 18 Lieder gespielt. Ein guter Wert für ein Konzert, und doch verspricht die Veranstaltung am Samstag, 3. Dezember, nicht nur ein guter, sondern ein einzigartiger Abend zu werden: Bei Freundschaftsbänd im Cord Club bekommt jede der neun Bands aus der Singer/Songwriter- und Indie-Sparte die Chance, ein Lied eines weiteren Künstlers in eigener Interpretation zu spielen. Zwei Wochen Zeit hatten die Musiker, um die Stücke einzustudieren. Zum Festival lädt die Junge-Leute-Seite der SZ gemeinsam mit Flowerstreet Records ein. 

Amadeus Böhm, Gründer des Indie-Labels, freut sich auf einen bunten Abend: „Songs anderer Musiker zu covern, ist eine Chance, seinen künstlerischen Horizont zu erweitern“, sagt er. Gespannt ist auch Verena Lederer alias KLIMT, „weil die andere Band sich dann anhört, was man aus ihrem Song, aus ihrem Herzblut gebastelt hat.“ Los geht es im Cord Club, Sonnenstraße 18, um 20 Uhr, der Eintritt beträgt sieben Euro. Wer wen covern wird am Samstag, das soll bis zuletzt eine Überraschung bleiben.

Text: Louis Seibert

Foto: Yunus Hutterer / Grafik: Max Mumme

„Wir wollen mehr”

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Von der Schulbühne in die Clubs der Stadt: Vor zwei Jahren haben die Musiker von „The Living“ von Konzerten in München geträumt – jetzt gehören sie zur Szene.

Von: Katharina Würzberg

Wir stehen – die Arme umeinander gelegt wie eine Fußballmannschaft – im Kreis und atmen gemeinsam tief durch. Von draußen dringt ein gespanntes Knistern zu uns ins Backstage. Die Kranhalle ist voll. Ausverkauft. Und was noch viel unwirklicher erscheint: Es ist unser EP-Release-Konzert. Alle Leute, die sich vor die Bühne drängen, sind wegen uns gekommen und halten ein Ticket in der Hand, auf dem in großen Lettern The Living geschrieben steht.

Hätte uns jemand vor zwei Jahren, als wir verstohlen in die Kranhalle lugten, gesagt, dass wir einmal an genau dieser Stelle stehen würden, hätten wir wohl nur verträumt in die Leere geschaut. Dabei hatte damals nur einen Raum weiter, im Hansa 39, alles seinen Anfang genommen. Wie für viele andere junge Bands war der Sprungbrett-Wettbewerb des Feierwerks für uns ein tatsächliches Sprungbrett in die Münchner Musikszene.

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Wir kommen aus einem kleinen Ort mit 2000 Einwohnern im Landkreis Erding. Man kannte uns in der Nachbarschaft, in der Schule und vielleicht ein bisschen in der Szene des Jugendzentrums Erding. München als Ort, um ein Konzert zu geben, erschien zu dieser Zeit in weiter Ferne. Unser erster Auftritt beim Sprungbrett-Wettbewerb war gleichzeitig unser erstes Konzert in München überhaupt. Als wir am Ende schließlich zur „Münchner Band des Jahres 2014“ gekürt wurden, gewannen wir mehr als einen Titel. Wir gewannen Erfahrungen, Wissen, Kontakte und Freundschaften mit anderen Bands – eine musikalische Zukunftsperspektive. Wir schnupperten am Erfolg und an der Münchner Bühnenluft und wollten mehr.

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Der Sprungbrett-Wettbewerb beinhaltet auch Workshops im Feierwerk. Hier gab man uns als einer mit dem Musikbusiness wenig vertrauten Band viele Tipps an die Hand – von Marketing über Booking bis zur Bühnenperformance waren alle Themen vertreten. Die Kurse trugen rückblickend wesentlich zur Professionalisierung sowohl unserer Einstellung als auch unseres Auftretens bei.

Die Fachstelle Pop des Feierwerks stellte insgesamt einen unserer größten – wenn auch meist indirekten – Unterstützer der Anfangszeit dar. Auch nach Ende der Sprungbrett-Zeit war sie bei Fragen aller Art unsere erste Anlaufstelle und konnte uns immer weiterhelfen. Sie schlug uns schließlich auch als Teilnehmer des bayerischen Förderprojekts BY-on für junge Bands vor, durch das wir seitdem unterstützt werden.

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Mit dem Gewinn des Sprungbrett-Wettbewerbs alleine hatten wir als Band jedoch noch lange keinen festen Namen in München. Wie jede Band in ihrem Anfangsstadium spielten wir bei jeder erdenklichen Gelegenheit, vor unterschiedlichstem Publikum, bei jeglichen Veranstaltungen. Von Konzerten in Jugendzentren im Umland über Benefizkonzerte, kleine Akustik-Bar-Konzerte hin zum Theatron-Musiksommer vor 2000 Menschen. Irgendwo im Publikum waren meistens Leute, denen unsere Musik gefiel.

Im Idealfall hatte ein kleiner Teil dieser Leute dann wirklich etwas mit der Münchner Musikszene zu tun. So kam es dazu, dass wir schließlich auch gefragt wurden, ob wir Lust hätten, in namhafteren Münchner Clubs, bei etablierteren Konzertreihen oder mit – auch international – bekannteren Bands zu spielen. Gleichzeitig bewarben wir uns bei unzähligen lokalen Festivals oder stellten mit befreundeten Bands selbst Konzerte auf die Beine.

Wir steckten – und stecken bis heute – nicht nur viel Arbeit in unsere Musik, sondern auch in unsere Organisation und sind froh, dass wir in dieser Hinsicht bis jetzt immer weitgehend selbstständig und unabhängig geblieben sind. Neben der offiziellen Förderung und Hilfe durch das Projekt BY-on oder das Feierwerk halfen uns vor allem der Kontakt und die Freundschaft zu anderen Münchner Bands und Musikern enorm weiter.

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Als der Applaus am Ende unseres Release-Konzerts im April dieses Jahres aufbrandet, läuft uns ein Schauer den Rücken hinunter. Wir stehen Arm in Arm am vorderen Rand der Bühne und verbeugen uns. Leuchtende Gesichter strahlen uns entgegen. Bekannte Gesichter und unbekannte Gesichter. In solchen Momenten zahlen sich all die aufgebrachte Geduld und all die Arbeit der vergangenen Jahre wieder aus.


Katharina Würzberg spielt Keyboard bei der Band „The Living“. 2014 wurde sie zur „Münchner Band des Jahres“ gekürt und spielte seitdem bei nahezu allen wichtigen Münchner Festivals.

Fotos: The Living

Bandraumtour: Zu Gast bei Naked Feen

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Der Proberaum von Naked Feen ist nur acht Quadratmeter groß und beherbergt trotzdem vier Jungs mit ihren Instrumenten. Schnell werden die Sessions zu Saunagängen, denn auch hier gilt: Tür zu!

Wie würdet ihr euren
Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

unsere kleine
Rumpelkammer

Was macht diesen Raum zu
eurem persönlichen Bandraum?

Nur wir finden
uns in dem Chaos zurecht

Was war der schönste
Moment in eurem Proberaum?

als nach vier
Döner und zwei Stunden Probe die Tür geöffnet wurde

Welche und wie viele
Instrumente stehen bei euch?

1x Cajon

1x Bass

1x Kazoo

2x Gitarre

1x Cowbell

1x Tamburin

1x Schellenkranz

1x Glockenspiel

3x Mundharmonika

1x Indianerflöte

1x Schlagzeug

1x Saxaphon
(manchmal)

= 15 Instrumente

Was ist der
merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?

Klopapier auf der
Hi-Hat

Was gibt es zur Probe zu
trinken?

Warmes Bier

Wie entstehen bei euch
Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?

Irgendwer spielt
was und dann steigen alle ein

Welcher Song ist z.B.
dort entstanden?

Havana

Was macht ihr in eurem
Bandraum, wenn ihr nicht probt?

die Tür auf

Teilt ihr euren Proberaum
mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?

8 m² sind schon
für eine Band zu klein

Könnte man in eurem
Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

Nachdem die
Klotür rausgerissen wurde, ist es zu gefährlich

Was ist toll an eurem
Raum?

Es ist definitiv
nie zu kalt

Was stört euch?

dass wir keine
Klotür mehr haben

Wie habt ihr euren
Proberaum gefunden?

Unser damaliger
Manager…

Foto: Naked Feen

Band der Woche: Friends of Gas

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Feste Formen gehörten nicht zur Musik der Band Friends of Gas. Aus Protest gab es weder feste Bandmitglieder noch abgeschlossene Songs. Das alles ändert sich nun in ihrem Album
„Fatal schwach”.

Es ist gerade in gewissen Kreisen angesagt, Dinge nicht mehr fertigzustellen. Nun, Vollenden ist zugegeben ein recht groß besetztes Wort, das wusste schon der österreichische Indie-Chansonnier Der Nino aus Wien, wenn er in seiner anschaulichen Jammerlappen-Manier klagte: „Es geht immer ums Vollenden.“ Selbst zu beschließen, etwas sei fertig, der Kunst damit eine veritable Form geben, das will nicht recht zum Stil dieser Post-Indie-DIY-Szene passen.

Vielmehr gehört der Charme des Unvollendeten zum guten Ton. Eine Ästhetik, die den Prozess in den Vordergrund rückt und in deren Dunstkreis etwas Rundes und Fertiggestelltes einen unangenehm pathetischen Beigeschmack bekommt. Der einzige wunde Punkt: Mit der Aussage, das sei nun sowieso nicht fertig, was man da produziere, das sei vielmehr nur ein Ausschnitt, entzieht man sich sämtlicher Kritik.

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Die Münchner Band Friends of Gas ist so etwas wie ein Destillat der Münchner Variante dieser Szene. Als Improvisations-Kollektiv gegründet, bestand da nie ein Anspruch, etwas so Flüchtiges wie die Musik auch nur ansatzweise festzuhalten, geschweige denn, dass man regelmäßig mit den gleichen Musikern zusammenspielte. Doch das ist alles vorbei – die Gruppe hat sich fest formiert, nun haben sie sogar ein Album herausgebracht, auf dem die reduzierten Achtzigerjahre-Postpunk-Songs in eine feste Form geschrieben wurden. Am Freitag, 28. Oktober, wird das nun offiziell veröffentlicht, während im Titel noch der grundlegende Konflikt mit dem Festschreiben steckt: „Fatal schwach“. Sie haben sich also schwach der Versuchung hingegeben, gegen die sie mit ihrem ursprünglichen Auftreten eigentlich protestierten: Sie haben ihre Musik in eine halbwegs Pop-verträgliche Form gegossen, sie haben den Songwriting-Prozess abgeschlossen und veröffentlichen dieses hübsche Paket, das Max Rieger von den Stuttgarter Neo-Postpunkern Die Nerven aufgenommen hat, nun sogar bei der Berliner Plattenfirma Staatsakt – der Heimat der Deutschpopper und Profiironiker der Nation, etwa Ja, Panik, Die Sterne, Fraktus oder Jens Friebe.

Doch Friends of Gas erscheinen mit diesem Album als böser Zwilling dieser Gruppen. Sängerin Nina Walser textet zwar genauso phrasenorientiert wie die Labelkollegen, belegt ihren heiseren Gesang aber mit dem Gefühl, sie spreche von einer bitteren Wahrheit. Sätze wie „Mein Körper ist mein Template“, über das Lied hinweg ständig wiederholt, befreien sich so von dem Anschein des Modewort-Dreschens der Digital Natives und bekommen dadurch einen beklemmend psychotischen Anstrich. Und spätestens wenn sich die Gruppe mit „Involuntary“ Richtung Ballade begibt, und die süße Popschönheit der Harmonien in einem zwischen Höhenflug und Zweifel gesungenen „La-La-Lacrimation“, einem Tränenstrom also, landen, kann da kein Auge mehr zwinkern, wenn schon, dann wird hier richtig geheult. All die Ironie ist hier vorbei. Entweder man nimmt es ernst, oder man lässt es.

Diese ungemein zwingende Haltung lässt das Quintett dann auf dem nationalen Popmarkt ziemlich solitär erscheinen. Diese neue, bisweilen recht destruktive Ernsthaftigkeit kommt an in Pop-Deutschland. Beim Reeperbahn-Festival in Hamburg hinterließen sie gerade ein ekstatisch-entrücktes Publikum, die Booking-Agentur, die auch schon Dirk von Lowtzows Phantom Ghost über die Bühnen schickte, übernimmt das nun auch für die Münchner Friends of Gas. Und live kommen bei dieser Band sowieso einige Altlasten zurück. Da kann ein Song in Noise-Ekstase schon mal von sieben auf vierzehn Minuten ausgedehnt werden.

Stil: Neo-Postpunk
Besetzung: Nina Walser (Gesang), Thomas Westner (Gitarre), Veronica Burnuthian (Gitarre), Martin Tagar (Bass), Erol Dizdar (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2014
Internet: www.friendsofgas.com

Von: Rita Argauer

Fotos: Susanne Beck

Bandraumtour: Zu Gast bei Ni Sala

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Eine Affenmaske und Spezi – das findet man bei Ni Sala im Proberaum. Dort wird aber nicht nur gejammt, sondern auch philosophiert. In unserer Reihe “Bandraumtour” geben wir Einblicke in die Proberäume der Stadt. 

Wie würdet ihr euren Proberaum in drei Wörtern beschreiben?
schöne, stickige Kreativwerkstätte.

Was macht diesen Raum zu eurem persönlichen Bandraum?
Das Gefühl zu Hause zu sein. Poster unserer Lieblingsmusiker/Bands an der Wand. Viel Deko. (Perser Teppiche, alte Lampen etc.)

Was war der schönste Moment in eurem Proberaum?
Da gibt es sicher mehr als einen Moment. Immer wenn ein Track entsteht und diese Magie zu spüren ist, das sind wahrscheinlich die schönsten Momente für uns.

Welche und wie viele Instrumente stehen bei euch?
Viele Gitarren, viele Bässe, ein Drumset, viele Amps in groß und klein, Kongas, Shaker, ein Klavier.

Was ist der merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?
Eine Affenmaske

Was gibt es zur Probe zu trinken?
Je nach Verfassung: Spezi, Bier, Säfte

Wie entstehen bei euch Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?
Oft kommt jemand von uns zur Probe mit einem Lick oder einer Idee, die wir dann zusammen vervollständigen. Oder es entsteht ein Song aus einem Jam. Der Proberaum spielt dabei eine wichtige Rolle. Jeder fühlt sich wie in seinem 2. Zu Hause in diesem Raum. Deswegen stimmt der Mood und die Vibes.

Welcher Song ist z.B. dort entstanden?
Better Walk, Clear your Mind, Driftin´

Was macht ihr in eurem Bandraum, wenn ihr nicht probt?
Jammen, philosophieren, die Zukunft planen

Teilt ihr euren Proberaum mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?
Nicht mit einer anderen Band aber zwei Freunde von uns sind dort auch Mieter im Raum.

Könnte man in eurem Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?
Für eine Nacht ist es dem ein oder anderen schon passiert. Aber dauerhaft könnte man dort nicht wohnen. Unser Proberaum ist ein Kellerraum ohne Fenster.

Was seht ihr wenn ihr aus eurem Fenster schaut?
Ha- Ha

Was ist toll an eurem Raum?
Die Lage, der Klang, Die Mitmenschen dort, die Größe

Was stört euch?
Wir haben leider kein Fenster

Wie habt ihr euren Proberaum gefunden?
Durchs Musikmachen und jammen!

Bandraumtour: Zu Gast bei Blackout Problems

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Die Jungs von Blackout Problems proben nicht nur in ihrem Bandraum, sondern müssen dort auch noch selbst Hand anlegen, um Merchandise zu verpacken. Hier geben wir Einblicke in die Proberäume der Stadt.

Wie würdet ihr euren Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

Rockig, Rotzig & Roh.

Was macht diesen Raum zu eurem persönlichen Bandraum?

Der Pfandsammler Robert, der uns regelmäßig bei den Proben besucht, unsere leeren Dosen mitnimmt und einen kessen Spruch schiebt. Toller Typ.

Was war der schönste Moment in eurem Proberaum?

Darf nicht verraten werden: sonst müssen wir uns schnell einen neuen Raum suchen.

Welche und wie viele Instrumente stehen bei euch?

5 – Schlagzeug, Bass, Klavier und zwei Gitarren.

Was ist der merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?

Die Knochen eines Stierkopfes.

Was gibt es zur Probe zu trinken?

Fritz Kola & Kaffee. Koffein at it’s best.

Wie entstehen bei euch Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?

Wir rotten uns zusammen, sind schlecht gelaunt und fangen an zu schreiben. Der Proberaum reflektiert oftmals das unfassbare Chaos in unseren jugendlichen Köpfen.

Welcher Song ist z.B. dort entstanden?

Eine Menge von unserem aktuellen Album Holy. Einen speziell rauszupicken fällt da sehr schwer.

Was macht ihr in eurem Bandraum, wenn ihr nicht probt?

Wir verpacken Merch für unseren Online Shop Munich Warehouse (www.munichwarehouse.com). Der Proberaum wird derzeit noch als Lager für unsere Shirts, CDs und Platten genutzt. Wir verpacken dort alles liebevoll und senden es in die weite Welt raus.

Teilt ihr euren Proberaum mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?

Ja, wir sind Untermieter bei der Band „Emil Bulls“.

Könnte man in eurem Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

Man könnte. Zwar nicht besonders komfortabel, aber es kam auf jeden Fall schon vor, dass diverse Bandmitglieder dort übernachtet haben. Die fehlende Dusche zieht einen nach zwei Wochen jedoch wieder nach Hause.

Was seht ihr wenn ihr aus eurem Fenster schaut?

Nichts. Die Fenster sind zu dreckig.

Was ist toll an eurem Raum?

Man kann 24 Stunden am Tag laut sein und niemanden stört es. Das ist wie Therapie.

Was stört euch?

Wir haben zu wenig Platz. Was uns generell stört ist, dass es in dieser Isarstadt so unverständlich schwer ist schöne Räume zum kreativ sein zu finden. Wir sind schon lange auf der Suche nach einem größeren Raum bzw. einem Lager/Büro, das bezahlbar ist. Leider ist das im Moment so wahrscheinlich wie eine Fortsetzung von Pretty Woman in Originalbesetzung. Richard Gere, bitte rette uns alle vor den Immobilienarschlöchern die alles kaputt machen. Noch mehr Arcaden braucht kein Mensch. Danke.

Foto: Ilkay Karakurt

Ein Abend mit: Julia Viechtl

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Wenn Julia Viechtl nicht gerade die Manic Street Parade organisiert, geht sie gerne mal feiern, auch wenn das eigentlich nie geplant ist. Wo man sie hinterher zum Pommesessen antrifft, lest ihr hier.

Hier
beginnt mein Abend:

…mit der festen Überzeugung: Heute bleib ich daheim.
Und wenn, dann nur ein Bier!

Danach
geht’s ins/zu:

Zur Zeit gern ums Eck ins Vivo.

Meine
Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich sie vom Gegenteil:

Gar nicht. Ich wollte ja selber nicht weggehen!

Mit
dabei ist immer:

Eine Hand voll hübsche Programme für die manic street
parade.

An
der Bar bestelle ich am liebsten:

Bier.

Der
Song darf auf keinen Fall fehlen:

Carnival Youth: Never Have Enough.

Mein
Tanzstil in drei Worten:

I don´t care. Oder: I love it.

Der
Spruch zieht immer:

Ein Spruch, der immer zieht? Den kenne ich (noch) nicht.
Mir fallen nur Sprüche ein, die niemals ziehen werden. Hier ein Beispiel aus
meiner Sammlung aus dem weiteren Bekanntenkreis: „Magst du Sex?“.

Nachts
noch einen Snack. Mein Geheimtipp ist:

Pommes im Substanz. Livemusik ist nur bis 21:59 Uhr
erlaubt – die Friteuse darf noch länger laut brutzeln. Juhu.

Meine
dümmste Tat im Suff war:

Die Händlmarke auf der Wiesn in Bier investieren. An den
Rest erinnere ich mich nur schemenhaft.

Das
beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht gibt`s im/bei:

Im Bavarese. Toller Sonntagsbrunch. Für Freunde des
Fleisches gibt es sogar Schweinbraten. Ich nehme die Knödel.

 Diesem
Club/dieser Bar trauere ich nach:

Atomic Café – das Wohnzimmer ist und bleibt weg. Bitte
wieder aufmachen. Ich geh immer noch gerne nachts vorbei und schau böse das
Lacoste-Krokodil an.

Foto: Stephan Rumpf