„Wir wollen mehr”

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Von der Schulbühne in die Clubs der Stadt: Vor zwei Jahren haben die Musiker von „The Living“ von Konzerten in München geträumt – jetzt gehören sie zur Szene.

Von: Katharina Würzberg

Wir stehen – die Arme umeinander gelegt wie eine Fußballmannschaft – im Kreis und atmen gemeinsam tief durch. Von draußen dringt ein gespanntes Knistern zu uns ins Backstage. Die Kranhalle ist voll. Ausverkauft. Und was noch viel unwirklicher erscheint: Es ist unser EP-Release-Konzert. Alle Leute, die sich vor die Bühne drängen, sind wegen uns gekommen und halten ein Ticket in der Hand, auf dem in großen Lettern The Living geschrieben steht.

Hätte uns jemand vor zwei Jahren, als wir verstohlen in die Kranhalle lugten, gesagt, dass wir einmal an genau dieser Stelle stehen würden, hätten wir wohl nur verträumt in die Leere geschaut. Dabei hatte damals nur einen Raum weiter, im Hansa 39, alles seinen Anfang genommen. Wie für viele andere junge Bands war der Sprungbrett-Wettbewerb des Feierwerks für uns ein tatsächliches Sprungbrett in die Münchner Musikszene.

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Wir kommen aus einem kleinen Ort mit 2000 Einwohnern im Landkreis Erding. Man kannte uns in der Nachbarschaft, in der Schule und vielleicht ein bisschen in der Szene des Jugendzentrums Erding. München als Ort, um ein Konzert zu geben, erschien zu dieser Zeit in weiter Ferne. Unser erster Auftritt beim Sprungbrett-Wettbewerb war gleichzeitig unser erstes Konzert in München überhaupt. Als wir am Ende schließlich zur „Münchner Band des Jahres 2014“ gekürt wurden, gewannen wir mehr als einen Titel. Wir gewannen Erfahrungen, Wissen, Kontakte und Freundschaften mit anderen Bands – eine musikalische Zukunftsperspektive. Wir schnupperten am Erfolg und an der Münchner Bühnenluft und wollten mehr.

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Der Sprungbrett-Wettbewerb beinhaltet auch Workshops im Feierwerk. Hier gab man uns als einer mit dem Musikbusiness wenig vertrauten Band viele Tipps an die Hand – von Marketing über Booking bis zur Bühnenperformance waren alle Themen vertreten. Die Kurse trugen rückblickend wesentlich zur Professionalisierung sowohl unserer Einstellung als auch unseres Auftretens bei.

Die Fachstelle Pop des Feierwerks stellte insgesamt einen unserer größten – wenn auch meist indirekten – Unterstützer der Anfangszeit dar. Auch nach Ende der Sprungbrett-Zeit war sie bei Fragen aller Art unsere erste Anlaufstelle und konnte uns immer weiterhelfen. Sie schlug uns schließlich auch als Teilnehmer des bayerischen Förderprojekts BY-on für junge Bands vor, durch das wir seitdem unterstützt werden.

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Mit dem Gewinn des Sprungbrett-Wettbewerbs alleine hatten wir als Band jedoch noch lange keinen festen Namen in München. Wie jede Band in ihrem Anfangsstadium spielten wir bei jeder erdenklichen Gelegenheit, vor unterschiedlichstem Publikum, bei jeglichen Veranstaltungen. Von Konzerten in Jugendzentren im Umland über Benefizkonzerte, kleine Akustik-Bar-Konzerte hin zum Theatron-Musiksommer vor 2000 Menschen. Irgendwo im Publikum waren meistens Leute, denen unsere Musik gefiel.

Im Idealfall hatte ein kleiner Teil dieser Leute dann wirklich etwas mit der Münchner Musikszene zu tun. So kam es dazu, dass wir schließlich auch gefragt wurden, ob wir Lust hätten, in namhafteren Münchner Clubs, bei etablierteren Konzertreihen oder mit – auch international – bekannteren Bands zu spielen. Gleichzeitig bewarben wir uns bei unzähligen lokalen Festivals oder stellten mit befreundeten Bands selbst Konzerte auf die Beine.

Wir steckten – und stecken bis heute – nicht nur viel Arbeit in unsere Musik, sondern auch in unsere Organisation und sind froh, dass wir in dieser Hinsicht bis jetzt immer weitgehend selbstständig und unabhängig geblieben sind. Neben der offiziellen Förderung und Hilfe durch das Projekt BY-on oder das Feierwerk halfen uns vor allem der Kontakt und die Freundschaft zu anderen Münchner Bands und Musikern enorm weiter.

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Als der Applaus am Ende unseres Release-Konzerts im April dieses Jahres aufbrandet, läuft uns ein Schauer den Rücken hinunter. Wir stehen Arm in Arm am vorderen Rand der Bühne und verbeugen uns. Leuchtende Gesichter strahlen uns entgegen. Bekannte Gesichter und unbekannte Gesichter. In solchen Momenten zahlen sich all die aufgebrachte Geduld und all die Arbeit der vergangenen Jahre wieder aus.


Katharina Würzberg spielt Keyboard bei der Band „The Living“. 2014 wurde sie zur „Münchner Band des Jahres“ gekürt und spielte seitdem bei nahezu allen wichtigen Münchner Festivals.

Fotos: The Living

Bandraumtour: Zu Gast bei Naked Feen

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Der Proberaum von Naked Feen ist nur acht Quadratmeter groß und beherbergt trotzdem vier Jungs mit ihren Instrumenten. Schnell werden die Sessions zu Saunagängen, denn auch hier gilt: Tür zu!

Wie würdet ihr euren
Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

unsere kleine
Rumpelkammer

Was macht diesen Raum zu
eurem persönlichen Bandraum?

Nur wir finden
uns in dem Chaos zurecht

Was war der schönste
Moment in eurem Proberaum?

als nach vier
Döner und zwei Stunden Probe die Tür geöffnet wurde

Welche und wie viele
Instrumente stehen bei euch?

1x Cajon

1x Bass

1x Kazoo

2x Gitarre

1x Cowbell

1x Tamburin

1x Schellenkranz

1x Glockenspiel

3x Mundharmonika

1x Indianerflöte

1x Schlagzeug

1x Saxaphon
(manchmal)

= 15 Instrumente

Was ist der
merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?

Klopapier auf der
Hi-Hat

Was gibt es zur Probe zu
trinken?

Warmes Bier

Wie entstehen bei euch
Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?

Irgendwer spielt
was und dann steigen alle ein

Welcher Song ist z.B.
dort entstanden?

Havana

Was macht ihr in eurem
Bandraum, wenn ihr nicht probt?

die Tür auf

Teilt ihr euren Proberaum
mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?

8 m² sind schon
für eine Band zu klein

Könnte man in eurem
Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

Nachdem die
Klotür rausgerissen wurde, ist es zu gefährlich

Was ist toll an eurem
Raum?

Es ist definitiv
nie zu kalt

Was stört euch?

dass wir keine
Klotür mehr haben

Wie habt ihr euren
Proberaum gefunden?

Unser damaliger
Manager…

Foto: Naked Feen

Band der Woche: Friends of Gas

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Feste Formen gehörten nicht zur Musik der Band Friends of Gas. Aus Protest gab es weder feste Bandmitglieder noch abgeschlossene Songs. Das alles ändert sich nun in ihrem Album
„Fatal schwach”.

Es ist gerade in gewissen Kreisen angesagt, Dinge nicht mehr fertigzustellen. Nun, Vollenden ist zugegeben ein recht groß besetztes Wort, das wusste schon der österreichische Indie-Chansonnier Der Nino aus Wien, wenn er in seiner anschaulichen Jammerlappen-Manier klagte: „Es geht immer ums Vollenden.“ Selbst zu beschließen, etwas sei fertig, der Kunst damit eine veritable Form geben, das will nicht recht zum Stil dieser Post-Indie-DIY-Szene passen.

Vielmehr gehört der Charme des Unvollendeten zum guten Ton. Eine Ästhetik, die den Prozess in den Vordergrund rückt und in deren Dunstkreis etwas Rundes und Fertiggestelltes einen unangenehm pathetischen Beigeschmack bekommt. Der einzige wunde Punkt: Mit der Aussage, das sei nun sowieso nicht fertig, was man da produziere, das sei vielmehr nur ein Ausschnitt, entzieht man sich sämtlicher Kritik.

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Die Münchner Band Friends of Gas ist so etwas wie ein Destillat der Münchner Variante dieser Szene. Als Improvisations-Kollektiv gegründet, bestand da nie ein Anspruch, etwas so Flüchtiges wie die Musik auch nur ansatzweise festzuhalten, geschweige denn, dass man regelmäßig mit den gleichen Musikern zusammenspielte. Doch das ist alles vorbei – die Gruppe hat sich fest formiert, nun haben sie sogar ein Album herausgebracht, auf dem die reduzierten Achtzigerjahre-Postpunk-Songs in eine feste Form geschrieben wurden. Am Freitag, 28. Oktober, wird das nun offiziell veröffentlicht, während im Titel noch der grundlegende Konflikt mit dem Festschreiben steckt: „Fatal schwach“. Sie haben sich also schwach der Versuchung hingegeben, gegen die sie mit ihrem ursprünglichen Auftreten eigentlich protestierten: Sie haben ihre Musik in eine halbwegs Pop-verträgliche Form gegossen, sie haben den Songwriting-Prozess abgeschlossen und veröffentlichen dieses hübsche Paket, das Max Rieger von den Stuttgarter Neo-Postpunkern Die Nerven aufgenommen hat, nun sogar bei der Berliner Plattenfirma Staatsakt – der Heimat der Deutschpopper und Profiironiker der Nation, etwa Ja, Panik, Die Sterne, Fraktus oder Jens Friebe.

Doch Friends of Gas erscheinen mit diesem Album als böser Zwilling dieser Gruppen. Sängerin Nina Walser textet zwar genauso phrasenorientiert wie die Labelkollegen, belegt ihren heiseren Gesang aber mit dem Gefühl, sie spreche von einer bitteren Wahrheit. Sätze wie „Mein Körper ist mein Template“, über das Lied hinweg ständig wiederholt, befreien sich so von dem Anschein des Modewort-Dreschens der Digital Natives und bekommen dadurch einen beklemmend psychotischen Anstrich. Und spätestens wenn sich die Gruppe mit „Involuntary“ Richtung Ballade begibt, und die süße Popschönheit der Harmonien in einem zwischen Höhenflug und Zweifel gesungenen „La-La-Lacrimation“, einem Tränenstrom also, landen, kann da kein Auge mehr zwinkern, wenn schon, dann wird hier richtig geheult. All die Ironie ist hier vorbei. Entweder man nimmt es ernst, oder man lässt es.

Diese ungemein zwingende Haltung lässt das Quintett dann auf dem nationalen Popmarkt ziemlich solitär erscheinen. Diese neue, bisweilen recht destruktive Ernsthaftigkeit kommt an in Pop-Deutschland. Beim Reeperbahn-Festival in Hamburg hinterließen sie gerade ein ekstatisch-entrücktes Publikum, die Booking-Agentur, die auch schon Dirk von Lowtzows Phantom Ghost über die Bühnen schickte, übernimmt das nun auch für die Münchner Friends of Gas. Und live kommen bei dieser Band sowieso einige Altlasten zurück. Da kann ein Song in Noise-Ekstase schon mal von sieben auf vierzehn Minuten ausgedehnt werden.

Stil: Neo-Postpunk
Besetzung: Nina Walser (Gesang), Thomas Westner (Gitarre), Veronica Burnuthian (Gitarre), Martin Tagar (Bass), Erol Dizdar (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2014
Internet: www.friendsofgas.com

Von: Rita Argauer

Fotos: Susanne Beck

Bandraumtour: Zu Gast bei Ni Sala

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Eine Affenmaske und Spezi – das findet man bei Ni Sala im Proberaum. Dort wird aber nicht nur gejammt, sondern auch philosophiert. In unserer Reihe “Bandraumtour” geben wir Einblicke in die Proberäume der Stadt. 

Wie würdet ihr euren Proberaum in drei Wörtern beschreiben?
schöne, stickige Kreativwerkstätte.

Was macht diesen Raum zu eurem persönlichen Bandraum?
Das Gefühl zu Hause zu sein. Poster unserer Lieblingsmusiker/Bands an der Wand. Viel Deko. (Perser Teppiche, alte Lampen etc.)

Was war der schönste Moment in eurem Proberaum?
Da gibt es sicher mehr als einen Moment. Immer wenn ein Track entsteht und diese Magie zu spüren ist, das sind wahrscheinlich die schönsten Momente für uns.

Welche und wie viele Instrumente stehen bei euch?
Viele Gitarren, viele Bässe, ein Drumset, viele Amps in groß und klein, Kongas, Shaker, ein Klavier.

Was ist der merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?
Eine Affenmaske

Was gibt es zur Probe zu trinken?
Je nach Verfassung: Spezi, Bier, Säfte

Wie entstehen bei euch Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?
Oft kommt jemand von uns zur Probe mit einem Lick oder einer Idee, die wir dann zusammen vervollständigen. Oder es entsteht ein Song aus einem Jam. Der Proberaum spielt dabei eine wichtige Rolle. Jeder fühlt sich wie in seinem 2. Zu Hause in diesem Raum. Deswegen stimmt der Mood und die Vibes.

Welcher Song ist z.B. dort entstanden?
Better Walk, Clear your Mind, Driftin´

Was macht ihr in eurem Bandraum, wenn ihr nicht probt?
Jammen, philosophieren, die Zukunft planen

Teilt ihr euren Proberaum mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?
Nicht mit einer anderen Band aber zwei Freunde von uns sind dort auch Mieter im Raum.

Könnte man in eurem Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?
Für eine Nacht ist es dem ein oder anderen schon passiert. Aber dauerhaft könnte man dort nicht wohnen. Unser Proberaum ist ein Kellerraum ohne Fenster.

Was seht ihr wenn ihr aus eurem Fenster schaut?
Ha- Ha

Was ist toll an eurem Raum?
Die Lage, der Klang, Die Mitmenschen dort, die Größe

Was stört euch?
Wir haben leider kein Fenster

Wie habt ihr euren Proberaum gefunden?
Durchs Musikmachen und jammen!

Bandraumtour: Zu Gast bei Blackout Problems

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Die Jungs von Blackout Problems proben nicht nur in ihrem Bandraum, sondern müssen dort auch noch selbst Hand anlegen, um Merchandise zu verpacken. Hier geben wir Einblicke in die Proberäume der Stadt.

Wie würdet ihr euren Proberaum in drei Wörtern beschreiben?

Rockig, Rotzig & Roh.

Was macht diesen Raum zu eurem persönlichen Bandraum?

Der Pfandsammler Robert, der uns regelmäßig bei den Proben besucht, unsere leeren Dosen mitnimmt und einen kessen Spruch schiebt. Toller Typ.

Was war der schönste Moment in eurem Proberaum?

Darf nicht verraten werden: sonst müssen wir uns schnell einen neuen Raum suchen.

Welche und wie viele Instrumente stehen bei euch?

5 – Schlagzeug, Bass, Klavier und zwei Gitarren.

Was ist der merkwürdigste Gegenstand in eurem Bandraum?

Die Knochen eines Stierkopfes.

Was gibt es zur Probe zu trinken?

Fritz Kola & Kaffee. Koffein at it’s best.

Wie entstehen bei euch Songs und welche Rolle spielt dabei der Proberaum?

Wir rotten uns zusammen, sind schlecht gelaunt und fangen an zu schreiben. Der Proberaum reflektiert oftmals das unfassbare Chaos in unseren jugendlichen Köpfen.

Welcher Song ist z.B. dort entstanden?

Eine Menge von unserem aktuellen Album Holy. Einen speziell rauszupicken fällt da sehr schwer.

Was macht ihr in eurem Bandraum, wenn ihr nicht probt?

Wir verpacken Merch für unseren Online Shop Munich Warehouse (www.munichwarehouse.com). Der Proberaum wird derzeit noch als Lager für unsere Shirts, CDs und Platten genutzt. Wir verpacken dort alles liebevoll und senden es in die weite Welt raus.

Teilt ihr euren Proberaum mit einer anderen Band? Wenn ja mit wem?

Ja, wir sind Untermieter bei der Band „Emil Bulls“.

Könnte man in eurem Bandraum auch wohnen? Warum ja bzw. nein?

Man könnte. Zwar nicht besonders komfortabel, aber es kam auf jeden Fall schon vor, dass diverse Bandmitglieder dort übernachtet haben. Die fehlende Dusche zieht einen nach zwei Wochen jedoch wieder nach Hause.

Was seht ihr wenn ihr aus eurem Fenster schaut?

Nichts. Die Fenster sind zu dreckig.

Was ist toll an eurem Raum?

Man kann 24 Stunden am Tag laut sein und niemanden stört es. Das ist wie Therapie.

Was stört euch?

Wir haben zu wenig Platz. Was uns generell stört ist, dass es in dieser Isarstadt so unverständlich schwer ist schöne Räume zum kreativ sein zu finden. Wir sind schon lange auf der Suche nach einem größeren Raum bzw. einem Lager/Büro, das bezahlbar ist. Leider ist das im Moment so wahrscheinlich wie eine Fortsetzung von Pretty Woman in Originalbesetzung. Richard Gere, bitte rette uns alle vor den Immobilienarschlöchern die alles kaputt machen. Noch mehr Arcaden braucht kein Mensch. Danke.

Foto: Ilkay Karakurt

Ein Abend mit: Julia Viechtl

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Wenn Julia Viechtl nicht gerade die Manic Street Parade organisiert, geht sie gerne mal feiern, auch wenn das eigentlich nie geplant ist. Wo man sie hinterher zum Pommesessen antrifft, lest ihr hier.

Hier
beginnt mein Abend:

…mit der festen Überzeugung: Heute bleib ich daheim.
Und wenn, dann nur ein Bier!

Danach
geht’s ins/zu:

Zur Zeit gern ums Eck ins Vivo.

Meine
Freunde haben andere Pläne. So überzeuge ich sie vom Gegenteil:

Gar nicht. Ich wollte ja selber nicht weggehen!

Mit
dabei ist immer:

Eine Hand voll hübsche Programme für die manic street
parade.

An
der Bar bestelle ich am liebsten:

Bier.

Der
Song darf auf keinen Fall fehlen:

Carnival Youth: Never Have Enough.

Mein
Tanzstil in drei Worten:

I don´t care. Oder: I love it.

Der
Spruch zieht immer:

Ein Spruch, der immer zieht? Den kenne ich (noch) nicht.
Mir fallen nur Sprüche ein, die niemals ziehen werden. Hier ein Beispiel aus
meiner Sammlung aus dem weiteren Bekanntenkreis: „Magst du Sex?“.

Nachts
noch einen Snack. Mein Geheimtipp ist:

Pommes im Substanz. Livemusik ist nur bis 21:59 Uhr
erlaubt – die Friteuse darf noch länger laut brutzeln. Juhu.

Meine
dümmste Tat im Suff war:

Die Händlmarke auf der Wiesn in Bier investieren. An den
Rest erinnere ich mich nur schemenhaft.

Das
beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht gibt`s im/bei:

Im Bavarese. Toller Sonntagsbrunch. Für Freunde des
Fleisches gibt es sogar Schweinbraten. Ich nehme die Knödel.

 Diesem
Club/dieser Bar trauere ich nach:

Atomic Café – das Wohnzimmer ist und bleibt weg. Bitte
wieder aufmachen. Ich geh immer noch gerne nachts vorbei und schau böse das
Lacoste-Krokodil an.

Foto: Stephan Rumpf

Es ist soweit: The Manic Street Parade 2016

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Mehr Pop für die Stadt – das ist Julia
Viechtls großes Anliegen. Im Mai haben wir deshalb über sie und das von ihr
zusammen mit Andreas Puscher, Stefan Schröder,
Marc Liebscher und Fabian Rauecker organisierte erste Club-Festival Münchens
berichtet – am 8. Oktober ist es soweit!

Vier Monate sind seither vergangen, mittlerweile arbeitet Julia für
die Fachstelle Pop, einer neutralen Beratungsstelle der Stadt München für junge
Bands. Und sie organisierte die
Manic-Street-Parade, die zum ersten Mal im Schlachthofviertel in fünf verschiedenen Clubs
stattfindet. Für 25 Euro sind 13 Bands aus acht verschiedenen Nationen zu sehen, danach legen vier Münchner DJs bis in die frühen Morgenstunden auf.

SZ: Was für ein Gefühl ist es, den
fertigen Programm-Flyer für das Festival in den Händen zu halten?

Julia: Das ist ziemlich genial, weil es,
wie ich finde, ein sehr schönes Programm geworden ist. Wir stellen darin alle Künstler
vor, die auftreten werden, und begründen auch, warum wir genau sie nach München
eingeladen haben. Klangstof aus Holland, Jesse Mac Cormack aus Canada,
Carnival Youth aus Lettland. Aus München exklusiv dabei sind Fiva und die
Jazzrauschbigband.

SZ: Gab es noch Probleme bei der
Organisation?

Julia: Es ist natürlich unfassbar viel
Arbeit, ein neues Festival aufzuziehen, von dem noch nie jemand gehört hat. Es
gab den Moment, wo die Frage im Raum stand, das Ganze auf 2017 zu verschieben.
Da habe ich mich aber durchgesetzt und gesagt: Nein, das packen wir jetzt an. Da
die Manic Street Parade von jetzt an jedes Jahr stattfinden soll, können wir sie dann
ja beliebig ausbauen. Für Jahr eins mussten wir irgendwann den Rahmen
festsetzen, sonst wäre es ausgeufert – nicht noch mehr Bands, nicht noch mehr
Clubs. Ich glaube, so wie wir jetzt starten, haben wir eine gute Größe
gefunden. Die fünf Clubs sind alle gut zu Fuß erreichbar, sodass man sich
einfach treiben lassen und viele verschiedene Bands entdecken kann. 

SZ: Wird der 8. Oktober, der
Festivalabend, für dich noch stressig sein? Oder wirst du ihn auch genießen können?

Julia: Ich denke, ich werde schon viel
rumhüpfen müssen. Ob ich dann tatsächlich in der ersten Reihe bei Klangstof
mitfeiern kann, wird sich zeigen. (lacht) Im Moment werde ich von Tag zu Tag
aufgeregter, aber der Abend wird bestimmt super.

SZ: Du machst nicht nur selbst Musik und
kümmerst dich im Moment ehrenamtlich um die Organisation des Festivals, du hast
auch deine Masterarbeit über das Konzept der „Music Cities“ geschrieben und die
Frage, was München noch braucht, um so eine Music City zu werden. Auf welche
Ergebnisse bist du gekommen?

Julia: Um eine Music City zu werden, muss
eine Stadt insbesondere auch die Musik, die im Moment neu entsteht, beachten.
Wichtig war für meine Arbeit daher zunächst, das Thema „Pop“, wie es
umgangssprachlich verstanden wird, aufzuarbeiten. Pop-Musik ist nicht das, was
viele mit Mainstream, Kommerz und Chart-Musik in Verbindung bringen, sondern
die Musik, die in der Gegenwart entsteht und deshalb einen Spiegel und
vielleicht das wichtigste Kommunikationsmittel der heutigen Gesellschaft
darstellt. Wenn man das einmal verstanden hat, dann wird klar, warum es mir um
die strukturelle Unterstützung von Musik und Kultur in allgemeinerem Sinne
geht. Dabei sind mit „Pop“ viele verschiedene Musikrichtungen gemeint.

SZ:
Wie kommst du darauf?

Julia. Ein guter Beleg dafür sind die
anonymisierten Fragebögen, die ich für meine Masterarbeit von Musikern und
Musikerinnen in München habe ausfüllen lassen. Innerhalb von zwei Wochen hatte
ich mehr 500 Antworten. Und das ist nur ein kleiner Teil der großen Szene. Auf
die Frage nach der eigenen Musikrichtung kamen bei diesen 500 Antworten mehr als 1500
Musikstile heraus. Es geht also heute nicht mehr so sehr darum, eine bestimmte
Richtung zu vertreten, um eingeordnet werden zu können. Wir haben hier in München
eine überwältigende Vielfalt und Offenheit. Aber an der strukturellen Unterstützung,
insbesondere daran, definitionsfreie Orte, Auftrittsmöglichkeiten und Proberäume
zu schaffen, muss verstärkt gearbeitet werden, damit diese Szene auch
sichtbarer werden kann. Ein erster Ansatz ist also die Wertschätzung und
Anerkennung dessen, was diese Kreativen für eine Wirkung auf die Stadt haben.

SZ: Du arbeitest seit kurzem in der
Fachstelle Pop der Stadt München. Wie kam es dazu?

Julia: Lustigerweise habe ich von der
Stelle über eines der Experteninterviews für meine Masterarbeit gehört. Ich
habe mich sofort beworben, weil ich das Gefühl hatte, das passt perfekt. Jetzt
bin ich total dankbar für diese Möglichkeit, weil ich dort genau mit dem Wissen
ansetzen kann, das ich mir durch meine Masterarbeit angeeignet habe.

SZ: Was genau wirst du dort tun können?

Julia: Die Fachstelle Pop sitzt im
Feierwerk und wird vom Kulturreferat der Stadt München finanziert. Wir sind da,
um die Popkulturszene in München zu fördern. Dabei geht es besonders um die
Kommunikation und Vernetzung der Szene. Wir arbeiten im Moment an einem
Konzept, um optimal als Schnittstelle fungieren zu können. Außerdem sind wir
da, um Musiker zu informieren. Vor allem, wenn man beginnt, eine Band
aufzubauen, sollte man bei uns vorbeischauen. Wir beraten nämlich neutral,
unabhängig und ohne Hintergedanken. So kann man sich informieren, bevor man
etwa irgendeinen Vertrag unterschreibt.

SZ: Wie soll es mit der Manic-Street-Parade
weitergehen?

Julia: Wir wissen schon, dass sie am
28.10.2017 das zweite Mal stattfinden wird, und danach jedes Jahr. Ich war gerade
auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg und habe auch dort fleißig Programme und
Sticker verteilt, sodass spätestens im kommenden Jahr noch ganz viele Leute von
außerhalb nach München kommen werden.


Interview: Theresa Parstorfer
Foto: Stephan Rumpf

Ein Abend mit: Julian Riegl

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Auf unserem letzten WG-Konzert gab Julian Riegl, 28, als Teil des Duos Blue Haze alles. Wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, geht er gerne in Bars und holt sich danach
„handgeschnitzte Pommes”. Wo es die gibt, erfahrt ihr hier.  

Hier beginnt mein Abend:

Im Rennsalon; sympathische Leute, einzigartige
Einrichtung, wechselnde Monatsbiere und am Wochenende sogar DJ-Sets!

Danach geht’s ins/zu:

In das X in Schwabing; ich denke, David Lynch
würde es dort auch gefallen

Meine Freunde haben andere Pläne. So
überzeuge ich sie vom Gegenteil:

Schon einmal ein Terrarium in einer Bar gesehen?

Mit dabei ist immer:

Mein Aufnahmegerät, um Sounds für neue Songs zu
sammeln

An der Bar bestelle ich am liebsten:

Einen Hopfensmoothie

Der Song darf auf keinen Fall fehlen:

Joy Divison – Transmission

Mein Tanzstil in drei Worten:

Dezentes, rythmisches Kopfnicken

Der Spruch zieht immer:

Was ist das für 1 Frage?!

Nachts noch einen Snack. Mein Geheimtipp
ist:

Handgeschnitzte Pommes im Harlekin, einer netten
Boazn in der Maxvorstadt

Meine
dümmste Tat im Suff war:

Bands zu gründen, die nur eine Nacht lang existieren

Das
beste Frühstück nach einer durchfeierten Nacht gibt`s im/bei:

Das Frühstück auslassen und gleich in das „Hanoi in
der Augustenstraße – Glasnudeln und dazu ein Weißbier!

Diesem
Club/dieser Bar trauere ich nach:

In den 70ern das Yellow
Submarine in der Leopoldstraße. Angeblich von einem mit Haien(!!!) besetzten
Aquarium umgeben. Allerdings war ich damals noch nicht einmal geboren…

Foto: Sophie Wanninger

Das wird groß. Sehr groß

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Musikfans haben Anfang Novemer ein Festival in ihrem Kalender dick unterstrichen: das Sound-Of-Munich-Now-Festival, veranstaltet vom Feierwerk und der Süddeutschen Zeitung. Auch dieses Jahr werden wieder 40 unterschiedliche Künstler auf der Bühne stehen – und doch ist etwas neu: Erstmals wird auch der “Sound Of Augsburg Now” und der “Sound Of Regensburg Now” präsentiert.

 Von Theresa Parstorfer

Der
Sound der Stadt ist immer frisch, immer neu und immer hörenswert – und das hat
sich auch im achten Jahr des Festivals „Sound Of Munich Now“ nicht geändert.
Seit 2009 haben es sich die Süddeutsche Zeitung und das Feierwerk zur Aufgabe
gemacht, der Vielfalt der Münchner Bandszene nachzuspüren und auch neue Musiker zu entdecken. 131
unterschiedliche Münchner Bands haben seitdem auf dem „Sound Of Munich Now“
gespielt – und heuer kommen einige Neuentdeckungen dazu. Das Line-up strotzt
vor neuen Gesichter, wird aber auch dieses Jahr unterstützt von mittlerweile –
zumindest lokal – bekannten Größen.

Während
Les Millionnaires mit Retro-Charme und Hipster-Schick und Nick And The
Roundabouts
mit melancholischen Liebesliedern zuvor auch schon in anderen
Bandkonstellationen mit Musik made in Munich überzeugen konnten, stehen Nick
Yume
und Die Sauna gerade erst am Anfang einer sehr vielversprechenden
Musikkarriere. Nick Yume hat Mitte August Rihanna in Bukarest supportet, 
sein Remake des Songs „Allein, Allein“ von Polarkreis 18 wurde allein im ersten
Monat 210000 Mal gestreamt. Die sechs jungen Männer von Die Sauna wiederum
schafften es ins Finale des Sprungbrettwettbewerbs und machen bei Konzerten
ihrem Namen alle Ehre, indem sie das Publikum gehörig zum Schwitzen bringen –
mit Musik, die voller Kraft, Ehrlichkeit und Innovation steckt. The Sound of
Munich Now ist also auch dieses Jahr wieder am Puls der Zeit – und wer Künstler
gesehen haben will, von denen im kommenden Jahr bestimmt noch die Rede sein
wird, der ist am 4. und 5. November im Feierwerk mit Sicherheit richtig.

Das Festival „Sound
of Munich now“ ist „eine gute Plattform für den Austausch der Münchner Szene“ –
so lautete das Presseurteil nach der Auftaktveranstaltung im Herbst 2009. Und
das gilt auch heute noch. Oder wie hieß es in der SZ so schön über das
Festival: „Das ist das Schöne an Sound of Munich now, das Sich-Kennen und Kennenlernen,
egal ob Musiker oder Zuhörer. Wer wegen einer bestimmten Band kommt, geht
garantiert mit der Musik einer Neuentdeckung im Kopf nach Hause, wer sich
spontan in eine Sängerin verliebt, kann diese nach ihrem Auftritt noch an der
Bar treffen.“

Dass
man sich in der Landeshauptstadt aber auch dafür interessiert, was anderswo im
Freistaat passiert, wird mit “The Sound of Regensburg Now” und “The Sound of
Augsburg Now” gezeigt. Zum ersten Mal werden Bands aus nicht minder schönen
Städten auftreten. Aus
Augsburg reist beispielweise We Destroy Disco an – natürlich wollen die fünf
jungen Männer nicht den Club demolieren. Vielmehr bringen sie melancholische
Songs in die Weltschmerzstadt mit Herz. King The Fu (ebenfalls aus Augsburg)
dagegen spielen sehr melodiösen Elektro-Pop, mit einer starken Stimme, die auch
in nachdenklichen, akustischen Balladen überzeugen kann. 

Cato
Janko
aus Regensburg präsentieren live geschnitzte Loops, Gitarrenmelodien und
schöne Texte, die mal zerbrechlich klingen und dann wieder Lust aufs Tanzen machen und fröhlich in der Dunkelheit leuchten. Wie viel Liebe und Mühe und Zeit die Musiker
von containerhead in ihre Songs legen, sieht man nicht nur an einigen
Überlängen (8 Minuten!), sondern auch an den kunstvoll arrangierten Melodien,
aus Klavier, Gitarre, Loops, Synthesizern, die manchmal Minutenlang einen
Teppich aus Klang weben, in dem immer wieder neue Facetten entdeckt werden
können.

Diese,
und noch viele andere Künstler aus Augsburg und Regensburg werden am 5.
November 45-Minuten-Sets vorstellen können, während der Sound of Munich wie
auch in den vergangenen Jahren im 15-Minuten-Takt versetzt auf zwei Bühnen
präsentiert werden wird.

Zum
Sound Of Munich Now gehört natürlich auch die Club-Musik. Münchens Szene für
elektronische Tanzmusik hat sich nach Pionieren wie Giorgio Moroder oder DJ
Hell maßgeblich weiterentwickelt. Heute muss sich München im Vergleich zu
anderen Städten sicherlich nicht verstecken. Der Abend „Sound of Munich now
Electronica“ präsentiert die vielzähligen Spielarten: zwischen House, Techno,
Drum and Bass und Ambient-Klängen deckt das Festival die bunte Szene ab, die
München momentan repräsentiert. Zu hören sein wird beispielsweise der
junge Münchner Leon Weber, der sich LCWA nennt und mittlerweile mehr als 74000
Likes auf Facebook vorzuweisen hat. Der junge Künstler, der mittlerweile von
Sony unter Vertrag genommen wurde, wird zeigen, dass es auch in München den
Zeitgeist aus geremixten Akkustiksongs mit Deep-House Einflüssen a la Alle
Farben
und Robin Schulz gibt.

Hier das Programm im Überblick:

Freitag, 4. November, Kranhalle, Sound Of Munich Now Electronica, Einlass/Beginn 22 Uhr:
jean blanc, Arta Narini, Marcella, Pech & Schwefel, Shime, Essika, Mindsight und LCAW

Samstag, 5. November, Orangehouse, Sound Of Augsburg Now, Einlass 18 Uhr / Beginn 19 Uhr:  Endlich Blüte, King the Fu, Maybellene, SAN Antonio KID, WE DESTROY DISCO,
YAWL

Samstag, 5. November, Kranhalle, Sound Of Regensburg Now,
Einlass 18 Uhr / Beginn 19 Uhr:

Cat Stash, CATO JANKO, containerhead, Desmond Myers, short story sports

Samstag, 5. November, H 39, Sound Of Munich Now,
Einlass 18 Uhr / Beginn 19 Uhr:

Antun Opic, Bavarian Blast, Claire Jul, Die Sauna, Emmi King, Future Days, Gaddafi Gals, GrGr, Julia Kautz, Les Millionnaires, Lisaholic, Matthew Austin, mola, Monaco F, MURENA MURENA, Nick & The Roundabouts, Nick Yume,  Pour Elise, Rapid, The Irrigators, Tom Wu

Der Eintritt ist frei. Daher wird mit mehr Gästen gerechnet als Platz haben – von daher gilt: früh kommen!

Archiv-Foto vom Festival 2015: Käthe deKoe

Happy Birthday, Stadt Land Rock Festival!

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Zum 13. Mal findet 2016 das Stadt-Land-Rock Festival statt. In diesem Jahr gibt es an drei Abenden zwölf Bands und Künstler zu sehen – bei freiem Eintritt.  In den vergangenen Jahren etwa MarieMarie (Foto), die 2011 und 2013 Stimmung machte. Zur Einstimmung ein kleiner Rückblick. 

Wer über das Tollwood schlendert, findet wie jedes Jahr die Stände mit Crepes und Langosch, mit Schmuck und verträumter Hippie-Kleidung, die Skulpturen, die die jährlich neuen Themen des Tollwoods veranschaulichen und den Besucher jedes Mal wieder überraschen. Das alles gehört zum Tollwood – Genau wie die Musik. Schon seit Beginn spielen bekannte Bands auf Münchens beliebtestem Stadtfestival, große Namen sind jedes Jahr vertreten, aber vor allem die jungen Münchner haben seit 13 Jahren auch ein anderes Ziel: Das Stadt-Land-Rock-Festival.

Seit 2004 wird es vom Tollwood und der SZ-Junge-Leute Seite veranstaltet. Damals waren das einfach ein paar kleinere Bands aus München, aber auch von anderswo, die ohne wirkliches Festival-Feeling eher als Begleiterscheinung auf den verschiedenen Bühnen des Tollwood auftraten. Viele der damaligen Bands sagen heute kaum jemandem etwas, und trotzdem lohnt es sich, reinzuhören. Denn als Veranstaltung für junge, aufstrebende Musiker hat das Stadt-Land-Rock schon früh ein Gespür für die richtigen Bands bewiesen, die, genau wie das Festival selbst, einfach ein bisschen Zeit und Unterstützung brauchten, um größer zu werden.

Besonders wenn man sich die Bands der letzten Jahre anschaut, wird man einige davon wieder erkennen. Die Young Chinese Dogs beispielsweise, die man nicht nur auf dem Tollwood, sondern auf so ziemlich jeder Münchner Bühne treffen kann. Die beiden Schwestern von Sweet Lemon, die, obwohl noch sehr jung, dieses Jahr schon zum zweiten Mal das Publikum mit ihrem Mix aus Pop und Blues verzaubern. Oder MarieMarie, die mittlerweile über München hinaus ein bekannter Name ist. „Es war eine tolle Erfahrung auf dem Stadt Land Rock Festival zu spielen und die Stimmung war super“, erinnert sie sich an ihre Auftritte 2011 und 2013.

Genau wie die Szene, die Jugendseite und die Teilnehmer, ist das Stadt Land Rock mit seinen Bands gewachsen. Das Festival hat in der Tollwood tanzbar seinen Platz gefunden und repräsentiert mit dem diesjährigen Programm einen Querschnitt durch die junge Münchner Musik Szene. Es spielen Bands wie Line Walking Elephant, die mit ihrem Alternative-Rock die Fetzen fliegen lassen oder die Folk-Rock-Band The Charles, deren Namen längst keine Unbekannten mehr sind, aber auch Newcomer, wie Paul Kowol oder KLIMT, die sich beide als Solokünstler natürlicherweise ruhiger, aber nicht weniger spannend präsentieren.

Die Zeiten, als noch Umzugskisten voller Demo-CDs den Beginn der Auswahl für das Festival einläuteten, sind vorbei, doch Bewerbungen um auf dem Stadt-Land-Rock zu spielen kommen immer noch genug. Oder sollte man eher sagen jetzt erst Recht? München und seine Musik-Szene sind ein unteilbares Ganzes, und Gelegenheiten für junge Bands gibt es viele. Und doch ist das Festival auf dem Tollwood etwas besonderes geblieben. Weil es gewachsen ist, seinen Platz gefunden hat und weil man nach 13 erfolgreichen Jahren sicher sein kann, dass man den Sprung geschafft hat vom Trend zu einer der fest verankerten Institutionen, ohne die München nicht das wäre, was es ist.

Von: Marina Sprenger

Foto: Käthe Dekoe