Zeichen der Freundschaft: Gemeinsame DNA

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Langjährige Freundschaften entstehen nicht nur in der Schule, der Uni oder dem Sportverein. Unsere Autorin ist das absolute Gegenteil ihrer Cousine, doch derselbe Background und dieselbe Familie schweißen zusammen.

Eigentlich
haben wir nichts gemeinsam, außer unseren Nachnamen. Meine
Cousine Friederike und ich sind so unterschiedlich wie zwei Seiten einer
Medaille. „Friedi“ ist die Vernünftigere, die immer das Angemessene macht, nie
in Fettnäpfchen tritt, immer nett, großzügig, immer pünktlich. Ich, chronisch
unpünktlich, sage, was ich denke, auch wenn ich Menschen vor den Kopf stoße,
urteile, rede meistens zu laut, tanze zu intensiv. Wenn sie Jeans mit Bluse
trägt, trage ich den knallbunten 50er-Rock’n’Roll-Vintage-Rock mit Offshoulder-Shirt. Wenn sie einen leichten Schwips hat, liege ich schon dem nächstbesten in
den Armen.

Unsere Gemeinsamkeiten lassen sich reduzieren auf das gemeinsame Achtel an DNA unseres gemeinsamen Großvaters, das sich irgendwie mit in unser
Erbgut gemischt hat. Trotz dieser Überschneidung könnte man uns aber nicht
ansehen, dass wir verwandt sind. Ihr Gesicht ist schmal, meines rund. Ihre
Augen sind dunkelbraun, meine hellblau. Sie ist schlank, ich neige zu
Rundungen.

Doch der Einfluss eines gemeinsamen Nachnamens ist nicht zu
unterschätzen. Gerstenberg, ein Name aus dem Mittelalter, der deutscher wohl
nicht sein könnte, stolz getragen seit Generationen. Jahrhunderte an
Familientradition sind über unsere Väter, die Brüder sind, indirekt in unsere
Erziehung eingeflossen. Die Disziplin und der Leistungsanspruch, den unser
Großvater an unsere Väter stellte wurde direkt auf uns übertragen. Wenn jemand auf der Welt versteht, warum ich bin, wie ich
bin, dann meine Cousine Friederike.

Die Bande zwischen zwei Cousinen kreieren eine besondere
Freundschaft. Die gemeinsamen Wurzeln und dass man sich kennt, seit man denken
kann, schweißt zusammen. Sie ist meine Weggefährtin, seit ich ihr bei unserer
Oma Ina ihr Spielzeug weggenommen habe. Wir haben fast alle großen Ereignisse,
die es in unserem Leben bisher so gab, miteinander erlebt. Vom ersten schlimmen
Topfhaarschnitt, zum ersten großen Shoppingtrip, von Oma Inas furchtbaren
Weihnachtsgeschenken über unsere Verkleidungen mit Omas Spitzengardinen bis
zur ersten großen Party! Und
so haben wir eine große Gemeinsamkeit: ein geteiltes Leben.

Von: Anne Gerstenberg

Foto: Yunus Hutterer