Band der Woche

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Seit drei Jahren ist Musiker Kris Karsai jetzt mit seiner Band The Black Bars in den Münchner Clubs unterwegs. Und am Samstag, den 16.5., sind sie auf dem Streetlife-Festival zu sehen. 

Kris Karsai hat keine Angst vor den vermeintlichen Tabus der Pop-Welt: Da dürfen Schwäne durch sein Musikvideo um ein verliebtes Paar herumschwirren, da dürfen Gesten beim Singen benutzt werden, die man zuletzt Ende der Neunzigerjahre gesehen hat. Und da darf ganz offen erklärt werden, dass man die Musik liebt und genau und nur deshalb Musik macht. Viel zu verletzlich, viel zu uncool für Elektro-Clubs und Urban-Outfitters ist diese Haltung. Und gleichzeitig inszeniert sich der Münchner Sänger zu wenig spektakulär, um auf die gleiche Stufe zu kommen wie etwa Wanda, diese abgründige österreichische Neuauflage der Spider Murphy Gang oder der Hipster-Schlagersänger Dagobert. Doch zusammen mit seiner Backing-Band The Black Bars (Foto: Moritz Korsch) macht Kris Karsai Musik, die sich auch wunderbar auf der „Bravo-Hits 1998“ gemacht hätte, und die dennoch funktioniert.
Kris hat einen natürlichen Flow, in dem er Worte auf Melodien legt. Das ist eine schöne Grundvoraussetzung. Dazu hat er ein Timbre, das zwar aus dem Soul kommt, er aber seine Stimme nicht in die Fülle presst, sondern ihr eine gelassene Haltung verpasst: Eine hauchige Kopfstimme, eine kratzige Bruststimme, die nicht viel will und ganz im Reinen mit sich wirkt. Und so spielte er sich mit deutschsprachigen Liedern durch sämtliche Clubs Münchens, seit drei Jahren wird er nun von seiner Band dabei unterstützt. Derzeit hält er sich mit seiner EP „Start Stop Repeat“ immer noch im musikalischen Underground Münchens auf, trat etwa im Import-Export oder in der Glockenbachwerkstatt auf. Doch die kommerziellen Radio-Sender strecken mittlerweile ihre Finger nach dieser Musik aus. So erklärte Energy die Musik im vergangenen Jahr zur urbanen Neuauflage von Selig, nun treten sie am Samstag, 16. Mai, auf der Charivari-Bühne auf dem Münchner Streetlife-Festival auf. Und das ist die Welt, in der Karsai funktionieren dürfte – eben gerade, weil er sich weder einer Hipster-Inszenierung unterwirft, noch besonders komplizierte Musik machen will. Doch er will Musik machen, eher noch, als berühmt zu werden. Deshalb gelingt ihm auch dieser zugängliche Mainstream-Pop, der aber weder in die Beliebigkeit, noch in die Eitelkeit kippt.  

Rita Argauer

Foto: Moritz Korsch

Stil: Soul-Pop
Besetzung: Kris Karsai (Gesang), Clemens Becker (Bass), Sebastian Böhme (Gitarre), Philipp Cording (Keyboards), Nick Hermann (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.kriskarsai.de

A Life Divided

Aus der Zeit gefallen: A Life Divided machen Gothic-Pop, der keine aktuellen Trends der Musikszene bedient. Die Münchner Band ist damit dennoch erfolgreich.

Der neuesten Mode entspricht das nicht. Und Trends scheint die Geretsrieder Band A Life Divided auch nicht zu suchen (Foto: Severin Schweiger). Dass sie trotzdem zu den erfolgreicheren Musikgruppen im Raum München gehört, ist dementsprechend erstaunlich. Doch das mag auch daran liegen, dass das Quintett um Sänger Jürgen Plangger eine Subkultur bedient, die trotz der Vermainstreamung von Indie-Musik und alternativem Lebensstil über die Jahre recht autonom geblieben ist. 

Gothic, dunkler Rock mit Metal-Einflüssen, Pathos-schwer und eindeutige Texte – das mag so gar nicht zu dieser mit Ironie getränkten Zeit passen. Doch es gibt ein Publikum für diese Musik, die auch A Life Divided seit mittlerweile seit 12 Jahren spielen. Das merkt man nicht zuletzt am Erfolg von Bands wie Eisbrecher, Deine Lakaien oder eben Unheilig. Letztere werden A Life Divided nun auf großer Hallen-Tournee begleiten und Mitte Mai im Münchner Zenith auftreten. Und dass dieser Herzschmerz-Pop im Gothic-Look eben Hallen wie das Zenith füllt, Chart-Erfolge vorweist und auf den Mainstream-Radiosendern läuft, zeigt erneut, dass es da ein Interesse gibt, das zwar den Trends fern ist, aber dennoch funktioniert. A Life Divided sind dabei die Underdogs des Gothic-Pops. Vier Alben haben sie seit 2003 veröffentlicht und sich mit Radio-Airplays, Festival-Auftritten und Support-Gigs, unter anderem für die Cello-Metallica-Arrangierer Apocalyptica, einen Namen gemacht – der ganz große Erfolg blieb aus, dennoch machten die Musiker, die auch als Gastmusiker bei Szenegrößen wie Lacrimas Profundere spielen, konstant weiter.

Am Freitag, 10. April, erscheint ihr neues Album „Human“ – darauf testen sie den Zusammenklang von Metal-Gitarren, Pop-Melodien, elektronischen Beats und synthetischen Orgel-Ergänzungen. Eine Mischung, die man aus dem Industrial der Neunzigerjahre kennt; die bei A Life Divided allerdings ein bisschen zahmer ausfällt als bei Marilyn Manson oder den Nine Inch Nails.
Und das ist vielleicht auch ein Grund, warum dieser Stil erfolgreich ist – obwohl er weder dem Hipster-Trend entspricht, noch Mainstream-Easy-Listening ist: Eigentlich liegt unter dem etwas düsteren Anstrich ganz klassischer und auch etwas altbackener Radio-Pop. Nur wird dieser eben durch den Gothic- und Metal-Einschlag sanft verkleidet – und befriedigt all diejenigen, denen das Bonbonfarbene des üblichen Bayern-3-Programms zu schönfärberisch ist. Rita Argauer

Stil: Gothic / Pop / Rock
Besetzung: Erik Damköhler (Gitarre/Programming), Jürgen Plangger (Gesang), Korl Fuhrmann (Schlagzeug), Tobi Egger (Bass), Tony Berger (Gitarre)
Aus: Geretsried
Seit: 2003
Internet: www.a-life-divided.de

Konsequence (Pop / Soul)

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Jahr: 2014, Woche: 49

Pop-Band ohne Bandfotos. Heutzutage unmöglich? Nein, denn bei Konsequence, dem neuen Projekt der Hello-Gravity-Truppe, soll nur die Musik im Vordergrund stehen. Und die funktioniert wie ein Soundtrack.

Die Welt sei nicht genug, sang Shirley Holme von Garbage zum gleichnamigen James-Bond-Film in den Neunzigern. Und Nancy Sinatras „My Baby Shot Me Down“ erweckte Tarantinos blutige Braut-Bilder in „Kill Bill“ zu besonderem Leben. Soundtracks haben seit jeher eine spezielle Atmosphäre, weil sie die Fiktionslust ihrer Hörer befriedigen. Der Interpret rückt dabei in den Hintergrund, die Stimmung aus der Kombination mit den Bildern ist ausschlaggebend. Die gerade gegründete Münchner Musikertruppe Konsequence (Foto: Panther Music) versucht nun von Beginn an, Musik zu machen, die eher wie ein Soundtrack denn als Pop-Album funktioniert. Und so die Hochphase der Popmusik mit Referenzen von Michael Jackson bis Beyoncé auferstehen lässt.

Den Pop-Appeal, der so unweigerlich an die ausführenden Personen gekoppelt ist, haben die drei Musiker hinter sich gelassen. Als Mitglieder der Band Hello Gravity, die sich vergangene Woche aufgelöst hat, hatten sie sich in diesem personenbezogenen Pop-Faktor auch weitestgehend ausprobiert. Das neue Projekt Konsequence ist da gegensätzlich angelegt: Die Brüder Mike und Tom Zitzelsberger sowie Simon Popp treten als Musiker zurück. Es wird keine Bandfotos geben, keine Gesichter und keinen Frontmann, die der Musik das in der Popwelt so nötige Identifikationspotenzial geben würden. Dafür aber arbeitet das Trio mit der Kraft von Atmosphäre und Fiktion. Sie schreiben den Kino-Film schon in die Produktion hinein, indem sie als Musikbeschreibung eine Szene wie aus einem alten James-Bond-Film aufreißen und Songs schreiben, die zwischen Funk, Elektro-Beat und Soul ihre Kraft eher in längeren Sequenzen entwickeln als durch eine typische Pop-Struktur. Und so gibt es statt Band-Fotos oder Tanz-Videos also sogenannte Mood-Fotos, die so tun, als seien sie in den frühen Siebzigerjahren in den Vereinigten Staaten entstanden und die sich mit dem längst vergangenen Glanz der frühen Disco-Ära zu dem gerade immer noch angesagten Retro-Schick verbinden. Dazu tönt die Musik, die eben auch ein wenig rückwärtsgewandt klingt, aber so modern produziert ist, dass die Beats auch für heutige Ohren durchaus grooven.

Am vergangenen Freitag haben sie ihre ersten beiden Tracks veröffentlicht, nun planen sie eine EP, die sie auf ihrem eigens dafür gegründeten Label veröffentlichen wollen. Dafür arbeiten sie mit diversen Musikern zusammen, unter anderem auch mit Tahnee Matthiessen, Sängerin der Münchner Band Luko. Rita Argauer

Stil: Pop / Soul
Besetzung: Mike Zitzelsberger, Tom Zitzelsberger, Simon Popp (Produktion), diverse Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2014
Internet: soundcloud.com/konsequencemusic

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Miriam Green (Jazz / Pop / Klassik)

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Jahr: 2014, Woche: 44

Sie studiert Oboe und präsentiert nun ihre ganz eigene Popmusik. Zusammen mit Katja Khodos am Klavier schafft Miriam Green Lieder, die teilweise nach einer zeitgenössischen Variante des Kunstlieds klingen.

Um ein klassisches Instrument auf Orchester-Niveau spielen zu können, verlangt es Musikalität und Interesse. Aber vor allem muss die Liebe zu dem Instrument so stark sein, dass der Großteil der Freizeit mit dem Üben verbracht werden kann. So auch bei Miriam Ströher, die sich als Musikerin Miriam Green (Foto: Dominik Engelmann) nennt. Ihr Weg von der Klassik zum Pop verwundert nicht. Sie habe angefangen, Popsongs zu schreiben, erzählt sie, als sie mitten in der Nacht in der Münchner Musikhochschule war und zu müde gewesen sei, um noch weiter Oboe zu üben. Dieses seltsam quakende Instrument, das auch heutzutage in kaum einem anderen Genre als in den klassischen Orchesterwerken vorkommt, studiert die Musikerin.

Eigentlich hat sie schon immer Songs geschrieben. Nur habe die Klassik immer im Vordergrund gestanden – erst während des Studiums traute sich die Musikerin mit ihrer eigenen Musik heraus. Doch richtige Popsongs sind das eigentlich auch nicht. Zusammen mit ihrer Kommilitonin Katja Khodos am Klavier schafft Miriam Lieder, die teilweise nach einer zeitgenössischen Variante des Kunstlieds klingen oder jazzig-groovend an die frühe Fiona Apple erinnern. Musiker-Profis, die ihr ab und an ein Schlagzeug oder einen Bass dazu einspielen, die finden sich an der Uni genug – live tritt sie derzeit zusammen mit Katja am Klavier auf. Am Anfang hat Miriam ihre Songs selbst produziert; hat mit dem E-Piano aufgenommen und Schlagzeug- und Bass-Samples dazu gebaut. „Dafür habe ich mich total geschämt“, sagt sie, da spricht die Klassikerin aus ihr, denn sie mag synthetische Instrumente überhaupt nicht. Mittlerweile hat sie mit ihren Hochschulkollegen eine EP aufgenommen, die im Dezember erscheinen soll.

Miriam hat eine weiche Stimme, textet mal auf Englisch, mal auf Deutsch. Und mal klingen die Songs mehr nach Songwriter-Pop, mal mehr nach Vocal-Jazz. Doch am Auffälligsten ist Miriams Umgang mit musikalischen Strukturen. Die sind nämlich weit entfernt von dem, was der Pop so bereit hält. Ihre Art, aus Text ein Musikstück zu schaffen, erinnert mehr an das klassische Kunstlied, etwa in dem Stück „Ganz vielleicht“. Der Text wird weich von Katjas Klavier umhüllt, scheint kein Ziel zu verfolgen und verliert sich dennoch nicht – später kommt darin auch noch die Oboe zum Einsatz. Noch eine Seltenheit, die sich Miriam in nächster Zeit aber öfter trauen will, um Ausdrucksformen für ihr im Pop völlig untypisches Hauptinstrument zu finden. Rita Argauer

Stil: Jazz / Pop / Klassik
Besetzung: Miriam Ströher (Gesang, Komposition, Oboe), Katja Khodos (Klavier), wechselnde Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2014
Internet: www.miriamgreen.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Bitte noch einmal „Atemlos“

Über 40 Leute sind zur ersten Probe des Chors „Anchora“ aus Freising gekommen. Im Programm hat der Jazz- und Pop-Chor unter anderem Lieder von den Backstreet Boys und den Monday Tramps. Ein Interview mit dem Chorleiter Lukas Maier.

Freising – Lukas Maier, 23, hat gemeinsam mit Mimi Neumair, 24, vor einem Jahr in Freising das junge Chor-Projekt „Anchora“ ins Leben gerufen. Er arrangiert die Stücke und sitzt am Klavier, sie dirigiert. Das Konzept ist einfach, der Andrang jedoch so groß, dass die beiden Musik-Lehramtsstudenten sich inzwischen zu einem Aufnahmestopp gezwungen sehen.

SZ: Ihr leitet einen kostenlosen Chor für junge Menschen – eigentlich nichts Ungewöhnliches. Wie erklärt ihr euch den riesigen Ansturm?
Lukas Maier: Ganz ehrlich: Wir können uns das selbst nicht erklären. Die erste Probe haben wir nur über Facebook angekündigt, und es kamen schon 40 Leute. Und von Woche zu Woche wurden es mehr. Bei 100 Mitgliedern mussten wir irgendwann sagen: Okay, piano, mehr geht nicht.

Was bringt all diese Menschen zu euch?
Die meisten unserer Mitglieder haben das musische Gymnasium in Freising besucht, an dem wir beide unseren Abschluss gemacht haben. Das sind Menschen, die neun Jahre lang Musik als Hauptfach hatten.

… und dann nach dem Abschluss plötzlich nicht mehr musizieren?
Genau. Mimi und ich haben nach dem Abitur an der Schule als Assistenz für die Chorwochen gearbeitet und kennen deshalb Ehemalige aus ganz verschiedenen Jahrgängen. Bei einigen habe ich mir gedacht, dass sie später Musik zum Beruf machen würden. Aber viele studieren jetzt etwas ganz anderes, kommen nicht mehr zum Singen oder finden einfach nicht den Chor, der sie anspricht.

Und ihr wollt diese Lücke schließen.
Als Chor-Assistenz konnten wir beide viel Erfahrung sammeln. Das hat uns das Selbstbewusstsein gegeben zu sagen: Okay, jetzt probieren wir es.

Was ist bei euch so anders als an anderen Chören?
Viele Mitglieder sagen, es sei viel ansprechender, wenn Menschen im eigenen Alter den Chor leiten – professionell, aber auch locker – und sich jeder direkt mit einbringen kann. Ich kann die allgemeine Stimmung bei den Proben aufgreifen und Arrangements nach Geschmack des Chores umsetzen. So kam es auch dazu, dass ich mich irgendwann der Mehrheit gebeugt habe und „Atemlos“ von Helene Fischer arrangiert habe.

Wirklich? Die wollen allen Ernstes Helene Fischer singen?
Ja, das liebt der Chor. Ich werde nicht zulassen, dass wir das in unser nächstes Konzert einbauen, das ist für mich als Musiker zu demütigend. Aber das ist immer das Zuckerl am Ende der Proben: „Dürfen wir noch einmal Helene Fischer rocken?“ – „Ja, okay …“

Wie sieht euer Repertoire abseits von Helene Fischer aus?
Wir sind ein Jazz- und Popchor. Bei unserem ersten Konzert haben wir zum Beispiel Backstreet Boys, den Pokémon-Titelsong und das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ in komplett neuer Fassung gesungen – aber auch ein Arrangement der Münchner Band Monday Tramps.

Interview: Susanne Krause

Pour Elise (Songwriter-Jazz-Pop)

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Jahr: 2014, Woche: 43

Pop-Harmonik verbindet die Musik von Pour Elise mit Jazz- und Soul-Einflüssen. Henny Gröblehner stellt sich mit ihrer Band der Herausforderung, Wohlfühlmusik zu machen, ohne belanglos zu klingen.

Ein richtiges Schimpfwort ist das geworden: Wohlfühlmusik. Doch die Kunst, Musik zu machen, die schmeichelnd weich um die Ohren fließt, ohne in der Belanglosigkeit zu verschwinden, ist eine Herausforderung. Die Münchner Songwriterin Henny Gröblehner stellt sich dieser – und seit sie ihre Musik mit der Stimme ihrer Schwester Johanna und einer Band verstärkt, gelingt ihr das.

Pour Elise (Foto: Finn Fado) nennt sie sich und ihre Band. Eine Anspielung auf das wohl berühmteste Halbtonthema der Klavierliteratur. Doch bei Henny ist das kein Einschmeichel-Versuch beim Klassik-Publikum. Ihr zweiter Vorname ist Elise – und ihre Eltern (beide Berufsmusiker) haben sie tatsächlich nach Beethovens bekanntem Klavierstück benannt. Und das Klavier ist auch ihr Instrument, doch da hört es dann auch schon wieder auf mit dem Klassik-Bezug – obwohl Henny natürlich klassischen Unterricht gehabt hat.

In ihrer Musik verbindet sie eher bekannte Pop-Harmonik mit Jazz- und Soul-Einflüssen. Leicht und ohne Druck spielt die Band dazu – aufrütteln tut das nicht, doch die Spannung liegt in den Details des Arrangements, die die Band davor bewahren, zu eindimensional zu klingen. Etwas, das auch am zweistimmigen Gesang der beiden Schwestern Johanna und Henny liegen mag – eine stimmliche Zusammenkunft, der anzuhören ist, dass die Schwestern schon als Kinder zusammen gesungen haben, so nah sind sich die beiden Stimmen. Die loungige Lässigkeit ihrer Songs erinnert dabei ein wenig an die Jazz-Popperin Norah Jones, doch die Musik trägt den Indie-Geist des Schwestern-Duos First Aid Kit in sich. Eine Leichtfüßigkeit, die auch der Banderfahrung ihrer Mitmusiker geschuldet sein dürfte, die sowohl bei der Retro-Rock-Band Famous Naked Gipsy Circus als auch bei dem experimentellen Trio L’egojazz gespielt haben.

Nun steht die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums an. Zehn Songs sind es geworden, die von Gitarre, Bass, Schlagzeug und ab und an auch einer Geige begleitet werden. Am Donnerstag, 23. Oktober, stellen sie das Album live im Münchner Milla-Club vor. Rita Argauer

Stil: Songwriter-Jazz-Pop
Besetzung: Henny Gröblehner (Gesang, Gitarre, Klavier), Johanna Gröblehner (Gesang, Geige), Sebastian Böhme (Gitarre), Johannes Oberquer (Bass), Guido Kudielka (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.pour-elise.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Blackout Problems (Pop / Folk / Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 06

Die Band Blackout Problems protestiert mit ihren Songs. Im vergangenen Jahr reduzierten sie ihren vorherigen Alternativrock auf einen Pop zwischen Folk und Rock – und knüpfen gleichzeitig inhaltlich an das Weltverbesserertum von Woodstock an.

Kriegsmetaphern gegen den Krieg. Paradox ist das: „A protest against loaded guns“ heißt es in der Strophe von „Hope“, die in einen hymnischen Refrain führt, in dem die Münchner Band Blackout Problems (Foto: Birgit Burchart) schließlich fröhlich „And we’ll keep fighting and fighting“ singt. Doch irgendwo ist so viel Neo-Revoluzzertum auch etwas Schönes.

Wann gab es denn bitte die letzten ernst gemeinten Protestsongs? Jedenfalls nicht, als die Musikzeitschrift Spex im vergangenen Jahr zu ihrem eher albernen Protestsong-Contest aufrief. Doch die Blackout Problems halten sich da textlich eher an die großen Vorbilder aus den Sechzigern, sie haben ein Thema, gegen das sie ansingen. Und das kommt an, schließlich spielten sie 2013 größere Festivals wie das „Open Flair“ oder das „Frequency Festival“ und bahnen ihren Weg konsequent aus München hinaus. „Wir spielen Konzerte in Deutschland und Österreich“, sagt Gitarrist und Sänger Mario Radetzky; auch in der Schweiz, Italien, Tschechien und England waren sie schon, und auf einer zweiwöchigen Tour durch Russland und die Ukraine. Mit diesem Portfolio wartet das Trio auf, das man in Münchens sich um sich selbst drehender Szene bisher noch gar nicht bemerkt hatte. Sie begleiteten schon 2012 die Emil Bulls auf deren Tour und veröffentlichten das Album „Life“, das im Folgenden die Onlineleser-Charts der Musikzeitschrift Visions anführte.

Der damals noch druckvoll besetzte Alternativrock wurde auf der im vergangenen Jahr im Eigenverlag erschienenen EP „Twentyfourseven“ auf eine Akustikbesetzung heruntergebrochen. Der hymnische Impetus aber blieb. Pop zwischen Folk und Rock – und Musik, die eine zeitgemäße Übersetzung des Weltverbesserertums und der Zugänglichkeit der Woodstock-Musik ist. Nun erscheint eine Neuauflage dieser Single „Hope“, für deren Produktion sich Christoph von Freydorf, Sänger der Emil Bulls, verantwortlich zeigte. Rita Argauer

Stil: Pop-Folk
Besetzung: Marcus Schwarzbach: Bass, Gesang; Mario Radetzky: Gitarre, Gesang; Michael Dreilich: Schlagzeug.
Aus: München
Seit: 2008
Internet: www.facebook.com/blackoutproblems, www.blackout-problems.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Roda Soft (Songwriter / Klassik / Pop)

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Songwriterinnen gibt es viele München. Veronika Märkl und ihre Band Roda Soft sticht aus dieser Masse heraus – die Musik wird einzig von Streichern begleitet.

In Fiona Apples „Not about Love“ klingen die Streicher nach einem Schlagzeug. Beim Wiener Duo Das Trojanische Pferd tut das Cello gerne so, als sei es eine verzerrte Gitarre. Und generell ist eine Bratsche einem Synthesizer gar nicht so unähnlich – immerhin produzieren beide stehende Töne, von den vielfältigen Klangmöglichkeiten der Streicher mal ganz abgesehen. Für Veronika Märkl ist von Beginn an klar gewesen, dass ihre Musik von Streichern begleitet wird. Das ist erst einmal nicht das übliche Vorgehen von Songwriterinnen, die nach einem Arrangement mit einer Band suchen. Eine Geige, ja, das hört man in manchen Besetzungen. Aber ausschließlich Streicher, als Quartett, als Trio oder auch mal als Mini-Orchester mit zehn Musikern, heben Roda Soft (Foto: Moni Ehlscheidt) heraus aus Münchens Band-Landschaft.

„Wir kommen alle aus der Klassik“, erklärt Veronika, obwohl sie als Einzige das Geige-Spielen schon früh wieder aufgegeben hat. Dafür hat sie dann begonnen, eigene Songs zu schreiben, auf der Akustik-Gitarre oder dem Klavier. Als sie die Bratschistin Johanna Hetzler – eine alte Schulfreundin – wieder traf, begannen sie, Veronikas Songs mit dem Streichinstrument zu arrangieren. Gerade arbeiten sie an einem ersten Album. Roda Soft spielen oft hochemotionale Balladen, die in dem Klang aus Cello, Geige und Bratsche ihr perfektes Pendant finden. Wenn aber in manchen Songs, in balkanesk swingenden Klängen Veronika mehr mit ihrer Stimme wagt zu experimentieren, wenn die Streicher in ihrer Dominanz zurücktreten, kommt ein Song heraus, der außergewöhnlich klingt. Die Veröffentlichung des Albums ist fürs Frühjahr geplant, gerade haben sie das Video zur ersten Single ins Netz gestellt.

Stil: Songwriter / Klassik / Pop.

Besetzung: Veronika Märkl: Komposition, Gesang, Gitarre, Klavier; Johanna Hetzler: Viola; Sabine Ehlscheidt: Viola; Patrick Burkhardt: Violoncello; Moni Ehlscheidt: Gesang, Violine; Nina Laubenthal: Gesang; Andrea Lohwieser: Klavier.

Aus: München.

Seit: 2012.

Von Rita Argauer

Phonoboy (Pop)

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Phonoboy ist das Musikprojekt von Multiinstrumentalist Christian Höck. Erlaubt ist dabei, was neu und aufregend klingt – ganz egal ob Punk, New Wave oder Elektronica, ob mit französischen oder englischen Texten.

Frankreich als Sehnsuchtsort. Christian Höck, der in Frankreich geborene und in Deutschland aufgewachsene Produzent, gab sich dieser Liebäugelei früh hin und richtete sein Musikprojekt Phonoboy (Foto: Frédérique Guillard) ganz nach Westen aus. Es folgte mit „C’est ma vie“ ein Clubhit auf einem Debüt-Album, das zwischen blau-weiß gestreiftem Bretagne-Schick und 70er Jahre Disko-Arrangements schwankte. In den vergangenen Jahre wurde es dann ruhiger um die Gruppe, Bassistin Nina Kränsel zog nach Berlin und verfeinerte ihr Solo-Projekt „Uh-Oh“, während Christian sich auf sein hauseigenes Studio konzentrierte.

Dort ist auch „Obsession“ entstanden, das vierte offizielle Album, das am Freitag, den 27. September, im Münchner Atomic Café vorgestellt wird. Doch mit der strengen Frankreich-Besessenheit wird darauf nun gebrochen. So finden sich nur noch zwei französischsprachige Songs darauf, der Rest ist Englisch. Der Stil zwischen Disko-Bass und swingend-nostalgischen Klavier- und Bläsersätzen ist jedoch geblieben. Auf dem Album-Cover wird einem klar gemacht, dass die Obsession, die Leidenschaft nun mehr der Musik an sich und weniger dem französischen Lebensgefühl gilt: Ein Paar Kopfhörer bedecken notdürftig eine weibliche Brust. Doch das Spiel mit der Trash-Ästhetik ist bereits bekannt, nicht zuletzt durch die ebenfalls Frankreich-affinen und provokant lasziven „Stereo Total“, die die Sache allerdings noch ein wenig ironischer angehen. Mit Fredo konnte Christian auch eine neue Gastsängerin gewinnen: die Französin würzt etwa den Song „Le gendarme éléctronique“ durch hauchendes Sprechsingen.

Dass Pop immer dann besonders gut funktioniert, wenn ein so eindeutiges Lebensgefühl verkauft wird, hat Phonoboy verstanden und dementsprechend ist das eine Platte geworden, die es leicht macht, dem Alltag zu entfliehen, aber durch die gut klingende Produktion und die treibenden Bass-Linien einen frischen Bezug zur Gegenwart erhält.

Stil: Pop
Besetzung: Christian Höck (Produktion, Songwriting); diverse Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2003
Internet: www.phonoboy.de

Von Rita Argauer

Manhattan Project (Pop-Rock)

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Jahr: 2013, Woche: 29

Der Sänger und Bassist der Band Manhattan Project (Foto: Lara Freiburger) bewarb sich alleine beim KJR-Bandwettbewerb „Running for the Best“. Erst nach der Bewerbung wurde die Band gegründet.

Am Anfang waren sie ein Phantom. Eine Band ohne Band. Musik ohne Zuordnung. Patrick Denhofer, Sänger und Bassist bei Manhattan Project nahm alleine einen Song auf und sendete ihn beim KJR-Bandwettbewerb „Running for the Best“ ein. Nicht einmal ein Jahr später werden sie nun am Samstag, 20. Juli, das Oben-Ohne-Festival auf dem Münchner Königsplatz eröffnen und sich die Bühne mit Prinz Pi und Edgar Wasser teilen.

Erst als Patrick nach seiner Bewerbung die Einladung zu dem Wettbewerb bekam, fing er an, Musiker zu rekrutieren: Gitarrist Klaus Stelzer und Schlagzeuger Michael Mögele. „Der Hardrock, den ich früher gemacht habe, hat nicht so gut zu uns gepasst“, erklärt Patrick, deshalb schreiben sie jetzt ganz versöhnliche Pop-Rock-Songs. Die Stimme Patricks ist glatt, die Gitarren sind leicht verzerrt, das Schlagzeug ist treibend, aber nicht zu laut. So ist das Grenzwertigste der Truppe wohl der Bandname: Unter dem Titel Manhattan Project liefen die US-amerikanischen Forschungen an der Atombombe.

Doch ihre Musik kommt an – den Wettbewerb haben sie gewonnen und die Zusage für den Gig beim Oben-Ohne-Festival hatten sie noch vor dem Sieg bekommen. Dass die Musik gehört wird, sei im Moment noch das Wichtigste für sie, sagt Patrick. Deshalb bieten sie ihre EP, die – ganz auf die Schnelle – im Winter entstanden ist, im Internet unter www.manhattanprojectband.de zum freien Download an. Rita Argauer

Stil: Pop-Rock.
Besetzung: Patrick Dendorfer: Gesang, Bass; Klaus Stelzer: Gesang, Gitarre; Michael Mögele: Schlagzeug.
Aus: München.
Seit: 2012.
Internet: www.manhattanprojectband.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.