Neuland: Politische Podiumsdiskussion

image

Von jungen Menschen für junge Menschen:
Philomena Poetis

veranstaltet eine politische Podiumsdiskussion. Die jüngsten Münchner Kandidaten verschiedener Parteien für den nächsten Bundestag sollen sich einen Schlagabtausch liefern.

Junge Erwachsene werden oft mit dem Vorurteil konfrontiert, sich kaum für Politik zu interessieren. Philomena Poetis möchte sich dem angeblichen Phänomen der Politikverdrossenheit unter jungen Menschen stellen.

Als Initiative der „Global Shapers Munich“ und in
Kooperation mit dem CDTM  

veranstaltet die 27-jährige Münchnerin am kommenden Donnerstag, 14. September, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Deine Wahl“.

Von 19.30 Uhr an liefern sich die jüngsten Münchner Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien für den nächsten Bundestag einen Schlagabtausch. „Wir haben alle Parteien eingeladen, die derzeit über fünf Prozent liegen“, sagt Veranstalterin Philomena Poetis. „Uns ist wichtig, dass junge Menschen die Möglichkeit bekommen zu erfahren, für welche Werte die verschiedenen Parteien einstehen. Die Veranstaltung richtet sich besonders an Erstwähler aus Berufsschulen, Universitäten und Hochschulen“, erklärt sie.

Alle Gäste sollen an dem Abend zusätzlich die Möglichkeit bekommen, Fragen aus dem Publikum an die Kandidaten zu stellen und in einem Gespräch Antworten erhalten. Eine interaktive Diskussion soll entstehen.

 

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Stephanie Girard

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Michael Mauder

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Michael Mauder.

“Wer nicht wählen geht, lässt Andere seine
Vertretung der nächsten vier Jahre bestimmen. Diese Entscheidung darf man nicht
Populisten und Protestwählern überlassen, sondern muss sich ihr selbst
stellen.”

– Michael Mauder, Comedian

„Wir sind die neuen Alten“

John Christopher Lack animiert mit seinem Song “Deine Stimme zählt” zum Wählen.
Ein Gespräch über Politikverdrossenheit, den Umgang mit anderen
Meinungen und den Zusammenhang von Kunst und Politik, gerade jetzt vor
der Bundestagswahl:

Sein Song beginnt groovig und hört sich nach Gute-Laune-Musik an. Das Lied und das zugehörige Musikvideo von John Christopher Lack, Student der Kulturwirtschaft in Passau, der sich selbst „Topher“ nennt, klingen zuerst nach „Love, Peace and Happiness“: Ein junger Mann mit Hippie-Attitüde, Bart und zusammen gebundenem Haar fährt mit seiner umgeschnallten Gitarre Fahrrad. Eine Gruppe gut gelaunter Jugendlicher begleitet ihn bei seinem Sprechgesang. Hinter Tophers Lied steckt jedoch mehr als bloße Unterhaltung. Der Titel des Liedes ist auch sein Programm. „Deine Stimme zählt“ nennt sich der Song des 21-jährigen Münchners. Er soll junge Menschen zum Wählen animieren. Ein Gespräch über Politikverdrossenheit, den Umgang mit anderen Meinungen und den Zusammenhang von Kunst und Politik, gerade jetzt vor der Bundestagswahl.

SZ: Andere Singer-Songwriter schreiben Lieder über Partyexzesse und Herzschmerz, du über Politik. Warum?
John Christopher Lack: Ich mache auch Songs zu anderen Themen. Liebe spielt da immer eine große Rolle, auch gute Abende mit Freunden, Feierei oder Schlagsahne. Auch Mal Dinge, die wenig Sinn machen. Dennoch mache ich gerne Musik, die zum Denken und Handeln anstößt.

Du möchtest junge Menschen zum Wählen auffordern. Wieso mit Musik?
Musik ist meine Sprache. Andere Menschen drücken sich durch Kunst oder Texte aus. Musik ist ein prima Mittel, um gerade junge Menschen anzusprechen.

Wirklich? Mit Zeilen wie: „Weg von später und nie, entflieh der Lethargie“ oder „Lassen wir Rechts-Populisten und Faschisten in die Parlamente rein? – Nein!“ Wie ist denn dieses Lied entstanden?Gar nicht direkt für die Bundestagswahl jetzt, sondern ich wollte grundsätzlich an jeden appellieren, an sich und seine Ideen zu glauben und sich auch einzumischen, denn es ist doch einfach so: Jede Stimme zählt.

Und wie kam es zu dem Video?
Im März war ich bei einer Jugendleiterfortbildung und habe dort meinen Song am Lagerfeuer gespielt. Eine junge Frau hat mir vorgeschlagen, mich bei dem Bundesjugendring zu melden. Die veranstalten immer die U-18 Wahlen. Das habe ich getan. Es folgte eine Aufnahme im Tonstudio und der Videodreh.

Wieso sollten deiner Meinung nach gerade junge Menschen wählen gehen?
Dazu fällt mir dieser Spruch ein: „Die Alten meinen, dass mit ihnen die Welt aufhört, und die Jungen, dass sie mit ihnen beginnt.“ Wenn aber eines von beiden fehlt, entsteht ein Ungleichgewicht. Schließlich sind wir die neuen Alten. Man sollte nie seinen Optimismus verlieren und denken, man sei gegenüber dem Leid der Welt völlig ohnmächtig. Schließlich kann man sich zumindest mit einem Kreuzchen politisch engagieren.

Reicht das aus?
Wählen zu gehen, das ist für mich das Mindestmaß an Dankbarkeit dafür, dass wir in einer Demokratie leben dürfen. Allerdings gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren.

Der Jugend ist Politik angeblich egal.
In meinem eigenen Umfeld sind viele engagierte Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen. Allerdings gilt das nicht für jeden. Oft bekomme ich auch das Gegenteil mit, Menschen, die sich mehr Gedanken um ihre Kleidung machen als darüber, wie es den Menschen in ihrer Nachbarschaft geht. Viele junge Leute nutzen ihre Stimme nicht, da ist schon was dran.

Woran liegt das deiner Meinung nach?
Ich denke, dass Politik für viele Menschen einfach unsexy ist. Wenn die Thematik aber gut aufgearbeitet wird, zum Beispiel durch ein künstlerisches Projekt, dann fängt man an, sich darüber Gedanken zu machen und es wird cool. Ein anderer Punkt ist mit Sicherheit die Tatsache, dass in den Augen vieler Leute die Versprechen der Politik zu langsam umgesetzt werden. Dann denkt man: Lass mal die da oben machen!

Wie gehst du mit politischen Meinungen um, die deiner eigenen widersprechen?
Man kann niemandem das Wort verbieten. Wichtig ist, sich nicht vor den Meinungen anderer Menschen zu verschließen. Man sollte nie pauschal abstempeln. Die Konfrontation und das Gespräch sind wichtig, auch wenn man am Ende nach wie vor mit unterschiedlichen Meinungen auseinander geht. Es sollte auch möglich sein, dem Gegenüber mit guten Argumenten entgegen zu kommen, anstatt mit polemischen Parolen.

Hast du darüber nachgedacht, deinen Song aus Werbezwecken an eine Partei zu verkaufen?
Ich möchte mich zwar politisch positionieren, allerdings ohne Parteifarbe zu bekennen. Der Grundgedanke ist: Demokratie stärken und schützen. Dieses Ziel verfolgen viele etablierte Parteien.

Das Musikvideo sieht dennoch so aus, als könnte es eine Werbekampagne sein.
Es entstand in einer Kooperation mit dem Deutschen Bundesjugendring und „jup! Berlin.“ Die beiden Organisationen haben mich finanziell unterstützt.

Und wie waren die Rückmeldungen bislang?
Auf Facebook hat das Video mittlerweile mehr als 16 000 Aufrufe. In den Kommentaren habe ich durchgehend viel Positives gelesen. Menschen haben sich verstanden gefühlt und mich und die Botschaft des Projekts unterstützt.

Interview: Anastasia Trenkler

Foto: Patrice Grosskreuz

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Liva Kerp

image

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Liva Kerp.

“Warum sollten Jugendliche sich für Politik interessieren, wenn sie erst ab 18 Jahren wählen dürfen und teilweise
sogar schon 21 Jahre alt sind bevor sie das erste Mal eine Wahlurne sehen?
Deshalb ist für mich Demokratie auch, dass man über das Thema „Wählen ab 16
Jahren“ diskutiert. So würden sich mit Sicherheit mehr Jugendliche für die
Politik und mit der Wahl beschäftigen. Jede Wahl entscheidet über unsere
Zukunft, deshalb glaube ich auch, dass auch viele in meinem Alter darüber
mitentscheiden würden wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Also wenn ich
wählen dürfte, dann würde ich diese Chance auf alle Fälle nutzen.“

– Liva Kerp, Bloggerin

Foto:

Anna-Elena Knerich

Zeichen der Freundschaft: Logik, Wein und Utopie

Einen Weinkenner im Freundeskreis zu haben, das ist eine klasse Sache. Wenn dieser Freund auch noch Menschenkenner ist, dann umso besser. Unsere Autorin erzählt über Hass-Liebe-Freundschaften und logische Lösungsansätze für Utopien.

Irgendwann um fünf Uhr morgens fahren wir rechts ran.
„Herzerle, wir sind da. Gehört der Bub‘ da zu dir?“ Ich sprinte bis nach vorne
zum Fahrersitz. „Na Gott sei Dank“, rufe ich erleichtert und bedanke mich bei
meinen Busfahrern für die Fahrt. Nach meinem Fauxpas an der kroatischen
Grenze, einem sechzehn stündigen Aufenthalt in Slowenien und der endgültigen Heimfahrt
zurück nach Bayern, stehe ich nun in Hippie-Hose, ungeschminkt an einer
Raststätte kurz vor Rosenheim. Jean nimmt mich in den Arm, drückt mir einen
großen Cappuccino mit Sojamilch in die Hand, lässt sich vom Busfahrer meinen
Koffer überreichen und wir steigen zusammen ins Auto.

„Nun ja, nicht die beste Reise deines Lebens Anastasia. Aber
hey, du kannst eine gute Geschichte mehr erzählen“, scherzt Jean. “Ganz ehrlich? Ich glaube, dass es irgendeinen Grund gibt, weshalb das schief ging. Das wäre sonst einfach nur unlogisch.” Ich muss ihm Recht geben. Auch wenn ich mich selbst nicht auf Logik berufen will, eine gute Geschichte ist es auf jeden Fall. Und mit Sicherheit gibt es einen Grund für meinen gescheiterten Kroatien-Trip. Dennoch bin ich gerade zu müde, um darüber nachzudenken weshalb ich gerade einen halben Tag in einem schäbigen, slowenischen Motel verbringen musste. „Du hast Recht“, sage
ich, „auf eine Woche Partyurlaub hatte ich sowieso wenig Lust. Wie wäre es
stattdessen mit ‘nem Weinabend kommende Woche?“

Gesagt, getan. Der Begriff „Weinabend“, klingt in vielen
Ohren nach Alte-Leute-Spaß, nach etwas, das meinen Eltern gut gefallen könnte.
Allerdings steckt dahinter gar nicht so viel mehr, als Grillen mit Freunden und
eben viel guter Wein. Damit kennt sich Jean nämlich aus. Er würde niemals
irgendeinen Billig-Fussel trinken. Wir beide bevorzugen Rotwein. Trocken,
versteht sich. Diese Abende enden jedes Mal sehr ähnlich: Hitzige Diskussionen
über Politik und Tierhaltung, gespickt mit den immer gleichen und dennoch
lustigen Anekdoten aus der gemeinsamen Oberstufenzeit.

Wie diese Hass-Liebe-Freundschaft zwischen Jean und mir
begonnen hat, das wissen wir beide auch nicht mehr so genau. Auch sonst niemand aus dem Freundeskreis, noch nicht einmal seine Freundin Lotte, meine
Kippen-Kaffee-Kränzchen-Partnerin, kann sich daran erinnern oder sich diese Freundschaft erklären. Witzes halber behaupten
wir oft, uns gar nicht zu mögen. Schließlich gehen wir uns eh ständig auf die
Nerven und mit unseren Albernheiten auch vielen anderen Leuten.

Desto später der Abend, desto müder die Gäste. Lotte
verabschiedet sich mit einem Kuss von ihrem Freund und ich nehme sie noch einmal
fest in den Arm. Schließlich bleiben nur noch Jean und ich tapfer sitzen und
trinken ein letztes Glas Rotwein. Während ich von meiner Vorstellung einer
utopisch-guten, sozialien Welt erzähle, er über meine Naivität lachend
den Kopf schüttelt und wir beide uns fragen, wo wir und unsere Freunde in etwa
zwanzig Jahren stehen, fällt mir mal wieder auf, wie gut er mich kennt. Ich
erzähle nie zu viel, zumindest nicht, wenn’s um die wichtigen Dinge geht. Ich
bin kein offenes Buch und manchmal gar nicht so leicht zu ertragen. Allerdings ist Jean nicht nur Wein- sondern auch Menschenkenner. Ich brauche nie viel zu reden,
er versteht mich auch so. Jean weiß immer den einzig logischen Weg, der mich zu den Antworten auf meine Fragen führt. Weil ich aber kein großer Freund von Logik bin, vertraue ich viel lieber auf seine Fähigkeiten als Weinkenner. Das kann manchmal ebenso gut helfen wie logisches Denken und erschafft zusätzlich bunte Utopie-Bilder in unseren Köpfen.

Text: Anastasia Trenkler

Foto:
Yunus Hutterer

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Alex Döring

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Alex Döring.

„Ich
bin kein Fan davon, Nichtwähler grundsätzlich zu verurteilen und als
kurzsichtig, fahrlässig oder desinteressiert zu bezeichnen. Nichtwählen kann
durchaus eine legitime Protestform sein. Trotzdem glaube ich, dass eine
Protest-Nicht-Wahl weniger bewirkt als eine Protest-Wahl.“

Alex Döring, Comedian

Foto: Jean-Marc Turmes

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Julio Pires

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit Julio Pires.

“Nichtwählen heißt
"weiter so”. Brexit, Polen, Ungarn dürfen uns nicht kaltlassen –
Europa braucht Visionen, statt alter Leute, die nur reagieren. Klimapolitik
statt Dieselgate. Sich heute engagieren, wählen gehen, statt morgen nur
beschweren. #future"

Julio Ramos Pires,
Vorstandsmitglied der Münchener Gesellschaft zur Förderung akademischer
Simulationen e.V, Mitglied der Projektgruppe National Model United Nations

Foto:

H. Pires

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Sophie Hemmer

image

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig ist, wählen zu gehen. Heute mit

Sophie Hemmer, Vorsitzende des Jungen
Forums der Gesellschaft für Außenpolitik

“In 40% der Länder unserer Erde herrscht
immer noch keine parlamentarische Demokratie. Gerade die Jugend dieser Staaten
sehnt sich nach freien Wahlen. Nutze dein Wahlprivileg in Deutschland und
bestimme mit, wer uns zukünftig in der Welt repräsentieren wird.” – Sophie Hemmer, Vorsitzende des Jungen
Forums der Gesellschaft für Außenpolitik

Foto: Matthias
Rüby

Mein Freund Cem


Livia Kerp ist mit ihren 15 Jahren wahrscheinlich die Jüngste der großen Münchner Bloggerszene. Sie berichtet
nicht mehr über Nagellacke – sie schreibt über politische Themen: aus Sicht einer Jugendlichen.

Livia Kerp ist klein, trägt ein bodenlanges Jerseykleid und hat ihre blonden Haare zu einem Half Bun gebunden, wie es zurzeit Trend ist. Eigentlich sieht sie aus, wie Achtklässlerinnen eben aussehen. Doch in ihrer Handtasche trägt sie außer den Schulbüchern auch einen kleinen Laptop, damit sie überall schreiben kann. Denn Livia ist Bloggerin – mit ihren 15 Jahren wahrscheinlich die jüngste der großen Münchner Bloggerszene – und schon ziemlich erfolgreich: Im Mai war sie für den Isarnetz Blog Award 2017 nominiert und innerhalb von nur zwei Jahren wurde „Livias Life Is Style Blog“ mehr als 1,4 Millionen mal aufgerufen, nicht zuletzt dank der Video-Empfehlungen von den Comedians Harry G. und Bernhard Hoëcker.

Außer den beiden hat die extrovertierte Junior-Bloggerin bereits Dutzende Personen aus dem öffentlichen Leben interviewt, darunter den Schauspieler André Dietz, „Die Lochis“, den Olympiasieger Florian Hambüchen und Politiker wie Cem Özdemir (Die Grünen), Christian Lindner (FDP) oder den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP). „Livia fragt nach“ heißt die Rubrik, in der die Bloggerin über politische Themen schreibt – aus Sicht einer Jugendlichen.

Nachfragen? Politik? Mit 15?
Angefangen habe es mit ihrer Liebe zu Nageldesign und Fashion, die besonders durch ihre modebewusste Großmutter geprägt worden sei, sagt Livia. „Ich habe auch mit 13 schon viele Modeblogs gelesen, einer meiner Favoriten ist bis heute ,Nachgestern ist vormorgen‘.“ 2015 sei sie dann auf die Idee gekommen, selbst einen Blog ins Leben zu rufen. Zunächst googelte Livia, die der Generation Z angehört und schon von klein auf mit dem Internet aufgewachsen ist, welche Blog-Domains es gibt und welche besonders leicht zu handhaben sind. Beim Einrichten ihrer Blogspot-Seite half dann ihr Vater: „Meine Eltern haben mich von Anfang an bei meinem Vorhaben unterstützt, sie hatten mich ja schon früh über die Schattenseiten des Internets aufgeklärt“, sagt Livia.

Ursprünglich sollte es auf ihrer Seite um Nagellacke und Styles gehen, bis ihr nach einigen Beiträgen bewusst wurde, dass das „total unnötig ist“, räumt Livia ein wenig beschämt ein. Daraufhin ist sie dazu übergegangen, Jugendbücher oder -serien zu rezensieren und andere Blogger zu interviewen – ein Schachzug, der ihr schnell eine enorme Reichweite verschaffte.

Geschrieben hat sie schon immer sehr viel, sagt Livia, meistens Geschichten über Situationen aus ihrem Alltag. Darum geht es unter anderem auch auf ihrem Blog: die adäquate Höhe des Taschengelds, den neuesten Disney-Film, die besten Eisdielen. Themen, die Jugendliche eben bewegen. Doch Livia ist sehr wissbegierig und vielseitig interessiert – auch an Politik.
 Der Auslöser dafür seien die Nachrichten gewesen, die ihr Vater mit ihr schauen wollte. „Zunächst hatte ich darauf gar keine Lust“, gesteht Livia. Aber dann habe sie sich darauf eingelassen und begonnen, sich mit den Informationen auseinanderzusetzen und sich eigene Meinungen dazu zu bilden: „Ich habe richtig gemerkt, dass etwas in meinem Kopf passiert – und dass ich auch selbst etwas bewegen kann und will.“ Seitdem schreibt sie auch über gesellschaftspolitische Themen wie Umweltschutz, Flüchtlinge oder das Wahlrecht ab 16.

Sie recherchiert alles genau und hat einen Artikel verfasst, in dem sie die Haltungen der einzelnen Parteien zu diesen Punkten beleuchtet: „Ich möchte die politischen Themen gerne so darstellen, dass auch Jugendliche sie verstehen“, sagt die junge Bloggerin, die auch renommierte Politiker nach ihren Standpunkten dazu befragt. An den Anfrage-Mails feile sie immer ziemlich lange, aber bisher habe sie nur Zusagen bekommen: „Alle Politiker haben mir sofort geantwortet – im Gegensatz zu einigen Promis!“ Livia erzählt von der harten Abfuhr, die ihr das Management von Elyas M’Barek erteilte, als sie nach einem Interview mit dem Schauspieler fragte. Solche Enttäuschungen erlebe man als Blogger immer wieder, sagt Livia, aber sie lasse sich davon nicht entmutigen. Vielmehr fühle sie sich dadurch bestärkt – vor allem, wenn andere Interviewpartner, wie etwa Cem Özdemir, richtig entgegenkommend sind. „Trotzdem bin ich vor Telefon-Interviews mit Politikern extrem aufgeregt, darum lege ich dann immer ein Skript vor mich, auf dem ich genau notiert habe, was ich wann sage oder frage“, verrät sie.

Natürlich schreibt sie nicht nur über ernste Themen, denn Abwechslung findet sie auf einem Blog sehr wichtig – doch sie würde gerne mehr Teenager zum Nachdenken anregen: „Die meisten in meinem Alter interessieren sich mehr für YouTuber als für Politik. Das finde ich sehr schade, schließlich geht es um unsere Zukunft!“ Livia zieht eine Liste mit Politikern hervor, die sie noch interviewen möchte: Katarina Barley, Peter Tauber. Sie findet, mit der Politik ist es wie mit einer neuen Sprache: Je mehr Vokabeln man gelernt hat, desto mehr versteht man und desto mehr Spaß macht sie. „Es gibt aber auch einige Kinder, die unbedingt etwas für die Welt tun wollen. Darum fände ich es toll, wenn man schon mit 16 wählen dürfte.“ Livia, die selbst viel reifer wirkt als 15, wüsste schon, wen sie bei der Bundestagswahl im Herbst wählen würde.

Auch in ihrer Kolumne beim Münchner Samstagsblatt schreibt Livia über stadtpolitische Themen, etwa über den Straßenverkehr, das Isarwerk 1 oder die Situation der Flüchtlingsunterkünfte in München.

Schule hat für Livia absolute Priorität, doch ihre größte Leidenschaft gilt neben Hip-Hop-Tanzen dem Schreiben – womit sie auch andere ansteckt: „Eine Freundin von mir würde gerne einen Reiseblog gründen, aber sie befürchtet, dass sie das regelmäßige Bloggen nicht durchhalten würde.“ Livia selbst verbringt mindestens drei bis vier Nachmittage pro Woche in ihrem Stammcafé am Max-Weber-Platz, um Artikel zu schreiben. Die veröffentlicht sie dann diszipliniert jeden Freitag, Samstag und Sonntag. „Ich könnte es nicht bringen, nichts mehr zu posten. Und solange das neben der Schule noch geht, will ich unbedingt weiter bloggen“, sagt Livia. Allerdings nur als Hobby – denn beruflich hat sie ganz andere Pläne: Sie möchte Kinderpsychologin oder Grundschullehrerin werden, „auf jeden Fall was mit Kindern“, sagt sie.
 In eine andere Stadt zu ziehen kommt für das Münchner Kindl nicht in Frage: „Für mich ist München die schönste Stadt der Welt, es gibt in jedem Stadtteil immer etwas Neues zu entdecken!“ Was, das kann man auf ihrem Blog oder in ihren Kolumnen nachlesen.

Text und Foto: Anna-Elena Knerich

Der Hitze zum Trotz

image

Am letzten Tag der Ausstellung der SZ-Junge-Leute-Seite im Farbenladen herrschten beinahe subtropische Temperaturen – dennoch sorgten eine Politikdiskussion und Musik von Matthew Mathilda und Xavier Darcy für ein volles Haus.

Am Ende war es dann noch einmal richtig voll im Farbenladen –
auch wenn die Sonne ihr bestes gab, um die Leute fern zu halten. Aber was ist
schon die Sonne gegen die Stimmen von Matthew Austin und Xavier Darcy? Gegen die
letzte Möglichkeit, die fantastische Ausstellung „München im Quadrat“ zu
bestaunen?

Einer, der richtig gefesselt von den Bildern war, war Kytes-Sänger Michi Spieler. Auf Grund
einer umfangreichen Tour schaffte er es erst am letzten Tag der Ausstellung,
endlich alle Bilder von allen Fotografen mit allen Models zu sehen: „Die Bilder
sind so cool, es gibt so viel zu entdecken. Ich musste wirklich mehrmals
durchgehen, um alle Facetten zu sehen.“

image

Aber nicht nur Michi Spieler hatte sich gegen einen Besuch an der
Isar entschlossen, auch viele Besucher waren da und hörten gespannt Vertreterinnen
und Vertretern junger Organisationen zu, die darüber diskutierten, was man
gegen Politikverdrossenheit tun könnte. Alle drei Projekte vertreten dabei
einen ähnlichen, aber in der Ausführung unterschiedlichen Ansatz: Während Our
Impact und das Projekt „Denkende Gesellschaft“ auf den Dialog setzen und
Menschen zum Nachdenken über Politik und Wählen animieren wollen, möchte Pulse
of Europe zeigen, wie viel Begeisterung es für die europäische Idee und die
europäischen Werte in der Bevölkerung gibt. So waren sich dann auch alle Diskussionsteilnehmer
einig: Die junge Generation muss die Zukunft aktiv in die eigene Hand nehmen,
teilhaben und mitgestalten. Wie Clara Mokry, Mitinitiatorin von Pulse of Europe
auch sagte: „Es geht um unsere Zukunft!“.

image

Wirklich beachtlich war, wie engagiert und interessiert das
Publikum an der Debatte teilnahm – schließlich konnte man die Luft im
Farbenladen euphemistisch bestenfalls als stickig bezeichnen. Dass das aber
allen egal war, lag nicht zuletzt an der Performance von Matthew Mathilda, die
in voller Bandbesetzung das Publikum mit ihrem atmosphärischen, immer leicht
melancholischen Bluesrock begeisterten.

Und dass Xavier Darcy – im Farbenladen ein alter Bekannter –
d die Öffnungszeiten etwas
überzog, nahm ihm auch niemand mehr übel. Im Gegenteil: Alle Besucher, alle
Teilnehmer, alle Fotografen, alle Models genossen diese letzten, musikalischen
Minuten der SZ- Farbenladenausstellung 2017. Bis sie mit dem letzten Akkord aus
Xaviers Gitarre ihre Pforten schließen musste – hoffentlich aber nur bis zum
nächsten Jahr.

Text: Philipp Kreiter

Fotos: Ornella Cosenza