Neuland

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Fotografin Laura Zalenga sammelt Spenden für die Tierschutzorganisation Animal Equality. Wenn bei ihrer Crowdfunding-Kampagne 1000 Dollar gespendet werden sollten, lässt sie sich eine Glatze rasieren.

Haare ab für einen guten Zweck. Fotografin und Internetphänomen Laura Zalenga, 25, nutzt ihre Bekanntheit, um möglichst viele Spenden für die Tierschutzorganisation Animal Equality zu sammeln (Foto: Laura Zalenga). Mehr als 300 000 Follower gefallen die Selbstporträts der Fotografin. Sollte die Summe von 1000 Dollar erreicht werden, verspricht Laura, ihre schulterlangen Haare abzurasieren. „Ich liebe Tiere. Ich fühle mich dazu verpflichtet, etwas zu tun“, sagt sie. Bis zum 9. Juni kann man auf der Seite www.gofundme.com spenden (Stichwort „Going bald against fur“). „Lieber eine Glatze haben als Fell zu tragen“, sagt Laura.

Stefanie Witterauf

Foto: Laura Zalenga

Frauenbilder

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Zerbrechlich, melancholisch, schüchtern: Die Fotos der Studentin Anne Puhlmann zeigen, dass Schönheit nicht der Norm einer Illustrierten entsprechen muss

Es gibt Tage, da mag man nicht aufstehen. Da ist man der Welt so überdrüssig, dass man sich einfach nur in seine Bettdecke einwickeln will, um ein bisschen traurig sein zu dürfen. Es sind solche kleinen Momente, die Fotografin Anne Puhlmann in ihren Fotos festhält. Da liegt ein nacktes Mädchen zwischen blau-weiß gestreiften Laken, presst den Kopf ins Kissen und schaut mit großen blauen Augen in die Welt. Zerbrechlich wirkt das, melancholisch.

Ein bisschen wie Anne selbst. Die Foto-Studentin klingt nachdenklich, fast schon ernst, wenn sie über ihre Fotos spricht. Manchmal wird ihre Stimme so leise, dass man kaum versteht, was sie sagt. „Wenn man Fotos macht, dann spielt ein Teil von einem selbst in den Bildern mit“, sagt Anne. „Fotografie ist für mich ein Mittel, Gefühle zu zeigen, die ich so nicht zum Ausdruck bringen könnte.“ Ein Foto, um Erlebtes zu verarbeiten. Eine Trennung, ein Todesfall, aber auch Alltägliches – alles kann zur Inspiration für ihre Bilder werden.

In München kann man in den vergangenen Jahren immer wieder aufstrebende Foto-Talente entdecken: Internet-Star Laura Zalenga etwa, Simon Lohmeyer, Ann-Sophie Wanninger, Christoph Schaller, Stephan Loeber – und jetzt gerade Anne Puhlmann. So viel Aufmerksamkeit schätzt sie an sich gar nicht. Lieber verschwindet die junge Frau hinter ihren Arbeiten. „Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt“, gibt Anne zu. Hinter der Kamera fühle sie sich wohler. Und doch, die Bilder erzählen etwas über sie. Da sind all diese starken und doch widersprüchlichen Frauen zu sehen: mal wütend, mal zuckersüß. Mal verrückt, mal ganz zart. „Das ist, was ich wirklich bin, entweder melancholisch oder ausgeflippt“, sagt Anne und streicht eine Strähne ihrer dunkelbraunen Haare aus dem Gesicht.

Das auszudrücken gelang der jungen Fotografin nicht immer. Anne, Jahrgang 1987, ist in Rathenow aufgewachsen, einer kleinen Stadt im Havelland, 70 Kilometer entfernt von Berlin. Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten gemacht, auch, weil die Eltern signalisiert haben, sie müsse was arbeiten. „Das war etwas zu trocken“, drückt Anne es höflich aus. Man könnte auch sagen langweilig. 2009 zieht sie nach Oberpframmern im Landkreis Ebersberg, einer Liebesbeziehung wegen. Im Gepäck die Frage: Was will ich eigentlich machen im Leben? Anne jobbt bei H&M, fängt an zu fotografieren. Anfangs ist es ein Hobby, „Momente festzuhalten, die man sonst vergessen würde.“ Immer mehr packt Anne die Leidenschaft für das Fotografieren, für das Erzählen von Geschichten. Sie bewirbt sich schließlich für ein Fotodesignstudium an der Hochschule München. Die Nachdenklichkeit ihrer Fotos scheint Anklang zu finden: Seit 2013 studiert Anne dort, vergangenes Jahr waren ihre Bilder bei der Ausstellung „Foto MUC“ zu sehen. Aktuell hängen Annes Arbeiten in der SZ-Ausstellung „München – eine Sehnsucht“.

Anne Puhlmann verlangt von
ihren Models keine Schönheit
oder Perfektion

Für diese Ausstellung, die noch am letzten Mai-Wochenende im Farbenladen des Feierwerks zu sehen ist, hat Anne nun die Flucht auf das Land angetreten. „Ich habe oft das Verlangen, einfach mal rauszukommen, wenn mir alles zu stressig wird“, erklärt sie. Da kann man sich schon mal nach einem warmen Tag am See sehnen, an den man vom Steg aus ganz entspannt die Füße ins Wasser hängt. „Das ist dieser Drang: Da will ich hin. Aber es kann einen auch ganz schön runterziehen, wenn es nicht klappt.“ Ewig auf dem Land hält es Anne dann doch nicht. Vergangenes Jahr ist sie von Oberpframmern nach München gezogen. Sie mag ihn doch, den Trubel der Stadt.

Doch was macht die Bilder so intensiv? Sie wolle keine „bewusst schönen“ Geschichten erzählen, erklärt die Fotografin. Schönheit lasse sich nun mal nicht durch die Körpermaße eines Models definieren. „Das ist etwas, das sich aus dem Inneren überträgt, das sieht man in den Augen.“ Deswegen sind Annes Models auch oft keine Profis. Da ist zum Beispiel ihre Freundin Marie Bruns, das Mädchen unter der Bettdecke. Die Münchnerin studiert Jura – ein größeres Gegenteil zur Fotografie gibt es kaum. Seit 2014 steht Marie häufiger auch professionell vor der Kamera. Und eben für Anne. 

Ihre Arbeit mit den Models ist etwas sehr Intimes, sagt sie. „Wenn ich eine Geschichte erzählen oder eine Emotion zeigen will, geht es auch darum, einen Menschen in seiner Art des Fühlens einzufangen.“ Und dafür brauche es Zeit. Im Vorfeld gehen manchmal viele E-Mails zwischen der Fotografin und ihrem Model hin und her, um eine Vision von der Stimmung zu entwerfen, Vertrauen zu schaffen. Beim Shooting sind dann nur Anne und ihr Model anwesend – und nicht, wie bei vielen Modestrecken, noch ein ganzes Team von Leuten.

Es ist eine Arbeitsweise, die vielleicht ein bisschen einsam macht. „Ich würde gerne im Bereich der Modefotografie arbeiten“, sagt Anne, die derzeit versucht, einige ihrer Bilder auf der Webseite der italienischen Vogue unterzubringen, „aber ich bin kein Glamourfotograf.“ Anne verlangt von ihren Models keine Schönheit oder Perfektion. Sie sagt: „Versetz dich in die Situation, in der du dich das letzte Mal so oder so gefühlt hast“, macht Posen vor, gibt viel von ihren eigenen Emotionen Preis, um ein gutes Foto zu bekommen.

Die versteckte Schönheit, die Anne zum Vorschein bringt, kommt gut an: Eine ihrer Arbeiten hat es in die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift emotion slow geschafft, auf Online-Magazinen wie Artisan, Ignant oder B-Authentic wurde schon öfter über Anne berichtet. Fast 5500 Fans hat die junge Fotografin inzwischen auf Facebook: „Eine wunderschöne Serie hast du da gezaubert“, schreibt jemand unter einen ihrer Posts. „Ich finde es wirklich so gut. Ein fabelhafter Ton und genau im richtigen Moment aus der richtigen Position abgeknipst“, lobt ein anderer User ein Foto. Die „Gefällt mir“-Daumen, die begeisterten Kommentaren – sie zeigen, dass Schönheit eben nicht der Norm einer Frauenzeitschrift entsprechen muss. Dass man als Fotografin auch sehr erfolgreich sein kann, wenn man aneckt und das Traurige, das Zerbrechliche einer Seele zum Ausdruck bringt.

Carolina Heberling

Foto: Anne Puhlmann