Neuland: The Whiskey Foundation

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The Whiskey Foundation fahren nach Berlin! Dort spielen sie als einer der Headliner am Fest zum Tag der Deutschen Einheit auf der Hauptbühne.

2015 waren sie bereits bei vier Konzerten in Deutschland als Vorband der legendären australischen Band AC/DC auf der Bühne, jetzt hat die Bluesrockband The Whiskey Foundation erneut die Gelegenheit, mehrere hunderttausend Menschen mit ihrer Musik zu begeistern.

Als einer der Headliner spielt das Münchner Quintett auf dem Fest zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin. Das Fest findet vom Samstag, 1. Oktober, bis Montag, 3. Oktober, auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule statt. The Whiskey Foundation werden am Eröffnungstag, 1. Oktober, zwischen 20 und 22 Uhr auf der Hauptbühne spielen. „Dass wir wieder ein Konzert vor einem so großen Publikum geben dürfen und dann auch noch zu so einem Anlass und vor dieser Kulisse, dafür sind wir sehr dankbar – und wir haben so richtig Bock“, sagt Sänger Murat Kaydirma, 28.

Die Feierlichkeiten werden wahrscheinlich eine der letzten Veranstaltungen im Freien dieses Jahr sein, doch auch wenn die Open-Air-Saison 2016 bald vorbei ist, ist Murat doch voller Tatendrang: „Wir freuen uns auch auf die Konzerte in engen, verschwitzten Clubs. Das lieben wir! Und natürlich investieren wir vor allem Zeit in das neue Album“.

Von: Jacqueline Lang

Foto: Marko Panic

Freigeist sucht Freiraum

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Mit dem ewigen Berlin-Vergleich kann Daniel Hahn, 25, Gründer von Wannda Circus und dem Bahnwärter Thiel, wenig anfangen. Dennoch stört ihn das mangelnde kulturelle Angebot in München – und der Platzmangel.

Daniel Hahn, 25, wollte in seinem Leben schon vieles werden: Psychologe, Schreiner, Architekt, Sozialpädagoge. Geworden ist er eine Mischung aus Träumer und Macher, kurz: der Gründer vom temporären Club Bahnwärter Thiel und dem Wannda Circus. Neben zahlreichen Partys und kleineren Festivals hat Daniel seine beiden Projekten auch immer mehr um Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte aller Art erweitert. Mit diesen Projekten kann Daniel seine Kreativität mit seiner Gastronomie-Affinität vereinen. Das einzige Problem: In München gibt es kaum freie Plätze, an denen Daniel dauerhaft mit seinem Zirkuszelt und seinem Bahnwaggon bleiben darf.

SZ: Viele sagen, der Bahnwärter Thiel ist voll Berlin. Ärgert dich das?
Daniel Hahn: Die Sache ist: Ich war noch nie in Berlin. Früher war mir dieser Vergleich ein bisschen peinlich, jetzt bin ich natürlich etwas stolz, weil es so ein kleines Gegenargument gegen Berlin ist. Wir machen nichts nach. Aber was heißt das schon, das ist voll Berlin?

Wenn es nicht Berlin ist, was ist es dann?
Mein Vater sagt zum Beispiel, das ist voll Amsterdam. Mein Vater ist so ein Alt-68er, und dieses Selbstangebaute, Zusammengewürfelte kannte er in seinen jungen Jahren, als er viel gereist ist, vor allem aus Holland. Ich glaube, das ist gar nicht so städtespezifisch. Solche Sachen gibt es nicht nur in Berlin, sondern überall. In Berlin hat man aber natürlich die Möglichkeiten.

Und in München nicht?
Wir suchen die ganze Zeit nach Plätzen und Orten, aber es gibt einfach nichts mehr. Und es wird sich auch nichts mehr auftun. Deshalb war mir klar: Ich muss das mit dem Zugwaggon jetzt machen.

Warum?
Ich weiß einfach nicht, ob es je wieder die Möglichkeit dazu geben wird. Dann sind wir auch schon bei dem Thema, ob die Leute sich dafür entscheiden würden, aus der Stadt rauszufahren. Denn es kann gut sein, dass die Kreativität und die Subkultur immer mehr aus dem Stadtzentrum verschwinden.

Woran liegt das?
Es ist natürlich provokant, das zu sagen, aber das Angebot in München ist zum Teil echt schlecht. Ein vielseitiges Kunst- und Kulturangebot tut sich in München schwer, weil die Möglichkeiten so begrenzt sind und es wenig Platz gibt. Dadurch, dass viele Projekte nur temporär existieren, ist es für viele Münchner nicht einfach, ihr Kulturbedürfnis zu befriedigen.

Hartes Urteil.
Es liegt aber nicht an mangelnder Kreativität in unserer Stadt. Wir müssen besonders Wert darauf legen, dass auch im zentralen Stadtgebiet Subkultur und Jugendkultur existieren können und nicht immer mehr aus dem Stadtbild verschwinden. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb wir mit unserer Sache so erfolgreich sind, weil wir Bedürfnisse stillen, die in München bisweilen viel zu kurz gekommen ist.

Inwiefern?
Wir waren ja nie so richtig zentral, aber bis jetzt haben wir es immer geschafft, diesen Nachteil als Vorteil zu nutzen. Es ist halt total cool, wenn Leute zu einer Veranstaltung gehen, weil sie dahin wollen und nicht, weil sie in der Innenstadt von einem Laden in den nächsten stolpern. Jeder, der zu uns kommt, weiß, was ihn erwartet.

Raus aus der Stadt – ist das ein neuer Trend?
Ich glaube, die Leute brauchen es nicht unbedingt, dass alles am Sendlinger Tor ist, aber es gibt natürlich auch Leute, denen Allach zu weit weg ist. Aber ich glaube, für die Club-Veranstaltungen wäre es überhaupt kein Problem. Für die Theatervorstellungen und die Lesungen ist ein zentrales Gelände von Vorteil. Das ist aber immer ein Spagat für uns.

Warum müssen deine Projekte das Gelände in der Tumblingerstraße verlassen?
Weil der Biergarten und das Viehhof-Kino wieder hierhin kommen. Das war aber von Anfang an klar. Es gab eine städtische Ausschreibung. Da haben wir uns mit zwei Konzepten beworben, einmal mit Bahnwärter Thiel und einmal mit dem Märchenbazar-Weihnachtsmarkt.

Beide Konzepte wurden genommen.
Weil wir noch sehr jung sind, ist es nicht immer einfach, sich gegen große Agenturen und Firmen zu behaupten, deshalb hätten wir echt nicht damit gerechnet, dass es klappt.

Mit Wannda hast du dir aber doch schon einen Namen gemacht.
Es wird natürlich von Jahr zu Jahr einfacher. Am Anfang war es total schlimm, aber jetzt kennen die Behörden uns, die Politik kennt uns und alles hat immer gut geklappt. Ich hätte trotzdem gerade bei dieser Fläche nicht damit gerechnet. Umso glücklicher bin ich, dass es geklappt hat. Es geht aber immer alles so schnell, dass wir zum Genießen immer nur kleine Momente haben. Gleichzeitig ist es natürlich schade, dass es jetzt schon fast zu Ende ist.

Weißt du denn schon, wo die Reise hingeht?
Das wissen wir noch nicht. Für den Waggon suchen wir noch einen Platz, weil es zu schade wäre, den einzulagern. Mit dem Wannda Circus sind wir aber im Anschluss, also von Mai an, wieder in Freimann.

Du hast gesagt, in München tun sich keine neuen Orte mehr auf. Gibt es einen Plan B?
Ich bin ja schon zielstrebig, aber ich denke überhaupt nicht so richtig an die Zukunft. Ich habe natürlich ein paar Wünsche, aber ich bin da auch voll flexibel, weil ich einfach weiß, dass man sich da ein bisschen treiben lassen muss. Ich werde immer damit weiter machen, aber die Sache ist die: Es hängt alles von einem Ort ab.

Den es in München nicht gibt. Zieht es Dich nach Berlin?
Ich finde Berlin superspannend und ich werde auf jeden Fall auch bald mal hinfahren, aber ich mag München mega gerne. Ich glaube auch nicht, dass es am Ende so viel mit der Stadt zu tun hat.

Foto: Natalie Neomi Isser

Interview: Jacqueline Lang

Bequem und anders

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Ausgeflippte Mode: die Berliner Designerin Sheila Ilzhöfen gründete ihr eigenes Modelabel “ALLES Berlin” für Glitzerklamotten, die beim Tanzen nicht einengen und das Körperbewusstsein der Kunden stärken sollen.

Berlin – Trägt jemand im Club das gleiche T-Shirt wie Sheila Ilzhöfen, 25, ist der Abend für die gebürtige Münchnerin gelaufen. Sie will sich schließlich von der Masse abheben. Deswegen entwirft sie schon einmal extra für einen Besuch im Berliner Techno-Club Berghain ein neues Outfit. Es ist ein schwarzer Body mit Netz und Federn. „Das ultimative Berghain-Outfit“, sagt Sheila.

Nach dem Abitur ist sie nach Berlin gezogen, um dort Modedesign zu studieren. Sie brach ihr Studium allerdings kurz vor dem Abschluss wieder ab und gründete dann ein eigenes Modelabel für bunte Glitzerkleidung. Als Sheila zum ersten Mal den selbst entworfenen Body trug, wurde sie so oft wie noch nie an einem Abend auf ihre Kleidung angesprochen. Auch ihren Freundinnen fielen diese Stücke sofort auf. Doch ein eigenes Label? Das erschien Sheila lange Zeit zu unsicher. Durch Ana Alcazar, das Modelabel ihrer Mutter Be Ilzhöfer, kennt Sheila die knallharte Modebranche. „Es gibt wahnsinnig viele talentierte Jungdesigner. Besonders in Berlin. Doch die kennt niemand, obwohl sie so talentiert sind“, sagt sie. „Als Kreativer in der heutigen Zeit musst du dich gut vermarkten können. Talent alleine zählt nicht“, sagt die junge Frau mit den blonden Locken und den dunklen Augen. Die Basics des Modedesigns habe sie an der Modeschule Esmod gelernt und bei ihrer Mutter. Aber jetzt muss es irgendwie weitergehen.

Denn sie hat ihr Modedesign-Studium an der Esmod ja abgebrochen. „Man findet keine Inspiration, wenn man in einem stillen Kämmerchen in der Schule sitzt“, sagt Sheila. Eine Weile stürzte sie sich in das bunte Partyleben der Hauptstadt. Beim Feiern in den Berliner Clubs Kater Holzig, Watergate und Sisyphos lernte sie viele Menschen aus aller Welt kennen und schaute sich ihre Outfits genau an.

Jetzt hat sie begonnen, Mode-Management an der MDH zu studieren. Denn eine von den talentierten, aber unbekannten Modedesignerinnen will sie nicht bleiben, sie will ihre Kleidung auch vermarkten können.
Immer mehr Freunde tragen mittlerweile auch schon Sheilas selbstgemachte Kleidung und immer mehr Leute fragen sie, ob sie ihre Klamotten auch verkauft. Also hat sie angefangen, die Sachen, die sie ursprünglich nur für sich selbst genäht hat, zu vervielfältigen. Doch nie mehr als zehn Stück vom selben Style, es soll etwas Besonderes bleiben. Wie bei einer Tupperware-Party kamen Sheilas Freundinnen zu ihr. „Meine Wohnung war voller kreischender halb-nackter Mädels, die meine Sachen anprobierten“, sagt Sheila. Das war also der Anfang des ersten eigenen Modelabels.

Sheila ist es wichtig, Kleidungsstücke zu entwerfen, in denen man sich auch beim Tanzen wohlfühlt und in denen man sich auch einmal auf den Festivalboden setzen kann, wenn die Füße müde sind vom vielen Tanzen. Es soll bequem sein. Sie verwendet keine festen Stoffe. Nichts soll einschnüren oder zwicken.

Auch das Körperbewusstsein ihrer Kunden will sie stärken. „Man braucht keine Kleidergröße 34, um sich wohl zu fühlen. Ich bin auch ein normales Mädchen und sehe normal aus. Ich will nicht, dass man meine Sachen sieht und sich denkt, dass es geil aussieht, man es aber nicht selbst tragen kann. Es gibt nicht nur ein Körperideal“, sagt Sheila. Sie fühlt sich von der üblichen Mainstream-Mode nicht mehr repräsentiert. „Ich möchte mich vervollständigt fühlen von dem, was ich gerade trage. Nicht eingezwängt oder beengt.“

„Ich möchte mich
vervollständigt fühlen von dem,
was ich gerade trage.“

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Mit diesem Konzept hat sie auch schon erste Erfolge: Auf einem Markt für junge Designer blieb die Bloggerin Marlen Stahlhuth von Paperboat an Sheilas Stand mit Glitzerklamotten stehen. Für eine MTV-Modestrecke nahm sie gleich ein paar Teile mit. Die Besitzerinnen des Berliner Geschäfts Coexist lernte Sheila zufällig kennen, von einer Praktikantin bei Workaholic, einem Shop, der sich auf Vinyl und Fashion im Electro-Bereich spezialisiert hat, wurde sie auf einem Jung-Designer-Markt angesprochen. Mittlerweile werden Sheilas Sachen in diesen Läden in Berlin verkauft. Auch auf Online-Shopping-Portalen wie Asos kann Sheilas ausgeflippte Mode gekauft werden.

Tops gibt es bei Sheila ab 35 Euro, die Bodys liegen bei 70 Euro und Jacken bei 120 Euro. „Es soll für die Zielgruppe bezahlbar sein. Aber man konkurriert mit Läden wie American Apparel. Das ist schon schwierig“, sagt Sheila. Ihre Einnahmen steckt die junge Frau gleich wieder in Stoffe für neue Designs.
 Der Name „ALLES Berlin“ ist der jungen Designerin beim Nähen eingefallen. Auf einen alten Briefumschlag skizzierte sie ein Logo und probierte mit verschiedenen Schriften herum. Einen durchsichtigen Anhänger des Logos aus Plexiglas, der je nach Lichteinstrahlung die Farbe wechselt, ließ sie von Freunden in Berlin anfertigen. „Den Anhänger schenke ich meiner Crew und allen, die mich unterstützt haben“, sagt Sheila.

Vergangenes Jahr zeigte Sheila ihre Kollektion auf der Alternativen Fashion Week in Berlin. Dieses Jahr hat sie keine Zeit, eine Show vorzubereiten, denn die Uni geht vor. In ihrer Freizeit schmiedet Sheila jedoch Pläne: „Ich will mit dem Label noch so viel ausprobieren. Mehr arty werden. Abgefahrene Modenshows machen. In England und Japan. Gerade spezialisiere ich mich auf Frauensachen, nach meinem Abschluss 2017 will ich mich auch an Männermode herantrauen“, sagt sie.  

Stefanie Witterauf

Foto: Helena Blachier

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Heißer Reifen

Mit Hula-Hoop-Einlagen an einer Ampel finanziert sich Sophia Kurmann ihre Zirkusausbildung in Berlin

München/Berlin – Ein weißer Plastikreifen rollt über den Rücken, wird in die Luft geworfen, mit Leichtigkeit aufgefangen und kreist um die Beine von Sophia Kurmann, 23. Der Hula-Hoop-Reifen tänzelt um ihren Körper: erst Hüfte, dann Hals – bis sie in einer fließenden Bewegung durch ihn hindurch springt.
 Sophia trägt bunte Blumenleggings mit Kniestrümpfen, einen gehäkelten Pullover und eine ausgeblichene Jeansjacke. Ihr Markenzeichen: wilde, braune Locken. Genauso widerspenstig wie ihre Frisur wirkt das Leben der jungen Frau aus München. Nach ihrem Abitur mit Bestnoten macht Sophia eine Weltreise. „Alle haben von mir erwartet, dass ich Medizin studiere. Aber ich will keine Ärztin werden“, sagt sie. Nach London, Fidschi und Australien zieht Sophia nach Brighton, um dort Mediawissenschaft zu studieren. Doch das Studium füllt sie nicht aus. 

Zum ersten Mal versucht sich Sophia an dem Hula-Hoop-Reifen ihrer Mitbewohnerin im Wohnheim. In ihrer Kindheit und Jugend hat sie Fußball gespielt. Zeit für einen anderen Sport hatte sie nicht. Auch die anderen Mädchen im Studentenwohnheim wurden von Sophias plötzlicher Begeisterung für das Hula-Hoop-Tanzen angesteckt. Nachmittags standen sie nebeneinander auf der Wiese vor dem Gebäude und übten. Nach ein paar Wochen verloren die Kommilitoninnen wieder die Lust an dem Reifensport, Sophia nicht. Mit zwei Freundinnen trainierten sie in jeder freien Minute im Park. Ein paar Auftritte folgten. „Um richtig hoopen zu können, braucht man Geduld. Es dauert, bis sich ein richtiges Körpergefühl entwickelt. Mein Vater fand das gut, denn eigentlich gehört das nicht zu meinen Stärken“, sagt Sophia und lacht. Die junge Frau erkennt, dass sie nach ihrem Uni-Abschluss auf die Zirkusschule gehen möchte, um die Kunst mit dem Reifen richtig zu erlernen. Jedoch sind die Akrobatenschulen in England sehr teuer. Das Studium in Brighton haben ihre Eltern finanziert. Sophia möchte keine Unterstützung mehr – sie möchte auf eigenen Beinen stehen. Deswegen zieht sie nach Berlin, dort ist die Zirkusausbildung günstiger.

In ihrem WG-Zimmer in Berlin stehen mittlerweile zehn Hula-Hoop-Reifen an die Wand gelehnt. Angefangen hat sie mit einem großen, schweren Reifen, es folgten kleinere, leichtere. Auch einer mit LED-Lichtern und ein Feuerreifen. Der Effekt ist groß, doch besonders viel, außer ihn um die Hüften kreisen zu lassen, kann man nicht machen, da man den brennenden Reifen nicht mit der Hand anfassen kann. Verbrannt hat sich Sophia dabei noch nie, aber ihre Mähne muss sie hier zusammenbinden. So auch bei der „Party like Gatsby“ Anfang Juni im Lenbach Palais in München. Dort ist Sophia mit ihrem Hula-Hoop-Künsten zu sehen. „Es ist immer noch komisch, vor anderen aufzutreten.“ Lieber übe sie für sich allein. „ Im Sommer hoope ich wie in Trance und denke mir dann, wo die letzte Stunde hin ist“, sagt sie.

Mit kleinen Shows als Straßenkünstlerin verdient Sophia die Gebühren für die Artistenschule und ihren Lebensunterhalt. Sie wählt eine Straße im Prenzlauer Berg aus, bei der die Ampel ungefähr eine Minute eine Rotphase hat. Während die Autos halten, gibt sie vierzig Sekunden auf dem Fußgängerübergang eine kleine Show. Danach geht sie mit ausgestreckter Hand von Auto zu Auto und steckt die Münzen in ihren Brustbeutel. „Die meisten Autofahrer finden es lustig und geben gerne etwas. Aber es gibt auch die Autofahrer, die extra in eine andere Richtung schauen. Aber das ist okay. Keiner hat darum gebeten, dass ich vor ihnen performe“, erzählt Sophia.

Doch das Geld, das sie mit den Auftritten an der Ampel verdient, reicht nicht. „Die Artistenausbildung dauert drei Jahre, doch ich weiß nicht, wie lange ich es mir noch leisten kann“, sagt Sophia. Hauptberuflich Zirkusdarstellerin werden möchte sie nicht. Sie befürchtet, sonst den Spaß daran zu verlieren. „Ich habe mir gedacht, wenn nicht jetzt, wann dann. Nach der Uni ist man so ungebunden und frei, also warum nicht mal eine Zirkusausbildung machen“, sagt sie. 

Stefanie Witterauf

Foto: Alexander Jesipow